Hin zu einer maskulistischen Filmkritik: „Thelma und Louise“

„Thelma und Louise“ ist ein feministischer Kultfilm, der u.a. einen Oskar für das beste Drehbuch erhielt und auch sonst einige Nominierungen erreichte. So ist das nämlich in der brutalen Männerherrschaft: Wer Männer als Schweine darstellt, wird belohnt vom „System“ – denn der Streifen wird im „Lexikon des Internationalen Films“ so beschrieben: „Das präzise Drehbuch wurde in einen gleichermaßen unterhaltenden wie systemkritischen Film umgesetzt.“

Zur Handlung: Thelma und Louise machen sich auf einen Wochenendtrip auf. In einer Bar lässt sich Thelma auf einen zwielichtigen Typen ein, der die beiden mit „Püppchen“ anredet und sich kurze Zeit später als Vergewaltiger entpuppt. Auf dem Parkplatz kommt gerade noch rechtzeitig Louise hinzu, hält dem Mann eine Pistole an den Kopf und stoppt so den Vergewaltiger. Als dieser die beiden noch vulgär beschimpft, erschießt sie ihn – „im Affekt“, wie es bei Wikipedia heißt.

Nach dieser Schlüsselszene fliehen sie, denn sie hätten keine Chance auf einen fairen Prozess – das ist es wohl auch, was als „systemkrisch“ gesehen wird. Unterwegs dürfen die beiden noch mehr schlechte Erfahrungen mit Männern sammeln, um schlussendlich, von der Polizei gestellt, den Freitod zu suchen.

Der Selbstmord also als letzte Möglichkeit in einer brutalen Männerherrschaft. Wen interessiert es schon, dass sich Jungen und Männer ein vielfaches so oft das Leben nehmen, ohne dahinter ein fieses weibliches System zu vermuten? Die Gesellschaft ist ganz gewiss nicht brutal zu ihnen, diese Männer können nur nicht um Hilfe fragen, weil sie überholten Rollenbildern anhängen, so das feministische Urteil über Notleidende.

Der Film soll „systemkritisch“ sein. Was ist hier das System? Das ist das „Patriarchat“, die „Rape-Culture„, das sind die Männer. Männer sind – bis auf vereinzelte Ausnahmen – Despoten, Vergewaltiger und spitznasige, gelbzähnige Juden „dicke fette Ekelpakete“, die – man weiß ja wie Männer so sind – sich einbilden mit Obszönitäten anziehend auf Frauen zu wirken. Der Zuschauer sitzt im Kinosaal, sieht dieses Zerrbild eines Mannes und denkt sich vermutlich: „Wie schlimmt die Männer doch sind. Zum Glück gibt es solche wie mich“. Denn, das hat schon Esther Vilar wunderbar erkannt, die wenigsten Männer unterdrücken irgendwelche Frauen und behandeln sie schlecht. Da sie es aber jeden Tag in der Zeitung lesen, denken sie, alle anderen würden es machen.

Das „System“ ist, dass Frauen, die einen Mann erschießen, mit juristischer Verfolgung zu rechnen haben, ganz genauso wie Männer also auch. Wenn man dieses „System“ überwinden will, heißt das wohl, dass Frauen ein exklusiv weibliches Tötungsrecht erhalten sollen. Und das ist auch kein Missbrauch zu fürchten, denn Frauen sind bekanntlich die besseren Menschen. In Brasilien ist es bereits gesetzlich so, dass die Tötung eines höherwertigen Menschen, also einer Frau, härter bestraft wird als die Tötung eines minderwertigen Menschen, also eines Mannes.

Man muss aber nicht nach Brasilien gehen, um im juristischen System eine Schieflage zu Lasten der Männer erkennen. Frauen werden für dieselben Straftaten weniger hart bestraft, was schon mal dazu führen kann, dass eine Frau, die einen mit einem Messer bewaffneten Mann mit einer Maschinenpistole erschießt, wegen Notwehr laufen gelassen wird. Undenkbar bei getauschten Geschlechtern.

Nein, dieser Film ist ganz gewiss nicht systemkritisch. Systemkritisch wäre ein Film, der die Geschichte über die Leiden einer Familie unter einer Familienterroristin erzählt, dieser ausgeliefert sind und auch keine Hoffnung auf Hilfe haben, da im System allein der Mann als Gewalttäter zählt, die Frau hingegen als unschuldig und rein. Es werden nicht Gewalttäter und Gewalttäterinnen, nicht Vergewaltiger und Vergewaltigerinnen vorgeführt, sondern allein Männer als Hassenswerte. Dieser Film ist in seinem Sexismus nicht systemkritisch, sondern systemkonform.

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8 Gedanken zu „Hin zu einer maskulistischen Filmkritik: „Thelma und Louise“

  1. Rei_H

    Der link zum Finalen Rettungsschuss im Badezimmer, Quelle T-Online hat schon auch was.
    http://www.t-online.de/regionales/id_66195552/liebhaber-mit-maschinenpistole-getoetet-bewaehrungsstrafe.html

    Nicht nur der Freispruch wg. angeblicher Notwehr im Bad. Selbst wenn er sie vorher verprügelt hat, muss sie ja die Gelegenheit gehabt haben, die Maschinenpistole zu holen, war also nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr und hätte so auch einfach die Wohnung verlassen können. Ich nehme mal an, dass die MP nicht einfach so geladen und entsichert im Badezimmer herumlag.

    Achtet auch auf Nebesächlichkeiten, sie entlarven das „Patriarchalische System“ noch mehr. Weil sie für nebensächlich gehalten werden, denken die Schreiber nicht so sehr daran, sie zu verstecken.

    Verurteilt zu einer Bewährungsstrafe, also gefühlten Freispruch, wurde sie also doch. Aber nicht dafür, dass sie einen Mann, also _auch_ einem Menschen, mit einer Kriegswaffe hingerichtetet hat. Dass iss ja Pippifax, weshalb der maaslose Heiko Gesetze entsprechend anpassen will, um Partner-mordende Frauen per se straffrei zu stellen.

    Verurteilt wurde sie wg. was viel Schlimmerem! Unerlaubter Waffenbesitz ist nämlich ganz arg schlimm und geht schonmal gar nicht. Was ist dagegen schon so ein läppischer Gattenmord? Eben!

    Die Petitesse geht aber noch weiter. Anschließend haben sie und zwei männliche Helfer das erlegte Wild in den Wald geschleppt und dort verbrannt. Dass spielte in ihrem Prozess aber überhaupt keine Rolle. Lediglich ihre beiden Arbeitstiere wurden wegen versuchter Strafvereitelung zu einer Geldstrafe verurteilt.

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    1. Fiete

      Ähmmm, Zement mal. Unerlaubter Waffenbesitz. Okay, verstehe.
      Wie kommt eine nicht näher beschriebene ( also irgendeine ) Normalbürgerin in den Besitz einer vollautomatischen Kriegswaffe?
      Ist das kein Offizialdelikt?
      Wurde da kein Extraverfahren abgetrennt?
      Gab es keine ausführlichen Ermitliungen wg. möglw. Zusammenhänge mit terroristischen Vereinigungen, organisierter Kriminalität o.ä.?

      Noch anders gefragt: Kannte das Opfer die Dame gar nicht?
      Hat er wohlmöglich eine Frau mit dem Messer bedroht, von der er wußte, daß sie mit geladenen Maschinenwaffen ( gewohnheitsmäßig? ) hantiert und darauf u.U. auch unmittelbaren Zugriff hat?

      Warum habe ich jetzt den Eindruck, daß die Geschichte, in der erzählten Form, ein Fake ist?
      Das stinkt doch mehrere Kilometer gegen den Wind!
      M.a.W.: Ich sehe da insgesamt zwei Möglichkeiten, nämlich:
      a) Das ist ’ne Vollente
      b) Da wird etwas richtig heftiges so dick und schlecht vertuscht, daß man nur hoffen kann, daß ein paar erfahrene Investigativkräfte sich der Sache annehmen.

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  2. Wolf-Dieter

    An den Film erinnere ich mich höchstens dunkel. Für den Plot musste ich Google bemühen. Der „Geruch“ ist aber wieder da.

    In meiner Erinnerung besagt der Film nicht „Mann=Bösewicht“, sondern er thematisiert eine gewisse dorfmafiöse Struktur mit selbstherrlichen Sheriffs in den Staaten. Kennen wir in EU so nicht. Soweit die Mädels nach dem Mord keinen fairen Prozess erwarten durften, ist das der ländlichen Lokalmafia geschuldet, die sich aus Frauen genau so zusammensetzt wie aus Männern. (Wird im Film nicht unbedingt klar, ist aber so.)

    Die Mädels sind auf einem Trip außerhalb ihrer gesicherten Umgebung, eigentlich wurzellos, und ihre Skepsis gegenüber der fremden Justiz ist begründet.

    In dem Sinn halte ich den Film durchaus für systemkritisch. Ihn auf Männerhass zu reduzieren wäre eine sinnentstellende Verkürzung.

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    1. Fiete

      Ich denke, Ihr habt beide Recht.
      Was ich bis jetzt über den Film gelesen und an Ausschnitten gesehen habe, ist typisch 70er-90er-Jahre Roadmovie.
      Die waren alle systemkritisch und zwar in exakt der von Wolf-Dieter beschriebenen Weise.
      V.dh. sehe ich Thelma u. Louise ledsiglich als primitiven Versuch, eine feministische Version eines Mixes aus Rubberduck, Cannonballrun und Fluchtpunkt San Franzisco zu drehen.

      Der Rest ist Hype., weil „revolutionär, neu, minderheitenorientiert, progressiv, dynamisch, mutig“, …. bla sülz …..

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        1. Fiete

          Okay, kann ich nicht beurteilen, habe nur Ausschnitte gesehen und die üblichen Kritiken und Voranzeigen gelesen und da ging es immer erkennbar eher um die üblichen Film-Klischees.
          Aber das eine schließt das andere ja nicht aus.
          Die einen verkaufen Road-Trip, die anderen predigen ihren Quatsch dazu. Ähnlich wie bei Mad-Max 97 ( oder 105? ), wobei der scheinbar tatsächlich als Femiadaption geplant war.

          Ich denke, wichtiger ist die Grenzüberschreitung des Films. Bei den „normalen“ Roadmovies geht die Kritik an „Buford T. Justice“ ( „Ich bin das Gesetz!“ ) nie soweit, einen Mord als „irgendwie sympathisch“ darzustellen. Außerdem sind die Roadmovies insofern nicht wirklich echte Systemkritik, eher „Nörgelei an speziellen regionalen Verhältnissen“. „Buford“ ist kein Symbol für „Der pöse patriarchale Mann“, wie wohl er sehr ähnliche Eigenschaften aufweist.

          Das ist der Teil der Message, der immer wieder in der Femiwelt auftaucht ( was insofern nicht zu verhindern ist ) und immer wieder vom MS als „irgendwie gar nicht ernstgemeint“ dargestellt wird. Nach außen und im Nachhinein ( Die Schutzbachsche Terrorgruppe ( lacht) ).
          Für die Durchgeknallten in ihren abgeschotteten Filterblasen ist das aber sicherlich ganz anders zu verstehen, mit dem (lacht). Da wird der Mord zur Heldentat. Rambo & Dirty Harry lassen grüßen. Nur das die eben nicht als „lustiger Klamauk“ konnotiert sind.

          Was dann zu so lustigen Auswüchsen führt:
          https://fietes2groschen.blogspot.de/2017/05/selbstverwirklichung-mit-peacemaker.html#more

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