Filmkritik: "Waterworld"

„Waterworld“ feiert bald seinen zwanzigsten Geburstag, was nicht der einzige Grund ist, sich diesen Film mal näher anzusehen: Denn er war ein Flop. Nur warum?

(c) IMDB.com

Dieser Film bringt alles mit, was einen erfolgreichen Blockbuster ausmacht. Der Plot handelt in einer apokalyptischen Endzeitwelt, in welcher nach dem Schmelzen der Polkappen die gesamte Erde mit Wasser bedeckt ist. Weiterhin kommt der Film nicht nur mit dem Topdarsteller Kevin Costner daher, sondern erfüllt auch alle anderen Kriterien eines Spitzenfilms, wie eine überzeugende Tricktechnik, Action-Szenen und natürlich der alte Kampf Gut gegen Böse.

Trotz dessen war der Film nicht nur an den Kinokassen ein Flop, sondern wird bspw. auch bei der Filmdatenbank „IMDB“ mit gerade mal 6.1 abgestraft.

Woran liegt das? Die Antwort ist einfach: Die Hauptfigur, gespielt von Kevin Costner, befolgt nicht den Helden-, und auch nicht den Gentleman-Code. Er ist ein Einzelgänger, der allein um sein eigenes Überleben kämpft, aber nicht um das anderer. Dies hätte man ihm noch verzeihen können, wenn er diese harte Regel allein auf andere Männer anwenden würde, und nicht auch noch auf Frauen und Kinder – ja sogar Mädchen! Denn genau das tut er: So verlangt er am Beginn des Films einer Adoptivmutter ab, dass sie ihre Adoptivtochter dem sicheren Tod ausliefern soll. Später dann wird er zum Beispiel zum Beinahe-Zuhälter, bevor sich sein Sinn wandelt und er doch noch zum Frauenretter wird.

Anstatt also, dass er die klassische Heldenrolle erfüllt, und bereit ist, sein Leben für Frau und Kinder zu opfern, stellt er sein eigenes Überleben über das Anderer – einschließlich Frauen und Kinder. Und das verzeiht der Zuschauer dem „Helden“ nicht. Weder kann sich der männliche Zuschauer mit dem Helden identifizieren, noch kann der weibliche Zuschauer sein Handeln gutheißen – und das war’s dann: Der Film flopt.

Während Feministinnen das alte Konzept des „Prinz-rettet-Prinzessin“-Schemas ablehnen, lehnen die Zuschauer Filme ab, in welcher der „Held“ zumindest zu Beginn wenig daran denkt, die Rolle der Retters einzunehmen und dabei auch das eigene Leben zu riskieren.

Dass der männliche Held die für Männer alltägliche Härte auch Frauen und Kindern zumutete, das ist es, was der Zuschauer dem Film nicht verzeihen konnte.

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2 Gedanken zu „Filmkritik: "Waterworld"

  1. Unknown

    Hi,
    dass Filmhelden sich erst im Verlauf der Geschichte zum Helden leutern ist doch ziemlicher Standard im Kino.

    Du schreibst:

    „Anstatt also, dass er die klassische Heldenrolle erfüllt, und bereit ist, sein Leben für Frau und Kinder zu opfern, stellt er sein eigenes Überleben über das Anderer – einschließlich Frauen und Kinder. Und das verzeiht der Zuschauer dem „Helden“ nicht.“

    Doch, wenn der Held am Ende zumindest die Frau und das Kind rette oder sich dabei opfert, verzeiht das Publikum dem Helden alles.

    Und weil das so ist, ist Waterworld auch ein durchaus erfolgreicher Film gewesen. Das Märchen, er sei gefloppt, ist eine unausrottbare Legende, die heute gewissermaßen selbst zur „Legende“ um den Film dazugehört, der ja heute durchaus einen gewissen Kultstatus erhalten hat.
    Da er die anvisierten Produktionskosten um ein erhebliches überzogen hatte, kam das zwar erstspät wieder rein, aber angesichts der Kosten ist auch das durchaus beachtlich. Ein Flop ist was anderes.

    Zu den Zahlen sind die Kommentare in Wikipedia wieder mal aufschlussreicher und ausführlicher als der eigentliche Artikel, dort steht:

    Also, der größte Flop aller Zeiten ist Waterworld definitiv nicht. Es gibt Filme die nur einen Bruchteil ihrer Produktionskosten eingespielt haben, das sind Flops. Waterworld spielte aber bei Produktionskosten von ca. 175 Millionen, ca. 264 Millioenen ein. Meine Quelle dabei ist http://www.boxofficemojo.com, eine Seite die nur das Einspieerebniss von Filmen thematisiert. Was also in dem Kevin Costner Artikel seteht ist falsch. Nun muss man natürlich immer zwischen dem US -Amerikanischen Einspielergebnis und dem Einspielergebnis der „restlichen“ Welt unterscheiden. In den USA war der Film mit ca. 88 MIllionen deutlich ein Misserfolg. Kevin Costner war damals noch ein Garant für volle Kinos. Universal hatte mit einemm deutlich dreistelligen Millionenerlös gerechnet (150 Millionen + X). Desshalb galt der Film in den USA als Misserfolg, keinesfalls aber als Monsterflop. In den restlichen Ländern spielte er passable 175 Millionen ein. Nicht viel, Universal hatte mehr erhofft, aber das von vielen prognostizierte Debakel war ausgeblieben. Der größte Flop ist meines Wissens die 2002 gedrehte Science Fiction Kömödie „Pluto Nash“, mit Eddi Murphy in der Hauptrolle. Er kostete 100 Millionen Dollar, spielte aber nur 7 wieder ein. Davor war es der 1980 gedrehte Spätwestern Heaven`s Gate der 44 Millionen kostete und in den USA nur 3 Millionen einspielte. Alleine bei dieser Schere zwischen Kosten und Erlös kann mann sehen, dass Waterworld nicht hier anzusiedeln ist. Er war kein Flop, aber eben auch kein Hit.

    Der Film machte zunächst mehr Umsatz, als er gekostet hatte. Mit dem Abzug der Beteiligungen der Kinobesitzer war aber erst noch in den Miesen. Erst mit dem Videoverleih schaffte er es, schwarze Zhalen zu schreiben. Daher war er kein Flop und schon gar nicht, der größte Flop der Filmgeschichte.

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  2. uepsilonniks

    @Unknown:
    Erst mit dem Videoverleih schaffte er es, schwarze Zhalen zu schreiben. Daher war er kein Flop und schon gar nicht, der größte Flop der Filmgeschichte.

    Nicht der „größte Flop der Filmgeschichte“, schon richtig, aber Erfolg sieht anders aus, als dass man erst im Filmverleih schwarze Zahlen schreiben kann. Und auch die Bewertung auf IMDB mit 6.1, die einen guten Indikator darstellt, spricht nicht gerade dafür, dass der Film in die Hal of Fame der Filmgeschichte eingeht, obwohl er eigentlich alles mitbringt, was dazu notwendig ist.

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