Betreuungsgeld gekippt, oder warum Feministinnen Feinde von Frauen sind – ein kurzer Kommentar

Die feministische Fraktion feiert heute, dass das Bundesverfassungsgericht das Betreuungsgeld gekippt hat. Warum? Weil Frauen damit gezwungen werden!

Der Entzug einer Förderung bedeutet, dass man in seinen Wahlmöglichkeiten beschränkt wird. Man, genauer: Feministinnen – auch und gerade in der Politik – wollen die berufstätige Frau – auch wenn diese nicht will. Feministische Politik bedeutet, dass Frauen genötigt werden, den feministischen Idealvorstellungen zu entsprechen. Der Zwang – ein Nachteil also – trifft hier nicht nur Männer sondern auch Frauen. Allen Ernstes wird diese Nötigung als ein Mehr an „Gleichberechtigung“ gedeutet, und sie werden noch nicht mal rot dabei. Immer wenn man Feministinnen lauscht, bekommt man den Eindruck, als ob die „Herdprämie“ ein Angebot darstellen würde, welches man nicht ablehnen könnte. Es wird Zeit, dass Frauen begreifen, dass Feministinnen nicht nur Männer- sondern auch Frauenfeinde sind. Die Hohepriesterin des Feminismus – Simone de Beauvoir – forderte, dass man Frauen die Möglichkeit entziehen sollte, zu Hause zu bleiben und die eigenen Kinder selbst großzuziehen. Diese Politik hat heute einen Sieg errungen.

Gut, damit werden Frauen graduell den Männern gleichgestellt, also genauso wie sie benachteiligt, denn Männer genießen ebenfalls nicht das Privileg, zu Hause zu bleiben. Dennoch empfinde ich diese Entscheidung selbst als Männerrechtler als einen Rückschlag, denn das Übel, dass sich ein Vater von seiner Familie entfernen muss, um für sie zu sorgen, ist für mich immer noch besser, als dass der Staat in den Fremdbetreuungseinrichtungen die Erziehung der Kinder übernimmt. Ein Staat, der nicht mein Vertrauen genießt – denn es ist ein Kennzeichen totalitärer Systeme, dass sie die Prägung und Erziehung der Kinder übernehmen.

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6 Gedanken zu „Betreuungsgeld gekippt, oder warum Feministinnen Feinde von Frauen sind – ein kurzer Kommentar

  1. Bombe 20

    Das irgendwie amüsante an der Geschichte ist ja, daß vermutlich die wenigsten derjenigen, die das Betreuungsgeld als frauenfeindlich und seine Unterstützer als antifeministisch beschimpfen, die andere Hälfte der Geschichte kennen.

    De Beauvoirs (in unseren Kreisen) berühmte Äußerung „Frauen sollten nicht die Wahl haben, bei ihren Kindern zu bleiben, weil zu viele das machen würden“ war ja die Antwort in einem Gespräch mit Betty Friedan, über die man nun wirklich vieles sagen könnte, aber nicht, daß sie keine anerkannte Feministin sei. Die hatte nämlich zuvor vorgeschlagen, Frauen mit Kindern sollten einen Gutschein erhalten, den sie entweder für Fremdbetreuung einsetzen oder sich als Einkommen auszahlen lassen könnten. („It Changed My Life“, p. 397)

    Ich bin mir nicht sicher, ob es da wirklich einen Mentalitätsunterschied zwischen den Kontinenten gibt, wie Friedan vermutet, oder ob de Beauvoir in Europa (und über den Umweg Schwarzer insbesondere in Deutschland) einfach so wirkmächtig war, daß Feministinnen hier einen anderen Blickwinkel überhaupt nicht mehr denken können.

    Dabei ist es ja nicht nur ein Bißchen absurd, daß aus der gleichen Ecke, die das Betreuungsgeld so resolut ablehnt, andererseits regelmäßig die Klage kommt, „Care-Arbeit“, die ja hauptsächlich von Frauen geleistet würde, würde in unserer Gesellschaft viel zu wenig anerkannt; denn machen wir uns doch nichts vor, „Anerkennung“ heißt heutzutage vor allem „Geld“.
    Wären diese Leute eher zufrieden, wenn es statt 150 lieber 1500 Euro netto pro Monat gäbe, plus Sozialbeiträge? Natürlich nicht, das Geschrei, Frauen würden (durch ein freiwilliges Angebot) in die böse Küche gedrängt, wäre noch viel lauter. (Georg Jähnig macht ja einen ähnlichen Vorschlag, aber dafür müßten eine Menge mehr Vorschriften geändert werden, als man sich als nicht-Verwaltungsmensch vorstellen möchte.)

    Ich frage mich, wie sie diese Quadratur des Kreises hinbekommen wollen: Frauen, die „Care-Arbeit“ leisten, weil sie ja nunmal die besseren und sozialeren Menschen sind, sollen dafür „Anerkennung“ erhalten, aber keineswegs soll die Anerkennung dazu führen, daß Frauen sich dafür entscheiden, sich um ihre Familie zu kümmern.
    Wäre ich bösartig, würde ich ja interpretieren, hier solle das Bild von der ach so sozialen Frau nicht durch auch nur die Möglichkeit des Anscheins beschmutzt werden, ihre Wahl könnte durch etwas Profanes wie den schnöden Mammon beeinflußt sein. Aber tatsächlich wird ja genau das behauptet; Frauen seien so geldgeil, daß sie wegen 150 Euro Betreuungsgeld einen Aufsichtsratsposten sausen lassen wü… nein, richtig, viel schlimmer, das Problem ist ja, daß Frauen bei ihren Kindern sein wollen. Dieser Sexismus!

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  2. Bombe 20

    (Wobei man einschränken muß, wenn Feministinnen „Care-Arbeit“ sagen, scheinen sie vor allem an die Pflege alter oder kranker Familienmitglieder zu denken. Ich wollte ja immer mal eine Polemik schreiben, in der ich mit Hilfe der Argumente von Betreuungsgeld-Gegnern dafür plädiere, Pflegegeld nur noch dann auszuzahlen, wenn die Pflegebedürftigen in ein Altersheim gebracht werden.
    Irgendwie scheinen die Pflege von Kindern und Alten für viele Menschen zwei Dinge zu sein, die absolut nichts miteinander zu tun haben. Vielleicht, weil die Alten in der Lage sind, ihre eigene Meinung zu dem Thema selbst zu vertreten. Oder weil uns das Altwerden allen noch bevorsteht.)

    Einige SPD- und Grünenpolitiker sprechen ja ganz offen davon, daß sie es als Idealzustand (oder gar anzustrebende Pflicht) ansehen würden, wenn alle Kinder tagsüber in Fremdbetreuung untergebracht wären (und in diesem Zusammenhang fallen dann ernsthaft Sätze wie „Die Bildung beginnt im zweiten Lebensmonat“). Ich frage mich, ob das ohne Änderung von Art. 6 II S. 1 GG eigentlich durchzusetzen wäre — zumal doch vor nicht allzu langer Zeit der Gesetzgeber noch festgestellt hat, daß das Erziehungsrecht der Eltern sogar dem Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes vorgeht; jedenfalls, solange das Kind ein Junge ist.

    Bombe 20

    PS. Kleine Anekdote: Eine mir bekannte Erzieherin erzählte letztens, daß die Gemeinde zur Einführung des Rechtsanspruches auf einen U3-Platz die Kita-Träger mit fetten Zuschüssen dazu gebracht hatte, haufenweise neue Gruppen zu eröffnen und entsprechend Räume und Personal bereitzustellen. Und jetzt hätte ihr Arbeitgeber ein echtes Problem, weil er diese Gruppen einfach nicht vollbekomme und die einst langen Wartelisten auf Null zusammengeschrumpft seien.
    Wenn die Betreuungsgeld-Gegner Recht haben, dürfte sich dieses Problem ja in Kürze von selbst lösen, weil all die vielen Mütter, die bisher nur wegen 150 Euro Unterstützung ihre Kinder zu Hause behalten hatten, jetzt den Kitas die Türen einrennen.

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  3. uepsilonniks

    @Bombe 20: Danke, Punktlandung.

    Besonders gut hat mir gefallen, wie Du herausgearbeitet hast, dass Feministen einerseits Anerkennung für „Care-Arbeit“ fordern, diese aber gleichzeitig nicht durch Zuwendungen zum Ausdruck kommen darf, da das ja dazu führen könnte, dass die Mutter zu Hause bleibt.

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  4. Volker Carus

    Man kann es noch weiter runterbrechen.
    Sie wollen lediglich die Finanzierungsgrundlage des sie fütternden Staates verbreitern, daher ist Care-Arbeit in der Familie nicht erwünscht.
    Sozialversicherungspflichtige Fremdbetreuung jedoch schon.

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  5. Anonym

    Wir fordern die sofortige Wiedereinführung des Betreuungsgeldes!
    Da das Bundesverfassungsgericht den staatlichen Zuschuss, auf Bundesebene, für verfassungswidrig erklärt hat, fordern wir die sofortige Wiedereinführung auf Landesebene im gesamten Bundesland, von allen 16 Bundesländern.

    Wer sein Kind aus Überzeugung nicht Fremdbetreuen lassen möchte, sondern sich seinen Kindern bis zu einem bestimmtem Alter in erster Linie selbst widmen möchte, dem war mit dem Betreuungsgeld sehr geholfen und eine Wahl zwischen Fremd- und Eigenbetreuung war leichter zu fällen und das Verhältnis ausgeglichener. Mit Auflösung des Betreuungsgeldes werden Eltern viel eher gezwungen sein, ihre Ideale und Überzeugung aufzugeben, zum Wohle des Geldbeutels. – Der Staat entscheiden was Eltern mit ihren Kindern zu tun haben, eben weil nur die eine Variante vom Staat gefördert wird, frühkindliche (Staats)Bildung nennen sie das!

    https://www.openpetition.de/petition/online/wiedereinfuehrung-des-betreuungsgeldes

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  6. Anonym

    @Volker

    Es ist haargenau das.

    Schau dir die sagenhaften Lohnerhöhungen von Erzieherinnen der letzten fünf Jahre an – irgendwer muss diese spektakulären Lohnzuwächse bezahlen.

    „Hunderttausende Erzieher fordern bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Dabei sind die Löhne seit 2009 schon um 30 Prozent gestiegen.“

    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-04/beruf-erzieher-gehalt-arbeitszeit-arbeitsbedingungen

    Ist DEIN Lohn in den letzten 5 Jahren um 30% gestiegen?

    Und das Muster ist immer das Selbe: Während in der kapitalistischen Industrie für jede gewerkschaftliche Aktion zur Lohnerhöhung ein mediales Tribunal stattfindet, sind 10% Lohnerhöhung im Jahr (!) gar nichts, wenn sie a. im staatlichen Sektor stattfinden, wo sie b. „nur“ Steuern kosten, und den Profit nicht schmälern und c. Frauen bevorzugen.

    Das Muster haben englische Feministinnen von Labor vorexerziert, als sie die Löhne von Krankenschwestern erhöhten und gleichzeitig die von Müllmännern senkten – weil sie deren Tätigkeit verglichen und meinten, sie wären vergleichbar.
    Die Ironie haben sie selber leider nicht begriffen.

    Aber schau dir mal an, wie das Argumentationsmuster aufgegriffen wird:

    „Nach Ver.di-Berechnungen könnte dies wie folgt aussehen: Eine Kinderpflegerin, die derzeit 2.433,58 Euro verdient, soll heraufgestuft werden und 2.756,93 Euro brutto bekommen. Eine Erzieherin, die eine Gruppe leitet, soll statt 2.768,08 Euro künftig 2.991,07 Euro erhalten.

    Erzieher seien vom Ausbildungs- und Anforderungsprofil mit Meistern oder Technikern im öffentlichen Dienst zu vergleichen, sagt Ver.di-Sprecher Christoph Schmitz. Ein Meister verdient bis zu 3.920 Euro brutto. Erzieher erhielten in der höchsten Stufe, also nach etwa 16 Jahren Berufserfahrung, 3.289,06 Euro.“

    http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2015-04/erzieher-kitas-streik

    Die „Vergleichbarkeit“ ist eine Lachnummer – Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen haben eine Ausbildung von 2-3 Jahren Dauer nach einem Hauptschulabschluss.
    Das ist ernsthaft mit einem Meister zu vergleichen?
    Techniker und Meister sind von der Qualifikation mit einem Bachelor-Studium zu vergleichen.

    Dass eine Kinderpflegerin 2.756,93.- verdienen soll, bedeutet (bei einer 40 Stunden-Woche) einen Stundenverdienst von 17,25.-!
    Ein Kumpel von mir ist gelernter Koch und erhält 10.-.
    Ein Elektriker verdient in einem Unternehmen zwischen 12-14.-.

    Was rechtfertigt diese Differenzen?
    Die lassen sich nicht rechtfertigen.

    Und der Witz an diesen sexistischen Wahnsinnslöhnen ist noch nicht einmal deren absolute Höhe, sondern dass du jeden beliebigen Betrag verwetten kannst, die meisten Frauen in diesen Berufen werden Vollzeit überhaupt nicht arbeiten.

    Von daher ist das Endziel m.E. abzusehen: Teilzeit für Frauen (und nur für die) mit vollem Lohnausgleich.

    Haargenauso stellt sich die Situation für akademisch gebildete Frauen im Sozialsektor da – denn deren Anzahl hat sich in den letzten 20 Jahren im Westteil Deutschlands *verdoppelt*.
    Denn es ist für Frauen völlig unzumutbar, nach den Erfordernissen des Arbeitsmarktes zu studieren – der ohnehin nur ein patriarchales Konstrukt ist.

    „Wir“ benötigen also eine umfassende Ausweitung von sozialversicherungspflichtigen Care-Tätigkeiten, damit es Leitungspöstchen, Verwaltungsposten usw. etc. pp. für diese Frauen gibt.

    Und da wird die Diskussion um das Einstiegsgehalt solcher Posten die Vergleichbarkeit mit einem Wirtschaftsingenieur mit Leitungsfunktion und 20 Jahren Berufserfahrung geradezu nahelegen!

    Das ist meine (bittere) Prognose für die nächsten 10 Jahre.

    Schönen Gruß, crumar

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