Nochmal: Überholte Männlichkeitsideale

Vor kurzem habe ich darüber geschrieben, dass nach feministischer Auffassung überholte (und schädliche) Männlichkeitsideale dafür verantwortlich sind, dass sich Männer häufiger umbringen und andere Notlagen erleiden: Sie fragen nicht nach Hilfe, sind also „selbst schuld“ aber auf keinen Fall benachteiligt. Das lässt sich widerlegen mit dem Hinweis auf die Mainstreamberichterstattung, die konsequent weibliche Not betont und männliche Opfer unsichtbar macht. Dies ist eine Folge mangelnder Empathie gegenüber Männer: Männer in Not rühren nicht zu Tränen. Dieser Mangel führt auch zu weniger Zuwendung und Hilfe für Männer. Es gibt eine breite Forschung etwa zu Gewaltbetroffenheit von Frauen, Männer werden gar nicht erst gefragt. Für Frauen gibt es unzählige Hilfsmaßnahmen, für Männer kaum welche – unwillkommene Komplimente führen zu nationalen Debatten, während kein Journalist auch nur einen müden Finger krümmt, um mal die Frage zu stellen, warum sich Jungen elfmal häufiger umbringen als Mädchen und was man dagegen tun könnte.

Es liegt also folgendes vor: Einer Hälfte der Bevölkerung wird beigebracht, sich bei großen und kleinen Problemen Hilfe zu suchen, genauso, wie über Leid zu klagen. Der anderen Hälfte wird beigebracht, alleine klarzukommen, hart zu sein, nicht zu weinen und es Indianern nachzumachen, die vermeintlich keinen Schmerz kennen; nicht sich helfen zu lassen, sondern zu helfen. Preisfrage: Welche Gruppe ist die benachteiligte?

Eine Feministin würde hier natürlich einwenden, dass das „Patriarchat“ eben auch schlecht für Männer ist. Der Fehler in diesem Argument ist aber, dass eine solche Gesellschaft kein „Patriarchat“ ist, da in der Theorie ein „Patriarchat“ eine Gesellschaft ist, die zum Vorteil von Männern ausgerichtet ist – was offenkundig nicht der Fall ist, bei all den Nachteilen, die Männer erleiden.

Weiter kann man einer Feministin dann auch entgegenhalten, dass sich Männer mit ihren „überholten Männlichkeitsidealen“ im Konkurrenzkampf besser durchsetzen können als Frauen. Die geringe Präsenz von Frauen in den Chefetagen ist also keine Folge von Diskriminierung, sondern dem Umstand geschuldet, dass Männer von ihrer Erziehung her härter und zäher sind (und Frauen zudem das Privileg genießen, als Mutter zuhause bleiben zu können und somit in der Karriere zurückbleiben. Dies ist aber keine geschlechtsspezifischer Nachteil, da auch Männer, die sich eine berufliche Auszeit nehmen, Einbußen erleben).

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