Sexuell freizügig: Frauen sind Schlampen und Männer sind Playboys?

Zur Abwechslung mal ein Punkt, bei dem ich der feministischen Sicht auf die Dinge zustimmen kann, nämlich dem Umstand, dass Frauen, die viel Sex mit vielen Männern haben, als „Schlampen“ gelten, Männer, die umgekehrt dasselbe machen als „Playboys“ bewundert werden. Eine Metapher, die dabei häufig angeführt wird, ist die mit dem Schloss und dem Master-Key. Eine Frau, die viele Liebhaber hat, ist dabei ein „billiges“ Schloss, das durch jeden Schlüssel geöffnet werden kann. Ein Mann hat umgekehrt hingegen den „Master-Key“, welcher jedes Schloss öffnet.

Diese Sicht ist frauenfeindlich, ohne Frage, hat aber auch Ursachen. Eine auch nur durchschnittlich gutaussehende Frau hat es einfach an Sex zu kommen. Sie muss sich nur verführen lassen, was relativ einfach ist. Ein Mann hingegen muss etwas leisten, was nicht jeder kann und wofür es besondere Charaktereigenschaften und Fähigkeiten braucht, um die er von anderen Männern beneidet wird. Kurz: Erobert zu werden ist einfacher als zu erobern.

Auf einer Party kam das Gespräch mal auf das Thema. Es ging um die Frage, ab dem wievielten Date Sex in Ordnung. Als eine Frau in der Runde gefragt wurde, ob sie sich Sex beim ersten Date vorstellen könne, entgegnete sie entrüstet: „Ich bin doch keine Schlampe!“.

Das ist nicht gut. Das ist schlecht [Nachtrag: Damit meine ich nicht, dass man beim ersten Date unbedingt Sex haben sollte, ich verurteile lediglich die Implikation, wonach eine Frau, die beim ersten Date Sex hat, eine Schlampe sei]. Eine solche Frau ist nicht sexpositiv. Eine solche Frau hat keinen guten Kontakt zur ihrer Sexualität. Sie unterhält keine Beziehung zu ihrer Sexualität als etwas, dass man ohne schlechtes Gewissen genießen kann. Sie ist deformiert und verbogen, und wenn man sich als Mann mit ihr einlässt, muss man sich selbst auch verbiegen. Der ungesunde Umgang mit der eigenen Sexualität betrifft auch die Sexualität des Mannes. Denn wenn die weibliche Sexualität als etwas gesehen wird, was man schützen und rationieren muss, geht das mit dem Blick auf die männliche Sexualität einher, die nimmt, befleckt und sich schuldig macht – das eine bedingt das andere. Das geht in Richtung viktorianischer Prüderie, das hat was vom Verbot vorehelichen Sex‘ – es nötig Männer in die Ernährerrolle, welche von Frauen auch gewollt ist: „Ich bin monogam und gebe mich nur dir hin, bin keine Schlampe, und Du sorgst für mich“ (die traditionelle Rollenverteilung ist von Frauen gewollt, weshalb sie mit Einführung des Frauenwahlrechts auch nicht abgeschafft wurde).

Deshalb sollte man den Begriff „Schlampe“ tunlichst aus seinen Wortschatz streichen und Frauen meiden, die ihre Geschlechtsgenossinnen damit abwerten.

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8 Gedanken zu „Sexuell freizügig: Frauen sind Schlampen und Männer sind Playboys?

  1. nachteule42

    Feministinnen vergessen nur, dass es Männer und Frauen sind, die dieses Verhalten zeigen.
    Meiner Erfahrung nach sind es sogar mehrheitlich Frauen.
    Es sind vornehmlich Mütter, die es an ihre Söhne und Töchter weitergeben.

    Und es ist nicht Frauenfeindlich! Männer stehen Frauen deswegen nicht feindlich gegenüber.
    Wenn jemandem nicht gefällt, was eine Person tut, dann betrachtet er diese nicht zwangsläufig als Feind, oder hasst sie!
    Geschweige denn die ganze Gruppe.

    Gruppenbezogene Feindlichkeit und Hass aufgrund des Geschlechts findet man im Feminismus!

    Antwort
  2. Pingback: Warum der Begriff Schlampe völlig in Ordnung ist – Scheidende Geister

  3. Fiete

    Okay, Frauen als Schlampen generell zu titulieren ist falsch, sehe ich ein und kann ich auch gewiss nachvollziehen. Die allermeisten Frauen die ich kenne, wären damit auch objektiv ganz falsch bezeichnet.
    Bei Feministen ist es aber eindeutig so, daß sie selbst sehr viel Wert auf Schlampentum legen.
    Sie demonstrieren sogar explizit dafür ( Schlampenmärsche ). Und beweisen das auch täglich durch gezielte Schlampigkeiten, bspw. durch Gleichstellung von Gleichstellung und Gleichberechtigung, Feministen und Frauen, Familien und schwulen Wohngemeinschaften, Gesetz, Recht, Rechtsprechung und totalitärer Willkür, Demokratie und Diktatur etc.pp..
    Ich schließe mal daraus, daß der Terminus „Schlampe“ in aktueller Auslegung korrekt neutral zu gendern ist und auch auf männliche Feministen, sog. „Pro(fit)feministen“, gleichgestellt angewendet werden soll.
    Kein Problem für mich ( wenn man sich z.B. diese Schlampe A. Kemper mal anschaut, ist das auch ganz unmittelbar optisch ablesbar ) …

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Du wirfst hier drei Dinge durcheinander: Einerseits „Schlampe“ für eine sexuell freizügige Frau, andererseits „schlampiges Verhalten oder Arbeiten“ z.B. mit Begriffen wie Gleich-berechtigung und -stellung. Die Schlampenmärsche wiederum waren Demonstrationen dafür, dass sich eine Frau so anziehen darf wie sie will (auch wie eine „Schlampe“), ohne dafür vergewaltigt zu werden (als ob irgendein ernstzunehmender Zeitgenosse dieses Recht bestreiten würde).

      Antwort
      1. Fiete

        Hmm, muß wohl am Alter liegen.
        Ich habe es so gelernt, daß Trantütigkeit die dominante Eigenschaft von Trantüten ist, Besserwisserei die von Besserwissern u.s.w. – und Schlampigkeit eben von Schlampen ( das war mal der Fachbegriff für schlampige Frauen, die z.B. ihr dreckiges Hemd schief zuknöpften, ein paar Kakerlaken im Schlafzimmer hatten, Kondome mehrfach wechselnden Sexualpartnern anboten ( oder ganz wegließen ) o.ä.. Ernsthaft. Von HWG-Personen als solche war da nie die Rede. Dafür gab es keinen Spezialbegriff, außer sie taten es professionell, dann wurden sie offiziell als Prostituierte und in Vox Populi als „Nutten“ o. „Huren“ bezeichnet. Und das waren i.d.R. gerade KEINE Schlampen, denn Schlampigkeit galt als extrem geschäftsschädigend. Schlampen galten als eher abstoßend und wurden nicht nur nicht vergewaltigt, sondern meist sogar abgelehnt wenn sie aufdringlich wurden.
        Und seinerzeit gingen Schüler auf Schülerbälle, Fußballer spielten Fußball, Politiker machten Politik und die Wanderung der Lemminge wurde i.d.R. von Lemmingen veranstaltet.
        Ergo ging ich davon aus, daß Schlampen Schlampenmärsche veranstalten und nicht etwa Weinköniginnen, oder Dockarbeiter.
        Ob die auf ihren Demos nun gegen Vergewaltigungen demonstrieren ( oder gehen Demonstranten heute auch nicht mehr zu Demos? Oder demonstrieren dagegen, als Demonstranten bezeichnet zu werden? ), oder für bestimmte Kleidungspreferenzen, wäre vor 30-40 Jahren für die Benennung ihrer selbst unerheblich gewesen, resp. es hätte „Marsch für schrille Klamotten“, „Demo gegen Vergewaltigung“ ( ausschließlich bestimmter Personenkreise! ) geheißen.
        Seinerzeit waren Streikaufrufe auch keine Verabredungen von Konditoren zum Jahrestreffen der Wanderheuschrecken.
        Oder demonstrieren die dafür, daß Frauen, oder eben Schlampen, sich nicht so anziehen dürfen, wie sie wollen, durchaus auch vergewaltigt werden dürfen, nur eben die ( feministischen ) NICHTschlampen ( ! ) vom Schlampenmarsch nicht?
        Oder sind Schülerbälle heute dafür gedacht, daß gerade KEINE Schüler ihre Lehrer mit Bällen bewerfen dürfen, dafür aber Busfahrer?

        Ich glaube eher, daß das eine äußerst schlampige Ausdrucksweise ist. Und in der Tat erwarte ich auf Bikerparties immer noch eher Biker als radikale Nudisten anzutreffen. Wobei ich natürlich einräume, daß wir heute grundsätzlich in reichlich schlampigen Zeiten leben, zumindest sprachlich gesehen, was u.a. an der Einführung des schlampigen Kunstbegriffs „womöglich“ abzulesen ist ( den ich i.Ü. ablehne ).

        Also, ich bin ja haushaltstechnisch mittlerweile ziemlich schlampig geworden ( wohne schon recht lange allein und lasse z.B. beim Abwasch auch mal Fünfe gerade sein ). Aber zum Thema verbale Kommunikation ging ich immer davon aus, daß die aus dem jeweiligen Begriff abzulesende naheliegenste Zuordnung i.d.R. auch die sinnvollste ist.
        Wer ist schon gern Salat ohne Salat? Oder verlangt eine Eismaschine, wenn er einen Staubsauger kaufen möchte? Oder nennt es „Einkaufsbummel“, wenn er hektisch durch die Strassen rennt, um Wahlkampfplakate zu kleben, resp. abzureißen?

        Nun gut, ich ergebe mich dem Zeitgeist und korrigiere: Schlamperei ist also ein ( post-? )moderner Terminus für die akut korrekte Sprache. Schlampigkeit demzufolge ( oder irre ich da? ) eine exakt definierte Ausdrucksweise und Schlampen sind „Gratis-HWG-Personen“, die aber gerade NICHT in Schlampenmärsche inkludiert werden dürfen, da man ihre Existenz für beleidigend hält, nicht aber ihre Bekleidung, die gern übernommen wird. Zumindest wenn es irgendwelche Feministen betrifft. Ziehen sie ( die Feministen ) sich schlampig an und demonstrieren gegen Vergewaltigungen von schlampig angezogenen weiblichen Feministen ( also KEINESFALLS Schlampen – und Vergewaltigung von Männern schließt sich ja per se aus ) muß es also „Schlampenmarsch“ heißen, right?
        Und wird von Feminismuskritikern auch als anzuwendende Sprachvorschrift so akzeptiert ( oder ist das schon irgendwo gesetzlich so festgelegt? In einem SchlampSprechadaptG vielleicht? )

        Gelte ich jetzt als uniformenverherrlichender Vergewaltiger, eben weil ich systematische, radikale linguistische Schlamperei voll doof finde?

        Fazitversuch: ne isch mach bei den rotz ned mit is mir vol zu krass aldä das is laberrapeculturekackscheiße
        ( ist das so besser verständlich? )

        Wahrlich, interessante Zeiten …..

        P.S.:
        Ich habe gerade eine Erleuchtung. Mir wird schlagartig klar, warum auf Kinderrechts-, Eltern-, Väterdemos tatsächlich ausschließlich (!) patriarchal-maskulinininistische Nazis ( siehe auch Breivik/Angrywhitemenistan ) herumlaufen und für ihr Recht Frauen/Neger/Schwule ( oops! ) zu verprügeln/anzuketten/schlachten demonstrieren. Hatte ich einfach falsch verstanden, weil noch in der Sprache des letzten Jahrtausends denkend …

        ;-)

        Antwort
        1. Fiete

          P.P.S.: Wann wurde denn den Begriff „Schlampe“ umdefiniert, von „unordentliche/schmuddelige Person“ auf „sexuell freizügige Frau“?
          Gibt es da ein Stichdatum zu?

  4. Pingback: Nachtrag zu Schlampen vs. Playboys | uepsilonniks

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