Archiv für den Monat Februar 2015

Sexuelle Belästigung

(c) Anja Langlois – „Die missverstandene Emanzipation“

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Spock ist tot

© CBS/Landov/dpa

Leonard Nimoy ist tot. Dass diese Erdlinge aus einem Todesfall so eine große Sache machen, – zum Beispiel hier – das hätte er wohl „faszinierend“ gefunden.

„Lebe lang und in Frieden“

 sagte er immer, jetzt sagt er es nicht mehr. Und das macht mich traurig, ich wünsche ihm eine friedliche Ruhe.

PickUp und Geschlechterkrieg

„Wer lügt mehr, Frauen oder Männer?“

ist, bzw. war einer der prominentesten Anmachsprüche – inzwischen nicht mehr, da er zu bekannt geworden ist, der Fluch des Erfolges. Er war deshalb so erfolgreich, weil er an etwas anknüpfte, was ein deutsches Sprichwort beschreibt:

„Was sich liebt, das neckt sich“

Denn: Solange man die „roten“ Themen wie z.B. sexuelle Gewalt rauslässt, ist der „Geschlechterkrieg“ ein sehr lustvolles und anregendes Thema; jeder hat ein Geschlecht, und sogut wie jeder liebt es, über das andere Geschlecht zu lästern und Partei für das eigene zu ergreifen.

Die beiden größten Probleme beim PickUp sind 1.) Ansprechangst und 2.) Sprachlosigkeit. Ein guter „Opener“ (Anmachspruch) eröffnet ein Gespräch, überwindet also die Sprachlosigkeit – ich werde dazu nochmal ausführlicher schreiben, insbesondere zu Punkt 1.

Und damit leite ich ganz unelegant über zum Feminismus. Ich kann mich erinnern, wie ich einmal eine Frau, stämmig, Kurzhaarschnitt, also sichtlich eine Feministin, von der ich nichts weiter wollte (also keine Ansprechangst), gefragt habe, ob sie als Frau mal Diskriminierungen ausgesetzt war. Ihre verblüffende Antwort:

„Nein, wie kommen Sie darauf?“

Ja natürlich, wie könnte man darauf kommen, in einer Gesellschaft, in der man täglich in der Zeitung lesen kann, dass Frauen ständig diskriminiert, ja unterdrückt werden?! Scherz beiseite: Es ist verblüffend angesichts der feministischen Medienhoheit, wie viele Frauen auf die Frage „Bist Du Feministin?“ mit einem entschiedenen (!) „Nein“ antworten – ja sich dadurch sogar beleidigt fühlen; eine fragte mich: „Seh‘ ich etwa so aus?“. Gut, diese Erfahrung ist natürlich nicht repräsentativ, vielleicht spreche ich einfach die falschen Frauen an.

Wirklich interessant aber wird es, wenn eine der seltenen Gelegenheiten eintritt, tatsächlich auf eine Feministin zu treffen.

Meine Erfahrung hierbei ist: Sie sind mir nicht gewachsen – argumentativ. Woran liegt das? Bin ich superintelligent oder im Besitz der letzten Wahrheit? Das behaupte ich nicht; ich habe eine andere Ursache ausgemacht, nämlich dass die feministischen Führerinnen und Informationsquellen ihre Leserinnen schlicht falsch informieren. Eine Antje Schrupp rät ihren Anhängerinnen, sich in eine Filter-Bubble einzuschließen; das Dossier der Emma über die pöhsen Maskulisten gibt kaum ihre inhaltlichen Positionen wieder sondern arbeitet fast ausschließlich mit Ad-Hominem-Argumenten und Diffamierungen; und eine Magda rät auf Freitag.de dazu, nicht die originalen Quellen des Maskulismus zu studieren, da dies unnötig sei und es reiche, die feministische Sekundärlektüre zu lesen, um sich ein Urteil zu bilden. Da aber Antimaskulistinnen nur Strohpuppen abbrennen, wie zum Beispiel, dass Maskulisten nur verlorenen, männlichen Privilegien hinterhertrauern oder einen solchen Verlust befürchten würden; dass sie rechts seien und in ideologischer Nähe zu einem Massenmörder wie Breivik; dass es sich um Frauenhasser handeln würde; führt diese Fehlinformation dazu, dass eine Feministin chancenlos ist, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt mit einem Maskulisten, der sich gut auskennt – besonders wenn er links-liberal ausgerichtet ist.

Ein Beispiel: Als der männerfreundliche (nicht maskulistische) Geschlechterforscher Gerhard Amendt forderte, die Frauenhäuser zu schließen und dafür Gewaltschutzhäuser einzurichten, die beiden Geschlechtern offenständen, machte in der feministischen Szene prompt die Meldung die Runde, er fordere eine Abschaffung der Frauenhäuser… und nichts weiter. Das war nicht nur die halbe Wahrheit – für die er mit Morddrohungen überzogen wurde – sondern eine ganze Lüge. Denn er forderte Hilfe für alle Menschen mit einem Gewaltproblem (auch für Männer) wohingegen Feministinnen behaupteten, er wolle, dass man Menschen (Frauen) mit einem Gewaltproblem im Stich lassen sollte; mit anderen Worten: Das, was Feministinnen über Amendt behaupteten, war das exakte Gegenteil dessen, was er tatsächlich vorschlug. Und jetzt stell‘ dir einfach mal vor, ich kläre eine erklärte Feministin über diesen „klitzekleinen“ Irrtum auf…

Auf meiner Seite hingegen besteht nicht die Gefahr, dass mir derselbe Fehler unterläuft. Ich informiere mich über Feminismus nicht nur bei Antifeministen, sondern auch bei den Originalquellen. In meinem Regal steht nicht nur „Wir Alphamädchen“, sondern auch „SCUM“, „Hilfe, mein Sohn wird ein Macker“, „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“, „Die neue F-Klasse“ und weitere; ich leihe mir auch einschlägige Titel (Schwarzer, de Beauvoir) in der Bibliothek aus; ich surfe tagtäglich die wichtigsten feministischen Seiten an, wie z.B. EMMA, Mädchenmannschaft oder KleinerDrei (mehr als 3.000 Fans bei Facebook), um nur wenige zu nennen. Ich bin rundum informiert, ich kenne jede feministische These, und habe auf nahezu alles sofort eine Antwort parat. Feminist-Splaining funktioniert bei mir nicht.

Das ist der entscheidende Unterschied: Ich kenne den Feminismus tatsächlich; die meisten Feministinnen kennen zum Maskulismus nur Diffamierungen, Lügenmärchen und die Nazi-Keule. Das führt dazu, dass eine Feministin aufläuft, wenn sie außerhalb ihrer Filter-Bubble mal auf einen Maskulisten trifft und sich auf eine Diskussion einlässt.

Ich denke übrigens nicht, dass Feministinnen grundsätzlich „böse“ seien und Männer hassen würden; sie glauben halt, was man ihnen über das Geschlechterverhältnis erzählt. Hierzu eine Anekdote, an die ich mich immer wieder gerne erinnere:

Ich: „Für mich sind Mann und Frau an Würde und Rechten gleich!“
Sie: „Aber dann bist Du doch Feminist!“

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Wer lügt jetzt mehr? Natürlich die Männer, zum Beispiel auf die Frage: „Bin ich zu dick?“ 😉

Über Filter-Bubbles und Männerrechts-Strategien

Was haben Antje Schrupp, die Mädchenmannschaft und die Tagesschau gemeinsam? Sie verfolgen im Großen und Ganzem eine feministische Politik. Und was haben Diktatoren und Feministinnen gemeinsam? Sie wünschen keine offen geführte Debatte, da ein Diskurs mit offenem Ende stets zu ihrem Nachteil, einer Beschränkung ihrer Macht und Medienhoheit führen würde.

Feministische Politik hat ein wesentliches Merkmal: Männliche Opfer und weibliche Täter werden unsichtbar gemacht. Zu dem Andrizid (Massenmord an Jungen und Männern) in Srebrenica schafften es sowohl Antje Schrupp als auch die Tagesschau in ihrer Berichterstattung, das Geschlecht der Opfer unsichtbar zu machen; „die Bevölkerung“ wurde abgeschlachtet, schreibt bspw. Frau Schrupp dazu.

Ein weiteres Beispiel ist die Terrormiliz „Boko Haram“. Zu dieser durfte ich heute anlässlich des neuen Berichts von Amnesty International in der Tagesschau folgenden Satz vernehmen:

…[Boko Haram] entführt Mädchen und tötet Zivilisten… (sinngemäß aus dem Gedächtnis)

Dass Boko Haram überwiegend Jungen und Männer ermordete, ja sogar Jungen bei lebendigen Leib verbrannte – keine Silbe davon. Erst als dieselbe Terrorgruppe Mädchen entführte, kam es zu einem internationalen Aufschrei – bis ins Weiße Hause.

© Götz Wiedenroth, http://www.wiedenroth-karikatur.de / klicken zum Vergrößern

 Das Unsichtbarmachen männlicher Opfer hat besonders Anja Langlois in „Die missverstandene Emanzipation“ herausgearbeitet. Dies ist ein immer wiederkehrendes Muster nicht nur bei Feministinnen, sondern auch in den Mainstreammedien: Werden Männer zu Opfern, werden gerne geschlechtsneutrale Formulierungen wie eben „Zivilisten“, „Menschen“ oder eben „Die Bevölkerung“ verwendet. Ganz anders sieht es aus, wenn Männer zu Tätern und Frauen zu Opfern werden, dann wird das Geschlecht betont.

Insofern hat es eine Frau Schrupp gut. Sie ist privilegiert als Frau und als Feministin. Das bedeutet, dass sie sich den Luxus leisten kann, sich in eine „Filter-Bubble“ einzuschließen, und ihren Lesern raten kann, diesem Beispiel zu folgen. Sie muss nicht befürchten, dass das Staatsfernsehen eine Sendereihe mit dem Titel „Lauter tolle Männer“ ins Programm aufnimmt, in welcher Gewalt und Mord an Frauen gefeiert werden, zum Beispiel mit so deutlichen Titeln wie: „Nur eine tote Frau ist eine gute Frau“; und dass man ihr bei Kritik daran mitteilt, dass solche Titel „Geistreiche Komödien“ darstellen würden, die man doch bitteschön mit einem „Augenzwinkern“ zur Kenntnis nehmen sollte. Sie muss auch nicht befürchten, dass ein männlicher Bundesverdienstkreuzträger zu einem brutalen Gewaltakt gegen eine Frau anmerkt, dass hierbei „Männerfreude“ aufkommen müsse, also Gewaltverherrlichung gegen Frauen betreibt. Auch lebt sie nicht in einer Welt, in welcher die Mainstreammedien männliche Täter und weibliche Opfer unsichtbar machen und in welcher Geschlechterpolitik stets eine Politik für Männer und gegen Frauen ist.

Sicher, für Frau Schrupp ist der Mainstream noch nicht feministisch genug, siehe: Wir brauche nämlich keine Frauenquoten, sondern Feministinnenquoten!  Ein weiteres Beispiel: Auf Freitag.de drohte eine Feministin im Interview Feminismuskritikern mit Berufsverbot.

Kommen wir jetzt zu der Männerrechtsbewegung. Kannst Du dir ernsthaft vorstellen, dass ein Männerrechtler ernsthaft eine „Maskulistenquote“ fordern könnte oder Feministinnen mit Berufsverbot drohen? Eher nicht, oder? Dieser würden sich schlicht lächerlich machen. Das liegt an den Machtverhältnissen und daran, dass sich Maskulisten bewusst sind, dass sie „unten“ sind; Feministinnen drücken vielleicht Frauenquoten durch, aber kein Männerrechtler kann ein Programm verabschieden, etwa um männliche Obdachlose aus der Gosse herauszuholen.

Genau das ist der Grund, warum es für Männerrechtler keine zielführende Strategie wäre, sich in eine Filterbubble einzuschließen; das funktioniert nur für Feministinnen – zwecks Erhaltung der Meinungshoheit. Maskulisten müssen raus, und versuchen im Mainstream ihre Thesen zu positionieren, um am öffentlichen Diskurs zu partizipieren – sich in eine Filter-Bubble einzuschließen, wäre die falsche Strategie. Das ist der Grund, warum der Antimaskulist Thomas Gesterkamp forderte, Männerrechtler und Feminismuskritiker systematisch von jedem Diskurs auszuschließen; eine Taktik, zu der man nur dann ernsthaft raten kann, wenn man den Diskurs sowieso schon dominiert. Das ist der Grund, warum Maskulisten versuchen ihre Meinung in feministischen Blogs zu veröffentlichen – und dann zensiert werden – während hingegen sich in maskulistischen Blogs kaum eine Feministin zu Wort meldet. Warum sollte sie auch? Wenn nicht im Mainstream, sondern nur in unbedeutenden Blogs die These geäußert wird, dass zum Beispiel häusliche Gewalt genauso oft von Frauen ausgeht wie von Männern, besteht für keine Feministin ein Anlass, dort hinzugehen und dagegen anzuschreiben. Solange im Mainstream die Sichtweise vorherrscht, dass das weibliche Geschlecht das unterdrückte sei, kann man es sich leisten, Seiten, auf denen eine gegenteilige Meinung geäußert wird, einfach zu ignorieren.

Nur Femnistinnen können es sich leisten, sich in eine Filterbubble einzuschließen, Männerrechtler können das nicht. Diese müssen ihren Bereich des Internets verlassen und mit Kommentaren und Petitionen eine Informationspolitik in ihrem Sinne verfolgen.

Feministisches Privileg: Nichts sehen, nichts hören, einfach pennen.

Sexuelle Belästigung und Ansprechangst

Wenn man Feministinnen folgt, dann leben wir in einer Gesellschaft, in der Frauen (und nur diese) permanent von Männern sexuell belästigt werden. Jede zweite Frau habe bereits sexuell übergriffiges Verhalten erlebt, und die Initiatorin der #Aufschrei-Kampagne, Anne Wicorek, behauptet sinngemäß, dass „viele“ (also nicht alle) Frauen allein dadurch Widerstand leisten würden, einfach indem sie vor die Tür gehen und sich nicht zu Hause einbuddeln. Wir leben also in einer Kultur der sexuellen Belästigung, eine „Rape-Culture“ eben, in welcher Frauen ständig unerwünschte Anmachen erfahren müssten.

Demgegenüber steht ein ganz anderer Sachverhalt: Nämlich das Phänomen der „Ansprechangst“, welches Männer verspüren, die den Entschluss gefasst haben, attraktive Frauen, denen sie begegnen, „einfach“ anzusprechen. Wobei der Begriff es nicht ganz trifft, denn Angst besteht ja nicht vor dem Ansprechen sondern vor einer potentiell verletzenden Reaktion der Angesprochenen. Damit will ich auf keinem Fall in Abrede stellen, dass es Männer gibt – Angetrunkene, Assis oder Machos zum Beispiel – die sich auf unangenehme Weise Frauen nähern – eben sexuell belästigen.

Dennoch finde ich es bezeichnend, dass das Problem etwa in PickUp-Foren nicht darauf lautet, dass man sich unangemessen nähert, woran gearbeitet werden müsste, sondern dass man gar nicht erst den Mut hat, sich der Frau überhaupt zu nähern. „Wie überwinde ich die Ansprechangst?“ ist ein Thema, das in PickUp-Foren rauf und runter diskutiert wird. Zur Lösung dieses Problems gibt es viele Ratschläge, aber leider keine Patentlösung. Empfohlen werden Affirmationen, Selbsthypnose, verschiedene Techniken, wie etwa die „3-Sekunden-Regel“ oder auch – im Ernst! – Psychotherapie (privat gezahlt). In den PickUp-Foren finden sich unzählige „Tastaturhelden“ – das sind Männer, die zwar spitze in der Theorie sind, aber aufgrund der Ansprechangst noch kein einziges Mal eine Frau angesprochen haben.

Die Frage ist jetzt, welche Beobachtung oder Anklage stimmt nun? Ist es so, dass „die Männer“ ständig sexuell belästigen würden, oder ist nicht eher doch so, dass die Ansprechangst dominiert?

Ich denke, dass letzteres stimmt. Und dass viele Frauen – um die oder mehr als 50%  – sexuelle Belästigung erleben, überzeugt mich nicht. Denn wenn man einfach mal bedenkt, mit wievielen Menschen man im Leben Kontakt hat, in Interaktion tritt, müsste in einer „Rape-Culture“ 100% (!) der Frauen sexuelle Belästigung erleben – und zwar nicht nur „mal“ sondern ständig und immer wieder. Die Studien, die eine angebliche Kultur der sexuellen Belästigung belegen sollen, beweisen stattdessen, dass sich die meisten Männer zu benehmen wissen.

Auf der anderen Seite: Wie oft wird man denn Zeuge von sexueller Belästigung? Nehmen wir an, eine Frau ist im Sommer mit Minirock und tiefausgeschnittenem Dekolleté unterwegs. Jeder Mann mit einer gesunden Heterosexualität würde gerne ganz genau hinschauen, einen tiefen, langen Blick nehmen. Wenn Du aber die Männer beobachtest, wirst Du feststellen, dass die wenigsten das machen. Wenn Du sehr genau beobachtest, kannst Du – mit Glück! – vielleicht den einen oder anderen dabei erwischen, wie er einen kurzen, verstohlenen (!) Blick wirft, mehr nicht.

Das hat was mit Regulierung der männlichen Sexualität zu tun. So gut wie jeder Mann würde sich zu Tode schämen, wenn man ihn als „Spanner“ oder „Lustmolch“ bezeichnen würde. Beides sind vernichtende Schimpfwörter, und wir leben in einer Kultur, in der ein Mann dieser Anklage potentiell unterliegt, wenn er einfach mal so gucken würde, wie er eben „Lust“ hätte – geschweige denn sein Verlangen verbalisieren also „sexuell belästigen“ würde.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen ihre Sexualität leben können, was bedeutet, dass sie ihre weiblichen Reize betonen können, ohne unter die Anklage zu geraten, dass sie Männer sexuell reizen also belästigen würden. Im real existierenden Matriarchat wird lediglich die männliche Sexualität reguliert und verboten. Dies führt zu Ansprechangst, die Angst vor Bestrafung der eigenen Sexualität.

Feministische Argumentationsformen (2): Das unsichtbare Privileg

Über das ganze Gedöns, von wegen Männer wären privilegiert, werde ich noch einmal ausführlich dozieren; heute aber widme ich meinen Artikel einer einzigen feministischen These, nämlich:

„Du kannst deine Privilegien gar nicht wahrnehmen.“

Die Logik dahinter ist, dass männliche Privilegien so selbstverständlich sind, dass ein Mann sie gar nicht mehr wahrnehmen kann. Das verhält sich ähnlich wie zu Luft, die man zwar ständig atmet, die man aber nicht weiter wahrnimmt, genauso wenig, wie man die ganze Zeit denkt: „Ich atme Luft, um am Leben zu bleiben.“ In diesem Sinne sind auch die männlichen Privilegien einzustufen; sie sind allgegenwärtig, sobald man in eine Interaktion mit einem Mann, äh nein, mit einer Frau tritt.

Der Kritikpunkt hieran ist, dass die konkrete Frage danach, welche Privilegien ein Mann genießt, die allein vom Geschlecht und nicht vom sozialen Status abhängig sind, niemals beantwortet wird. Mach doch spaßeshalber selbst das Experiment: Geh in ein feministisches Forum, und frage nach, welche Privilegien Du als Angehöriger des männlichen Geschlechts genießt. Du wirst feststellen, dass die Antworten äußerst unbefriedigend ausfallen werden (sofern man dir überhaupt die freie Rede gestattet), und nichts beinhalten, woraus Du auch nur einen Cent Profit schlagen könntest.

Das ist der Punkt: Luft mag zwar unsichtbar sein, aber sie ist nachweislich vorhanden, sobald man sich ihrer bewusst wird. Zum Beispiel, indem man den Atem anhaltet. Zum Beispiel, indem man schnell seine Hand bewegt, und dort dann einen Luftzug spürt. Zum Beispiel, indem ich sie auf -200 Grad abkühle, und dann eine Flüssigkeit oder Trockeneis vorfinde.

All das ist bei den angeblichen männlichen Privilegien nicht der Fall. Während Luft problemlos nachweisbar ist, und sich jeder ihrer Anwesenheit bewusst ist, sobald man darauf zu sprechen kommt, gilt dasselbe nicht für die männliche Privilegien. Das haben auch Feministen erkannt, so schreibt einer, offenbar überfordert damit, ein konkretes Privileg auch zu benennen:

Du bist privilegiert, glaub es einfach!

Outing und kein Ende

Auf einer Party komme ich ins Gespräch mit einem Mann, der etwa in meinem Alter ist. Wir reden über dies, über das, der Alkohol fließt, und dann schließlich frage ich:

„Und, hast Du eine Freundin?“

darauf er:

„Ähm, nein, aber ich bin einer festen Beziehung.“

Es dauert ein paar Sekunden, aber schließlich fällt der Groschen: Er ist schwul (und in einer festen Beziehung).

Dieses Beispiel führe ich an, um auf einen Umstand hinzuweisen, der vielen Heterosexuellen oft nicht klar ist: Nämlich das ein „Outing“ keine einmalige Sache ist.

Es ist nicht damit getan, dass sich ein Homosexueller ans Herz fasst und sich vor seiner Familie und seinen Freunden „outet“ – wobei das allein schon der Beweis dafür ist, das hier ein Problem vorliegt, denn warum muss man sich überhaupt „outen“ und kann nicht einfach frei von der Leber weg zu seiner Orientierung stehen? „Outen“ beinhaltet sowas wie ein „schreckliches“ Geheimnis offenlegen, aber warum eigentlich „schrecklich“?

Hierzu ein Einschub: Ich komme ursprünglich aus der linken Szene, und dort waren Zärtlichkeiten unter Männern gern gesehen. Ich habe es ebenfalls ausprobiert, aber Sorry liebe Schwule: Es hat sich – pardon – Scheiße angefühlt. Im Gegensatz dazu steht eine Erfahrung mit einem Schwulen, der, als er dahinter kam, dass ich harmlos bin, recht zutraulich wurde. Unter anderem streichelte er mir zärtlich meinen Bart und ich mochte das. Außerdem hat er mir Komplimente gemacht, wie ich es noch nie erlebt habe; womit er mich in Verlegenheit brachte und ich ihm schließlich drohte, wegzugehen, wenn er nicht damit aufhöre (was ihn nicht abhielt). Frauen haben mir niemals solche Komplimente gemacht.

Wenn dich ein Schwuler anbaggert, dann: Freue dich! Schwule haben oft einen hoch ästhetischen Sinn (Ok, Klischee), also sag‘ einfach: „Vielen Dank für das Kompliment, aber weißt Du, ich bin sowas von hetero.“ – die Meisten werden das sofort akzeptieren.

Ich rate jedem Jüngling, sich einen schwulen Freund zuzulegen, denn Schwule haben als Außenstehende einen besonders klaren Blick auf Heterobeziehungen – wenn dich irgendein Miststück ausnutzt, dann kann dir das dein schwuler Freund wie kein anderer verklickern.

Einschub Ende

Was war das Thema? Ach ja: Outing.

Man muss sich einfach mal überlegen, dass es Familien gibt, die ihre Töchter oder Söhne verstoßen, wenn sie sich als homosexuell „outen“.

Wenn selbst ein Vater oder eine Mutter ihr Kind verstößt, wenn es sich als anders „outet“, wie steht es dann um andere Menschen? Eben, diese verurteilen einen noch schneller, noch einfacher; man muss sich einfach mal überlegen, dass es international in verschiedenen Ländern immer noch (tödlich) strafbar ist, homosexuell zu sein – wie bei uns bis kurzem auch noch. Der „Kriegsheld“ Alan Turing, von dem manche Historiker meinen, dass er mit kriegsentscheidend gegen Nazi-Deutschland gewirkt hat, kam ins Gefängnis aufgrund seiner sexuellen Orientierung. Peinlich im Quadrat.

Ein „Outing“ ist keine einmalige Sache, sondern muss immer wieder wiederholt werden. Manche Homosexuelle ziehen die Reißleine, und „outen“ sich permanent, zum Beispiel indem sie die typischen Klischees bedienen. In meinem Verwandtenkreis findet sich eine Lesbe, die fünfmal männlicher als ich selbst auftritt.

Etwas komplizierter wird es, wenn eine Lesbe oder ein Schwuler ganz normal auftritt, also nicht gleich jedem wie eine Olivia Jones ihr Anderssein eindeutig auf’s Auge drückt.

Alles klar

Denn was ist die Alternative? Die Alternative ist, dass man ein gigantisches Lügengebäude errichten muss, in welchem man sich selbst verleugnet, nur damit nicht rauskommt, dass man anders tickt als die Normalos. Nehmen wir obiges Beispiel, wo ich einen Schwulen frage, ob er eine Freundin hätte. Wenn er sich nicht hätte outen wollen, müsste er mich anlügen; was also ist davon zu halten wenn Homohasser behaupten, dass Homosexuelle einem ihre Sexualität aufdrängen würden? Wollen sie gern belogen werden? Und was ist eigentlich, wenn ein Hetero „Wow, ist die heiß!“ sagt? Drängt der einem nicht ebenfalls seine Sexualität auf?

Jedesmal, wenn man jemanden neu kennenlernt, muss man sich erneut outen. Und jedesmal besteht dabei die Gefahr, dass das Gegenüber negativ reagiert, einen verurteilt oder angreift. Ein „Outing“ ist eben keine singuläre Sache, sondern eine stets wiederkehrende; keine Begebenheit nach dem Sprichwort „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende„, denn es gibt kein Ende. Das verunsichert und kann im schlimmsten Fall zu Hass gegenüber den „Normalos“ führen. Ich rate Homosexuellen hier zu Nachsicht: der Mensch ist nun mal so gestrickt, dass er allem Fremden erst mal mit Misstrauen und Ablehnung begegnet, sei es, dass der „Fremde“ eine andere Hautfarbe hat oder eine andere sexuelle Orientierung. „Der Mensch kann zwar tun was  er will, aber er kann nicht wollen, was er will“ sagte mal ein Philosoph; diese Erkenntnis über die Unfreiheit des menschlichen Willens sollte einen versöhnlich stimmen, wenn man mal wieder beleidigt wird, weil man anders ist – was nicht heißt, dass man nicht um Toleranz werben kann. Dennoch wird es immer so sein, dass man einer Minderheit angehört, dass man anders ist.

Immer, und immer wieder.