Über die ganz alltägliche Bestialität

Stell dir vor, Du surfst im Internet eine Nachrichtenseite an, und bekommst dann folgende Meldung zu lesen:

Sie weigerte sich, ihm ein Essen zu kochen, er griff zu drastischen Maßnahmen

Alle Frauen, die sich weigern, ihren ehelichen Pflichten nachzukommen, können froh sein, dass dieser Mann nicht ihr Mann ist. Denn dieser Rumäne griff zu einer drastischen Maßnahme, als seine Frau ihm zum internationalen Männertag kein Schnitzel servierte. Er vergewaltigte sie mit einem Lötkolben.

Nach der Tat zeigte er sich reuelos, er habe schlicht nicht gewusst, dass dies zu Verbrennungen dritten Grades führen könne.

Also, liebe Frauen: Nehmt euch das zu Herzen.

Besonders die letzte Zeile ist interessant: Sie suggeriert, dass das Opfer der Tat nicht nur selbst schuld ist – mit korrektem Verhalten hätte es den Gewaltakt verhindern können – nein, es geht noch weiter: Die Vergewaltigung mit einem Lötkolben war die gerechte Strafe für unangemessenes Verhalten, und andere Frauen sollen daraus lernen, dieses falsche Verhalten zu meiden!

Vermutlich hast Du dir schon gedacht, dass hier was nicht stimmt. Damit liegst Du richtig, ich habe die Geschlechter getauscht. Die Originalmeldung findet sich hier.

Denn ein solcher Artikel, wie von mir vorgetragen, wäre schlicht nicht möglich: So herabwürdigend und höhnisch gehen die „patriarchalen“ Massenmedien nicht mit Frauen um, sowas kann man sich nur mit männlichen Opfern leisten.

Und wie sehen die Reaktionen auf diesen Ausfall aus? Nix und Null. Man vergleiche dies mit dem verunglückten Dirndl-Kompliment eines Brüderle, welches zu wochenlangen Diskussionen in allen wichtigen Talkshows führte und den #Aufschrei initiierte, welcher mit dem Grimme-Preis honoriert wurde. Wir dürfen umgekehrt darauf vertrauen, dass das Verhöhnen eines männlichen Opfers einer brutalen Gewalttat nicht die geringste Reaktion hervorrufen wird: Mit Männern kann man’s machen.

Diese Tat lässt sich allerdings in einen größeren Kontext einordnen: Denn egal, ob man ein männliches Opfer eines Gewaltverbrechen als „gerecht bestraft“ bezeichnet, ob man das Geschlecht eines Andrizids unsichtbar macht, ob man Männer im Krieg verheizt, ob man einer Männermörderin zujubelt, ob über „Male Tears“ gehöhnt wird, ob man Männer in fiktiven Werken in Gaskammern tötet, ob man selbst Jungen im Stich lässt, ob man Väter entsorgt, oder ob man eben männlichen Opfern (und ihren Kindern) Hilfe verweigert, wenn der Täter eine Täterin ist, all das ist die Folge dessen, dass wir gesamtgesellschaftlich Männern eine geringere Menschenwürde zuteilen, ihre Not und ihr Leiden für irrelevant halten.

Nein, das was sich hier die Huffington Post mit Männern leistet, könnte durch keinen #Aufschrei und keinem Schlampenmarsch, keinem Shitstorm angemessen gewürdigt werden, wäre eine Frau das Opfer gewesen.

Was wir hier vorliegen haben, ist ein Empathy-Gap. Wir bringen Männern einfach weniger Mitgefühl entgegen als Frauen. So ist es auch möglich, dass die größten Notlagen wie bspw. Suizid oder Obdachlosigkeit überwiegend Männer betreffen, aber im Mainstream stets die Sorge um das Wohl und Wehe der Frau getragen wird, ohne dass mal jemand aufmerkt. Und wenn es doch mal jemand tut, darf er erleben, dass er von Feministinnen wie Bascha Mika oder Thea Dorn als „Jammerlappen“ verhöhnt wird oder „Männertränen“ als feministisches Aphrodisiakum gelten.

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3 Gedanken zu „Über die ganz alltägliche Bestialität

  1. Anonym

    BAMM!

    Das allerdings werden die ganzen verzogenen Gören, die sich schon deshalb diskriminiert fühlen, weil sie noch immer nicht Millionärin geworden sind, nie kapieren. Und das, obwohl sie doch schon soooo lange und ausgiebig auf fremde Rechnung irgendeinen Scheiß studiert haben, den keine Sau gebrauchen kann, der ganz und gar nichts in irgendeiner Weise voranbringt – und der sie letztlich noch unbrauchbarer und noch unausstehlicher gemacht hat, als sie es vorher schon gewesen sind.

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  2. Anonym

    Unglaublich. Dazu eine lustige Melodie und eine amüsierte Stimme. Ich versuche huffington seit längerem durch Nichtachtung zu „strafen“ und hätte das insofern nicht gesehen.

    Bitte möglichst öffentlichkeitswirksam dem deutschen Presserat melden.

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