Crumar zu „Feministische Erkenntnistheorie“ #4genderstudies

Ich bin faul, will aber unbedingt etwas zu #4genderstudies beisteuern, also mit freundlicher Genehmigung:

„Wie jetzt? Die einen sagen die Wissenschaft wäre auf keinen Fall politisch sondern rein an Erkenntnis interessiert. Die anderen sagen die Wissenschaft wäre zwangsläufig (!) politisch.“

Auf diese Steilvorlage diese hinreißende Antwort:

Einige erhellende Passagen aus „Feministische Erkenntnistheorie“:
„Die androzentrische Ideologie der zeitgenössischen Wissenschaft geht von der Faktizität und/oder Notwendigkeit einer Reihe von Dualismen aus – Kultur vs. Natur, rationaler Geist vs. prärationaler Körper und irrationale Gefühle und Werte, Objektivität vs. Subjektivität, das Öffentliche vs. das Private – , um dann den Männern und der Männlichkeit die erste, den Frauen und der Weiblichkeit die zweite Hälfte jeder Dichotomie zuzuweisen.“

Das ist 1. eine reine Unterstellung, die seit den Zeiten der FRÜHaufklärung nicht mehr stimmt und mit der sich Lieselotte Steinbrügge in „Das moralische Geschlecht“ eingehend auseinandergesetzt hat (wie man am Titel unschwer erkennen kann, war dies die Steilvorlage für einen anderen bekannten Titel.) 😉
Auf der Basis dieser Unterstellung kann man 2. die politische Einschätzung: „Schließlich ist die etablierte Wissenschaft aufs engste mit den Projekten eines staatlich-militärisch-industriellen Komplexes verwoben, der bürgerlich, rassistisch und von Männern beherrscht (ist).“ zu dem umwerfenden Schluss weiter entwickeln: „Eine sexistische Gesellschaft wird erwartungsgemäß eine sexistische Wissenschaft entwickeln; gleichermaßen wird eine feministische Gesellschaft eine feministische Wissenschaft entwickeln.“

Wir bemerken hier 3. eine säuberliche Zweiteilung (man könnte fast sagen, eine DUALISTISCHE Vorstellung) von Wissenschaft, nämlich eines „staatlich-militärisch-industriellen Komplexes“, der von bürgerlichen, rassistischen *Männern* beherrscht wird und selbstverständlich sexistische Wissenschaft produziert.
Auf der anderen Seite dieser DICHOTOMIE: *Frauen* (und andere Feministinnen).
Nun könnte man sich fragen, ob der GLEICHE Staat, der NEBEN dem „staatlich-militärisch-industriellen Komplex“ AUCH feministische Wissenschaft finanziert, ein schmutziges, männliches Konto hat und ein sauberes, weibliches aus dem diese Gelder stammen.
Aber das würde das „moralische Geschlecht“ bereits intellektuell überfordern.

4. Die Frage so gestellt: Ist nicht die real existierende *männliche Kritik* an „Staat“ und „militärisch-industriellem-Komplex“ der Beweis dafür, die simplifizierende Gegenüberstellung zwischen „sexistischer“ und „feministischer Wissenschaft“ und deren *geschlechtlich determinierende* *Personalisierung* muss zwangsläufig:

a. die „Notwendigkeit einer Reihe von Dualismen“ erschaffen, in denen Männer böse (bürgerlich, sexistisch, rassistisch) und Frauen gut (irgendwie das Gegenteil) sind, „um dann den Männern und der Männlichkeit die erste, den Frauen und der Weiblichkeit die zweite Hälfte jeder Dichotomie zuzuweisen.“?! Und zwar GEGEN jede empirische Evidenz.
Was dann b. darauf hinauslaufen würde, der Feminismus REPRODUZIERT, was er vorgeblich kritisiert und ist darin selber SEXISTISCH.

5. Weiter: „Die standpunktorientierten Erkenntnistheorien gründen eine spezifisch feministische Wissenschaft auf eine Theorie vergeschlechtlichter Aktivität und gesellschaftlicher Erfahrung. Sie geben Frauen (oder Feministinnen, je nach Ansatz) in epistemischer Hinsicht den Vorrang, erheben aber zugleich den Anspruch, die für das aufklärerisch-bürgerliche Weltbild und seine Wissenschaft charakteristischen Dichotomien zu überwinden.“

a. Die „vergeschlechtlichen Aktivitäten“ werden aber nicht wissenschaftlich in ihrem tatsächlichen gesellschaftlichen Zusammenhang (s. Konten) untersucht, sondern erfolgen auf der Basis einer POLITISCH-MORALISCHEN Kategorisierung, die dieser Untersuchung VORAUS geht.
Und „ein Urteil, das einer Person, einer Gruppe, einem Sachverhalt oder einer Situation vor einer gründlichen und umfassenden Untersuchung, Abklärung und Abwägung zuteil wird, ohne dass die zum Zeitpunkt der Beurteilung zur Verfügung stehenden Fakten verwendet werden.“, nennt man VORURTEIL.
Es ist unmöglich, wissenschaftliche Arbeit auf der BASIS von Vorurteilen durchzuführen, die andere Ergebnisse produziert, als sich in den eigenen Vorurteilen bestätigt zu sehen.

b. Einem Geschlecht den „Vorrang“ zu gewähren war der feministische Vorwurf an die „sexistische Wissenschaft“ – betrieben durch Männer, selbstverständlich – sie betrieben „androzentrische“ Forschung.
Diesen „Androzentrismus“ durch „Gynozentrismus“ ersetzen zu wollen, wird das „aufklärerisch-bürgerliche Weltbild“ einen Scheißdreck überwinden.
Weil es die für „seine Wissenschaft charakteristischen Dichotomien“ um eine lustige weitere Variante erweitert, nämlich eine *feministische*, genauer: eine bürgerlich-feministische.
In allen, wirklich ALLEN Aspekten gehört der Feminismus zur „Ideologie der zeitgenössischen Wissenschaft“.

Wenn oben also gesagt wird: „Dasselbe (gender studies und Feminismus) sind sie aber dennoch nicht. Man könnte sagen, es wären zwei Seiten derselben Medaille. Die Analytische und die Politische.“, dann ist das rotzfrech gelogen. Die Analyse der gender studies ist bereits durch Gynozentrismus und die politischen Vorurteile des Feminismus geprägt und das bestimmt seine „wissenschaftlichen“ Resultate.

Der Genderismus – in seiner derzeitigen Ausprägung – ist keine Wissenschaft (dazu hat Leszek großartig geschrieben) und seine feministische „Erkenntnistheorie“ steht jeder Forschung (über die Geschlechterverhältnisse) im Weg.

Quelle: http://arsfemina.de/feministische-wissenschaftstheorie/feministische-erkenntnistheorien-i

Ein Gedanke zu „Crumar zu „Feministische Erkenntnistheorie“ #4genderstudies

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