#article7 – Oder: Papier ist geduldig

Artikel 7 der allgemeinen Menschenrechtserklärung lautet:

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.“

und Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes lautet:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, (…) benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Allerdings heißt es wenig später dann, in Artikel 12a:

(1) Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.

Ganz offensichtlich steht Artikel 12a im Widerspruch zu Artikel 3 GG, denn offenkundig dürfen Männer allein aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden, denn allein sie werden zu einem Zwangsdienst gepresst. Das kam mir eigentlich schon immer sehr komisch vor, auch wenn ich mir damals kaum Gedanken darum gemacht habe, warum nur ich aber nicht meine Klassenkameradin zur Musterung beordert wurde.

Denn dieser Kriegszwangsdienst – auch wenn mittlerweile ausgesetzt (nicht abgeschafft) – ist nicht von schlechten Eltern. Er schlägt nur deshalb nicht voll zu, da Deutschland mittlerweile von Freunden umzingelt ist. In anderen Zeiten bedeutet der Zwangsdienst totalen Zugriff auf Leben und Körper eine jungen Mannes; er hatte im Ernstfall buchstäblich für die Gesellschaft zu sterben. Ein größeres Opfer kann man niemanden abverlangen – außer Männern.

Wenn man Artikel 3 ernstnehmen würde, dann müsste Art. 12a gestrichen werden. Denn die Existenz von 12a bedeutet analog nichts anderes, als dass zum Beispiel hier die Todesstrafe verboten wird, um dann ein paar Artikel später Hochverrat eben doch mit dem Tode zu bestrafen.

Tatsächlich steht Art. 3 GG, nach welchem niemand aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden darf, noch mit vielen weiteren Gesetzen im Konflikt, Auschfrei listet ein paar gesetzliche Ungleichheiten auf, und alle benachteiligen Männer.

Artikel 3 GG wird – obwohl geschlechtsneutral formuliert – immer nur als Frauenparagraf verstanden. Das heißt, es werden zwar Frauenquoten für die lukrativen Positionen in der Gesellschaft durchgesetzt, aber nicht für die Hölle, wo sich überwiegend Männer finden, also zum Beispiel die Obdachlosigkeit. Eine Gleichstellungsbeauftragte, die sich auch für Männer zuständig sieht, wird aus dem Amt gejagt, eine Frauenministerin kann ohne rot zu werden erklären: „Für kinderlose Männer zwischen 25 und 50 Jahren bin ich nicht zuständig“. Klar, obwohl Art. 3 etwas anderes sagt!

Rein theoretisch verbietet Art. 3 GG die Diskriminierung von Männern. Theoretisch. Aber es hängt nicht allein vom Geschriebenen ab, sondern auch davon, wie es interpretiert wird: von Politikern und Richtern und Jura-Studenten. Und sie alle eint, dass sie beim Stichwort „Gleichberechtigung“ lediglich an Frauen denken, und daran, was man für sie tun könnte.

Männer genießen schlicht keine Sympathien, deswegen ist ihre bisweilen tödliche Benachteiligung kein Thema.

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2 Gedanken zu „#article7 – Oder: Papier ist geduldig

  1. Anonym

    @Jüngling:

    Sie haben falsch zitiert, das Zitat lautete:

    „Für kinderlose Männer zwischen 25 und 50 Jahren bin ich nicht zuständig“

    Gefällt mir

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