Archiv für den Monat April 2015

Birgit Kelle: "Gender Gaga"

Kelles „Gender-Gaga“ belegt auf Amazon seit Wochen Platz Eins in der Rubrik „Gesellschaftskritik“. Ich wollte den Titel schon seit einiger Zeit rezensieren, obwohl ich der Meinung bin, dass es sehr viel stärkere Werke gibt, die es sich zu lesen lohnt – aber wenn’s von einer Frau kommt, dann stürmt Feminismuskritik die Charts…

Birgit Kelle wählt den Weg des Humors, ist aber nicht sonderlich komisch. Dies merkte ich besonders, als ich das Buch ein zweites Mal las. Der schwule Adrian meinte, Kelle wäre homophob, woraufhin ich das Buch ein zweites Mal durchlas, da ich mir dachte, dass mir zuvor homophobe Äußerungen entgangen waren. Und dabei drängte es sich mir auf: Kelle ist nicht witzig, beziehungsweise, sie ist bemüht witzig. Gegen den Versuch lässt sich gar nichts sagen; alle großen Aufklärer zeichneten sich dadurch aus, dass sie vernichtende Witze über eine herrschende Ideologie wie zum Beispiel dem Christentum rissen, und so ihre Vormachtstellung untergruben – ein einziges Kichern in den heiligen Hallen kann eine ganze Weltideologie erschüttern.

Dennoch sehe ich mich mit dem Problem konfrontiert, dass ich nicht so recht weiß, was ich über das Buch schreiben soll – selbst der Autorin vergeht hier und da das Lachen, etwa, wenn sie auf die Situation der Jungen zu sprechen kommt. Deswegen gehe ich einen anderen Weg: Ich nehme mir die Kritiker vor, etwa Tarik: Dieser ist nicht weiß (Daumen hoch), nicht hetero (ebenfalls Daumen hoch), aber immer noch mit Schwanz (Daumen runter), mit anderen Worten: Auch wenn er einen Schwanz hat, kann man ihn als kompetenten Kritiker von Feminismuskritikerinnen nehmen. Dies bedeutet, dass man sich das mal anhören sollte:

Ich gehe einfach mal davon aus, dass er zielsicher alle homophoben oder sonstigen intoleranten Passagen aus dem kritisierten Werk aufsticht und anprangert, da können wir alle nur lernen. Nur was lernen wir? Nichts, aber auch gar nichts.

Wer jetzt glaubt, dass Tarik ein paar knackige Zitate anführen kann, wonach alle Homos ins KZ gehören, sieht sich enttäuscht. Er kann nur ein paar Seifenblasen generieren, die zwar schön schillern, die also die Entsprechungen zu wunderbaren, rhetorischen Stilmitteln bilden, aber zerplatzen, wenn man sie mit kritischen Gedanken berührt.

Denn wenn Tarik solche verhöhnt, die nicht mit einer Genderisierung der deutschen Sprache einverstanden sind; die also Neuformen wie „Profx“ oder „Studentx“ ablehnen, ja dies als eine Politik àla George Orwell begreifen, betreibt er genau das, was er den Kritikern vorwirft.

Und weiter: Wenn Kelle komischerweise (?) darauf hinweist, dass sich Genderisten genauso für Pädo- und Zoophile einzusetzen hätten, dann hat sie schlicht recht – nur weil selbst Genderisten beide Ausrichtungen als pervers empfinden, bedeutet das noch lange nicht, dass sie nicht wie jede andere Ausrichtung auch ein eigenes Geschlecht darstellen. Also was denn nun, Herr Tarik? Wenn eine Butch ein eigenes Geschlecht darstellt, warum dann nicht auch Pädophiler? Nun?

Tarik bezeichnet Frau Kelle als „rechtspopulistisches Miststück“… nein Halt, tut er nicht – oder doch?

Dies würde ihm gefallen, aber er findet dummerweise nichts, was eine solche Bezeichnung rechtfertigen würde. Er würde gerne, wie all die anderen, die Rechtskeule schwingen, kann dafür aber nichts anführen.

Denn im letzten Absatz ihres Buches schreibt Kelle, dass sich entweder das Volk der Genderideologie anzupassen habe, oder aber umgekehrt. Da die Genderisten die Entscheidung getroffen hätten, dass sich das Volk der Ideologie anzupassen habe, sei es Zeit, dass das Volk widerspräche. Man muss kein Rechtspopulist sein, um das zu unterschreiben.

Lieber Tarik, Du kannst hier gerne kommentieren, ich freue mich auf eine Diskussion.

Was man tun kann

Einer der bequemsten Wege, die Männerrechtsbewegung zu unterstützen, ist zu spenden, dazu schrieb ich hier schon.

Man muss sich an dieser Stelle mal überlegen, dass es Männer- und Väterrechtler gibt, die neben ihren Vollzeitjob die Baustellen beackern, und anders als Berufsfeministinnen – zum Beispiel Gender-Professorinnen oder Frauen– Gleichstellungsbeauftragte – nicht gefördert werden. Sie opfern ihre Freizeit und zwar so weit, dass sie buchstäblich weniger schlafen, um diese Arbeit leisten zu können; so läuft das nämlich im „Patriarchat“, wenn man etwa Trennungsväter beraten will.

Im folgenden gebe ich einige (nicht alle) Vorschläge von Arne Hoffmann wieder, welche er in „Männerbeben“ unterbreitet (ab Seite 323):

1. Wikipedia
Der erste Vorschlag lautet darauf, sich in der Wikipedia zu engagieren; nun, das Buch erschien 2007, als die Allmacht der Antimaskulisten in diesem hoffnungsvollen Projekt noch nicht so etabliert war. Der Artikel „Maskulismus“ etwa existiert inzwischen nicht mehr, stattdessen wird man auf den Artikel „Maskulinismus“ umgeleitet, in welchem Menschen, die sich für die Rechte von Jungen und Männern einsetzen, gleich im ersten Absatz als „faschistisch“ abgekanzelt werden. Die typische Strategie: Man ist nicht in der Lage, eine inhaltliche und argumentative Widerlegung zum Maskulismus zu führen, man kann nur die Rechts- und Nazikeule schwingen. Ich persönlich halte ein Mitarbeiten bei Wikipedia für aussichtslos, da dort eine kleine Klicke von Radikalfeministinnen, ausgestattet mit Administrator-Rechten, jeden Artikel, der die Geschlechterdebatte berührt, dominiert und kontrolliert.

Was die Wikipedia angeht, kann man nur noch Aufklärungsarbeit leisten, nämlich dass dieses einst wegweisende Projekt von einer kleinen, radikalen Minderheit dominiert wird, dass also hier nicht neutral und objektiv informiert, sondern Propaganda betrieben wird.

2. Trage dich als Fachmann ein
Der nächste Vorschlag lautet darauf, dich auf Wissensplattformen wie wer-weiss-was einzutragen. Dabei sollte man solche Themen wählen, mit denen man sich gut auskennt und nicht pauschal etwa „Männer“ oder „Geschlecht“. Unterthemen wie etwa „Sexuelle Gewalt“ oder „Gender-Pay-Gap“ sind geeigneter.

3. Sprich Journalisten direkt an
Recherchiere die Kontaktadresse einer Zeitung bzw. eines Redakteurs und sprich diese direkt an. Bleib dabei höflich.

4. Sprich Politiker an
Hier gibt es gleich mehrere Tips, an die man sich halten sollte. Man sollte einen persönlichen Termin ausmachen; dabei pünktlich sein und „etwas konservativer“ auftreten, also im Anzug und nicht in Pullover und Jeans, da dadurch Nähe hergestellt wird. Halte dich an Abgeordnete deines Wahlkreises. Wenn Du Briefe schreibst, dann nicht per Mail sondern traditionell – eine Mail kann schnell weggeklickt werden wohingegen ein Papier-Brief die Botschaft vermittelt, dass das Thema einem so wichtig ist, dass man zusätzlichen Aufwand auf sich nimmt.

5. Schreibe Leserbriefe
Leserbriefe sollten kurz gehalten sein – zwei Absätze können bereits zuviel sein. Konzentriere dich auf dein Hauptargument. Schreibe zeitnah, bei einem Wochenmagazin etwa hast Du maximal drei Tage Zeit. Anders als bei Abgeordneten solltest Du hier E-Mails verschicken, da Du damit den Redakteuren die Arbeit ersparst, den Inhalt mühselig abzutippen.

Problem: Die Töchter wollen nicht so, wie es sich die Altfeministinnen wünschen. Was jetzt?

Solche jungen Frauen machen Sorgen

Frau Knauff ist besorgt: Sie nimmt eine neue, nachwachsende Generation von Frauen wahr, die wenig daran denkt, den alten Kampf der Feministinnen weiterzuführen, noch genauer: sich sogar gegen Feminismus positionieren:

Mit Feminismus wollen sie nicht in Verbindung gebracht werden. Kund tun sie ihren Unmut im Netz unter dem Hashtag #womenagainstfeminism auf Tumblr und Facebook.

Und dann folgt etwas, was in meine Lieblingsrubrik …und sie merken es nicht fällt. Frau Knauff führt an, warum sich junge Frauen gegen Feminismus wenden, und einer der Hauptpunkte, der gleich mehrmals genannt wird, ist, dass Männer nicht als Feind oder „bösartig“ wahrgenommen werden – und dass man genau dieses dem Feminismus vorwirft. Nachdem dies von Frau Knauff selbst festgestellt wurde, führt sie in grandioser Weise ihre Merkbefreitheit vor, und macht den jungen Frauen mit jeder Menge Küchenpsychologie den Vorwurf, dass sie einen idealisierten Blick von den Männern pflegen würden:

In ihrem Wunsch nach Autonomie tragen die jungen Frauen eine rosarote Brille, wenn es um das männliche Geschlecht geht. Ein Problem für den Feminismus. Mitten im Abnabelungsprozess ist es den „Töchtern“ unmöglich, sich mit den „Müttern“ zu solidarisieren. Sie verbünden sich mit den Männern.
Das geht so weit, dass Männer idealisiert und deren wirtschaftliche und politische Vormachtstellung ausgeblendet oder als unproblematisch verstanden wird. Die positiven Erfahrungen mit dem eigenen Partner werden generalisiert und auf das Gesellschaftliche übertragen.

Diesem Statement lässt sich nicht nur entnehmen, dass Frau Knauff wieder zurück zu den alten, kaum überwundenen Feindbildern will, sondern auch, dass sie hier etwas bestätigt, dass ansonsten von Feministinnen in der Regel scharf zurückgewiesen wird: Nämlich dass das konstituierende Element des Feminismus eben Misandrie also Männerfeindlichkeit ist. Der Mann hat gefälligst Vergewaltiger, Gewalttäter und Despot an der Macht zu sein. Für Altfeministinnen, die nicht nur selbst dieses Feindbild pflegen, sondern es auch an die nachrückende Generation von Frauen – Töchtern – vererben wollen, ist es natürlich ein Problem, wenn der eigene Mann oder Bruder nicht als Feind begriffen wird – wo kommen wir da nur hin!?

Im Folgendem spricht Frau Knauff von „Müttern“ und „Töchtern“, ohne dabei auf die Idee zu kommen, dass es auch Väter und Söhne gibt, die – feministischer GAU – geliebt werden und nicht als frauenunterdrückende Sexisten gesehen werden. Dann aber der absolute Brüller: Zur Lösung solcher Generationenprobleme empfiehlt sie – die absolut unfähig ist, ihr Männerfeindbild zu reflektieren, selbst wenn man sie mit der Nase drauf stößt – „Reflexion“, die jungen Frauen sollen wohl reflektieren, dass ihr Männerbild viel zu gut ist, und es ablegen. Desweiteren lernen wir: Wenn eine junge Frau sich nicht feindselig zu Männern positioniert, dann ist sie schwach, denn nur wenn man – oder „frau“ – dem Beispiel der Altfeministinnen folgt, kann man stark sein.

Was, wenn diese Frauen erst erwachsen?

Frau Knauff führt exakt vor, was #womenagainstfeminism Grund zur Ablehnung des Feminismus ist, ohne dies reflektieren zu können. Stattdessen reagiert sie mit der Problemlösungsstrategie „Mehr desselben“, mit mehr Feminismus alter, männerfeindlicher Schule will sie die Kritik, Feminismus sei u.a. männerfeindlich, überwinden…

Wie ein Mutter-Tochter-Konflikt den Feminismus lahmlegt

Miria: "Quoten oder irgendso einen Quatsch"

yx: Ich begrüße Miria zum Interview.

Kommen wir gleich zur ersten Frage:

„Warum bezeichnest Du dich als Feministin und nicht als Humanistin?“

Miria: Ich bezeichne mich als Feministin, weil ich die Welt aus der weiblichen Perspektive sehe und Probleme, die Frauen haben und Männer nicht, besser nachvollziehen bzw. verstehen kann als beispielsweise Probleme von Männern, die mich selbst nicht betreffen können. Es heißt nicht, dass ich Männer irgendwie benachteiligen will, aber in erster Linie denke ich dabei an mich selbst. Am besten  kann man seine eigenen Probleme verstehen und bekämpfen, dann die von denjenigen, die ähnliche haben und schließlich natürlich auch die von denjenigen für die man Emphatie empfindet. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass das vielleicht nicht ganz verständlich ist, dann bitte nochmal hinterfragen.

yx: Für alle liberale Maskulisten, die sich gerne mit Feministinnen an einen Verhandlungstisch setzen wollen: Welche Baustellen siehst Du auf der Frauenseite, wo sind sie benachteiligt oder benötigen Unterstützung?

Miria: Ich möchte vorweg sagen, dass das hier lediglich meine persönliche Meinung ist. Vor allem, da ich weiß, dass vermutlich gerade radikale Feministinnen gegenteiliger Meinung sind.

Ich finde es wichtig, dass Frauen ernstgenommen werden in dem es die tun und wie sie handeln.  Ich bin nicht behindert und möchte daher keine extra Parkplätze, Quoten oder irgendso einen Quatsch, der allen Menschen zeigt, als Frau ist man zu blöd, etwas alleine zu schaffen oder muss beschützt werden wie ein kleines Kind. Und ganz ehrlich, wer so etwas fordert, ist selber schuld, wenn er nicht enrnstgenommen wird.

Gesetzlich finde ich viele Regelungen einschränkend, die „für“ Frauen geschaffen wurden. So konnte ich zum Beispiel vor einigen Jahren kein Praktikum in der Porsche Werkstatt bei uns um die Ecke machen, weil es ein Gesetz gibt, das getrennte Toiletten für beide Geschlechter vorschreibt und am der Werkstatt gab es nur eine.  Weder ich noch die anderen Mitarbeiter hätten ein Problem gehabt, das gleiche Klo zu nutzen. Aber der Werkstattleiter hatte Bedenken, da er im Falle einer Kontrolle eine fünfstellige Summe an Strafe zahlen müsste. Ich denke, es gibt viele dieser schwachsinnigen Gesetze, die ich gerne abschaffen oder ändern würde. Vielleicht sind mir und den meisten normalen Menschen diese gar nicht so bewusst.

Ein weiteres Problem, dass in erster Linie Frauen betrifft (aber nicht nur)  ist, wie bei der Polizei mit Opfern von Vergewaltigungen bzw. sexueller Belästigung umgegangen wird.  Es wird ewig auf einen eingeredet, ob das denn so auch stimmt. Einem wird unterstellt, man würde lügen, wenn man sich nach der Tat nicht wie da typische Opfer verhalten hat.  Hier müsste viel sensibler mit Opfern umgegangen werden.  Vielleicht wäre es hilfreich, wenn ein Seelsorger bei der polizeilichen Befragung anwesend ist.

Außerdem wichtiges Thema Prostitution, hier gibt es zwei Punkte, die ich gerne ändern würde: zum einen ist die gesetzliche Lage ziemlich scheiße, zum zweiten ist meistens das größte Problem die gesellschaftliche Stigmatisierung. Dagegen würde ich auch gerne etwas tun. Im Prinzip sehe ich überall dort Probleme, wo Männer und Frauen unterschiedlich behandelt werden und dies nicht biologisch begründet (beispielsweise Mutterschutz)  ist.

yx: Was deinen letzten Punkt angeht, würde jeder Männerrechtler sofort anmerken, dass man Vaterschaft genauso wie Mutterschaft schützen solle. Womit wir zum nächsten Punkt kommen: Welche Forderungen der Männerrechtsbewegung würdest Du unterschreiben, und welche zurückweisen?

Miria: Mit Mutterschutz ist aber der Schutz zum Ende der Schwangerschaft gemeint, dass Frauen in dem Fall zum Beispiel nicht mehr arbeiten oder bestimmte schwere Dinge tragen.  Diese körperlichen Dinge gibt es bei Männern einfach nicht!

Um deine Frage zu beantworten wäre es interessant, konkrete Forderungen der Männerrechtsbewegung genannt zu bekommen. In den meisten Fällen haben Männer und Frauen mit den gleichen Tatsachen ein Problem, sehen nur jeweils die andere Seite der Medaille. So ähnlich schrieb ich das schon mal in einem Text auf meinem Blog

yx: Eine der größten Baustellen der Männerbewegung sind ohne Zweifel die Väterrechte.

Miria: Da gibt es meist auch die erwähnten zwei Seiten der Medaille. Die Väter beschweren sich, dass ein Kind bei der Trennung eher der Mutter zugesprochen wird, die Mütter, dass sie mit der Erziehung allein gelassen werden. Welche konkreten Rechte würdest du ändern wollen?

yx: Im Kern geht es darum, dass der Vater auch nach der Trennung seinen Kindern ein Vater sein kann.

Konkrete Vorschläge sind etwa, dass der Lebensmittelpunkt bei dem Elternteil bleibt, der die Trennung _nicht_ eingereicht hat – es sei denn es liegt eine Kindeswohlgefährdung vor. Dies würde auch die Zahl der für Kinder als leidvoll erfahrenden Scheidungen zurücktreiben; bevor man sich trennt geht man vielleicht zu einem Mediator. Alternativ auch das Wechsel- oder Residenzmodell, wenn sich die Eltern darauf einigen. Einen guten Ansatz bietet auch das Cochemer-Modell.

Miria: Dass ein Vater auch nach der Trennung der Vater bleibt sollte selbstverständlich sein.

Aber von deinen konkreten Vorschlägen halte ich überhaupt nichts.
Bei der Entscheidung, bei wem das Kind lebt, ist zu berücksichtigen, was das Beste für das Kind ist und das ist völlig unabhängig davon, wer von den Eltern die Scheidung einreicht.
Eine Wiedereinführung des Schuldprinzips bei Scheidung ist ein großer Rückschritt und überhaupt nicht sinnvoll – auch nicht über solche Umwege!
Nicht immer die Person, die die Scheidung einreicht, ist auch schuld an der Trennung. Manchmal muss man sich einfach auch von einem Tyrann trennen!

Cochemer Modell kannte ich bisher nicht, was ich jetzt dazu gelesen habe, klingt aber nicht schlecht.

yx: Ok, das provoziert Widerspruch, aber ich lasse es mal so stehen.

Themenwechsel: Aus einer früheren Diskussion mit dir weiß ich, dass Du Abtreibung ablehnst. Hierzu zwei Fragen: Wie begründest Du erstens deine Haltung, und würdest Du zweitens auch so weit gehen, Schwangerschaftsabbruch generell zu verbieten?

Miria: Ich lehne Abtreibung ab, da ich nicht finde, dass das Recht der Frau über dem Recht auf Leben des Kindes steht. Ein werdendes Leben zu töten ist ähnlich wie Mord. Wenn das Kind aus Sicht der werdenden Eltern in eine schlechte Situation geboren wird und einfach nur stört,so gibt es immernoch die Möglichkeit der Adoption. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Abtreibungsverbot wollen würde. Ich bin generell dafür, dass erwachsene Personen so viel wie möglich selbst entscheiden dürfen. (Würde auch alle Drogen unter bestimmten Bedingungen freigeben, obwohl ich es scheiße finde, dass Freunde von mir sich den Scheiß reinziehen).

yx: Vielen Dank für dein Statement.

Ein weiterer Themenwechsel: Du unternimmst das „Experiment Prostitution“, und dein vorläufiges Fazit lautet, dass Du hier angenehmes und leichtes Geld verdienst. Könntest Du vorab vielleicht ein paar Sätze äußern zu deinen Erfahrungen? Sind Freier Schweine, die lediglich Macht ausüben wollen? Macht Prostitution die Sexarbeiterinnen systematisch kaputt?

Miria: Deine Fragen sind schon ziemlich reißerisch gestellt!

Ich kann nicht so verallgemeinern wie du das in deinen Fragen tust. Ich denke, dass es beispielsweise auf dem Straßenstrich anders zugehen könnte als bei Hausbesuchen mit Termin wie ich sie mache. Zu meiner persönlichen Enttäuschung leider bisher keine Männer dabei, die Macht ausüben wollten. (Steh da ja eigentlich drauf ;)) Schweine auch keine gesichtet, meist eher menschliche Männer. Also die Männer, mit denen ich mich getroffen habe, waren – auch für mich unerwartet – freundlich, sehr gepflegt und hatten Interesse daran, dass ich Spaß an der Sache habe. Auch von Alter und Attraktivität zum Großteil nicht so, wie man sich aufgrund von Medien den „typischen“ Freier vorstellt, sondern im Alter von 25 bis 45 und teilweise sehr attraktiv. Also ich habe neben dem Geld durchaus Spaß an der Sache!

yx: Ich bin schon gespannt auf die Lektüre deiner Erfahrungsberichte.
Wenn Du der Gesetzgeber wärst, was würdest Du ändern im Sinne der Sexarbeiterinnen?

Miria: Wenn ich der Gesetzgeber wär, dann würde ich in erster Linie nicht immer über Menschen reden, sondern mit ihnen.  Ich würde rausgehen zu den Menschen im Gewerbe,  ins Bordell, an den  Straßenstrich und zu Vereinigungen wie Hydra e.V. und würde die Menschen fragen, was sie sich wünschen, wie man die Situation verbessern kann.

In Italien würde ich Bordelle und Agenturen erlauben, denn diese bieten einer Sexarbeiterin auch einen gewissen Schutz, den man alleine nicht hat.

In Österreich würde ich dafür sorgen, dass die Gesundheitsuntersuchungen angenehm und würdevoll ablaufen. Allgemein möchte ich, dass Prostitution wie jeder andere Beruf anerkannt wird.

In Deutschland würde ich dir verdachtsunabhängigen Kontrollen sofort abschaffen bzw. mind. beschränken. Und mit der Hilfe vieler anderer Sexarbeiterinnen könnte man sicher noch einiges verbessern.

Ich glaube, eines der größten Probleme ist nicht nur gesetzlicher Natur, sondern gesellschaftlicher:  Stigmatisierung (wobei eine teilweise Sittenwidrigkeit natürlich dazu beiträgt). Ich fände es einfach toll, wenn meine größte Angst als Sexarbeiterin nicht sein muss, dass irgendwer erfährt,  was ich mache.

Und bloß nicht in Richtung Schweden gehen. Das dortige Gesetz hat die Situation massiv verschlechtert, aber das bekommt ja jetzt keiner mehr mit, gibt ja keine Prostitution in Schweden, so wie in Deutschland wahrscheinlich keiner Gras raucht. Ich würde mich stark gegen  Interessenvertretungen positionieren, die ein Verbot fordern, ein solches Verbot verstößt meiner Meinung nach auch gegen da Selbstbestimmungsrecht einer Frau über den eigenen Körper (und ja, ich weiß, dass in Schweden nur die Kunden bestraft werden).

yx: Mit dem Stichwort der Stigmatisierung greifst Du meiner Frage vorweg. Für Prostituierte hast Du sie ja schon angesprochen, aber siehst Du auch eine Stigmatisierung der Freier, so etwa, wie ich sie in meiner „reißerischen“ Frage beschrieben habe?

Miria: Ehrlich gesagt nicht in dem gleichen Maße wie bei Sexarbeiterinnen. Überleg doch einfach mal wie der Freundeskreis und allgemein die Gesellschaft reagiert, wenn rauskommt, eine Frau bietet Sex für Geld an und wie die Reaktionen sind, wenn es heißt, ein Mann zahlt Geld für Sex. In manchen Gruppen gehört das für die Männer schon zum guten „Ton“ zu einer Sexarbeiterin zu gehen. Gesellschaftlich völlig akzeptiert. Es gibt meiner Meinung nach nur eine Gruppe, die Kunden von Sexarbeiterinnen als eklig, machtgeil oder sonstiges hinstellt: die Prostitutionsgegner, allen voran Alice Schwarzer in verschiedenen Talkshows. Dies wird als Grund angeführt, um ein Prostitutionsverbot zu stützen, man würde damit ja die Frauen schützen… Dies sind meist die gleichen Leute, die es nicht schaffen zwischen normaler, freiwilliger Prostitution und Zwangsprostitution zu unterscheiden. Die Unterscheidung zwischen Zeitungsvertreter und Drückerkolonne bekommt man komischerweise aber problemlos hin. Also nein, die Kunden haben mit Sicherheit weniger Probleme mit Stigmatisierung als die Sexarbeiterinnen.

yx: Zum Schluss: Warst Du als Frau schon mal Diskriminierungen ausgesetzt, wo Du den Staat in der Pflicht siehst, einzugreifen?

Miria: Diese Frage finde ich ziemlich schwierig, weil sie eigentlich zwei unterschiedliche Fragen beinhaltet. Zum einen, ob ich als Frau schon einmal Diskriminierungen ausgesetzt war und zum zweiten, wo ich den Staat in der Pflicht sehe einzugreifen.

Außerdem wäre noch zu klären, was Diskriminierung in diesem Zusammenhang bedeutet.

Es gibt einmal eine Art Diskriminierung, bei der man tatsächlich aufgrund seines Geschlechts einen Nachteil gegenüber Personen des anderen Geschlechts hat, beispielsweise wenn man einen Job nicht bekommt, weil man eine Frau ist und ja schwanger werden könnte oder ähnliches. 
Dann gibt es noch die Art Diskriminierung in Sprüchen und Zuschreibungen, die eigentlich eher unter den Begriff Sexismus fällt und vermutlich wesentlich häufiger vorkommt als erstere.

Generell sehe ich den Staat äußerst selten in der Pflicht irgendwo einzugreifen, da ich der Meinung bin, dass größtmögliche Freiheit für alle Menschen am besten ist.

Ich habe zweinmal Diskriminierung erlebt, wo der Staat etwas ändern sollte, denn beides mal ging die Diskriminierung mindestens indirekt von eben diesem aus.
Das erste Mal war, als ich in der Schule verpflichtend an einem Selbstverteidigungskurs teilnehmen musste. Vermutlich ein Fall von gut gemeint, schlecht gemacht…  Diese Pflicht galt nur für die weiblichen Schüler, obwohl ich mir sicher bin, dass durchaus einige meiner männlichen Mitschüler das nötiger gehabt hätten…
Besser wäre es gewesen, die Möglichkeit, diesen Kurs zu besuchen für alle auf freiwilliger Basis anzubieten.
Das zweite Mal war, als ich ein Praktikum als Mechatronikerin in einer Kfz-Werkstatt machen wollte und kaum eine Chance hatte, einen Praktikumsplatz zu finden, da es dieses bescheuerte Gesetzt gibt, dass der Betrieb für Frauen extra getrennte Toiletten und Umkleiden zur Verfügung stellen muss, sobald eine Frau dort arbeitet. Sonst drohen Geldstrafen.  Und die meisten Werkstätten haben nur eine Toilette und Umkleide. Der Staat sollte also bitte dieses bescheuerte Gesetz abschaffen.
Das wärs, was mir über persönliche Diskriminierung einfällt.

Ich würde gerne noch etwas zum zweiten Teil meiner Definition sagen, denn Sexismus kommt durchaus öfter vor, hier sehe ich aber nicht den Staat in der Pflicht, einzugreifen.
Sexismus in Form von Sprüchen erlebe ich oft, traurigerweise von Personen beiderlei Geschlechts. Männer, die der Meinung sind, bei einer Frau in der Werkstatt könnten sie sich nicht auf die Arbeit konzentrieren oder ähnliches.
Hier ist aber mehr ein gesellschaftliches Umdenken von Nöten, dass jeder Beruf und jede Tätigkeit beiden Geschlechtern gleichermaßen offen steht und das auch völlig normal ist.

yx: Vielen Dankt für das Interview, ein schönes Wochenende und viel Erfolg!

Mirias Blog findest Du hier.

"Systematische seelische Vergewaltigung von Kindern" (Gastbeitrag)

Es folgt ein Gastbeitrag:

Als mich die Nachricht erreichte, dass mein Vater verstorben war, war meine erste Reaktion Begeisterung:

„Oh, wie geil ist das denn!?“

 rief ich spontan aus.

Vielleicht denken Sie jetzt, dass ich dazu gute Gründe hatte. Vielleicht hat mich mein Vater geschlagen, oder gar missbraucht. Keines von beiden. Tatsächlich weiß ich nicht mal, wie mein Vater eigentlich aussah, da meine Mutter alle Bilder, die ihn zeigten, aus den Fotoalben entfernt hat. Auch hat sie Briefe von ihm abgefangen, wie ich durch Zufall herausfand, da ich ein altes Schreiben von ihm fand, das meine Mutter nicht weggeschmissen sondern aufbewahrt hatte. Sehr erhellend.

Mein Vater war immer nur das Schwein, der Schläger, der „biologische Erzeuger“ – wobei ich nicht weiß, ob er bereits bei meiner Zeugung solch ein Unhold war. Ehrlich gesagt weiß ich so gut wie gar nichts über meinen Vater.

Ich bin ein PAS-Opfer, wobei ich zum einen diese Diagnose selbst gestellt habe, und zum anderen PAS nur reflektiert, aber noch lange nicht überwunden habe. PAS steht für Parental-Alienation-Syndrome, auf deutsch: Eltern-Entfremdungs-Syndrom. Dies bezeichnet eine Form psychischer Gewalt, in welcher ein Trennungskind einer Gehirnwäsche unterliegt, welche es zu Ablehnung und Hass gegen den nicht betreuenden Elternteil indoktriniert – in der Regel also gegen den Vater.

Ich wüsste gerne, wie mein Vater aussah, würde gerne Bilder von ihm sehen. Ich wüsste gerne, ob mein Vater noch weitere Briefe an mich geschrieben hat. Und auch wüsste ich gerne, was mein Vater eigentlich von Beruf war – und noch viel mehr. Das alles aber ist für mich unerreichbar, denn dazu müsste ich meine Mutter darauf ansprechen, und das ist mir unmöglich. Allein bei dem Gedanken daran, dass ich gegenüber meiner Mutter freundlich über meinen Vater spreche, und ihn nicht als Schwein tituliere, zucke ich innerlich zusammen. So brutal ist die Gehirnwäsche. Das ist der Grund, warum ich sage, dass ich PAS zwar reflektiert, aber nicht überwunden habe. PAS hindert mich nach wie vor daran, positiv über meinen Vater zu sprechen.

Kinder lieben ihre Eltern, und auch ihre Väter. Dies wird von Feministinnen geleugnet. Kinder würden ihre Väter gar nicht lieben, und sowas wie PAS wäre in Wirklichkeit nur eine Erfindung rachsüchtiger Trennungsväter, die jeder Grundlage entbehre. Zugleich aber gibt man Anleitung dazu, wie man PAS praktizieren kann: Wenn Kinder ihren Vater vermissen und unter der Trennung von ihm leiden, soll man davon ausgehen, dass diese Kinder ihren Vater gar nicht lieben, und ihnen dieses ausreden. Mit anderen Worten: Hier wird dazu angeleitet, etwas zu verbrechen, was nach derselben Quelle eigentlich gar nicht existiert: Entfremdung.

Das folgende klingt vielleicht brutal und übertrieben, aber es ist die Wahrheit: Für ein Kind ist es besser, wenn sein Vater stirbt, als dass es ihm entfremdet wird. Kinder lieben ihre Väter und leiden darunter, von ihnen getrennt zu sein. Nur: Wenn der Vater etwa bei einem Unfall ums Leben kam, dann hat es die Möglichkeit, um ihn zu trauern. Es kann am Grab weinen, es kann seinen Verlust formulieren und sich von der Mutter trösten lassen – also Trauerarbeit leisten. Auch das Trennungskind erleidet einen solchen Verlust, nur dass es nicht trauern darf, sondern vom Mütter-Regime vorgeschrieben bekommt, den Geliebten zu verteufeln – PAS ist systematische seelische Vergewaltigung von Kindern. Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass sowas zu massiven Beeinträchtigungen führt.

Apropos Psychologie: Ich habe eine Odyssee von einer Psychotherapeutin zur nächsten hinter mir (Psychotherapie ist frauendominiert). Keine kam darauf, dass ich ein PAS-Opfer bin, und so konnte mir auch keine helfen. Tatsächlich hatte ich vor kurzem mal ein Gespräch mit einer jungen Psychotherapeutin, die gerade ihr Studium abgeschlossen hatte. Ich sprach sie auf PAS an, und sie entgegnete, dass sie keine Ahnung hätte, wovon ich rede. Das ist die Folge der Deutungshoheit der feministischen Mütterlobby: Die Existenz dieses Verbrechens wird schlicht geleugnet, als Propaganda von rachsüchtigen Trennungsvätern abgetan, und somit ist es auch nicht Inhalt eines Psychologie-Studiums.

Feministinnen sprechen ständig davon, dass Männer die Macht hätten. Die absolute Allmacht, die gerade alleinerziehende Mütter über ihre Kinder haben, wird dagegen ignoriert. Wie jeder Foltermeister kann die Mutter Denken und Wahrnehmung ihres Kindes bestimmen.

Ich bin übrigens die absolute Ausnahme – in dem Sinne, dass ich mich als PAS-Opfer begreife. PAS wirkt in aller Regel lebenslang. Wenn ein PAS-Opfer seinen Vater aufsucht, dann in aller Regel nur, um ihm klar zu machen, was ein Schwein er doch ist.

Ein Kommentar zum Betreuungsgeld

Heute geht durch die Medien, dass das Bundesverfassungsgericht über das Betreuungsgeld entscheiden soll. Dabei wird auch darüber gesprochen, wie diese Leistung die Geschlechterrollenfreiheit einschränkt, denn in den meisten Fällen ist es so, dass die Frau also die Mutter das Geld empfängt und dann auch zu Hause bleibt, und – jeder weiß es – das geht schon mal gar nicht.

Die gesamte Debatte ist hierbei so grotesk verdreht, dass ich nicht weiß, wie ich es kommentieren soll. Hier wird eine Leistung, die man optional (!) beziehen kann, als Einschränkung von Freiheit (für Frauen) begriffen. Ein Entzug dieser Wahlmöglichkeit, also eine Einschränkung, wird tatsächlich in der feministischen Mainstream-Debatte als ein „Mehr“ an Freiheit begriffen. Indem man also Mütter dazu zwingt, ihre Kinder in die Fremdbetreuung zu geben, schafft man mehr Rollenfreiheit – was soll man dazu sagen?

„Frei“ ist die Frau, wenn man ihr die Kinder abnimmt, damit sie unbeschwert malochen gehen kann. Genau das ist der Punkt, warum mich der Feminismus abstößt, es ist eine Ideologie, die nicht etwa Männer aus ihrem Gefängnis befreit – nämlich lebenslang zu schaffen – sondern umgekehrt Frauen auch noch in diesen Knast einschließen will, weil Politfeministinnen unter einem geschlechtsspezifischen Minderwertigkeitskomplex leiden, und sie hoffen, dass wir mit dem Zwang mehr erfolgreiche Frauen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft feiern können. Feminismus ist frauenfeindlich, er will die Frau zwingen, das zu sein, was er es sich wünscht, um den Preis, dass sich die Frau genauso wie der Mann von seiner Familie, seinen Kindern entfernen muss. Feminismus und Neoliberalismus Hand in Hand…

"Ihr Männer seid Unmenschen, aber wir hassen euch nicht!"

Bei Onyx läuft gerade eine sehr lange, aber auch sehr lesenswerte Diskussion. Unter anderem geht es dabei auch um die Frage, ob und inwieweit Anne Wicorek männerfeindlich ist (ja, ist sie), was den Feministinnen dort aber nicht einsichtig ist, obwohl sich Leszek die größte Mühe gibt.

Was ich hierbei bemerkenswert finde, dass etwas offenkundiges – zumindest in meinen Augen – nicht erkannt wird. Ich habe mir schon mal Gedanken darüber gemacht, ob Feministinnen eigentlich bewusst lügen, und ich denke, dass die Antwort hierbei in vielen Fällen auf „Nein“ lautet.Wie die Faust auf’s Auge passt hierzu ein aktueller Beitrag des radikalfeministischen Blogs „Die Störenfriedas“. Dort stört man sich daran, dass man Andrea Dworkin (das ist die, die sich einen zur blutigen Masse zusammengeschlagenen Mann wünschte) als Hasspredigerin sieht. Dass man Feminismus und Hass auf Männer inzwischen gleichsetzt, ist ja schon Emma Watson aufgefallen, was dann aber als Verteidigung von Andrea Dworkin angeführt wird, ist als Studienobjekt zu kostbar, um es einfach zu ignorieren: Die gute Andrea war keine Männerhasserin, und als Beleg dafür wird dieses Zitat angeführt:

Ich glaube nicht, dass Vergewaltigung unvermeidbar oder natürlich ist. Wenn ich das täte, dann hätte ich keinen Grund hier zu sein… Habt ihr euch jemals gefragt warum wir [Frauen] uns nicht im bewaffneten Kampf gegen euch befinden? Nicht weil es einen Mangel an Küchenmessern in diesem Land gibt, sondern weil wir an eure Menschlichkeit glauben, entgegen aller Beweise.

 Gleich darunter werden Männer in einem Ausdruck als „gaffende Vergewaltiger“ beschrieben, zugleich aber der Vorwurf, man hasse Männer, zurückgewiesen, denn schließlich hält man Männer nicht angeborenerweise für Monster, sondern – ganz Gender-Theorie – sozusagen nur als solch erzogene Kreaturen – und wo man elegant die Frage umschifft, wer eigentlich wen erzieht. Grandios: Wer in solchen Äußerungen Männerhass sieht, ist selbst ein Frauenhasser – so das Fazit.

Wenn man dies auf den Rassismus überträgt, dann könnte ein Fremdenhasser nach einem seitenlangen Traktat über gewaltbereite Ausländer, die die guten Deutschen systematisch zusammen- und totschlagen, sich von dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit reinwaschen, indem er einfach angibt, dass Ausländer ja nicht von Natur aus Monster seien, sondern lediglich aufgrund einer missglückten Erziehung. Ich glaube aber nicht, dass er damit durchkommen würde, auch nicht bei den „Stoerenfriedas“.

Obiges Zitat ist Hasspropaganda pur, der Mann ist ein Unhold, wofür alle „Beweise“ sprechen, aber grundsätzlich – und deswegen sei es keine Hasspropaganda – ist er zu „Menschlichkeit“ fähig, was bedeutet, dass er so, wie er ist, eben kein Mensch sondern ein Unmensch ist. Das würde auch Alice Schwarzer unterschreiben, die mal meinte, dass ihr Großvater, von dem sie Liebe und Fürsorge empfing, der Beweis sei, dass „auch“ Männer Menschen sein können.

Was dort vorgeführt wird, ist, dass Männerhass als Beleg dafür angeführt wird, man hasse Männer nicht. Ein typischer Fall von und sie merken es nicht.