Wenn Unzumutbares plötzlich zumutbar wird

Nach der Geburt wurden Manon und Mathilde im Krankenhaus vertauscht. Weil die französischen Mädchen bei Fremden statt bei ihren leiblichen Eltern aufwuchsen, erhalten die Familien nun fast zwei Millionen Euro Entschädigung.

Der seelische Schmerz, nicht Vater oder Mutter „seiner“ Kinder zu sein, wird hier also als so peinigend angesehen, dass er nur durch eine Millionensumme „entschädigt“ werden kann, zumindest dann, wenn auch eine Mutter darunter zu leiden hat. Widerfährt dieses Schicksal einen Vater, dann darf er nicht mit Entschädigung rechnen, und wenn er seinen Schmerz darüber, nicht Vater des Kinds zu sein, zu dem er eine Beziehung unterhält, artikulieren will, dann wird ihm von feministischer Seite zynisch vorgehalten, dass die Biologie doch egal sei, wichtig sei allein die soziale Beziehung.

Denn in unserem „Patriarchat“ genannten System ist es natürlich unzumutbar für eine Frau, zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn sie einem Mann ein Kuckuckskind unterjubelt. Nach bis vor kurzem geltendem Recht, konnte man ihr noch nicht mal zumuten, den echten Vater des Kindes zu benennen, denn:

Ist ein Mann Vater eines „Kuckuckskindes“ geworden, kann er von der Mutter keine Auskunft über den wirklichen Vater verlangen. Die Auskunft über den leiblichen Vater greift unzulässig in die Privat- und Intimsphäre der Mutter ein und erfordert daher eine gesetzliche Grundlage, entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss.

So war es noch bis vor kurzem geregelt, nach dem neuen Gesetz ist eine Mutter prinzipiell auskunftpflichtig, kann aber von der Auskunftpflicht befreit werden, wenn eine Auskunft „unzumutbar“ sei. Böse Zungen behaupten, dass sie dies einfach nur behaupten muss, um eine Befreiung zu erreichen. Entschädigung an den Vater ist nach wie vor nicht zu zahlen.

Was aber, wenn eine Schwangere von Hartz IV lebt, und den Vater nicht nennen will? Dann fährt der Staat seine Klauen aus, und das drastisch. Das Jobcenter

… verlangte nun von einer schwangeren Mandantin der Bremer Rechtsanwaltskanzlei »Rightmart« unter Strafandrohung detaillierte Auskünfte über ihr Intimleben und ihre Sexualpartner. Außerdem nötigte es sie zu eigener Recherche. Ziel sei es, den unterhaltspflichtigen Vater ausfindig zu machen. Das Dokument unter dem Titel »Zusatzfragebogen -ungeborene Kinder- (Kindesvater unbekannt)« veröffentlichte die Kanzlei Ende vergangener Woche.

Darin soll die werdende Mutter die Namen und Geburtsdaten der Männer auflisten, mit denen sie »in der gesetzlichen Empfängniszeit Geschlechtsverkehr hatte«. Nach Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) umfasst letztere 181 bis 300 Tage vor dem errechneten oder tatsächlichen Geburtstermin. Sollte die Betroffene keine Angaben machen können, mahnt das Jobcenter, habe sie dies »ausführlich und nachvollziehbar« zu begründen. Außerdem soll sie darlegen, welche »intensiven Nachforschungen zur Ermittlung des Kindesvaters« sie selbst angestellt habe. Schließlich verlangt ihr das Amt eine Erklärung ab. In dieser soll sie nicht nur versichern, dass ihre Angaben wahr sind. Sie soll sich darüber hinaus verpflichten, jede Erkenntnis zum möglichen Kindesvater umgehend dem Jobcenter mitzuteilen. Ferner soll sie bekunden: »Ich wurde hiermit ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich eine strafbare Handlung begehe, wenn ich den Kindesvater absichtlich verschweige oder vorsätzlich falsche Angaben gemacht habe.«

Aus Sicht eines Mitarbeiters des Jobcenters ist das Alles auf einmal zumutbar, wenn der Staat die Kosten zu tragen hat und kein „Patriarch“.

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6 Gedanken zu „Wenn Unzumutbares plötzlich zumutbar wird

  1. aranxo

    Tja, wenn es dem Staat in den Kram passt, bzw. wenn er noch niemanden hat, der ihm als Zahldepp die Sozialleistungen abnimmt, dann geht auf einmal alles mögliche. Dann ist die andernorts hochgehaltene Privatsphäre keinen Pfifferling mehr wert.

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  2. Matze

    Nicht zu fassen. Solange ein Mann da ist, der bezahlt, ist es unzumutbar. Wenn aber keiner um seine Lebenszeit und sein Geld erleichtert werden kann, gilt das unzumutbar nicht mehr und die Frau muss tun was ihr vorher keiner zumuten wollte.

    Man sieht, die Feministinnen haben Recht: Alles in dieser Gesellschaft ist auf die Bedürfnisse von Männern ausgerichtet.

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  3. Emanni

    Passt im Übrigen auch recht gut, dass die Sanktionsmöglichkeiten gegen Hartz-IV-Empfänger verschärft wurden. Wer keine oder unvollständige oder unwahre Angaben zum Leistungsbezug macht, wenn sie einen Antrag stellt, hat nicht nur damit zu rechnen, dass der Antrag nicht bearbeitet wird. Es drohen zusätzlich zu den bisherigen Sanktionsmöglichkeiten (Kürzung wegen fehlender Mitwirkung, Strafverfahren wegen Betrugs) neuerdings auch Geldstrafen und die Möglichkeit, Erzwingungshaft zu verhängen.

    Das „sie“ bei „wenn sie“ habe ich nachträglich eingefügt, weil natürlich auch Frauen Täterinnen sein können. Und wir wollen ja nicht, dass Frauen sprachlich übergangen werden und sich Feministinnen dann darüber beschweren müssen.
    Leider übergehe ich damit allerdings, dass es die Männer sind, die häufiger und stärker sanktioniert werden.

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