Homoehe, Adoptionsrecht, Leihmutter, Samenspender

Bei der ganzen Debatte um die Homoehe werden häufig zwei Dinge durcheinander geworfen, die man aber getrennt betrachten sollte: Nämlich einerseits die Homoehe ansich, als auch das Adoptionsrecht.

Zur Homoehe lässt sich sagen, dass kein einziges Heteropaar einen Nachteil erleidet, nur weil anderen auch das Recht zugestanden wird, zu heiraten. Ich finde solche Diskussionen, in welchen die Homoehe als eine Bedrohung der Heteroehe gesehen wird (z.B. hier) mehr als befremdlich, ich kann das nicht nachvollziehen. Verschieden Argumente dazu erweisen sich als Luftnummer, wie z.B. dass Homos auf natürliche Art keine Kinder bekommen können, denn unfruchtbaren Heteros oder Frauen über 40 wird die Eheschließung ja auch nicht verboten. Aber gut, wenn den fundamentalistischen Christen das Alleinstellungsmerkmal so wichtig ist, könnte man sich auf einen Kompromiss einigen: Die Homoehe wird zwar rechtlich gleichgestellt, mit allen Vor- und Nachteilen, mit allen Rechten und Pflichten, aber die Christen halten sozusagen das Copyright auf das Wort „Ehe“ was bedeutet, dass man die Homoehe offiziell nicht als „Ehe“ sondern z.B. als „Lebenspartnerschaft“ bezeichnet – nur so als Vorschlag.

… ich habe nichts gegen Homos, aber, aber, aber…

So, nachdem ich das abgehakt habe, komme ich zum berühmten und allseits beliebten: ABER.

Eine rechtliche Gleichstellung der Homo- zur Heteroehe schließt nicht das Recht auf Kinder ein. Denn es ist nunmal so, dass ein Homopaar ohne Hilfe eines Dritten kein Kind bekommen kann. Und hier geht es los: Bei einer bloßen Gleichstellung wird dieses Problem nicht behoben, denn damit Homosexuelle Kinder bekommen können, brauchen sie Sonderrechte, wie etwa jenes über die Adoption. Das Problem liegt darin, dass sowohl einem Kind das Recht auf einen seiner leiblichen Elternteile entzogen wird, als auch eine Mutter oder ein Vater auf der Strecke bleibt, einem leiblichen Elternteil sein Kind entzogen wird. Ein Kind eines Homopaares, welches sich einen Samenspender oder eine Leihmuter gesucht hat, hat drei Eltern, einen sozialen und zwei leibliche – Leihmutterschaft ist aber in Deutschland verboten, hier wäre also ein Sonderrecht vonnöten, genauso wie auch ein Adoptionsrecht bei einer Lesbe, welche sich zusammen mit einer Partnerin einen Samenspender gesucht hat.

Homosexuellen dieses Sonderrecht zu verweigern ist nicht homophob, denn analog kann man dieses Sonderrecht auch Heteros veweigern, solchen, die zum Beispiel unfruchtbar sind. Auch hier würde sich eine Konstellation wie bei Homosexuellen ergeben, nämlich ein soziales Elternteil und zwei leibliche, und man weiß inzwischen, dass Kinder, die etwa durch eine Samenspende entstanden sind (was im Gegensatz zur Leihmutterschaft legal ist), in der Regel einen starken Wunsch entwickeln, ihren leiblichen Vater kennenzulernen und große Mühen auf sich nehmen, diesen ausfindig zu machen.

Das heißt, Homosexuelle sind auf Leihmutterschaft oder Samenspende angewiesen – und hier besteht ein gigantischer Unterschied. Während es in unserer Gesellschaft so ist, dass es nicht als Verbrechen zählt, wenn man einem Kind von vornherein und willkürlich seinem Vater vorenthält oder ihm entfremdet, würde dies bei getauschten Geschlechtern zu Empörungsstürmen führen. Jeder würde sofort einsehen, dass es ein Verbrechen ist, einem Kind seine Mutter vorzuenthalten oder einer Mutter ihr Kind. Vor dem Hintergrund ist es für Schwule doppelt schwierig, zu einem Kind zu kommen: Nicht nur ist Leihmutterschaft illegal, auch wird Mutterentzug im Gegensatz zu Vaterentzug als unmoralisch bewertet.

Ein anderer wesentlicher Aspekt betrifft natürlich das Kindeswohl, also die Frage, wie ergeht es Kindern, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen? Eine kurze Recherche ergibt, dass die meisten Studien hier zu dem Ergebnis kommen, dass dies die Kinder nicht nur nicht schaden, ja sogar privilegieren würde. Stimmen, die sagen, dass es Kindern bei ihren leiblichen und nicht homosexuellen Eltern am Besten ergeht, sind eher die Ausnahme. Wenn es aber so ist, dass es Kindern bei Homoeltern gut ergeht, dann lässt sich kaum etwas dagegen sagen, Homosexuellen (und Unfruchtbaren) Sonderrechte zu gewähren, also das Mittel der Leihmutterschaft oder Samenspende, mit all den bereits erörterten Nachteilen.

Ein anderer Weg besteht vielleicht darin, nicht die Leihmutterschaft oder Samenspende freizugeben, aber dafür die Adoption von Heimkindern und Waisen zu ermöglichen. Bei diesen liegt bereits ein Vater- und Mutterentzug vor, insofern wäre die Trennung von leiblichen Elternteilen durch homosexuelle Adoptiveltern nicht geplant und vorsätzlich herbeigeführt. Hier lässt sich unter der Prämisse, dass homosexuelle Eltern grundsätzlich nicht schädlich für Kinder sind, ein Adoptivrecht tolerieren.

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8 Gedanken zu „Homoehe, Adoptionsrecht, Leihmutter, Samenspender

  1. Anonym

    > Zur Homoehe lässt sich sagen, dass kein einziges Heteropaar einen Nachteil erleidet, nur weil anderen auch das Recht zugestanden wird, zu heiraten. Ich finde solche Diskussionen, in welchen die Homoehe als eine Bedrohung der Heteroehe gesehen

    Der Staat war ja nicht blöd, als er die Ehe unter seinen besonderen Schutz stellte. Eine (Hetero) Ehe hatte für ihn Vorteile, sicherte er doch seinen Bestand, da aus dieser im Normalfall Nachwuchs hervorging. Nur wenige Ehen blieben kinderlos, nahm man aber als Kollateralschaden in Kauf. Wie auch die Werbeindustrie für Produkte wirbt, wohl wissend, dass sie nicht alle erreichen wird.

    Danach musste die Ehe geschützt werden, weil sonst Kinder und Frauen der staatliche Fürsorge anheimfallen würden, wenn der Ernährer die Familie verlassen sollte. Vor allem die Aufzucht der Kinder musste gesichert werden. Sie sind die Schwächsten im Familienverband und können sich nicht selbst ernähren, Frau schon, auch in früheren Zeiten.

    Es war also ein Vertrag mit Verpflichtungen auf beiden Seiten. Familie sorgte für die Aufzucht der Kinder, dafür gewährte man Steuererleichterungen und weitere Sozialleistungen, wie etwa die Mitversicherung bei Krankenkasse und Rente.

    Das war ein klasklar durchdachtes System und hatte weder mit Ideologie, noch was mit Religion zu tun. Wenn nun heutige Ideologen diese gewährten Vorteile für sich beanspruchen, ohne die Gegenleistung erbringen zu können, ja nicht einmal im Traum daran zu denken, dann ist das kindliches „Auch Haben Wollen“ ohne für die Ware bezahlen zu müssen.

    Wenn nun also Jeder alle gewährten Vorteile einer Ehe auch für sich beansprucht, so wird damit der Sinn und Zweck einer Ehe, nämlich Nachwuchs und für ihn zu Sorgen, entwertet und ad absurdum geführt. Dadurch wird sie entwertet und also doch gefährdet, in ihrer Substanz bedroht.

    Als Christ – warum schreist du eigentlich gleich „fundamentalistisch“ als Begleitwort? – brauche ich dazu kein „Copyright“. Jedoch sehe ich einen wesentlichen Unterschied in der Bewertung. Natürlich braucht es eine Gesetzeslage auch für gleichgeschlechtiche Partnerschafte, eben keine Ehe. Für Erbrecht zum Beispiel oder für den Fall, dass einer Betreuung braucht, schon nach einem schweren Unfall. Aber alle anderen, es sind wohl in der Hauptsache geldwerte Vorteile, braucht es eine Ehe und keine Lebenspartnerschaft.

    Rei_H

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  2. Anonym

    @uepsi: Das musst Du doch verstehen, wenn zum Beispiel 2 Homos heiraten, gibt es 2 Ehen weniger und 4 Heteros können dann nicht den heiligen Bund eingehen, kapische?

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  3. Anonym

    Also nochmal, für dich und in aller Kürze:
    Eine heterosexuelle Partnerschaft – und nur die – bietet der Gesellschaft die Möglichkeit weiter zu existieren, weil sie das Potential in sich trägt Nachwuchs zu schaffen und damit die Zukunft zu sichern. Und weil das so ist, gewährt der Staat als Vertreter einer großen Gesellschaft dieser gewisse Vorteile, die ich oben kurz angerissen habe.

    Eine homo, lesbische oder X Partnerschaft kann das nicht leisten und hat deshalb auch keinen Anspruch auf Vergünstigungen. Was als so fürsorglich daher kommt, ist nämlich in Wahrheit ein Geschäft.

    Wenn du den Unterschied nicht kapierst, dann hast du dir aus ideologischen oder persönlichen Gründen eine Denkblockade gebaut und WILLST es nicht verstehen.

    Übrigens wird auch eine prähistorische Stammesgemeinschfaft in Gefahr und Hungerszeiten zuerst die Kinder und deren Eltern schützen und unterstützen. Die Eltern deshalb, weil sie die Kinder unterstützen, bis sie für sich selber einstehen und dann etwas für den Bestand Gruppe leisten kann.

    Dann wird sie (junge) Frauen und Mädchen schützen, weil die potentiell in der Lage sind Nachwuchs auszubrüten. Sie wird es auch dann tun, wenn nicht jede von ihnen Nachwuchs haben wird. Es ist eine Investition in die Zukunft.

    Als letztem, wird hilflosen Männern geholfen, denn das sind nur nutzlose Esser, ohne jeden Wert für die Gemeinschaft. Und das ist auch der Grund, weswegen wir immer gegen die menschliche Biologie und Prägung anrennen müssen.

    Rei_H

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  4. Anonym

    @Anonym26. Januar 2016 um 11:12

    Adoptivsohn Augstein schrieb zu den Kölner Silvesterereignissen im Spiegel, dass die deutschen Männer nur deshalb Frauen vor sexuellen Übergriffen durch arbisch-stämmigen Männern schützen wollen, weil sie das lieber selber tun möchten.

    Dein Geseiere ist von gleichem Tiefgang und Güte.

    Rei_H

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  5. uepsilonniks

    In aller Kürze: Kein einziges Heteropaar erleidet auch nur den geringsten Nachteil durch die Öffnung der Ehe auch für Homosexuelle (außer vielleicht ein gekränktes Ego, aber das ist kein Grund). Deswegen besteht kein Grund, dies Homosexuellen vorzuenthalten.

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  6. uepsilonniks

    Als letztem, wird hilflosen Männern geholfen, denn das sind nur nutzlose Esser, ohne jeden Wert für die Gemeinschaft.

    Hehe, und schon fällt die Maske…

    Ansage: Ein derart unmenschliches Geschwätz will ich auf meinem Blog nicht haben, auch wenn es noch so schön selbstverräterisch ist.

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  7. Anonym

    @Rei_H

    Ja, ja:

    „Als letztem, wird hilflosen Männern geholfen, denn das sind nur nutzlose Esser, ohne jeden Wert für die Gemeinschaft.“

    Da treffen Frauenverherrlichung und Männerverachtung gezielt aufeinander – m.E. nicht ohne Grund im christlichen Geiste.

    Das Problem an dieser, deiner Darstellung:

    „Familie sorgte für die Aufzucht der Kinder, dafür gewährte man Steuererleichterungen und weitere Sozialleistungen, wie etwa die Mitversicherung bei Krankenkasse und Rente.“

    Der Staat kann nur Mittel VERTEILEN, die irgendwer vorher erwirtschaftet hat (abzüglich der Mittel, der er für die Institutionen verheizt).

    Auch die Sozialversicherungsbeiträge müssen zuerst entrichtet werden – und die sind abhängig von der Erwerbsarbeit – um dann zu SUBVENTIONIEREN, dass Frauen bei Männern z.B. in der Krankenkasse „mitversichert“ sind.
    „Mitversichert“ ist der Euphemismus für: ANDERE zahlen lassen.
    Selbes Spiel bei der Rentenkasse, Witwenrente: es wird nur so *getan*, als hätte der verstorbene Mann einen Anspruch an seine Frau zu vererben.
    Bei einem UMLAGESYSTEM gibt es jedoch keine gebildeten Rücklagen, die zu vererben *wären*.
    D.h. der von der Frau erworbene Anspruch ist eine Nullnummer, für die alle anderen zahlen müssen.
    Ebenso Ehegattensplitting und alle anderen Subventionen und Vergünstigungen – die Restgesellschaft muss dafür ZAHLEN.

    Du brauchst dir nur die Erwerbsbeteiligung und die prozentuale Verteilung der im Jahr geleisteten Arbeitsstunden anzuschauen und dir wird dämmern, wer dieses System finanziert: MÄNNER.
    JEDER materielle Transfer in diesem Land läuft immer in genau eine Richtung VOM Mann ZUR Frau.

    Ohne die finanzielle Verpflichtung dieser „nutzlosen Fresser“ würde es Millionen obdachlose Frauen geben – oder glaubst du ernsthaft, es wäre ein Leben vom Einkommen eines Mini-Jobs möglich?
    Die Grundverpflichtung von Männern ist die (Ehe-) vertragliche Zusicherung, ihre EIGENEN Ressourcen hälftig zu teilen und dies nennt man dann „Familieneinkommen“.
    Wobei ein Teil der Familie den materiellen Gegenwert eines Mini-Jobs beiträgt und der andere Teil den „Rest“.

    Die putzige Benennung des Anteils der Frau nennt man „Zuverdienst“, was schlicht gelogen ist.
    Denn in einer solchen Beziehung kann sie von dem selbst erwirtschafteten Einkommen noch nicht einmal die *eigene* Reproduktion bezahlen.
    Geschweige die eines oder mehrerer Kinder.

    Gruß, crumar

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