"Krank vom Krieg"

Krieg ist Horror. Auch und gerade für diejenigen, die an der vordersten Front stehen. Dies geht im allgemeinen Diskurs aber unter. Soldaten sind entweder „Mörder“, die einen „Männerwahn“ ausüben (Alice Schwarzer), also Täter, die „Krieg spielen“ und „Krieg führen“ (tatsächlich werden sie geführt). Ja, dieselbe Alice Schwarzer, die sich dafür engagierte, dass Frauen den Dienst an der Waffe leisten „dürfen“, weil dies zu einer „Identitätsstiftung“ beitrage. Ein weiteres Beispiel: „Die Männer in Afghanistan haben bisher nur erfahren, daß Krieg sich lohnt“ erklärt z.B. eine „Expertin“ der Friedrich-Ebert-Stiftung in kaltschnäuziger Ahnungslosigkeit.

Oder aber der Geist der angehenden Opfer wird mit einer Kriegsideologie gefüttert, welche das Schlachtfeld zum „Feld der Ehre“ macht: „Süß und ehrenvoll ist’s, für’s Vaterland zu sterben“. Der Umstand aber, dass „Feigheit vor dem Feind“ oft mit dem Tod bestraft wurde und immer noch wird, spricht nicht gerade dafür. Erst jüngst wurden die Soldaten, die vor der Terrorgruppe „Boko Haram“ flohen, hingerichtet.

Das Grauen des Krieges kann die Veteranen auch dann noch töten, wenn sie körperlich unversehrt bleiben. Aus dem Jahr 2013 stammt eine Meldung, dass sich in den USA 22 Kriegsheimkehrer pro Tag das Leben nehmen. In einem Abschiedsbrief heißt es:

„Jeder Tag ist wie schreiender Schmerz in jedem Nerv meines Körpers. Es ist Folter. Mein Geist ist eine Ödnis, voller Bilder unglaublichen Horrors, voller nicht enden wollender Depression und voller lähmender Furcht“

 und weiter über die mangelhafte Betreuung der Traumatisierten, diese sei ein

„System von Entmenschlichung, Vernachlässigung und Gleichgültigkeit, das uns tötet“

 In der Bundesrepublik scheint es kaum besser auszusehen:

Die vier [Afghanistanheimkehrer] schildern, wie schwer es viele Jahre für sie war, dass sie mit ihrer Krankheit nicht ernst genommen wurden. Während sonst immer die Kameradschaft der Soldaten in der Truppe gefeiert wurde, waren sie mit ihren Problemen plötzlich alleine. Für die anderen Soldaten galten Angstzustände, Schlafstörungen und Depressionen als individuelle Schwächen und auch von den Ärzten wurden sie über viele Jahre nicht ernst genommen. Einer von ihnen erzählt davon, wie ein renommierter Psychologe ihm einreden wollte, all das käme „aus seiner Kindheit“. Ein anderer bekommt deshalb keine finanzielle Entschädigung, weil es zum Zeitpunkt seiner Traumatisierung das entsprechende Gesetz noch nicht gegeben habe, er also offiziell gar nicht hätte geschädigt werden können

 schreibt die taz in einem zur Gänze lesenswerten Artikel über die Dokumentation „Ausgedient“. Es bliebe zu wünschen, dass solcherlei Filme nicht nur „spät nachts“ ausgestrahlt werden. Die Greuel des Krieges ließen sich besser überwinden, wenn Soldaten nicht entweder als „ehrenvolle Krieger“ gefeiert und damit in die Irre geführt würden, oder aber – besonders im Feminismus – als Täter gesehen werden. Soldaten sind die ersten Opfer im Krieg.

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2 Gedanken zu „"Krank vom Krieg"

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