Der ganze "Vereinbarkeits"-Krampf

Eine der Lieblingsfloskeln des Feminismus ist die Forderung nach „Vereinbarkeit von Kind und Beruf“ – und zwar allein für die Frau. Dass der Mann ebenfalls Kind und Arbeit nicht vereinbaren kann, also Familie der Arbeit opfert, ist ein Gedanke, auf den man nur selten kommt.
Ein Kind, besonders ein Säugling braucht Pflege, und zwar rund um die Uhr. Jetzt hat aber der Tag nur 24 Stunden. Wenn man sich also um ein Kind kümmert, kann man nicht Vollzeit arbeiten gehen. Da Frauen nicht bereit sind, den Rollentausch zu vollziehen, also mit ihrer außerhäuslichen Maloche das Geld zu verdienen, mit dessen Löwenanteil man einen Mann von der Arbeit freistellt, so dass er die Kinderpflege übernehmen kann, muss eine andere Lösung her: Der Nachwuchs wird in die staatliche Fremdbetreuung abgeschoben. Das hat gleich mehrere Vorteile: Der Staat kann die Kinder in seinem Sinne erziehen und prägen, und zudem wird ein wichtiger Punkt der Gender-Agenda erfüllt, wonach möglichst alle Frauen möglichst ihr ganzes Leben lang einer Vollzeitarbeit nachgehen, denn erst das mache die Frau frei: „Arbeit macht frei“… das wusste man früher schon.

Zurück zur „Vereinbarkeit“. Was ist damit gemeint? Warum spricht man bei einem der beliebtesten Modelle – Frau arbeitet Teilzeit, sobald die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind – nicht davon, dass man hier Beruf und Familie vereinbart – und zwar erfolgreich? Weil das Ergebnis für Feministinnen unbefriedigend ausfällt, denn es geht darum, dass Frauen mindestens genauso viel leisten wie Männer, in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Und das geht natürlich nur, wenn die Frau Vollzeit schafft – keine erreicht den Vorstand mit einer Teilzeittätigkeit (es sei denn, die feministische Liga schafft es, eine alte Forderung nach Quotenposten auf Teilzeit durchzusetzen…).

Feministen orientieren sich hier an Idealen, die sich zum einen nur durch (Über-)Vollzeit erreichen lassen, und zudem – bitter! – in der Regel nur von (einigen wenigen) Männern erreicht werden – zum Beispiel der Nobelpreis. Hierzu wird immer wieder die Klage vorgeführt, dass die Frauen selbst unzufrieden (mindestens) damit sind, dass sie wegen der Kinder beruflich zurückstecken müssen. Stimmt das? Sind Frauen tatsächlich unfähig, die Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen zu tragen und zu akzeptieren, wie zum Beispiel, sich versorgen zu lassen anstatt selbst zu versorgen? Blicken wir nach Schweden, welches wir alle ja als das Musterländle der Geschlechterpolitik kennen, unser aller Vorbild, welches wir nachahmen sollten. Dort ist es so, dass die Eltern gar nicht nicht mehr die Wahl haben. Aufgrund einer überbordenden Steuerlast sind dort Eltern gezwungen (!), ihre Kinder in Vollzeit-Fremdbetreuung zu geben, damit beide Elternteile Vollzeit arbeiten gehen können. Dort kann eine Mutter nur dann zu Hause bleiben, und sich selbst um die Kinderpflege kümmern, wenn sie das Glück hatte, sich einen Spitzenverdiener zu angeln. Und solche Frauen gelten – Überraschung (?) – als privilegiert. Ich denke, diese Lektion werden angesichts der deutschen Familien- und Frauenpolitik bei gleichzeitiger, neoliberaler Lohnstagnation auch die Frauen hierzulande lernen: Nämlich, dass man den Wert einer Sache erst dann erkennt, wenn man sie verloren hat.

Nur warum darüber heulen? Damit wird den Frauen nur etwas abverlangt, was für Männer schon immer eine Selbstverständlichkeit war – lebenslang vollzeit malochen. Hat da gerade dennoch ein Maskulist „Das ist trotzdem ein Problem!“ gesagt…?!

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