PickUp: Ansprechangst

Ich bin nicht frei von Ansprechangst, allerdings: Ich will es auch nicht sein – dazu später mehr.

Ich habe bereits über das Phänomen „Ansprechangst“ geschrieben, und darüber, dass dieses im direktem Widerspruch zur „Rape-Culture“ steht.

Um die Frage: „Wie überwinde ich Ansprechangst?“ zu erörtern, ist es hilfreich, über „Angst“ zu sprechen.

Angst ist ein emotionaler Zustand, der uns schützen soll. Die Evolution hat dies tief in unser instinktives System eingebrannt. Und in vielen Fällen macht das auch Sinn. Höhenangst etwa ist sehr sinnvoll, da sie uns dafür beschützt, durch einen Fall aus großer Höhe zu Tode zu kommen. Oder nehmen wir die Arachnophobie, die Angst vor Spinnen: In unseren Breitengraden absolut sinnlos, in anderen Gegenden hingegen lebensrettend.

Die Ansprechangst schützt dich davor, verletzt zu werden.

Denn das ist jedesmal das Risiko, das Du eingehst, wenn Du eine Unbekannte ansprichst: Das sie dich verletzt.

Drehen wir die Situation um, und betrachten einen realen Fall:

Eine übergewichtige und zudem hässliche Frau spricht dich an, und sie sagt:

„Hallo, ich finde dich sehr sympathisch und würde dich gerne näher kennenlernen.“

Woraufhin Du entgegnest:

„Bäh, bist Du hässlich!“

Das würdest Du natürlich niemals tun (andernfalls verlasse mein Blog), aber Du erkennst, dass es ein Risiko sein kann, anderen seine Zuneigung zu gestehen – besonders Fremden gegenüber. Da kann man verletzt werden – und genau deswegen gibt es die Ansprechangst.

Um die Ansprechangst zu überwinden, gibt es ein Modell. Dieses zieht einen Vergleich zu einem Schwimmbadbecken. Manche tauchen erst ihren Zeh, dann ihren Fuß und so weiter ein, bis sie schließlich ganz im Wasser sind. Andere hingegen machen sofort den Kopfsprung.

Wenn Du die langsame Alternative in Sachen PickUp wählst, dann fängst Du an mit Blickkontakt. Es ist bezeichnend, dass in unserer Gesellschaft, der „Männer-Herrschaft“, Männer Angst davor haben, auch nur Blickkontakt mit Frauen aufzubauen. Am besten kaufst Du dir eine Tageskarte, und fährst den ganzen Tag mit Bus und Bahn. Dann übst Du den Aufbau von Blickkontakt. Probiere Blickkontakt zu Frauen herzustellen, stiere aber nicht sondern lächle. Kein Grinsen oder noch schlimmer: Starren. Übe dein Lächeln vor dem Spiegel; lass dich eventuell von einem Freund beraten. Es geht nicht darum, dass Du sie wie ein Psychopath niederstarrst.

Allerdings ist es auch falsch, den Blick abzuwenden, wenn sie dich anblickt. Und das ist schon Hard-Core: Weiter hin zu schauen, wenn sie zurückguckt. Als Anfänger wird dir das immer wieder passieren: Du guckst automatisch weg. Und damit bist Du schon in der Falle: Wenn Du deinen Blick abwendest, dann aber wieder (und wieder) hinguckst, erst dann kommst Du komisch, ja bedrohlich rüber.

Okay, soviel als Einschub, denn eigentlich geht es hier ja um was anderes.

Ansprechangst existiert; und allein diese Existenz verneint die gesamte Rape-Culture. Die Überwindung dieser Angst erfordert Mut. Was hierbei wichtig ist, ist, dass Mut nur dort existieren kann, wo auch die Angst herrscht. Wenn irgendjemand erklärt, er kenne keine Angst, dann ist er nicht mutig, sondern einfach nur dumm – seine Dummheit macht ihm Angsteinflößendes unbegreiflich. Die Voraussetzung von Mut ist Angst, Mut ist der bewusste Willensakt, einen instinktiven Impuls – die Angst – zu überwinden, anders zu handeln, als es einem der Instinkt oder eben die Gefühle vorschreiben.

Und genau deswegen will ich meine Ansprechangst niemals verlieren – denn es würde bedeuten, dass ich auch nicht mehr mutig sein kann.

Ich habe bei manchen PickUp-Gurus mitgelesen, und es ist jedesmal dieselbe traurige Geschichte: Sie haben den Kick verloren – der Fluch der echten Profis besteht darin, dass für sie ein und alles, die eine und die andere alles dasselbe sind. Nur noch Routine.

Und das will ich niemals erleben, ich bin froh darum, dass ich nach wie vor Ansprechangst habe, und es mich kickt, wenn ich eine Frau anspreche.

Allerdings: Diese verdammte Sprachlosigkeit nach dem Ansprechen, also, das nervt schon…

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3 Gedanken zu „PickUp: Ansprechangst

  1. Miria

    Wer keine Angst hat, ist nicht zwangsläufig dumm!
    Hängt vielleicht auch davon ab wie man Angst definiert. Aber ich mache einen Unterschied zwischen begründeter Vorsicht und Angst. Als Beispiel ist die Angst vor Spinnen, die hier einfach übertrieben und unbegründet ist.
    Ich habe keine Angst, möchte aber nicht gesagt bekommen, ich sei dumm. Ich schätze gewisse Risiken nur realistisch ein.
    Aber der Zusammenhang zum Mut stimmt meiner Meinung nach, mutig bin ich nicht, denn ich muss keine Angst überwinden.

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  2. Anonym

    Hallo noch einmal,

    Mit Angst, vor allem mit Sozialer Phobie kenne ich mehr sehr gut persönlich aus. Ich habe erst durch eine Therapie gelernt sie zu überwinden erst als ich mehr als 30 Jahre alt war.

    Ich habe gerade vorgestern in einem Männermagazin geblättert und sogleich etwas erhellendes zum Thema gefunden. In Schweden, dem Vorreiter-land des modernen Feminismus äußert sich eine junge Frau zum Thema dahingehend, dass sie schon mehrmals einen nahe-stehenden Freund begehrte und es nie zum Kontakt kam, weil man in schwedischen Männern nicht lesen kann, ob sie die Frau begehren oder nicht. Das ist das was uns gerade erst bevorsteht. Kaum noch ein Mann traut sich Frauen anzusehen, weil er ganz einfach kein Chauvischwein sein will, der Frauen als Objekt betrachtet.

    So gehen dann Jahre und Jahrzehnte dahin und Mann traut sich nicht mehr zu schauen, und Frau wartet auf schauenden Mann. Absolut kafkaesk.

    Nun aber zu mir und meiner sozialen Phobie. Irgendwie fand ich es nach einiger Zeit des Trainings ein wenig absurd, dass ich vom Mauerblümchen zum Hengst mutierte, bloß weil ich einige Monate komplett frei von jeglicher Phobie die Frauen anlächeln konnte. Immerhin war ich nicht dieser neue Mann, sondern immer noch derselbe wie vorher.

    Mittlerweile, und nach diesen Verfolgungsvideos durch New Yorks Strassen, schaue ich nicht einmal mehr auf. Es ist mir auch irgendwie egal geworden.

    Noch vor meiner Angst-Therapie hat mich einmal bei uns in der Kleinstadt ein Rudel junger skandinavischer Mädchen verfolgt, an denen ich gerade vorbeigegangen war. Damals hat wohl diese Emannzipation allmählich angefangen in Schweden. Ich fühlte mich damals regelrecht peinlich berührt. Die haben gekichert und sind immer wieder bis neben mir hergelaufen. Das war aber auch das einzige Mal, dass ich so etwas erlebte ;-))).

    Ich denke heute, man soll einfach sich selbst sein, vielleicht etwas weniger ängstlich was dieses Chauvi-geschwätz angeht, aber sonst einfach bloß authentisch.

    Ich denke, das beeindruckt immer noch am meisten. Es gibt übrigens die Theorie, dass es beim Menschen die Frauen sind, die evolutionär betrachtet, den Männern nachjagen (wie bei vielen Affenarten).

    Dann lassen wir sie mal …

    Nein, ich denke, mehr Selbstvertrauen ist wichtig, aber eben in Maßen und authentisch.

    Liebe Grüsse,

    Yeph

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  3. Pingback: Ansprechangst – Der lange Weg zum ersten Mal

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