Mausfeld über das neoliberale System und die Medien als dessen Erfüllungsgehilfen

Der Neoliberalismus ist ein Phänomen: Er macht den Armen und Schwachen weis, sie wären an ihrem Elend selbst schuld. Und er schafft es auch noch, dafür zu sorgen, dass das wahre Ausmaß der gesellschaftlichen Armut kaum je an die Öffentlichkeit dringt; dass das Gesundheitssystem trotz immer höherer Ausgaben immer inhumaner wird; dass die soziale Arbeit erodiert und kaum jemand etwas hiergegen unternimmt; dass mittels Stiftungen ein regelrechter »Refeudalisierungsboom« im Lande tobt und Investoren inzwischen auf die Privatisierung des öffentlichen Bildungssystems abzielen. Doch mit welchen massenmedialen Psychotechniken wird den Menschen der Geist vernebelt, um Widerstand gegen diese unmenschliche Ideologie weitestgehend unmöglich zu machen?

Das Interview ist lang, aber es lohnt sich. Vielleicht nimmt man sich am Wochenende eine Stunde Zeit dafür:

Massenmediale Ideologieproduktion

(via)

10 Gedanken zu „Mausfeld über das neoliberale System und die Medien als dessen Erfüllungsgehilfen

  1. Siggi

    > Der Neoliberalismus ist ein Phänomen: Er macht den Armen und Schwachen weis, sie wären an ihrem Elend selbst schuld.

    Von welchem „Elend“ spricht Mausfeld hier genau? Hier in Deutschland?

    Und sind nicht die „Armen und Schwachen“ im Durchschnitt auch MITverantwortlich für ihre Situation? Geht es allen mit den gleichen Startbedingungen immer gleich „elend“? Oder haben persönliche Entscheidungen nicht doch auch einen Einfluss?

    > Und er schafft es auch noch, dafür zu sorgen, dass das wahre Ausmaß der gesellschaftlichen Armut kaum je an die Öffentlichkeit dringt;

    Was genau, welches Ausmaß ist gemeint?

    > dass das Gesundheitssystem trotz immer höherer Ausgaben immer inhumaner wird;

    War das Gesundheitssystem früher „humaner“? Wirklich? Einer flog über das Kuckucksnest? Ist das heute inhumaner?
    Gibt es vielleicht auch andere Gründe, die dafür sorgen, dass pro Patient weniger Personal zur Verfügung steht? Die höhere Lebenserwartung vielleicht? Ist wirklich an allem der furchtbare „Neoliberalismus“ schuld?

    > dass die soziale Arbeit erodiert und kaum jemand etwas hiergegen unternimmt;

    Was genau meint er mit „soziale Arbeit“?

    > dass mittels Stiftungen ein regelrechter »Refeudalisierungsboom« im Lande tobt

    Hier landet Mausfeld einen interessanten Punkt. Ein echter Denkanstoß.

    > und Investoren inzwischen auf die Privatisierung des öffentlichen Bildungssystems abzielen.

    Auch das ist ein Punkt, bei dem ich bei ihm bin: Bildung sollte nicht privatisiert werden.

    Aber auch hier: Wie überzeugend ist denn das staatliche Bildungssystem in den letzten 40 Jahren? Liegt das am Neoliberalismus? Ist es nicht häufig so, dass, wenn der Staat Dinge in die Hand nimmt, sie zu Scheiße werden?
    An welchen Stellen agiert „der Staat“ denn wirklich gut, also besser als eine private Konkurrenz? Und ist das dann effizienter?

    Ja, ich möchte ein überzeugendes staatliches Bildungssystem. Gleichzeitig beweist aber die Entwicklung des Bildungssystems in den einzelnen Bundesländern, dass viele schlechte Entscheidungen getroffen werden, wenn man dieses Feld der Politik überlässt.

    Und das ist nicht nur eine Frage des Geldes.

    Ist es also nicht sinnvoll nebenher ein privates Bildungssystem zu haben, damit man wenigstens auf diese zeigen kann und sagen kann: Es geht besser! Und wer würde Eltern ernsthaft verwehren, das Beste für ihre Kinder zu wollen?

    Wenn also ein staatliches System versagt, dann können wir doch alle froh sein, dass es wenigstens noch private Konkurrenz gibt, so dass wenigstens einige Kinder nicht darunter leiden müssen. Zum Beispiel die Kinder von Ministerpräsidentinnen. 😉

    Dito Rentensystem: Ich finde das staatliche Rentensystem gut. Es ist viel effizienter als private Renten, die Verwaltungsgebühren sind wesentlich geringer als bei privaten Rentenversicherungen.

    Tatsache ist aber, dass man als gesetzlich Versicherter der Willkür von Politiker ausgesetzt ist, so dass auch Leistungen erbracht werden, für die KEINE BEITRÄGE geleistet wurden. Man wird per Handstreich teilweise um seinen Rentenanspruch gebracht.

    Staatlich ist mitnichten immer besser.

    > Doch mit welchen massenmedialen Psychotechniken wird den Menschen der Geist vernebelt, um Widerstand gegen diese unmenschliche Ideologie weitestgehend unmöglich zu machen?

    Ja, klar. Die Verschwörungstheorie darf natürlich nicht fehlen. Es würde ja alles so toll funktionieren, die Menschen würden ja endlich die Richtigen (TM) wählen, wären sie nicht so dumme Schafe und würden vom Bösen (TM) nicht auf so furchtbare Art manipuliert werden.

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Von welchem „Elend“ spricht Mausfeld hier genau? Hier in Deutschland?

      Das Interview thematisiert die Willfährigkeit der Medien, neoliberale Propaganda zu verbreiten. Dazu gehört das Mantra: „Deutschland geht es gut.“ Das Elend wird unsichtbar gemacht. Deswegen kannst Du dich hinstellen und scheinheilig fragen: „Welches Elend?“. Das könntest Du bei sozial ausgerichteten Medien nicht machen. Ich mach mir jetzt nicht die Mühe, aufzuzeigen, dass das Elend in Deutschland zunimmt, dass die Reichen reicher werden und die Armen ärmer und zahlreicher. Wenn es dich wirklich interessiert ist die Suchmaschine deiner Wahl dein Freund.

      Antwort
      1. Siggi

        https://de.wikipedia.org/wiki/Elend:

        Elend beschreibt einen Zustand von Not, Armut oder Hilflosigkeit,

        https://de.wikipedia.org/wiki/Armut:

        Armut bezeichnet im materiellen Sinn als Gegenbegriff zu Reichtum primär die mangelnde Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Kleidung, Nahrung, Wohnung und Erhaltung des Lebens.

        Bist du ernsthaft der Meinung, dass in Deutschland solche Zustände vorliegen, bei denen die Grundbedürfnisse nach Kleidung, Nahrung, Wohnung und Erhaltung des Lebens nicht befriedigt werden?

        Ist „Elend“ aus deiner Sicht wirklich der richtige Begriff um den Zustand in Deutschland zu beschreiben?

        Antwort
        1. Siggi

          @uepsilonniks:

          > Ja. Siehst Du das anders? Ach ja, Die Massenmedien behaupten ja das Gegenteil, also muss es stimmen.

          Ehrlich? Wenn jemand nicht deiner Meinung ist, MUSS er von den Massenmedien verblendet sein?

          Und dein Bild – ohne jeden Kontext – DAS ist für dich Elend?

          Dir ist schon klar, dass es Berufe gibt, in denen Menschen am Fließband Müllsorten sortieren, oder? Ist das für dich dann auch Elend?

          Das http://www.jusos-rostock.de/wp-content/uploads/2013/05/Arbeiterwohnung.jpg

          oder das http://www.dw.com/image/575547_7.jpg

          ist für mich Elend. Gibt es heute nur noch in Einzelfällen in Deutschland.

          Antwort
        2. uepsilonniks Autor

          Ehrlich? Wenn jemand nicht deiner Meinung ist, MUSS er von den Massenmedien verblendet sein?

          Strohmann, Du Wichser 😉 Ich sage nicht, dass wer meine Meinung nicht teilt, verblendet ist, sondern wer die These als Verschwörungstheorie abtut, dass die Massenmedien im Besitz von Superreichen die Interessen der Reichen vertreten und den Armen schaden – wie Du es tust. Ich empfehle daher dringend, das Interview mit Mausfeld selbst zu lesen, in dem er ausführlich darlegt, warum das keine Verschwörungstheorie ist. Weil das eben der Wahrheit ist, dass die Massenmedien das Elend ausblenden, kannst Du dich scheinheilig hinstellen und sagen: „Elend? In Deuschland? Isch sehs net!“

          Und das betrifft auch die von Lobbyisten massiv beeinflussten Regierung: Aus dem letzten Armuts-und-Reichstums-Bericht wurde auf neoliberale Initiative hin die Passagen gestrichen, welche ansprachen, dass die Politik der sozial schwachen Bevölkerung schadet und den Interessen der Reichen dient.

          Und was den Kontext des Bildes anbelangt: Das hat was mit Altersarmut zu tun, die beständig ansteigt, so dass immer mehr Menschen im Elend gezwungen sind, entwürdigend im Müll zu wühlen. Und das wiederum hat was mit der Privatisierung (die Du allgemein glorifizierst) der Alterssicherung zu tun, die für Reichen eine schöne weitere Profitquelle darstellt, aber das Elend unter den Rentnern vermehrt. Und was deine beiden Bilder angeht: Nur weil es woanders noch schlimmer ist, heißt das nicht, dass die Zustände hier und heute nicht schlimm sind.

          Frage: Würdest Du es auch als Verschwörungstheorie abtun, dass die Massenmedien fälschlicherweise das Bild verbreiten, wonach Frauen hierzulande benachteiligt sind?

          Antwort
        3. Siggi

          Zur VT: Ich sehe schon, dass unsere Medien „geschickt“ berichten, ich glaube aber nicht an eine zentrale Steuerung, aka Verschwörung, die ich als Voraussetzung für „massenmediale Psychotechniken“ sehe „um Widerstand gegen diese unmenschliche Ideologie weitestgehend unmöglich zu machen“.

          Dieses „um“ setzt gemeinsames, zielgerichtetes Handeln voraus.

          > Und das betrifft auch die von Lobbyisten massiv beeinflussten Regierung: Aus dem letzten Armuts-und-Reichstums-Bericht wurde auf neoliberale Initiative hin die Passagen gestrichen, welche ansprachen, dass die Politik der sozial schwachen Bevölkerung schadet und den Interessen der Reichen dient.

          Für mich steht dort etwas anderen im Vordergrund: Es ist gelungen, praktisch überall zu etablieren, dass Armut relativ zum Durchschnitt definiert wird. Es geht gar nicht mehr um die mangelnde Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Kleidung, Nahrung, Wohnung und Erhaltung des Lebens.

          Für mich ist das eine große Vernebelungsaktion, da es nach dieser Definition immer Armut geben muss, auch wenn materiell alle versorgt sind.

          Ich möchte nicht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht – aber einer Armutsdiskussion in Deutschland lenkt eben auch von anderen relevanten Themen ab.

          > Das hat was mit Altersarmut zu tun, die beständig ansteigt, so dass immer mehr Menschen im Elend gezwungen sind, entwürdigend im Müll zu wühlen. Und das wiederum hat was mit der Privatisierung (die Du allgemein glorifizierst) der Alterssicherung zu tun, die für Reichen eine schöne weitere Profitquelle darstellt, aber das Elend unter den Rentnern vermehrt.

          Du scheinst meine Kommentare anders zu lesen, als ich sie schreibe, wenn du da eine allgemeine Glorifizierung von Privatisierung herausliest.

          Ich sage: Wenn alle Schulen staatlich sind, muss man mit dem leben, was einem vorgesetzt wird. Man hat nur den geringen Einfluss über Wahlen. Und das bei einem so zentralen Thema wie der Zukunft der eigenen Kinder.

          Der Vorteil eines Marktes ist, dass Eltern selbst bestimmen können, wem sie ihr Geld geben. So werden automatisch die guten Schulen gefördert.

          Der Anspruch des staatlichen Schulsystems muss sein, dass selbst die Reichen ihre Kinder nicht an Privatschulen schicken WOLLEN, weil die staatlichen Schulen gut sind.

          Ein Verbot von Privatschulen, halte ich für kontraproduktiv, u. A. weil man dann nicht mal mehr einen Vergleich hat.

          Dass steigende Altersarmut praktisch ausschließlich auf die Privatisierung der Rente zurückzuführen ist, sehe ich nicht so. Betroffen sind vor allem alleinstehende Frauen – davon gibt es heute einfach viel mehr als früher. Das ist ein gesellschaftlicher Wandel, keine Privatisierung.

          Auf die Frage, ob der Job Müllsortierer dann auch entwürdigend wäre – um die Antwort hast du dich ja gedrückt.

          > Frage: Würdest Du es auch als Verschwörungstheorie abtun, dass die Massenmedien fälschlicherweise das Bild verbreiten, wonach Frauen hierzulande benachteiligt sind?

          Ich sehe keine zentrale Steuerung, darum sehe ich das nicht als Verschwörung, das habe ich hier erläutert:
          https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/02/26/genderama-die-wahrheit-ist-unerheblich/

          Antwort
        4. uepsilonniks Autor

          „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“

          So der Milliardär Warren Buffet.

          Mausfeld hat ausgearbeitet, dass Reiche eine Demokratie niemals akzeptieren wollen, da dann die Gefahr besteht, dass die Mehrheit für eine Enteignung der Reichen stimmt. Und das, was sie (und Du) anderen zumuten – Armut – wollen sie natürlich selbst nicht erleben. Deswegen steht die Sicherung ihres Kapitals über der Demokratie, die kontrolliert und gesteuert werden muss.

          Ich verweise:
          https://uepsilonniks.wordpress.com/2017/05/14/1-mai-2017-prof-dr-rainer-mausfeld-wie-werden-meinung-und-demokratie-gesteuert/

          und
          https://uepsilonniks.wordpress.com/2016/08/13/prof-mausfeld-die-neoliberale-indoktrination/

          Ich sage: Wenn alle Schulen staatlich sind, muss man mit dem leben, was einem vorgesetzt wird. Man hat nur den geringen Einfluss über Wahlen. Und das bei einem so zentralen Thema wie der Zukunft der eigenen Kinder.

          Ja und? Wenn es private Schulen gibt, müssen die Armen immer noch mit dem leben, was einem vorgesetzt wird, weil sie sich was anderes gar nicht leisten können. Aber das ist dir ja egal.

          Ich sage: Wenn alle Schulen staatlich sind, muss man mit dem leben, was einem vorgesetzt wird. Man hat nur den geringen Einfluss über Wahlen. Und das bei einem so zentralen Thema wie der Zukunft der eigenen Kinder.

          Private Schulen sorgen für ein 2-Klassen-Schulsystem; aber das ist dir ja egal. Naja, wer leugnet, dass es Armut gibt, den interessiert es wohl auch nicht, wie es diesen Menschen ergeht.

          Der Vorteil eines Marktes ist, dass Eltern selbst bestimmen können, wem sie ihr Geld geben. So werden automatisch die guten Schulen gefördert.

          Dieser Vorteil bietet sich nur für die Reichen. Arme sind dir egal.

          Der Anspruch des staatlichen Schulsystems muss sein, dass selbst die Reichen ihre Kinder nicht an Privatschulen schicken WOLLEN, weil die staatlichen Schulen gut sind.

          ja, und wenn Kühe fliegen könnten, dann…

          Und nein: Dass man die Alterssicherung den Reichen zu Frass vorgeworfen hat, ist ursächlich für die steigende Altersarmut.

          Auf die Frage, ob der Job Müllsortierer dann auch entwürdigend wäre – um die Antwort hast du dich ja gedrückt.

          Mann mann mann, bist Du ein zynisches, neoliberales Arschloch, das offenkundiges Elend wegreden will. Es ist ein Unterschied ob man das beruflich macht oder ob man schierer Not dazu gezwungen wird. Ist es in Ordnung, dass Menschen hungern müssen, wo es doch Magermodells gibt, die das freiwillig machen, um mal auf deinen Schwachsinn einzugehen.

          Antwort
  2. Pingback: Warum der Begriff Schlampe völlig in Ordnung ist – Scheidende Geister

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