Ist Gott ein Mann, ein Vater?

Ich selbst bin kein Christ, finde aber die Idee eines allerhöchsten und allmächtigen und allwissenden Wesens höchst faszinierend.

Manche feministische Argumente sind höchst vertrackt, zum Beispiel weil sie (zu Teilen) Recht haben. Ein gutes Beispiel hierfür ist die These, dass Männer Frauen zu Sexobjekten machen, womit man (zum Teil) Recht hat – ich beschäftige mich hier damit und denke, ich habe das Problem ganz gut gelöst.

Kommen wir also zum christlichen Glauben. Hier scheint es so zu sein, dass die höchste Instanz ein Mann, ein Vater zu sein scheint, wie eben deutlich durch das „Vater unser“ belegt wird, ein Gebet… nein DAS Gebet. Allerdings wurde dem bereits abgeholfen, in der Übersetzung der Bibel in „gerechter Sprache“ heißt es:

Du, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel,

Und damit haben sie Recht – das sage ich nicht als Sprachwissenschaftler sondern als jemand, der dem höchsten Wesen kein Geschlecht zuordnet. Das höchste Wesen als Mann oder Vater zu begreifen, ist sexistisch. Fakt. Dem soll die Bibel in „gerechter“ Sprache abhelfen.

Allerdings ist die Bibel in „gerechter“ Sprache recht ungerecht gegenüber Männern. So wurde alles verweiblicht, so zum Beispiel die JüngerInnen Jesu, nur der Teufel ist männlich geblieben. Gerecht?

Themenwechsel: Dem höchsten Wesen ein Geschlecht zuordnen zu wollen ist aus meiner Sicht: Schwachsinn. Denn es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen Gott und dem Menschen. Gott kann schöpfen. Das können Menschen auch, aber nicht allein. Während Gott allein schöpfen kann, ist die Schöpfungsmacht beim Menschen geteilt: Wenn ein Mensch ein neues Leben schaffen will, also schöpfen, dann ist er auf einen anderen Menschen angewiesen. Gott kann allein schöpfen, Menschen nicht. Und das bedeutet, dass der Vater genauso viel wert ist wie die Mutter – was gerade Christen begreifen sollten, es aber nicht tun.

Das Christentum mit seinem „Vater Unser“ ist ohne Zweifel patriarchal – nur ist das schlecht? Ist es schlecht, einen Vater zu beschwören, der sich sorgt und kümmert? Was wäre die Alternative? Männer, die einfach ihren Samen verspritzen und sich anschließend vom Acker machen? Das wäre die Rückkehr zum Matriarchat, in welchem Männer nur Erzeuger sind, keine Beziehungen zu ihren Kindern unterhalten; eine Gesellschaft, in der es keine Väter mehr gibt, die sich sorgen, kümmern, die lieben.

Mutterschaft ist durch die Biologie immer sicher – Vaterschaft nicht. Insofern könnte man eine patriarchale Religion als eine Kompensation hierzu betrachten. Eine Kultur, die den bloßen „Erzeuger“ eben zum Vater macht. Mutterschaft ist so gegeben, Vaterschaft muss durch Kultur hergestellt werden, wie zum Beispiel durch eine patriarchale Religion.

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2 Gedanken zu „Ist Gott ein Mann, ein Vater?

  1. quellwerk

    „Du, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel,

    Und damit haben sie Recht – das sage ich nicht als Sprachwissenschaftler sondern als jemand, der dem höchsten Wesen kein Geschlecht zuordnet.“

    Dein Vorschlag ist etwas formalistisch, weil du annimmst, die Bibel würde nicht wesentlich berührt, wenn man das Geschlecht herausnimmt oder das weibliche Geschlecht mit einfügt. Dies hätte ganz andere Axiome zur Voraussetzung. Besser ist es, eine neue Religion mit einem geschlechtslosen Gott zu gründen.

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  2. uepsilonniks

    @Quellwerk:

    Dieser Vorschlag ist nicht von mir sondern entstammt dem feministisch-theologischen Willen, eine Bibel in „gerechter“ Sprache zu schaffen.

    Ich persönlich habe nicht das geringste Problem mit dem „Vater unser“, wozu obiges Zitat die Korrektur darstellt – allerdings bin ich ja auch ein Mann.

    Auch wenn Frauen wie Birgit Kelle oder Eva Herman offenkundig nicht das geringste Problem mit einer patriarchalen Religion haben, nehme ich den Einwand von Feministinnen durchaus ernst, denn das ist ja das Vertrackte daran: dass sie damit Recht haben. Ich schätze mir würde eine dominierende Religion mit einer „Muttergöttin“ ebenfalls stinken, obwohl ich noch nicht mal Kirchensteuer zahle (Gott sei dank 😉

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