Kemper: "Die Maskulisten"

Ich bewundere jene Menschen, die in der Lage sind, Schriften und Theorien, durch welche sie angefeindet werden, nüchtern und sachlich zu erörtern, darauf einzugehen und zu diskutieren. Ich denke, dazu gehört eine wirklich stabile Persönlichkeit, um nicht in Hass- und Gewaltfantasien auszubrechen, welche dann auf „hatr.org“ veröffentlicht werden.

Derzeit lese ich:

von einem Feministen, Andreas Kemper (Hg.)

Im Klappentext zu diesem Buch – in welchem seriöse und unseriöse Feminismuskritiker in eine Schublade gesteckt werden – heißt es, dass hier „aktuelle Forschungsergebnisse zum Maskulismus“ vereint werden würden. „Forschungsergebnisse“ also – das suggeriert wissenschaftliche Seriösität. Und wenn man dann ins Inhaltsverzeichnis guckt, dann hat man sie (fast) alle beisammen: Thomas Gesterkamp, Isolde Aigner, Hinrich Rosenbrock und Robert Claus – mit anderen Worten: Von wissenschaftlicher Seriösität kann hier mit keiner Silbe die Rede sein, der einzige Grund, warum hier von „Wissenschaft“ die Rede ist, ist, dass FeministInnen sowohl in den Medien als auch in den Geisteswissenschaften die Meinungshoheit innehaben, sie sich also nicht weiter drum scheren müssen, wenn ihre Thesen als unwissenschaftlich zerpflückt werden – erfährt ja doch keiner was davon.

Gleich zu Beginn schreibt Kemper in diesem Buch, er sei durch den Artikel „Maskulismus“ in der Wikipedia irritiert worden. Er fantasiert eine Dominanz von Feminismus-Kritikern in dieser Online-Enzyklopädie. Als aber der Artikel „Maskulismus“ noch existierte – inzwischen wurde er von Feministinnen, die dort die Macht innehaben, gelöscht – wurde dort nur gesagt, dass nach Ansicht von Maskulisten Männer, die Notlagen ausgesetzt seien, diese – genau wie Frauen – ein Recht auf Unterstützung hätten und nannte anschließend ein paar Beispiele für solche Notlagen. Das alles war in den Augen Kempers: „Propaganda“, gegen die er – sehr erfolgreich! – vorging.

Im gesamten Buch vermeidet es man sorgfältig, auf die wichtigsten Fürsprecher von Männern einzugehen. Jene Männerrechtler, die mit ihrem guten Namen für ihre Sache einstehen, werden geschnitten; viel lieber zitiert man ausführlich anonyme Pöbler, bevorzugt aus dem rechten Rand des Maskulismus, um dann triumphierend zu folgern: „Die sind alle rechts!!!“ (wenn nicht Nazis oder Breiviks).

Ein gutes Beispiel hierfür liefert Jörg Rupp über Arne Hoffmann: Auf Seite 25-26 schreibt Rupp über den Männerrechtler, an dem keiner vorbei kann, der über die deutsche Männerbewegung dozieren will:

Seine schärfste Knrikerin, Maya Bruss, zu widerlegen, gelang ihm nie. Das Trauma sitzt so tief, dass er sie bis heute als »Internetfeministin« erwähnen muss…

Es fehlt jede Quellenangabe, und das muss verwundern. Wenn hier eine solch kompetente Kritik vorgetragen wurde, warum führt man diese nicht an oder nennt zumindest eine Quelle? Machen Sie doch mal den Test, und suchen spaßeshalber nach „Maya Bruss & Arne Hoffmann“. Nix und Null.

Weiter heißt es:

Dabei belegt  er die von ihm zitierten Studien praktisch nie,…

Dieser Satz ist an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten; „zitierte Studien“ sind die Belege und nicht zu belegen – inwiefern soll man eine Studie, die man als Beleg anführt, noch mal selbst belegen?

Weiterhin heißt es dann schließlich mit einem Pseudozitat:

[Arne Hoffmann]… zieht dabei andere, ihm missliebige Studien ins Lächerliche: »Auch mir einer
Bemerkung wie >Deine Frisur sitze aber heute nicht sonderlich gut< könnten
Männer Frauen zielsicher am Boden zerstören.«
Der Spott, den er auch bei
Debatten um Frauenbibliotheken, die es ihm besonders angetan hatten, fort-
setzte, waren und sind für ihn [Arne Hoffmann] wichtiges Mittel der Auseinandersetzung.

 Auch hier fehlt jede Quellenangabe. Allerdings liegt mir das Buch „Sind Frauen bessere Menschen?“ als E-Book vor. Also gebe ich einfach mal „Frisur“ in die Suchmaske ein, und: Treffer!

Der vollständige Absatz, aus welchem das Zitat aus dem Kontext herausgerissen wurde, lautet:

Eine auch in anderen Bereichen (nämlich Belästigung und Vergewaltigung)
beliebte Technik, um höhere Zahlen weiblicher Opfer zu erhalten, ist, leichte
und schwere Fälle in ziemlich dreister Weise zusammenzuschmeißen. In
einer Telefonumfrage etwa gaben 34 Prozent aller Frauen an, dass ihr Partner
sie im Verlauf der letzten Monate beschimpft hatte oder dass er eine Auseinandersetzung
beendet hatte, indem er wütend aus dem Raum gestürmt
wäre. Zwei Prozent der Befragten wurden körperlich angegriffen. Es gab auch
Frauen, die regelrecht zusammengeschlagen, gewürgt oder mit einer Waffe
bedroht wurden, aber diese Zahl bewegte sich im Promillebereich. Mit einer
eleganten Formulierung kann man solche Auskünfte leicht zu einem nationalen
Skandal hochpuschen, etwa indem man zusammenfasst: Ȇber 34 Prozent
aller Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt. Zum Beispiel werden sie
gewürgt, zusammengeschlagen oder mit einer Waffe bedroht…« Rein formal
ist diese Darstellung richtig, von der Aussagewirkung her aber die reinste
Gräuelpropaganda. Auch Constanze Elsner führt in einer Checkliste, anhand derer Leserinnen ihre eigene Situation einschätzen sollen, folgende
Punkte als Zeichen häuslicher Gewalt an: »Er kritisierte Sie«; »Er warf
Ihnen böse, wütende Blicke zu«; »Er beendete eine Diskussion mit Ihnen, indem
er einfach eine Entscheidung fällte.« Auch mit einer Bemerkung wie
»Deine Frisur sitzt aber heute nicht sonderlich gut« könnten Männer Frauen
zielsicher am Boden zerstören. Diese Ausweitung des Gewaltbegriffes
ist mehr als der ideologische Amoklauf einer einzelnen Autorin, sie
ist offizielle Politik unserer Bundesregierung. »Gewalt gegen Frauen ist das,
was Frauen als Gewalt empfinden«, verkündet Ministerin Bergmanns Broschüre
»Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter«. Schon die abfällige Bemerkung
eines Ehemanns auf einer Party wird dort als Gewalt interpretiert.

 Das ist also die Qualität der Argumente von Antimaskulisten. Die Frage ist, ob diese Demagogie aufgeht. Bei manchen sicherlich, bei anderen nicht. So schreibt eine Rezensentin bei Amazon, die etwas über diese „Maskulisten“ erfahren wollte, sichtlich enttäuscht, wenn nicht erbost:

Man hat sich weniger um eine objektive Auseinandersetzung mit diesen Leuten bemüht (also eine umfassenden Analyse deren Positionen – und zwar sowohl pro als auch contra), als vielmehr gezielt nach Dingen gesucht, die die offensichtlich bereits vorhandene, grundlegende Ablehnung dieser Ansichten untermauern.

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3 Gedanken zu „Kemper: "Die Maskulisten"

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