Liebe Sanczny – auf ein Wort unter Verletzlichen

Feministinnen lehnen Erziehungskonzepte ab, die Jungen das Weinen abgewöhnen sollen. Aus gutem Grund: Männertränen sind eine wertvolle Ressource; man kann sie vielfältig einsetzen: Zum Beispiel kann man in ihnen baden, unter ihnen duschen, man kann sie als Krafttrunk („Gummibärensaft“) oder als besonders edles Parfüm verwenden. Feministinnen überbieten sich gegenseitig in einem Kreativitätswettbewerb darin, wofür Männertränen alles gut sind.

Liebe Sanczny,

das ist ja ein schöner Rundumschlag, den Du da hältst. Da ist vieles drin: Rape-Culture, das Konzept hegemonialer und komplizenhafter Männlichkeit, Männer-Privilegien, und vieles weitere, auch die „Breitmachmacker“ fehlen nicht.

Ursprünglich wollte ich auf alles ausführlich eingehen – gab aber schnell auf, da das zu einem ganzen Buch führen würde und kaum in einen Blog-Artikel passt.

In der Überschrift findet sich gleich zweimal der Satz:

Not ALL Men Must Die

Das ist ein hochinteressanter Satz, denn durch die Großbuchstaben mittendrin entstehen zwei Sätze, der zweite lautet auf:

ALL Men Must Die

also: ALLE Männer müssen sterben.

Gut, vielleicht interpretiere ich hier was rein, was so nicht gemeint war; aber würdest Du einen Artikel eines NPD-Funktionärs, der ihn mit

Nicht ALLE Ausländer müssen sterben

betitelt, als legitimen Beitrag in einer Diskussion ansehen? Denn die Lektüre deines mitfühlenden Artikels macht es nicht gerade besser, sondern bestätigt meine Interpretation.

Wichtig ist auch zu wissen, dass Männertränen etwa von Schwarzen nur zweitklassige Ware sind. Das wahre Gold sind die Tränen weißer Männer.

Hochinteressant wird es, wenn ich die beiden Triggerwarnungen gleich unter der Überschrift lese, die erste lautet auf:

Beschreibung männlicher Dominanzreproduktion.

 Als empathische Autorin weißt Du, dass sowas deine Leserinnen überfordern, gar triggern und destabilisieren könnte. Du weißt ganz genau, dass es für das Offenlegen von Emotionen, von persönlicher Betroffenheit, von Verletzlichkeit einen geschützten Raum braucht. Ein Opfer kann nicht frei sprechen in einer Umgebung, in welcher es verhöhnt wird – in einem solchen Fall zieht man sich zurück, schweigt, baut einen Panzer auf.

Das weißt Du, aber Du weißt das nur über Frauen, oder – wenn Du mal besonders weit über deinen Tellerrand hinausblickst – vielleicht noch über die „Marginalisierten“, wie zum Beispiel schwule oder schwarze Männer. Über alle Anderen weißt Du das nicht.

Und jetzt werde ich persönlich, lasse mal die Schilde fallen: Du verletzt mich.

Gut, inzwischen bin ich einigermaßen abgehärtet, da ich viel bei Männerhasserinnen mitlese. Dennoch möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es vielleicht interessant sein könnte, wenn man in einem geschütztem Raum auch weißen Heteromännern und vor allem -Jungen zuhören würde. Wenn man ihnen gestattet, schwach zu sein, Verletzlichkeit zu zeigen. Denn dein ganzer Artikel als auch die Überschrift benötigt eine Triggerwarnung für Jungen und Männer. In deinem Text kritisierst Du ein Erziehungskonzept, welches auf „Boys don’t cry“ („Jungen weinen nicht“) lautet. Aber: Denkst Du im Ernst, dass Jungen oder Männer bei all dem, was Du vorträgst, zu ihrer Verletzlichkeit stehen könnten, auch mal schwach sein könnten? Sorry, aber in der Atmosphäre, die Du da schaffst – und die leider Alltag ist – werden Jungen und Männer alles andere als dazu bewegt, mal Schwäche zu zeigen. Stattdessen versteckt man sich hinter einem Panzer aus „coolem“ oder auch „Macho“-Verhalten – zum eigenen Schutz – was prompt zur nächsten feministischen Anklage führt.

Es ist mir bewusst, dass dich dieser offene Brief nie erreichen wird, da Du dich vermutlich wie jede andere Feministin in deiner Filter-Bubble einschließt. Meinetwegen, wenn nur eine einzige Feministin diesen Artikel liest und vielleicht ein paar Sekundenbruchteile innehält, bin ich schon zufrieden.

Dieses Bild zeigt, wo man Männertränen schürfen kann / klicken zum Vergrößern

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5 Gedanken zu „Liebe Sanczny – auf ein Wort unter Verletzlichen

  1. Matze

    Ich musste gerade an eine Szene aus dem Film 'American History X' denken:

    “All right, boy,
    this is what we gonna do.
    We gonna hate some niggers.
    That's what we'll do today.
    We gonna hate
    some goddamn niggers.
    That's all we gonna do is
    hate some niggers all day.
    Don't know what a nigger is,
    but we gonna hate them.
    My cousin Derek
    is in the pen right now…
    workin' next to a nigger,
    driving him nigger crazy.“

    Finde den Unterschied…

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  2. Anonym

    Ach, komm, man könnte ja wirklich meinen, Du nimmst diese Honks ernst.

    Ich denke, man sollte nicht jeden Psychotiker (sic!) als ernst zu nehmende Stimme sehen.

    Ronald.Z

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    Antwort
  3. Anonym

    Wenn ich mir die Mädchenmannschaft et.al. so ansehe (und diese als einen Vertreter der [Haupt]Strömungen des Feminismus ernst nehme), kommt mir schon recht viel von dem dort geäußertem als psychotisch vor.
    Ich kann bei der pathologischen Diagnose auch falsch liegen, jedoch kann ich mir die dort propagierten „double standards“ nicht anders erklären.

    Ronald.Z

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    Antwort

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