Niederlage für Sprachverschandler

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Eine schöne Überraschung zum 13.: Der Bundesgerichtshof hat sich nicht dem grassierenden Wahn angeschlossen und geurteilt, dass die verklagte Sparkasse ihre Formulare nicht in gender-„gerechter“ Sprache formulieren muss. Während Agens befindet:

„Tatsächlich hat das Gericht der Beliebigkeit subjektiven Empfindens in Rechtsfragen einer Riegel vorgeschoben“

zeigt sich die Süddeutsche in einem „Kommentar“ – immerhin wird kein Qualitätsjournalismus vorgetäuscht – angepisst:

Das Gericht behauptet, die männliche Form „Kunde“ sei neutral. Das stimmt schlicht nicht und entspricht weder dem heutigen Sprachverständnis noch dem wissenschaftlichen Kenntnisstand.

Dass die gegenderte Sprache für das heutige „Sprachverständnis“ steht, ist eine gewagte These. Tatsächlich habe ich im Alltag noch niemanden gegendert sprechen hören, außer vielleicht den Rassisten und Sexisten Tarik. Studentinnen zeigen eher Mitleid, wenn sie einen Professor erleben, der sich mit gegenderter Sprache abmüht, um damit seine Zugehörigkeit zu den guten, fortschrittlichen Menschen zu zeigen. Dass die „richtige“ Sprache heutzutage Ausweis der richtigen Gesinnung geworden ist, zeigt weniger, dass dies dem allgemeinen „Sprachverständnis“ entspricht, als dass eine totalitäre Ideologie die Geisteswissenschaften – also auch auch Linguistik – sowie den medialen Mainstream dominiert. Studenten, die dafür bestraft werden, korrektes Deutsch zu gebrauchen, hätten bestimmt was zu diesem Kommentar anzumerken, ob sie gender-„gerechte“ Sprache als alltägliches Sprachverständnis auffassen oder als Gängelung aus einer Machtposition heraus, mit der ganz nach Orwell das richtige Denken durchgesetzt werden soll. Wieder mal zeigt sich ein Missverhältnis von veröffentlichter Meinung und öffentlicher Meinung, von Elite und Volk.

Denn der „wissenschaftliche Kenntnisstand“ mag zwar zum Ergebnis kommen, dass wir beim Begriff „Ingenieur“ eher an einen Mann denken, aber was genau ist daran falsch? Ist es auch falsch, bei „Hebamme“ an eine Frau zu denken oder ist das nicht vielmehr berechtigt? Und wird die fortschrittliche Süddeutsche in Zukunft auch von „Schlägerinnen und Schlägern“ sprechen oder vielmehr das alte feministische Spiel weiterspielen, dass „Gleichberechtigung und Gleichstellung“ allein dort betrieben wird, wo immer nur Frauen aber niemals Männer profitieren können?

Mit der autoritären Vorschrift, das generische Maskulinum auszumerzen, soll eine sprachliche Realität geschaffen werden, welche mit der eigentlichen Realität nicht mehr übereinstimmt. Unterstellt wird, wenn ich von „Ingenieurinnen“ spreche, werden auch mehr Mädchen nicht Laberwissenschaften wie Gender-Studies belegen sondern anspruchsvolle Berufe anstreben. Man will von oben mit Sprachmanipulation die gewünschte Gesellschaft schaffen. Das unterscheidet diese Machtausübung auch vom alltäglichen Wandel der Sprache, ihrer steten Entwicklung. Begriffe wie „Internet“ wurden nicht von oben diktiert sondern etablierten sich auf natürliche Weise.

Das generische Maskulinum ist eine wunderschöne und elegante Eigenschaft der deutschen Sprache, in welcher eine Funktion betont wird und das Geschlecht der Gemeinten keine Rolle spielt. In dem Satz „Die Studenten protestierten gegen die Studiengebühren“ spielt es keine Rolle, ob diejenigen, die da protestieren, Männlein, Weiblein oder Intersexuelle sind. Tatsächlich wäre das generische Maskulinum niemals in den Verdacht geraten, allein Männer zu meinen, wenn es keine exklusiv weibliche Form gäbe oder aber zusätzlich eine exklusiv männliche Form. Die Schönheit des generischen Maskulinum lässt sich auch an dem verunglückten Satz „Frauen sind die besseren Autofahrerinnen und Autofahrer“. veranschaulichen, dessen Sinngehalt sich ohne das generischem Maskulinum kaum elegant erschließen lässt.

Aber Feminismus spaltet die Geschlechter nicht nur in der Sprache. Mann und Frau stehen sich als Autofahrer und Autofahrerinnen in zwei getrennten Lagern gegenüber. Wie unglücklich diese Konstellation nicht nur für das Miteinander der Geschlechter sondern auch für die Sprachästhetik ist, zeigt sich, wenn man ihn ins Englische übersetzt. Wie soll es denn heißen? „The drivers and female drivers“? Oder doch „The male drivers and female drivers“?

Sprachfeministinnen zerstören nicht nur ein wertvolles Kulturgut, sie finden auch kaum ein Ende. Robert Pfaller hat in „Erwachsenensprache“ sehr schön analysiert, dass die ganzen Wortkonstruktionen niemals endgültig zur Befriedigung der Sprachschänder geraten können. Stets sickert die eigentliche Bedeutung, die hinter den neu geschaffenen Begriffen steht, wieder hervor, „vergiftet“ diese, was die Sprachingenieure ständig am abdichten hält, sie zu keinem Ende kommen lässt – nicht nur auf den Gebiet der „gendergerechten“ Sprache sondern auch auf anderen Gebieten wie etwa den Ethnien.

Der BGH hat dankenswerter Weise die richtige Entscheidung getroffen. Vielleicht hat man in Deutschland wie in Frankreich ein Erbarmen mit diesem Kulturschatz.

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10 Gedanken zu „Niederlage für Sprachverschandler

  1. Dirk

    Das Problem ist doch, dass genderisten keine Ahnung von Wissenschaft haben.

    Das generische Maskulinum/Fenmininum sind begriffe aus der Grammatik und haben so GAR nichts mit menschlichem Geschlecht zu tun. Wenn man das damals nur anders genannt hätte (zb. generische schnubbeldiefatz/schnubbeldiefitz), dann hätten wir heute kein Problem.

    Das ist das selbe Phänomen wie bei den Religioten, die das Wort „Therorie“ in Wissenschaft und Sprachgebrauch verwechseln.

    Antwort
    1. mitm

      „Wenn man das damals nur anders genannt hätte“

      Ich habe hier „Androgynum“ statt Maskulinum vorgeschlagen, auch wenn das unrealistisch ist.

      Zumindest sollte man ins öffentliche Bewußtsein bringen, daß es keinen grammatischen Fall gibt, mit dem man zuverlässig nur männliche Wesen bezeichnen kann. Hierfür müßte man einen weiteren, explizit männlichen Fall einführen. Oder man benutzt immer explizit das Adjektiv „männlich“ (z.B. „männliche Lehrer“).

      Antwort
      1. maddes8cht

        „daß es keinen grammatischen Fall gibt, mit dem man zuverlässig nur männliche Wesen bezeichnen kann.“
        finde ich dabei nicht mal problematisch, da man es durch umgehen kann, dass man „explizit das Adjektiv „männlich“ “ benutzt.
        (Was ich auch als vollkommen angemessene Form sehe, weibliche Personen eines Berufsstandes zu qualifizieren, also: weiblicher Arzt, weiblicher Lehrer.

        Sprachlich problematisch finde ich allerdings, das mit dem Verlust einer als generisch verstandenen Form die Möglichkeit verloren geht, von Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht zu reden (und zu denken).

        Ist Frau Merkel nun Frau Bundeskanzler oder Frau Bundeskanzlerin?

        Wie drückt man den Sachverhalot aus, dass Frau Merkel die erste weibliche Bundeskanzlerin Deutschlands ist?
        Was für ein bescheuerter, wiedersinniger Satz.
        Mit dem Verständnis einer generischen Form der Bezeichnung „Bundeskanzler“ war die Aussage folgendermaßen vollkommen korrekt und eindeutig:

        Frau Merkel ist erster weiblicher Bundeskanzler Deutschlands.

        Kann man aber nicht sagen mit „gendergerechter Sprache“.

        Antwort
  2. pingpong

    Das Gericht behauptet, die männliche Form „Kunde“ sei neutral. Das stimmt schlicht nicht und entspricht weder dem heutigen Sprachverständnis noch dem wissenschaftlichen Kenntnisstand.

    Hört dieser Unsinn denn nie auf? Ich möchte es einmal, nur einmal, erleben, dass in den unzähligen Artikeln in denen auf den „wissenschaftliche Kenntnisstand“, „die Wissenschaft“ u.ä. Bezug genommen wird, im Anschluss auch tatsächlich WISSENSCHAFTLICHE Erkenntnisse kommen. Gerade heute in der Zeitung gelesen: Der BMI wäre unwissenschaftlich und müsse abgeschafft werden, es gäbe keine wissenschaftliche Belege dass normalgewichtige Körper gesünder seien.

    Man kann sich manchmal nur mehr an den Kopf greifen.

    @topic:
    http://www.belleslettres.eu/content/deklination/genus-gendersprech.php

    Antwort
    1. mitm

      „Hört dieser Unsinn denn nie auf?“

      Nein. Soziale Problem werden sozial konstruiert!
      Das Herumreiten auf den gegenderten Schreibweise ist sachlich unbegründet und könnte seit 20 Jahren ad acta gelegt sein. Es dient aber auf Dauer dazu, bei Frauen das Opferstatusbewußtsein zu stärken. Gegenderte Schreibweisen sind dermaßen unpraktisch, daß sie sich nie vollständig durchsetzen werden. Das ist der Idealfall für die hard-core Feministen, weil so auf Dauer ein Feindbild vorhanden ist, das die eigene Ideologie rechtfertigt.

      Antwort
  3. Bruno

    Keine zwei Jahre und der Schwachsinn wird Gesetz. Es wäre die erste feministische Hirnblähung, die nicht gesetzlich verankert würde.

    Antwort
  4. Fiete

    Ich mache es bei solchen Vorgängen mittlerweile ungefähr nach Danisch-Logik:
    Baer lässt sich eine „intelligente Bschwerde“ ( so nennt die das ) schreiben.
    Baer sorgt für das Casting einer Strohpuppe.
    Baer’s Leute finanzieren das.
    Baer’s Leute erledigen die Korrespondenz.
    Baer nimmt ( nach dem offiziellen Instanzendurchlauf ) an.
    Baer winkt durch.
    Vorgang erledigt.

    Heißt in dem Fall:
    Das Gerede über das BGH-Urteil ist ’ne Nebelkerze, ebenso der Spruch mit dem EuGH ( vermutlich EGMR ).
    Formal muß die Beschwerdeführerin ja den nationalen Rechtsweg ausschöpfen, die Sache wird also dem BVerfG vorgelegt werden.
    Und da wird das Ding dann durchgewunken.
    Würde mich wundern, wenn es anders läuft …

    Antwort
  5. rano64

    *Klugscheißmodus an*

    Mit „Hebammen“ sind tatsächlich ausschließlich Frauen gemeint. Das männliche Gegenstück heißt „Entbindungshelfer“.

    *Klugscheißmodus aus*

    Antwort

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