Mann zündet sich an und wird verklagt

Wie verzweifelt muss man eigentlich sein, um sich in einem Akt des Protestes selbst anzuzünden?

Jeder, der sich schonmal eine Verbrennung eingehandelt hat, weiß, wie groß die Schmerzen und das damit verbundene Leid sind. So, wie die sadistische Menschheit drauf ist, war die Todesstrafe durch Verbrennen bei lebendigen Leib sehr beliebt, das exakte Gegenteil von „kurz und schmerzlos“.

Wenn sich ein Mensch aus Protest selbst anzündet, dann tätigt er eine eindeutige Aussage: Das, was ihr mit mir macht, ist schlimmer, als bei lebendigen Leib zu verbrennen – das schlimmste überhaupt.

Eine buddhistische Nonne verbrennt sich selbst aus Protest gegen die chinesische Besatzung in Tibet. In den Augen des chinesischen Regimes eine Terroristin, eine Täterin.

Wir wissen inzwischen, das Hartz-IV-Empfänger im Schnitt kränker sind als der Rest der Bevölkerung. Die Frage ist nur, ob Krankheit zu Hartz-IV führt oder ob Hartz-IV krank macht, so schreibt die Welt:

Hartz-IV-Empfänger sind nicht nur ärmer und haben einen niedrigeren Lebensstandard als Erwerbstätige. Sie schneiden auch bei Gesundheit, sozialer Integration und Lebenszufriedenheit deutlich schlechter ab als Personen, die Arbeit haben. Das ergab eine Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zur sozialen und materiellen Lage der Empfänger von Arbeitslosengeld II.

Was hierbei auch noch unbedingt erwähnt werden sollte, ist Folgendes:

Männliche Hartz-IV-Empfänger werden bei Verstößen gegen die Bestimmungen doppelt so häufig und schwerer sanktioniert als Frauen. In der Folge müssen männliche Hartz-IV-Empfänger weitaus häufiger empfindliche Kürzungen der Geldleistungen hinnehmen. Dies geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Arbeitslose haben es schwer, und Männer ganz besonders.

Jetzt hat sich – übrigens nicht zum ersten Mal – ein Mann im Jobcenter angezündet:

Ein 32-jähriger Mann hat sich am Mittwochnachmittag vor einer Bürotür in dem Gebäude des Job-Centers in der Weinheimer Straße mit Brandbeschleuniger übergossen und dann angesteckt.

Das Regime reagierte darauf damit, dass es den Mann, der zeitweise in Lebensgefahr schwebte, nun verklagte – und zwar wegen eines versuchten Tötungsdelikts, da der Mann in seinen großen Schmerzen blind auf einen Mitarbeiter des Jobcenters zurannte.

Das ist aber kein Skandal. Genauso, wie viele Medien den internationalen Männertag zum Anlass nahmen, Hass und Spott über das Geschlecht auszukübeln, welches sich überdurchschnittlich oft das Leben nimmt, genauso wird umgekehrt der Mantel des Schweigens über diesen Vorfall und der unmöglichen Reaktion der Behörden ausgebreitet. Man stelle sich vor, eine Frau oder ein Flüchtling hätten sich angezündet… es würde sich um einen nationalen Skandal handeln, ähnlich wie #Aufschrei. Da es sich aber – wiederholt – nur um einen Mann handelt, ist es lediglich eine Randnotiz wert.

Was sich hier zeigt, ist eine gnadenlose, ja tödliche Politik, die von oben nach unten durchgesetzt wird, und selbst die verzweifelsten Formen des Protestes dagegen noch bestraft. Soviel zu Art. 1 GG und der Würde des Menschen, angeblich „unantastbar“.

(danke an Adler)

 [Update] Adler hat die Meldungen im Forum Männerrechte gesichert.

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2 Gedanken zu „Mann zündet sich an und wird verklagt

  1. Anonym

    Korrektur: Die Anklage lautet narürlich Mordversuch und nicht Mord. Der Mitarbeiter des Jobcenters hat ja nur leichte Brandverletzungen erlitten, lebt also noch. Ob er sich diese bei dem Veruch zuzog, den Delinquenten „zu löschen“, geht aus den Berichten nicht hervor (Originalspeek des Morgenweb: „Er konnte gelöscht werden“).

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