Selbstbewusstsein vs. Aggression oder warum starke Frauen dem Feminismus schaden

Ich bin in der Öffentlichkeit unterwegs. Ich guck hierhin und dahin und habe dann für ein paar Sekundenbruchteile Augenkontakt mit einem jungen Mann, der prompt aggressiv reagiert: „Was glotzt Du so!?“.

Ich denke nicht, dass irgendjemand annehmen wird, dass es sich bei diesem jungen Mann um eine starke, selbstbewusste Persönlichkeit handelt. Jeder Hobbypsychologe kann die Ferndiagnose stellen, dass hier mit übertrieben aggressiven Verhalten eine Schwäche, eine Unsicherheit kompensiert wird. Wer wirklich selbstbewusst ist, hat ein aggressives Auftreten nicht nötig, mit welchem ein verletzlicher Kern, eine solche Persönlichkeit geschützt werden muss, ganz nach dem berühmten Motto: „Angriff ist die beste Verteidigung!“; wobei aber zugleich eingeräumt wird, dass sowas wie eine „präventive Verteidigung“ anscheinend nötig ist.

Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, den viele Feministinnen, genauer: Verbiesterte Emanzen nicht kapiert haben: Aggression ist ein Symptom, welches im totalen Gegensatz zu einer starken Persönlichkeit steht. Unzählig die Kommentare von solchen Frauen, die meist triumphierend anmerken, dass Männer angeblich Angst vor „starken Frauen“ hätten.

Hierzu drei Anmerkungen:

1.) Der Umstand, und die ewige Doppelmoral, die man im Feminismus überall antrifft, nämlich dass ein Verhalten, welches bei Männern verurteilt wird – als „machohaft“, als „chauvinistisch“ oder (verbal) gewalttätig und dominant – bei Frauen gelobt wird, zum Beispiel als emanzipatorische Stärke. Ein gutes Beispiel hierfür ist die sogenannte „Butch“. Eine Butch ist eine Lesbe, die betont maskulin auftritt; keine Feministin käme auf die Idee, diese Lesbe dafür zu verurteilen, was bei Männern stets Grund für eine Anklage ist. Ein- und dasselbe ist schlecht, wenn es bei Männern auftritt, und gut, wenn es bei Frauen auftritt: Hier Gewalt, dort Stärke.

2.) Der zweite Punkt ist, dass solche Emanzen solcherlei Aussagen oft mit diebischer Freude und Triumphgefühl äußern. Ich persönlich wäre geschockt darüber, wenn ich mitbekäme, dass Frauen vor mir Angst hätten; ich würde intensiv darüber nachdenken, was ich an meiner Erscheinung und Auftreten ändern müsste, um das abzustellen. Hier zeigt sich desweiteren der Sexismus im Feminismus: Denn überleg dir einfach mal, wie eine Feministin es kommentieren würde, wenn irgendein Kerl voller Stolz verkünden würde, dass Frauen Angst vor ihm hätten…

3.) Der nächste Punkt ist, dass hier, wie oben dargelegt, diese Emanzen Stärke mit Aggression oder Verbiesterung verwechseln. Wenn also ein Mann Reißaus vor ihr nimmt, dann nicht unbedingt, weil er Angst vor ihr hat, sondern schlicht, weil sie ihm einfach unangenehm ist. Denn: Echte Stärke und Selbstbewusstsein benötigt keine Aggression, keinen Angriff – es besteht kein Grund, vor wirklich selbstbewussten Menschen Angst zu haben, weil von ihnen nichts zu erwarten ist, wovor man Angst haben müsste. Insofern ist der häufig gehörte Ausspruch, dass Männer Angst vor „starken Frauen“ hätten, schlicht eine Karikatur seiner selbst.

Im Folgenden stelle ich zwei Beispiele gegenüber. Das erste stammt aus dem feministischen Klassiker „Der Tod des Märchenprinzen„. Hier beschreibt die Autorin unter anderem, wie ihr mal hinterhergepfiffen wurde, und sie darauf den „Belästiger“ so richtig – pardon – zur Sau machte. Dieses Werk hat inzwischen Jahrzehnte auf dem Buckel, und Feministinnen haben den Männern inzwischen erfolgreich solches Verhalten aberzogen – was nicht gerade dafür spricht, dass Frauen (oder Feminismus) machtlos seien. Denn – um hier eine Anekdote zum Besten zu geben – einmal beschwerte sich eine nicht unattraktive Bekannte bei mir, warum ihr noch nie jemand hinterhergepfiffen hätte und fügte gleich noch vorwurfsvoll hinzu: „Was ist bloß los mit euch Männern?!“ Tatsächlich wurde ich selbst auch noch nie Zeuge eines solch ungebührlichen Verhaltens.

Das zweite Beispiel stammt vom Verführungskünstler Maximilian Pütz. Er berichtet, wie er einmal eine Frau angesprochen hat, mit einem der so ziemlich direktesten Anmachsprüche, nämlich:

„Entschuldige bitte, ich finde dich sehr attraktiv und würde gerne mit dir schlafen.“

 (Nachmachen auf eigenes Risiko, das geht in aller Regel nach hinten los, so in ca. 99% der Fälle). Pütz merkt selbst an, dass in diesem Fall die Angesprochene außergewöhnlich reagierte, nämlich so:

„Das ist aber originell. Nur schade, ich bin verlobt; aber lass uns doch auf einen Kaffee gehen, ich muss wissen, was für ein Typ Du bist.“

 Preisfrage: Welche dieser beiden Frauen ist selbstbewusst, stark? Diejenige, die auf einen Hinterherpfeiffer losgeht und zusammenstaucht, oder diejenige, die die direkte Anfrage auf den Beischlaf eben als das auffasst, was es ist: Eine Frage, auf der sie jede Möglichkeit hat so zu antworten, wie sie will. Die damit entspannt umgehen kann, und zu guter Letzt sogar mit Neugier reagiert? Die sich nicht bedroht fühlt oder sexuell belästigt, die als sexuell reife Frau mit der Sexualität des Mannes erwachsen umgehen kann und keinen neuerlichen #Aufschrei produziert?

In derselben Liga spielt Frau Thomalla, die ebenfalls zu Protokoll, gab, dass sie selbst damit umgehen kann, wenn ihr ein Kerl dumm kommt: „Da reicht ein Blick, und das war’s dann!“ Die also keine feministische Unterstützung nötig hat.

Und genau das ist der Punkt, warum das, was sich Feministinnen wünschen, nämlich starke Frauen, der Todesstoß für den Feminismus sind. Denn starke Frauen benötigen keine feministischen Anwältinnen, die einen #Aufschrei inszenieren oder Frauenquoten durchsetzen – weil selbstbewusste Frauen solche Situationen selbst regeln können, und selbst in Führungspositionen aufsteigen können, wenn sie es denn wollen.

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12 Gedanken zu „Selbstbewusstsein vs. Aggression oder warum starke Frauen dem Feminismus schaden

  1. James T. Kirk

    Hallo Jüngling,

    dein Blog ist gut, allerdings schreibst du mit dem Scheiß-Anbieter Blogspot. Mein Eindruck ist jedenfalls, daß hier noch recht wenig Kommentare kommen, weil das Kommentarsystem von Blogspot so umständlich ist. Ich jedenfalls habe immer wieder Probleme mit meiner Browserin, will einen Kommentar losschicken, der dann im Nirvana verschwindet.

    Vielleicht hast du ja Lust, bei WordPress noch mal neu zu starten. Das ist jedenfalls irgendwie kompatibler. Auch hinsichtlich Trackbacks und so.

    Du kannst deine Artikel ja auch auf Alles Evolution am Samstag bewerben.

    Das wollte ich mal schreiben, weil ich schon ein paar mal versucht hatte, hier zu kommentieren. Bei dem blöden Schoppe ist's auch so, Scheiß-Blogspot.

    Zum Thema des Artikels: Du scheinst ja einer der Reflektierteren zu sein. Deshalb drücke ich dir hiermit die Lösung für die Sexualparanoia von Feministinnen rein. Ich meine, man muß doch fragen, warum die solch ein paranoides Weltbild haben, und man muß ebenfalls kein Hobbypsychologe sein, um dafür eine traumatische Kindheitssituation auszumachen.

    Ich finde es jedenfalls immer ein bißchen billig, einfach zu sagen, ja diese Femanzen sind eben alle beklopppt oder geil darauf, begehrt zu werden und projizieren diese Geilheit bzw. erotische Egozentrik auf die Gesellschaft die voll am Rapen sein tun will.

    Ich finde es immer schade, daß man die Symbolik, die Feministinnen transportieren, so wenig emotional zu verstehen versucht. Man muß den Feministinnen eben auch in aller Öffentlichkeit sagen: Macht 'ne Therapie, arbeitet euren Vaterkomplex auf. Normale Frauen haben eure Probbleme überhaupt nicht und können auch mit dummen oder übergriffigen Anmachen umgehen.

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  2. James T. Kirk

    Noch einen drauf: Beim Ausfüllen dieser ganzen Antirobot-Scheiße ist mir noch mal bewußt geworden, wie kacke Blogspot ist und es noch viel schlimmer ist, als ich dachte. Nur mal ein dezenter Ratschlag von mir, nach WordPress rüberzumachen. 🙂 Das ist der goldene Westen. Blogspot ist Planwirtschaft mit antiimperialistischem Schutzwall.

    Wenn die wüßten, daß ich wirklich ein Roboter bin, nur eben intelligent und mich von so einer Captcha-Code-Sülze nicht einschüchtern lasse. Na ja.

    Möge WordPress mit dir sein. Deine alten Posts kannst du da auch wieder veröffentlichen oder in ein eigenes Verzeichnis packen.

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  3. Anonym

    zu meiner Jugendzeit also so vor 30 Jahren gabs das alles noch, pfeifen, ansprechen all sone Sachen.

    Und keine Frau hats gestört, schade wie sich alles geändert hat. Die heutigen Püppchen würde ich nicht ansprechen.

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  4. uepsilonniks

    @Kirk:

    Ich schätze, Du findest mich weniger sympathisch, wenn ich erst mal meine links-liberale Haltung herausgearbeitet habe.

    Das mit den Kommentaren ist ein Ärgernis, da gebe ich dir Recht. Ich mir auch schon passiert, dass Blogspot meine Kommentare „verschluckt“ hat.

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  5. Graublau

    Um mit Firefox einen Kommentar bei Blogspot zu schreiben, muss man Cookies von Drittanbietern zulassen. Weil ich keine Lust habe, das permanent zuzulassen, kommentiere ich selbst bei interessanten Blogs, die sich bei Blogspot befinden (Schoppe, Miria usw.) fast nie. Ist natürlich eine gute Abwehr gegen Trolle.

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  6. Maren

    *“Das ist aber originell. Nur schade, ich bin verlobt; aber lass uns doch auf einen Kaffee gehen, ich muss wissen, was für ein Typ Du bist.“*

    Natürlich hat sie das gesagt, weil Menschen genauso sprechen. Sie erwidern Anmachen von fremden Männern immer mit mehrsatzigen Ausholungen, die sofort ihre vollständige Motivation offenlegen. /s

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  7. uepsilonniks

    Tut mir leid, dass die Fallschilderung dein Weltbild sprengt. Als Feministin glaubst Du wahrscheinlich nicht an starke und selbstbewusste Frauen, sondern hängst der Meinung an, dass ein Dirndl-Kompliment-„Opfer“ ein Fall für den Therapeuten ist, nicht wahr?

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  8. Anonym

    Glatt gelogen! Vor 30 Jahren, das war 1986, die hohe Zeit des radikaler werdenden Feminismus der zweiten Frauenbewegung. Es war die Zeit, als Frauen massenhaft gegen das Gepfeiffe und die in allen erdenklichen Zusammenhängen oft vorkommenden Po-Klatscherei Stellung bezogen haben und die Wirkung dieser seit den 70gern vorgetragene Kritik allgemein Mainstream wurde.

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