Mordopfer: Über die man spricht, und über die man schweigt

Die Nachdenkseiten, die ich eigentlich sehr schätze, haben einen Artikel veröffentlicht, in dem es um brasilianische Mordopfer geht. Genauer: Um weibliche Mordopfer.

Der unkritische Leser wird in dem Artikel in die Irre geführt, denn man muss bei der Lektüre des Artikels annehmen, dass Morde, begangen an Männern, sehr viel seltener auftreten als an Frauen und damit vernachlässigt werden könnten.

Eigentlich ist solch ein Aufrechnen der Opfer widerlich aber: Tatsächlich werden in Brasilien mehr Männer als Frauen ermordet. So schreibt etwa die taz:

Mit über 56.000 Mordopfern starben 2014 allein in Brasilien mehr Zivilisten durch Gewalt als in den Krisengebieten Afghanistan, Irak, Syrien und der Ukraine zusammen

und über die globalen Zustände der Geschlechterverteilung:

– Weltweit sind 79 Prozent der Mordopfer Männer. In Lateinamerika und der Karibik liegt der Anteil bei 85 Prozent.

Während man bei ermordeten Frauen von Femizid spricht, werden männliche Opfer unsichtbar gemacht. Hier ist man betroffen, dort gleichgültig. Damit stehen die Nachdenkseiten aber nicht allein, sie reihen sich ein in Feministen und anderen Menschenverächtern die männliche Opfer systematische unsichtbar machen.

Das hat Folgen: In Brasilien wurde bereits vor 2 Jahren ein geschlechterfaschistoides Gesetz verabschiedet, wonach Frauen die wertvolleren Menschen sind, während es nicht so schlimm ist, einen Mann zu töten:

Dem am Montag vorgestellten Gesetz zufolge müssen Verurteilte nach solchen Tötungsdelikten im Zuge von häuslicher Gewalt oder aufgrund des Geschlechts mit einer Haftstrafe zwischen zwölf auf 30 Jahre rechnen. Gewaltakte dieser Art werden in der rechtlichen Richtlinie explizit als Frauenmorde bezeichnet.

 

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6 Gedanken zu „Mordopfer: Über die man spricht, und über die man schweigt

  1. Hugor

    Habe den NDS-Artikel erst jetzt gelesen. Dabei ist mir dort folgendes aufgefallen.

    1.) „die Zahl der dort getöteten Frauen – 0,4 Tote je 100.000 Einwohner – gegenüber dem 11fachen der brasilianischen Statistik: 4,4 Tote auf die gleiche Einwohnerzahl.“

    2.) „Im ersten Jahrzehnt des neuen Millenniums wurden 45.000 Frauen und Mädchen umgebracht.“

    3.) „Wie ist die schauderhafte Zahl von 600.000 Morden in einem einzigen Jahrzehnt zu deuten…?“

    Da Brasilien ca. 200 Mio. Einwohner hat, starben somit laut 1.) ca. 8.800 Frauen in einem Jahr durch Gewalt, hochgerechnet auf ein Jahrzehnt 88.000.
    Laut 2.) waren es 45.000 Frauen und Mädchen in einem Jahrzehnt, wobei es sich allerdings gemäß dem Kontext hierbei möglicherweise nur um die durch (Ex-)Partner Getöteten handelt.
    Laut 3.) betrug die Gesamtzahl der Gewaltopfer im Jahrzehnt 600.000. Unter Berücksichtigung von 1.) u. 2) beläuft sich der weibliche Anteil an den Opfern demnach auf 7,5-14,7%. Der von yx zitierte Anteil von 85% männlichen Mordopfern in Lateinamerika trifft also sogar gemäß den eigenen Angaben der NDS auch auf Brasilien zu.

    Wie kann man, wenn man selbst solche Zahlen zitiert, einen derartig tendenziösen Artikel verfassen??

    Gefällt 1 Person

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