Heißt Nein Nein?

Im Zuge der ganzen Debatte um die Verschärfung des Sexualstrafrechts stolpert man immer wieder über diesen Slogan:

„Nein heißt Nein!“

Das soll heißen, dass wenn im Prozess der Annäherung ein „Nein“ übergangen wird, dann gehört der „Täter“ – in der Regel der Mann, denn ihm obliegt es, die Initiative zu übernehmen – in den Knast. Wichtig ist hierbei, dass Feministinnen äußerst aggressiv betonen, dass ein „Nein“ immer und #ausnahmslos so gemeint ist, weshalb das Übergehen einer solchen Äußerung wie Vergewaltigung bestraft gehört. Die Verschärfung des Sexualstrafrechts soll dem Rechnung tragen.

Hier geht es um zwei verschiedene Themen. Zum einen geht es darum, ob Frauen tatsächlich niemals „Nein“ sagen, aber doch „Ja“ meinen. Zum anderen geht es darum, ob vor Gericht ein erwiesenes „Nein“ ausreicht, jemanden ins Gefängnis zu bringen, der sich darüber hinweg gesetzt hat.

Beginnen wir mit dem ersten Punkt: In der Sendung „ZDF-Log In“ führt der Verführungskünstler Maximilian Pütz aus, dass ein erstes „Nein“ nicht absolut ist. Die meisten Männer werfen nach der ersten Ablehnung die Flinte ins Korn, was aber gar nicht nötig ist. Wenn ich eine Frau küssen will, und sie dreht sich weg, dann war das eben der falsche Zeitpunkt, man kann einfach weiterflirten und 20 Minuten später kann es dann der richtige Zeitpunkt für einen Kuss sein (oder auch nicht).

Derselbe Verführungskünstler erzählt an anderer Stelle (leider hinter einer Paywall) eine Geschichte, die ebenfalls sehr erhellend ist. So berichtet er, wie er einmal in einem Club versucht hat, eine Frau zu küssen, und viermal abgeblitzt ist, bevor er sie doch noch küssen konnte. Später fragte er sie, warum sie so oft nonverbal „Nein“ gesagt hatte, und die Antwort lautete, dass sie sicher gehen wollte, dass er es auch ernst mit ihr meine – so banal kann der Grund sein, dass Frauen „Nein“ sagen, im Grunde aber „Ja“ meinen.

Wenn also Feministinnen behaupten, ein „Nein“ sei absolut, liegen sie damit falsch, wie übrigens auch Studien zeigen: So berichtet Arne Hoffmann von einer Studie, die zu folgendem Ergebnis gelangt:

Die »Psychologie-heute«-Redakteurin Ursula Nuber und der Maskulist Warren Farrell berichten beide von einer Studie der Universität Texas, bei der immerhin 39,9 Prozent der befragten Frauenzugaben, schon einmal »nein« gesagt und »ja« gemeint zu haben. »Von diesen fast 40 Prozent wendeten 32 Prozent den Trick nur einmal an«, schreibt Ursula Nuber, »45 Prozent berichteten von mehreren Malen, und für den Rest scheint das Vorspielen von Ablehnung zum Repertoire zu gehören.«

Die Motive, warum Frauen „Nein“ sagen, aber „Ja“ meinen, sind unterschiedlich und vielfältig. So wollen Frauen zum Beispiel nicht die Verantwortung dafür tragen, dass es zum Sex gekommen ist. Sie wollen nicht als „Schlampen“ gelten oder als „leicht zu haben“. Sie wollen romantisch erobert werden wie Scarlet O’Hara durch Rhett Butler in „Vom Winde verweht“. Sie wollen den Mann auf seine Männlichkeit testen. Warum übrigens eine scheinbare Ablehnung für die Erotik besonders wichtig ist, wird hier besprochen – Verführung brauch Hürden, kurz gesagt.

Doch, häufig heißt es genau das.

Der zweite Punkt, ob nämlich vor Gericht ein erwiesenes „Nein“ ausreicht, um den „Täter“ hinter Gitter zu bringen, ist ein recht kniffliger. Wenn man dem Mainstream folgt – also der feministischen Sicht – dann würde ein einfaches „Nein“ einer Frau nicht ausreichen, um den Mann in den Knast zu bringen, wenn er dieses übergangen hat.

Hierzu äußert sich der BGH-Richter Fischer deutlich:

Nehmen wir an, Herr X erstattet Strafanzeige folgenden Inhalts: Vor vier Jahren vollzog ich mit der Beschuldigten Frau Z den Geschlechtsverkehr. Ich sagte ihr vorher, dass ich das nicht wolle, aber sie sagte: „Ach komm schon!“, fasste zwischen meine Beine und brachte mich schließlich dazu, den Geschlechtsverkehr auszuführen. Nach heutiger Rechtslage ist (zum Glück) sicher, dass Frau Z für diese „Tat“ nicht wegen „Vergewaltigung“ zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt würde. So sollte es bleiben – selbst wenn man die Rollen von Mann und Frau vertauscht. Nach Ansicht der sogenannten Reformer dagegen wäre Frau Z künftig wegen Vergewaltigung zu verurteilen.

In diesem Beispiel wird zwar „Nein“ gesagt, aber kein vernünftiger Mensch würde deshalb fordern, dass die „Täterin“ hierzu verurteilt wird.

In einem weiteren Beispiel bezieht sich derselbe Richter auf eine Juristin, die folgendes behauptet:

Also gehen wir mal weg von der Beweisbarkeit. Nehmen wir mal an, es ist eine Tat, die ist gefilmt worden, ja? Das ist gefilmt, und wir haben ganz klar eine Situation, es gibt eine Frau, die von drei Männern, die mit drei Männern in einem Raum ist, und diese drei Männer üben sexuelle Handlungen an dieser Frau aus, und sie sagt immer wieder Nein, ich möchte das nicht. Sie weint, aber sie wehrt sich nicht, aus welchem Grund auch immer. Und es wird auch keine Gewalt ausgeübt. So, nun üben diese drei Personen Geschlechtsverkehr mit ihr aus, und das ist alles gefilmt. Im Moment ist es so: Selbst wenn es bewiesen wird, eben weil es diesen Video gibt, dann ist das nicht strafbar.

Die Antwort von Richter Fischer ist drastisch:

Das Entscheidende ist hier natürlich die beiläufige Formulierung: „Sie weint, aber sie wehrt sich nicht, aus welchem Grund auch immer„; dieselbe Figur kommt schon im Eingangsstatement des Interviews vor. Um diese kleine Formulierung rankt sich ein ganzer Urwald aus Unergründlichkeiten

Denn es verhält nun einmal so, dass dieses „warum auch immer“ auf jeden Fallund auf jeden Fall auch weiterhin von ganz entscheidender Bedeutung ist und sein wird – mögen die Opfer-Expertinnen des Strafprozessrechts den Kaiserin-Sissi-Jodler ausstoßen, so oft sie wollen. Denn ausgerechnet auf das „Warum auch immer“ kommt es leider gerade an – jedenfalls solange wir noch über ein (Straf)Recht sprechen, das den Menschenrechten, der Wahrheit und der Fairness verpflichtet ist.

Welche „Warum auch immer“ fallen uns ein? Heute (nach geltender Rechtslage) ist es so: Wenn das Tatopfer sich nicht wehrt, weil es weiß, dass die Tür abgeschlossen ist und es keine Chance hat, zu entkommen: strafbar. Wenn es sich nicht wehrt, weil es konkludent bedroht wurde, und sei es nur durch Gesten oder im Vorfeld: strafbar. Wenn es sich nicht wehrt, weil es sich vor Gewalteinwirkungen fürchtet: strafbar. Wenn es sich nicht wehrt, weil es dazu aus psychischen Gründen oder aus physischen Gründen (Drogen, Alkohol, Geisteskrankheit, psychische Störung) unfähig ist: strafbar

 (An dieser Stelle könnte man fragen, ob die Juristin, die mit ihren Unsinn den Leser in die Irre führt, eigentlich bewusst lügt oder „nur“ inkompetent ist)

Als Fazit lässt sich sagen, dass Feministinnen mit ihrer Behauptung, ein „Nein“ sie absolut, falsch liegen, und dass das derzeit herrschende Recht diesem Rechnung trägt: Ein übergangenes „Nein“ heißt nicht automatisch, dass jemand zum Sex genötigt, also gezwungen wurde, wie das Beispiel von Richter Fischer zeigt. Kommen Feministinnen mit ihren legislativen Forderungen durch, würde dies einen weiteren Keil zwischen die Geschlechter treiben und viele Unschuldige ins Gefängnis bringen. Im Grunde könnte man sich nur dann vor einer Falschbeschuldigung schützen, in dem man das unsägliche, feministische „Aussprech-Prinzip“ anwendet.

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