Warum das Schimpfwort "Schlampe" im Kern männerfeindlich ist

Das hätte er mal besser nicht gesagt:

„Über die sind mir schon zuviele rübergerutscht.“

denn der Freund der so Beschimpften tendierte dazu, Konflikte nicht nur rhetorisch auszutragen.

Hier wurde eine Frau im übertragenden Sinne als „Schlampe“ bezeichnet. Hierbei handelt es sich bekanntlich um eine Bezeichnung für Frauen, die ein aktives Liebesleben pflegen, oder „leicht zu haben sind“, wie man sagt.

Nur was bedeutet es, wenn man eine Frau als Sexualpartnerin ablehnt, weil sie ihrerseits zu viele Liebhaber hatte? Hier kommt eine Ablehnung, ja ein Ekel zum Ausdruck, der sich im Kern gegen Männer, die männliche Sexualität richtet – ich ekel mich vor so einer Frau, da ich mich vor Männern sexuell ekel, und sich in meiner Anschauung etwas von ihren Liebhabern auf sie übertragen hat, erst das stößt mich ab. Das kennt man bereits aus dem Christentum, denn die Empfängnis Jesu war eine „unbefleckte“, was nichts anderes heißt, als das die irdische, männliche Sexualität etwas „befleckendes“ ist, also etwas schmutziges. Es ist bezeichnend, dass dies nicht als so männerfeindlich erkannt wird, wie es ist; allgemein steht die Kirche ja im Ruf, eher frauenfeindlich zu sein. Auch dass „Wollust“ als eine Todsünde gilt – und nichts weniger – ist männerfeindlich, denn wir alle wissen ja, dass es die Männer sind, die dieser Lust anhängen.

Während wir uns also vor einer „Schlampe“ ekeln, gilt das nicht für den „Playboy“. Obwohl für ihn die Gefahr genauso groß ist, sich etwas Unangenehmes einzuhandeln, sehen wir ihn nicht als „beschmutzt“ an – weibliche Sexualität ist etwas reines, nichts, das einen beschmutzt oder „befleckt“.

Stellen wir uns eine andere Kultur vor, eine nicht-feministische und eine nicht-christliche. Eine Kultur in der die männliche Sexualität als etwas wunderbares und potentiell lebensstiftendes begriffen wird, etwas, dem wir alle unser Leben verdanken. Wo eine Frau sich geehrt fühlt, männliche Sexualität zu empfangen und nicht bei einer sexuell konnotierten Annäherung einen #Aufschrei von sich gibt.

In einer solchen Kultur würde ein Schimpfwort wie „Schlampe“ und die damit zusammenhängenden Abwertungen von sexuell aktiven Frauen schlicht keinen Sinn ergeben. Wenn also Feministinnen wieder und wieder die männliche Sexualität dämonisieren, und alles, was irgendwie mit Sex zusammenhängt, niedermachen, sei es die Darstellung sexuell attraktiver Frauen, „sexuelle Belästigung“ oder die Postulierung einer „Rape Culture“, also eine Anklage gegen die männliche Sexualität formulieren, dann schließen sie sich einer Kultur an, die bemerkenswert reaktionär ist, und die sie eigentlich überwinden wollen. Wenn aber Feministinnen diese Kultur tatsächlich überwinden wollen, so dass das Schimpfwort „Schlampe“ ausstirbt, bzw. einfach keinen Sinn mehr ergibt, dann müssten sie genau die gegenteilige Strategie fahren, nämlich männliche Sexualität nicht mehr mit Gewalt zu assoziieren, sondern sie als etwas wunderbares begreifen – aber das wäre ja männerfreundlich, geht also nicht.

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4 Gedanken zu „Warum das Schimpfwort "Schlampe" im Kern männerfeindlich ist

  1. Christian Schmidt

    Ich würde ja vermuten, dass die Abneigung nicht aus dem Ekel vor Männern folgt, sondern eine Übertragung der Gleichung „wenn sie viele Männer hatte, dann hat sie niedrige Standards, eine geringe Vaterwahrscheinlichkeit, kann keine Männer langfristig binden“. Evtl noch verbunden mit „mit ihrer Ablehnung mache ich deutlich, dass ich eher auf eine langzeitstrategie ausgerichtet bin“

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  2. Anonym

    Man vergleiche ein Auto, das gut eingefahren wurde und nun schon viele Kilometer anstandslos gefahren ist, mit einem Bett, in dem schon viele Menschen geschlafen haben.

    Kann man nicht vergleichen?

    Hmmmm…

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  3. Anonym

    Ähm, das mit der unbefleckten Empfängnis war Maria. Ganz normal von ihren Eltern gezeugt, empfangen und geboren, aber von der Erbsünde unbefleckt. Sollte ja später mal Mutter Gottes werden…

    Jesus hingegen, das war 'ne Jungfrauengeburt (die Sache mit der Schwangerschaft ohne den Sex).

    Da tritt das „Iiiiiiiiiih, ein Mann befleckt alles!“ allerdings ein bisschen zurück gegenüber dem „Holla, das ist aber ungewöhnlich, das ist ein Wunder, das _muss_ ja Gottes Sohn sein!“ zurück – bisschen blöd für die Argumentation oben, aber hey, es ist ja schon schön, wenn die Begriffe richtig benutzt werden, oder?

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