Feministische Argumentationsformen (1): "Sexobjekt"

Eine häufige Anklage gegen das „Patriarchat“ bzw. die Männer ist, dass Frauen zu „Sexobjekten reduziert“ würden.
Das Vertrackte an der Sache ist, dass FeministInnen damit zumindest teilweise Recht haben. Im selben Augenblick, indem ich eine Frau sexuell begehre, ist sie „Objekt“ meiner Begierde, also ein „Sexobjekt“. Weil dies zutrifft, fällt es einem so schwer, sich gegen die entsprechende, feministische These zu wehren.

Der erste Punkt an der Sache ist die Frage danach, was daran eigentlich schlecht sein soll. Nun: Alles, folgt man FeministInnen. Zumindest der sexnegativen FeministInnen. Wenn Du in verschiedenen feministischen Blogs recherchierst, wirst Du schnell feststellen, dass „Sex“ stets im negativen Kontext gehandelt wird. Es wird nicht darüber geschrieben, wie lustvoll es sein kann, Sex mit einem Mann zu haben, sondern in der Regel über die Unfälle in Sachen Sexualität: Sexuelle Belästigung und Gewalt, also Vergewaltigung. Oder wie es mal ein Maskulist ausdrückte: Feministinnen denken beim Stichwort „Sex“ nicht an das Kamasutra, sondern an Vergewaltigung.

Der zweite Punkt ist, dass Frauen als „Sexobjekte“ durchaus akzeptiert werden. Zum Beispiel wenn eine Frau Werbung für Unterwäsche macht oder für feministische Politik demonstriert:

„Sex sells“ ist nur im richtigen Kontext erlaubt

Der Punkt ist nur, sowohl das Unterwäsche-Modell als auch die Femen-Aktivistin verkauft Sex, bzw. macht damit Werbung, ist also ein „Sexobjekt“. Ich persönlich kann mir gut vorstellen, dass sich so mancher Mann auf eine Oben-Ohne-Aktivistin einen von der Palme gewedelt hat 🙂

Und damit kommen wir zum dritten Punkt: Nämlich die Eigenschaft des weiblichen Geschlechts, sich selbst zum „Sexobjekt“ zu machen. Sorry, aber die Eigenarten der männlichen Sexualität sind allgemein bekannt: Jede Frau, die mit tiefausgeschnittenem Dekolleté unterwegs ist, weiß ganz genau, was sie macht. Dazu behaupten FeministInnen, dass sich „frau“ eher für sich selbst und nicht für Männer rausputzen würde; wozu Frau Birgit Kelle spöttisch anmerkte, dass es ja auch so oft vorkomme, dass sich frau stundenlang vor dem Spiegel zurecht machen würde, um anschließend allein einen Videoabend zu verbringen. Aber sicher doch!

Oben schrieb ich, dass sich FeministInnen in Sachen „Sex“ auf „sexuelle Gewalt“ konzentrieren. Und damit ist es natürlich eine ungeheuerlich schlechte Sache, ein „Sexobjekt“ zu sein. Sexualität – besonders die männliche – wird nicht als etwas Positives, Zärtliches, Wundervolles, Lebensspendendes begriffen, sonder als etwas Gewaltvolles. Die ganze feministische Debatte über „sexuelle Belästigung“ ist der beste Beweis hierfür.

Nur: Ist das berechtigt?

Ich persönlich bin kein Anhänger der These, dass Feministinnen automatisch hässlich sein müssten. Attraktive Feministinnen wie Thea Dorn oder Anne Wicorek sind Gegenbeispiele dazu. Auf der anderen Seite ist es oft doch so, wie ein Maskulist beobachtete: „Die Anklage, dass Frauen als Sexobjekte gesehen würden, kommt in der Regel von Frauen, die nicht das geringste Potential zum Sexobjekt mitbringen“.

Nehmen wir an, es würde eine Anklage geführt werden, gegen Menschen, die nicht sexuell begehren, sondern: lieben. Dass der Liebende sein „Liebesobjekt“ eben dazu reduzieren würde. Denn das Vertrackte an dieser Anklage wäre, dass sie (teilweise) zuträfe: Wenn ich einen Menschen liebe, ist dieser Mensch mein „Liebesobjekt“. Warum aber erfolgt keine solche Anklage gegen alle Liebenden?

Ganz einfach: Der Ankläger wäre sofort als jemand entlarvt, der Liebe nicht nur geringschätzt, sondern sogar verteufelt. Damit aber stände er allein auf weiter Flur. Die Liebe ist unserer Kultur nämlich hochgeschätzt, nicht nur in unzähligen Pop-Songs immer wieder besungen, sondern auch das Leitmotiv in genauso vielen Romanen, Stücken und Überlieferungen. Die Liebe wird wertgeschätzt, sexuelles Begehren hingegen gering, und da können FeministInnen anknüpfen: Schon in der „heiligen“ Geschichte über Mariä Empfängnis ist davon die Rede, dass es sich um eine „unbefleckte“ Empfängnis handelte, womit „irdischer“ Sex zu etwas Schmutzigen wird, was eben „befleckt“, also beschmutzt; daran anschließend gilt im Christentum „Wollust“ als eine – nicht geringer! – „Todsünde“. Sprich: FeministInnen führen genau das fort, was ihre Erzfeinde predigen!

Also: Männer, die Frauen begehren, machen diese zum „Sexobjekt“. Nur, ist das was schlechtes? Weiterhelfen kann eine Szene aus der Serie „Die Simpsons“. In der gemeinten Folge trennt sich Marge von Homer, um sich einem feministisch-inspirierten Professor zuzuwenden. Homer schickt Marge einen Brief:

„I miss you“

 Der feministische Professor „dekonstruiert“ daraufhin diese kurze Nachricht (sinngemäß):

„In diesem Text bist Du das Objekt, er macht dich zu seinem Objekt!“

 Womit er Recht hat – aber hat er Recht?

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10 Gedanken zu „Feministische Argumentationsformen (1): "Sexobjekt"

  1. Anonym

    Als Frau kann ich sagen, dass frau sich nicht heiß anzieht, um danach NICHT von einem Mann begehrt werden zu wollen. Ich tue vieles für mich selber, wahrscheinlich sogar das meiste. Ich tue auch vieles um anderen Frauen zu gefallen. Aber wenn ich einem Mann gefallen will, dann sind die Signale eindeutig und dann möchte ich es genießen eine Frau zu sein, und ihn genießen lassen ein Mann zu sein.
    Feminismus ist unsexy, sag ich jetzt mal frei heraus, wie ich es denke, auch wenn diese Aussage unqualifiziert und unsachlich ist.

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  2. Wolle Pelz

    FeministInnen – das ist ganz fies gegendert.

    Feministen müsste es an den meisten Stellen heißen. Da kann man mal sehen, wie sehr sich der Feminismus schon eingefressen hat.

    Feminismus möchte keine Geschlechter aufheben. Durch solche sprachlichen Konstrukte werden die Geschlechterunterschiede schon in die Sprache gebracht, wo sie nicht nötig sind.

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  3. uepsilonniks

    Deine Kritik ist zutreffend, korrekterweise müsste es bei mir „Feministen“ und nicht „FeministInnen“ heißen.

    Ich bin ein Anhänger der geschlechtsneutralen Form, in diesem Fall aber mache ich eine Ausnahme.

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  4. Miria

    Schade, dass du nur einmal erwähnst, dass es einen großen Unterschied zwischen Sexnegativen und Sexpositiven Feministinnen gibt!
    Es gibt viele Feministinnen, die lieben Sex und haben gerne Sex und das sogar mit Männern!

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  5. uepsilonniks

    Nun ja, es fällt mir schwer, eine sexpositive „Feministin“ auch tatsächlich als „Feministin“ anzuerkennen. Solche Frauen laufen für mich eher unter „Humanistin“.
    Nehmen wir zum Beispiel Wendy McElroy: Die sagte mal, dass angesichts der ganzen Hetze gegen Männer „Entschuldigungen“ fällig seien; und Sorry, aber eine solche Frau mit solchen Aussagen kann ich schlicht nicht in die Schublade „Feministin“ stecken; auch dann nicht, wenn sie sich selbst so bezeichnet.

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  6. Anonym

    Nachdem ein Freund von mir ein recht obzöses Gif einer Frau (beziehungsweise einer Frau, die in einem Panda-Anzug steckte – den sie später dann nicht mehr anhatte) als Avatar eingesetzt hatte, bemerkte ich eine gewisse Wut in mir. Ich habe es daraufhin als „sexistisch“ abgestempelt, und gesagt, dass die Frau als Sexobjekt missbraucht wird. Natürlich fanden sie, dass ich unrecht hatte.
    Danach habe ich mich mit dem Thema beschäftigt und bin auf deinen Eintrag gestoßen.
    Im Prinzip sagst du ja, dass jeder Mensch irgendwann irgendwie zu einem Objekt gemacht wird – ob zum Sexobjekt, zum Liebesobjekt,zum Arbeitsobjekt,… die Liste ist lang.
    Ich denke, dass ich dir da zustimmen muss. Dass Menschen in gewissen Kontexten zum Objekt gemacht werden, ist wohl normal und unvermeidlich. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich nötig ist, einen Menschen ausschließlich zum Sexobjekt zu machen. Wenn ich an den Begriff Sexobjekt denke, denke ich, dass eine Person rein und ausschließlich zum Objekte seiner eigenen egoistischen Lust und Begierde wird – man sieht sich eine nackte Frau an, um sich eine herunterzuholen. In diesem Fall wird eine Frau NUR als Sexobjekt gesehen. Anders ist es, wenn man mit einer Frau zusammen ist und sie als „Liebesobjekt“ betrachtet wird, als „Zuhörer“, „Freundin“, „Kummerkasten“ – wie auch immer. Und als „Sexobjekt“ wenn man mit dieser Person Sex hat. Aber diese Situation ist anders – zumindest für mich. In diesem Fall ist der Begriff „Objekt“ weit gefächert und vielfältig – Der Mann sieht die Frau als vielerlei an und nicht NUR als Sexobjekt. Ich weiß nicht, vielleicht ärgert es mich, dass mein Freund NUR ihren Körper, ihren Sex-Appeal gesehen hat und nichts sonst (klar, wie auch). Man kann eine Frau als Sexobjekt sehen, schließlich machen wir das auch bei Männer. Aber man sollte dabei immer im Blick haben, dass mehr dahinter steckt und es… nicht übertreiben. Schließlich hänge ich auch keine Poster von nackten Männern an die Wand oder stelle Penis-Bilder als Hintergrundbild ein.
    Zum Thema schminken-um-anderen-zugefallen-oder-nicht: hm, ich finde, dass das von Person zu Person unterschiedlich ist. Aber es ist wohl eine Mischung aus beidem – bei denen, die sich schminken. Ich schätze, man schminkt sich, um sich selbst zu gefallen und man gefällt einen besser, wenn die anderen einen hübsch finden.
    Und zum Schluss: Es ist Quatsch zu sagen, dass alle Männer kaltherzig, triebgesteuert und sexbesessen sind. Das sind Vorurteile und Generalisierungen und ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

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  7. Andi

    Das ist zwar schon ein älterer Eintrag, ich möchte aber trotzdem gerne kommentieren. Hoffentlich liest den Kommentar noch Jemand. 🙂
    Zur Frage, ob Feministinnen automatisch hässlich sein „müssen“ und dem Gegenargument, dass es heute auch attraktive Feministinnen gibt, habe ich mir auch schon eigene Gedanken gemacht.
    Die heutigen, attraktiven Feministinnen, sind ja bereits in der zweiten, eher dritten Generation Feministinnen.
    Das heißt, die werden schon seit Kleinkindesalter eine entsprechende feministische Gehirnwäsche durchlaufen haben. Wahrscheinlich auch viel durch die Medien.
    Die haben das dadurch so verinnerlicht, dass ein Handeln aus „Frust“ über die eigene Unattraktivität bei denen, meiner Meinung nach, ausgeschlossen werden kann.
    Deshalb muss man, finde ich, zur Beantwortung dieser Frage an die Anfänge des Feminismus gehen.
    Als es noch keine konditionierten Feministinnen gab.
    Wer hat das ganze initiiert? Gibt es dort attraktive Frauen? Man muss sich nur Alice Schwarzer anschauen, auch damals. Ohne Kommentar. Und dann aber Ihre größte Gegnerin, Esther Villar, eine bildhübsche Frau. Noch Fragen?
    Ist zwar jetzt auch vereinfacht, trifft aber doch des Pudels Kern.
    Aus diesen Zeiten kommt ja auch ein Spruch: Der Feminismus ist die Integration der hässlichen Frau in die Gesellschaft.
    Leider haben viele Menschen die unselige Eigenschaft, anderen Menschen die Freude an etwas vermiesen zu wollen, was sie selber nicht haben können.
    Also Frauen, die selber nie Sexobjekt sein werden, wollen den attraktiven Frauen vor lauter Neid die Freude daran vermiesen.
    Was auch wieder ein kleiner Hinweis darauf ist, dass der Feminismus den Frauen, zumindest den „Normalen“ mindestens so viel schadet, wie uns Männern.
    Wahrscheinlich eher mehr. Es sollten also wieder viel mehr Frauen so agieren, wie damals Esther Villar, finde ich. Dann wäre schon viel gewonnen.

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