Professor Dr. Voß: Masse statt Klasse

Ich bin bei man-tau über einen offenen Brief eines Professors Doktors gestolpert, der Fragen aufwirft.

Prof. Dr. Voß hat eine Mission: Nämlich Medienhoheit. Gut, ich dachte immer, dass Feministen, zu denen sich Voß deutlich positioniert, diese bereits inne hätten, aber man lernt nie aus. Schon lange vor Gesterkamp beklagten Männerrechtler – „Maskulinisten“ – den „Seidenvorhang“, mit welchem männerfreundlich-politische Positionen konsequent im Medienmainstream unsichtbar gemacht wurden und werden. Gesterkamp fällt der Verdienst zu, diese Struktur als Strategie für Feministinnen auszugeben. Ein Mann befiehlt, und die Feministinnen machten Männchen, nein, Weibchen. Ein trauriges Ergebnis unter anderem: Dort wo früher mal lebhafte und kontroverse Diskussionen stattfanden, herrscht heute tote Hose; kaum ein Beitrag, der über ein Lob und Zustimmung oder „Hier ein Beitrag von mir ganz in eurem Sinne“ hinausgeht.

Professor Dr. Voß schlägt jetzt folgendes vor:

…und jeweils wöchentlich zwei Bücher positiv oder negativ besprechen. Dazu reicht ein Dreizeiler völlig aus.

(c) http://ulistein-onlineshop.de/

Soso, ein Dreizeiler also. Prof. Voß scheint nicht viel von der argumentativen Schlagkraft Gleichgesinnter zu halten – und das lässt hoffen. Denn mit einem Dreizeiler lässt sich ein Buch kaum inhaltlich besprechen, es lässt lediglich zu, seine Zustimmung oder Ablehnung zu formulieren. Ich habe gerade eine Rezension zu Birgit Kelles „Gender-Gaga“ in der Pipeline, aber das wird mehr als ein Dreizeiler – und ich bin echt im Stress deswegen, weil ich diese gerne zeitnah veröffentlichen will, bevor die Leser und deren Aufmerksamkeit weitergezogen sind.

Es geht den Herrn Professor also nicht um Inhalte, nicht um den Austausch von Argumenten, nicht um eine Debatte, es geht ihm allein darum, eine Mehrheitsposition zu schaffen: Masse statt Klasse. Nenn mich nostalgisch, aber von einem Professor würde ich mehr erwarten. Ich würde von ihm erwarten, dass er mich intellektuell anregt und fordert, so zu meiner Entwicklung beiträgt und einem besseren Verständnis der Welt; dass ich die Fähigkeit entwickle, meine Position auch gegen argumentativen Widerstand begründen zu können, anstatt diese einfach nur durch einen hingerotzten Drei-Zeiler deutlich zu machen, mich einfach nur der Meute anzuschließen. „Ich bin dagegen“ oder „Ich bin dafür“ und nichts weiter ist für mich keine zielführende Debatte. Wenn allerdings der Kontrahent genau auf diesem Niveau operiert, weiß ich nicht, wie ich mich mit ihm auseinandersetzen soll – eine Frage, auf die ich gerade keine Antwort weiß.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s