Sex auf Feministisch: "Konsens-Prinzip"

Die Sexualität den Feministinnen zu überlassen ist wie seinen Hund, wenn man in Urlaub fährt, dem Tierpräparator anzuvertrauen.”(Camille Paglia)

In diesem Artikel soll es nur um das sogenannte „Konsens-Prinzip“ gehen. Das allerdings ist kompliziert, denn das sog. „Konsens-Prinzip“ fügt sich nahtlos ein in andere feministische Theoreme, wie etwa die „Rape-Culture“, die „Definitionsmacht“ oder „Sexuelle Belästigung“, welche in der „Rape-Culture“ als Vorstufe zur Vergewaltigung betrachtet wird. Wenn ich also die feministische Forderung nach dem sogenannten „Konsens-Prinzip“ zurückweisen will, müsste ich eigentlich auch gegen alle anderen genannten Prinzipien argumentieren – das mache ich hier nicht.

Was ist das feministische „Konsensprinzip“? Es dient dem Schutz von Frauen, die nicht in der Lage sind, ihren Willen auszudrücken und mit der männlichen Sexualität überfordert sind. Das sogenannte „Konsens-Prinzip“ schreibt vor, dass man jede sexuelle Handlung vorher anzufragen hätte, und erst, wenn sie entsprechend genehmigt wurde, auszuführen sei.

Die schärfste Variante hierbei verlangt, dass ich jede sexuelle Handlung genausten zu beschreiben habe, und die Passive (in der Regel die Frau) diese auch zu bejahen habe. Ein einfaches „Willst Du mit mir schlafen?“ reicht wohlgemerkt nicht. Die Frage muss zum Beispiel lauten:

„Darf ich deine Brüste streicheln?“

Woraufhin die korrekte Antwort lautet, die die Handlung genauso benennen muss:

„Ja, Du darfst meine Brüste streicheln.“

 Auf diese Weise muss jeder Schritt im Sexspiel benannt werden, bis hin zu: „Darf ich meinen Penis in deine Vagina einführen?“. Wer jetzt glaubt, dass diese Vorschrift allein im – pardon – kranken Gehirn von Feministinnen existiert, den muss ich eines besseren belehren: An verschiedenen Universitäten der USA ist diese Regelung bereits vorgeschrieben. Wer dagegen verstößt, gilt als Vergewaltiger.

Für den Fall, dass nicht gefragt wurde, ist gleich die Vergewaltigungshotline angefügt

Die feministische Perfidie hierbei liegt schon allein in der Benennung: „Konsens“. Durch diese Benennung wird unterstellt, dass nonverbaler Sex keinem Konsens entsprechen könne, also dass die von der Mehrheit der Bevölkerung praktizierte Sexualität Missbrauch oder Vergewaltigung entspräche. Würden es Feministinnen ehrlich meinen, würden sie vom „Aussprech-“ oder „Verbalisierungs-Prinzip“ sprechen – was ich im Folgendem tun werde.

Wie jeder halbwegs einfühlsame Mensch erkennen kann, geht durch dieses Prinzip jede Leidenschaft und Spontanität verloren.

Ich lese regelmäßig auch in feministischen Publikationen mit, u.a. „Cosmopolitan“. Dort fand ich einmal einen Artikel, in welchem die Autorin ein Loblied auf leidenschaftlichen, überschwenglichen Sex schrieb, und dabei unter anderem darauf zu sprechen kam, wie heiß es doch sei, wenn er ihr die Kleider vom Leib reißt (allerdings nicht, wenn sie gerade ein teures Designer-Kostüm trägt). Wie lässt sich solches mit dem Verbalisierungs-Prinzip vereinbaren?

Nun, so:

„Darf ich dir die Kleider vom Leib reißen?“

Sie:

„Ja, Du darfst mir die Kleider vom Leib reißen.“

Leidenschaft? Romantik? Spontanität? Urteilen Sie selbst.

Tatsächlich ist es so, dass vermutlich keine einzige berühmte Sex-Szene aus Hollywood-Blockbustern dem Konsens-Prinzip entspricht – ganz im Gegenteil, man denke nur an solche Megaseller wie etwa „50 Shades of Grey“.

Ein weiteres Beispiel: Eine meine Ex-Freundinnen hatte die Angewohnheit, mir in der Öffentlichkeit in den Schritt zu greifen, in einem Raum also, wo ich nicht so konnte, wie ich gern wollte. Auf diese Weise heizte sie mir ein, wie ich es selten erlebt habe. Streng genommen – nach feministischer Anschauung – war sie übergriffig, denn korrekt hätte es so ablaufen müssen:

Sie: „Darf ich dir in den Schritt greifen und deine Genitalien stimulieren?“

Ich: „Ja, Du darfst mir in den Schritt greifen und meine Genitalien stimulieren.“

Auch hier: Erotik? Null.

Der Forderung nach dem Verbalisierungsprinzip liegt ein fatales Geschlechterbild zugrunde: Nämlich dem Bild der schwachen Frau, deren Sexualität der einer 11-Jährigen entspricht; sowie das Bild des Mannes als ein Unhold, der keine Regeln und Grenzen kennt, und über einem (einer) herfällt: der „potentielle Vergewaltiger“ eben, der durch ein strenges Reglement gebändigt werden muss.

Betrachten wir die weibliche Seite: Feministinnen sprechen gerne von „Alpha-Mädchen“, „Powerfrauen“, „F-Klasse“ oder: „Grrrls“. Letzteres ist eine Ableitung von „Girl“, wobei die vielen „R“s das „Knurren“ für Mädchen zurückbringen soll, also ihre Kampfkraft, Selbstbewusstsein und Gefährlichkeit unterstreichen soll.

Auf der anderen Seite aber werden Frauen wie kleine Kinder betrachtet, die mit der männlichen Sexualität heillos überfordert sind, weshalb man Männer einem strengen Regelwerk unterwerfen muss, um ja nicht übergriffig zu sein. Man traut der Frau nicht zu, dass sie einer sexuellen, nonverbalen Annäherung des Mannes souverän begegnen könne, entweder ablehnend oder zustimmend.

Diese feministische Hysterie führte unlängst zu Parodien, wie dass man zum Beispiel mit Anwälten ins Bett geht, um den Geschlechtsakt juristisch einwandfrei zu machen (englisch):

Das Traurige an der Sache ist, dass die Realität längst die Satire überholt hat. So gibt es tatsächlich ernstgemeinte (!) Vorschläge – von Männerrechtsseite – den Koitus per Vertrag zu regeln – zum Schutz der Männer vor Falschbeschuldigung. Sex, notariell beglaubigt, so romantisch wie ein Ehevertrag.

Hierbei zeigt sich deutlich der totalitäre Trend des Feminismus, er will in jedem Bereich wirken, nicht nur in der Sexualität sondern auch – kein Scherz – zum Beispiel in der Mathematik. In dem Augenblick, in welchem sich eine dritte Partei in eure Sexualität einmischt, sollten eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen; aber wenn’s „für Frauen“ ist, wird es halt durchgewunken.

Wer sich jetzt zurücklehnt und denkt, das geht ihn alles nichts an, dem muss ich sagen, dass Feministinnen sehr erfolgreich darin sind, ihre Politik durchzusetzen (welcher Politiker traut sich schon, etwas gegen „Frauenrechte“ zu sagen?). Nicht nur an US-Colleges sondern auch in der gesamtgesellschaftlichen Rechtssprechung, werden feministische Gesetze durchgedrückt. Und dieser Trend erreicht inzwischen auch Europa.

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10 Gedanken zu „Sex auf Feministisch: "Konsens-Prinzip"

  1. Christian

    „Tatsächlich ist es so, dass vermutlich keine einzige berühmte Sex-Szene aus Hollywood-Blockbustern dem Konsens-Prinzip entspricht“

    Ja, alle Versuche das Konsensprinzip (zumindest in seiner härteren Form) als sexy darzustellen scheitern eigentlich. Es klappt allenfalls, wenn man es als eine Form von dirty talk betreibt, bei dem es eben gerade nicht mehr um Zustimmung, sondern um Ankündigung geht.
    Hier hatte ich mal einen Versuch besprochen:
    https://allesevolution.wordpress.com/2012/02/13/der-weg-zum-sex-klassischer-ansatz-oder-zustimmungskonzept/

    Ich glaube feministinnen verstehen auch nicht, dass „enthusiastic consent“ für viele Frauen eher ein Schritt zurück wäre: Sie müssten ihre Lust übertreiben, dauernd regelrecht begeistert sein, 100% ausführen, dass sie Sex wollen und es kaum erwarten können. Also zur halben Pornodarstellerin mutieren, statt einfach Sex zu haben

    P.S.

    Du legst ja echt gut los, viele interessante Beiträge, gefällt mir gut!

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  2. uepsilonniks

    Du legst ja echt gut los, viele interessante Beiträge, gefällt mir gut!

    Alter, ich hatte keine Ahnung, wieviel Arbeit ein Blog macht, das werde ich bald einschränken.

    Wie schaffst Du es nur, jeden Tat einen Artikel rauszuhauhen?

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  3. Matze

    „An verschiedenen Universitäten der USA ist diese Regelung bereits vorgeschrieben. Wer dagegen verstößt, gilt als Vergewaltiger.“

    Haben die da noch Sex? Gibt es da Erfahrungsberichte?

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  4. Wolle Pelz

    Lass Dich nicht von Christian vollschleimen. Er stürzt sich immer direkt auf neue Blogs um so Leute von seiner „gemäßigten Sache“ zu überzeugen. So hat er es auch beim Karsten versucht. Karsten ist leider ein wenig zu sehr auf der Höhe. 😀

    Bei Nicht-Feminist und im pelzblog zeigt Christian regelmäßig ein ganz anderes Gesicht und bestreitet Dinge, die eine Beweislastumkehr und eine Definitionsmach anbelangen.

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  5. Christian

    @wolle

    Ich bestreite Beweislastumkehren wo keine sind.
    Das hat aber auch mit Konsens wenig zu tun.

    Komm doch mal aus deinem Feindbild raus.

    Du kannst ja einfach mal unter Beweislastumkehr, Yes means Yes, Konsens oder Definitionsmacht auf meinem Blog suchen. Du wirst recht viele Artikel finden, denen du zustimmen kannst.

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  6. Christian

    Ja, gehört hier nicht hin.

    Kleiner Tipp übrigens noch: Ich würde empfehlen die letzten Kommentare als Übersicht auch noch in die Seitenleiste aufzunehmen. So sieht man gleich auf den ersten Blick, ob es neue Kommentare gibt. Das ist für Kommentierende sehr praktisch

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  7. Anonym

    Vielen Dank, für diesen Artikel. Für mich persönlich ist er einer deiner besten.
    Aber eines muss man sagen: Das Konsensprinzip ist wahrscheinlich eine perfekte Verhütungsmethode. 🙂
    Er: „Dürfte ich den Geschlechtsakt in dir zu Ende bringen?“
    Sie:“Ja, du darfst den Geschlechtsakt in mir zu Ende bringen.“
    Er: eingeschlafen.

    Liebe Grüße, Andrea

    Ps: Warum veröffentlichst du deine Artikel nicht bei FuF?

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