Birgit Kelle: "Gender Gaga"

Kelles „Gender-Gaga“ belegt auf Amazon seit Wochen Platz Eins in der Rubrik „Gesellschaftskritik“. Ich wollte den Titel schon seit einiger Zeit rezensieren, obwohl ich der Meinung bin, dass es sehr viel stärkere Werke gibt, die es sich zu lesen lohnt – aber wenn’s von einer Frau kommt, dann stürmt Feminismuskritik die Charts…

Birgit Kelle wählt den Weg des Humors, ist aber nicht sonderlich komisch. Dies merkte ich besonders, als ich das Buch ein zweites Mal las. Der schwule Adrian meinte, Kelle wäre homophob, woraufhin ich das Buch ein zweites Mal durchlas, da ich mir dachte, dass mir zuvor homophobe Äußerungen entgangen waren. Und dabei drängte es sich mir auf: Kelle ist nicht witzig, beziehungsweise, sie ist bemüht witzig. Gegen den Versuch lässt sich gar nichts sagen; alle großen Aufklärer zeichneten sich dadurch aus, dass sie vernichtende Witze über eine herrschende Ideologie wie zum Beispiel dem Christentum rissen, und so ihre Vormachtstellung untergruben – ein einziges Kichern in den heiligen Hallen kann eine ganze Weltideologie erschüttern.

Dennoch sehe ich mich mit dem Problem konfrontiert, dass ich nicht so recht weiß, was ich über das Buch schreiben soll – selbst der Autorin vergeht hier und da das Lachen, etwa, wenn sie auf die Situation der Jungen zu sprechen kommt. Deswegen gehe ich einen anderen Weg: Ich nehme mir die Kritiker vor, etwa Tarik: Dieser ist nicht weiß (Daumen hoch), nicht hetero (ebenfalls Daumen hoch), aber immer noch mit Schwanz (Daumen runter), mit anderen Worten: Auch wenn er einen Schwanz hat, kann man ihn als kompetenten Kritiker von Feminismuskritikerinnen nehmen. Dies bedeutet, dass man sich das mal anhören sollte:

Ich gehe einfach mal davon aus, dass er zielsicher alle homophoben oder sonstigen intoleranten Passagen aus dem kritisierten Werk aufsticht und anprangert, da können wir alle nur lernen. Nur was lernen wir? Nichts, aber auch gar nichts.

Wer jetzt glaubt, dass Tarik ein paar knackige Zitate anführen kann, wonach alle Homos ins KZ gehören, sieht sich enttäuscht. Er kann nur ein paar Seifenblasen generieren, die zwar schön schillern, die also die Entsprechungen zu wunderbaren, rhetorischen Stilmitteln bilden, aber zerplatzen, wenn man sie mit kritischen Gedanken berührt.

Denn wenn Tarik solche verhöhnt, die nicht mit einer Genderisierung der deutschen Sprache einverstanden sind; die also Neuformen wie „Profx“ oder „Studentx“ ablehnen, ja dies als eine Politik àla George Orwell begreifen, betreibt er genau das, was er den Kritikern vorwirft.

Und weiter: Wenn Kelle komischerweise (?) darauf hinweist, dass sich Genderisten genauso für Pädo- und Zoophile einzusetzen hätten, dann hat sie schlicht recht – nur weil selbst Genderisten beide Ausrichtungen als pervers empfinden, bedeutet das noch lange nicht, dass sie nicht wie jede andere Ausrichtung auch ein eigenes Geschlecht darstellen. Also was denn nun, Herr Tarik? Wenn eine Butch ein eigenes Geschlecht darstellt, warum dann nicht auch Pädophiler? Nun?

Tarik bezeichnet Frau Kelle als „rechtspopulistisches Miststück“… nein Halt, tut er nicht – oder doch?

Dies würde ihm gefallen, aber er findet dummerweise nichts, was eine solche Bezeichnung rechtfertigen würde. Er würde gerne, wie all die anderen, die Rechtskeule schwingen, kann dafür aber nichts anführen.

Denn im letzten Absatz ihres Buches schreibt Kelle, dass sich entweder das Volk der Genderideologie anzupassen habe, oder aber umgekehrt. Da die Genderisten die Entscheidung getroffen hätten, dass sich das Volk der Ideologie anzupassen habe, sei es Zeit, dass das Volk widerspräche. Man muss kein Rechtspopulist sein, um das zu unterschreiben.

Lieber Tarik, Du kannst hier gerne kommentieren, ich freue mich auf eine Diskussion.

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2 Gedanken zu „Birgit Kelle: "Gender Gaga"

  1. Daniel

    Statt eine Kritik über das Buch zu schreiben, schreibst du eine Kritik über einen Kritiker. Das ist ein interessanter Ansatz. Leider wählst du einen, der selbst nichts zu sagen hat. Doch von nichts kommt — nichts. Oder, um es mit deinen Worten zu sagen: Nur was lernen wir? Nichts, aber auch gar nichts.

    Ich hätte mir eine Auswahl von 2 oder 3 Kritikern gewünscht, die das Buch kompetent beurteilen.

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  2. uepsilonniks

    Tut mir leid, dass dir meine Besprechung nicht gefällt. Ich persönlich finde es sehr bezeichnend, dass ein Kritiker nichts schärferes gegen Kelle auffahren kann, als in diesem Video vorgeführt.

    Wenn Du kompetente Kritiken lesen willst, kannst Du ja auf Amazon vorbeischauen und dir die 1-Sterne-Rezensionen ansehen. Allerdings erwarte nicht zuviel…

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