Archiv für den Monat April 2018

Alltagserfahrungen (3)

Morgentoilette, das Radio läuft. Angekündigt wird ein Beitrag über eine junge Mitarbeiterin bei irgendeinem Blatt, die jüngst ihr Germanistikstudium abgeschlossen hat und nun als hoffnungsvoller Nachwuchs der deutschen Dichter und Denker ihr erstes Werk vorstellt. Ich denke „Bitte keine Feministin, bitte keine Feministin“, aber *ach*, *seufz*, es geht in ihrem Buch um starke Frauen. Mehr muss ich nicht wissen, ich schalte das Radio ab.

Etwas später sitze ich im Wartezimmer meiner Ärztin und nutze die Möglichkeit, kostenlos im ehemaligen Nachrichtenmagazin zu blättern. Zügig komme ich zu einem Artikel, der als Thema die erste Frau als Vorsitzende der SPD behandelt, ein historisches Ereignis also und ich bin entsprechend gelangweilt.

Der Autor ist ganz nah dran an Andrea Nahles und begleitet die neue Chefin der SPD ins Willy-Brandt-Haus. Vorbei geht’s an den Porträts ihrer Vorgänger. Ich halte inne und denke mir: „Jede Wette, jetzt kommt Männerbashing.“ Ich lese weiter, und meine Vorhersage erfüllt sich zumindest teilweise: Freundlich gesprochen wird über die Giganten der SPD wie Helmut Schmidt nicht, aber auch nicht besonders abwertend, und das obwohl es sich um alte weiße Männer handelt, ein bisschen Beißhemmung gibt es da noch. Ja, sie seien halt Vergangenheit, schwarz auf weiß, Männer die „streng gucken“. Der Autor ist begeistert: „Wow, es beginnt eine neue Zeit“.

Nein, das Abwerten von Männern ist nicht neu, es ist jahrhundertealt, werter Spiegelautor. Und wenn man den Niedergang der SPD aufhalten will, wäre die neue Vorsitzende gut beraten, sich auf die Werte dieser alten, weißen Männer, die die SPD groß gemacht haben, zurück zu besinnen, anstatt sie zu verachten. Das gilt genauso für den SPIEGEL.

Aber gut, damit habe ich genug kostenlos im ehemaligen Nachrichtenmagazin gelesen. Ich lege es beiseite und greife mir ein Buch, das ich mir für diese Gelegenheit als Zeitvertreib mitgebracht habe.

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Jungen und die feministische Herrschaft

Wohin die feministische Herrschaft führt:

Die Konsequenzen liegen auf der Hand. Nach Prof. Markus Meier in „Lernen und Geschlecht heute“ (2015) sind mittlerweile mehr als ein Viertel aller jungen Männer in Deutschland funktionelle Analphabeten. Ein Zustand, der in einem Land, in dem Bildung der wichtigste volkswirtschaftliche Faktor darstellt und in dem die politisch Verantwortlichen andauernd über einen angeblichen Fachkräftemangel klagen, eigentlich höchste Alarmstufe auslösen müsste. Der zunehmende Gender Education Gap und die höhere männliche Jugendarbeitslosigkeit wird aber von den politisch Verantwortlichen nicht als Problem, sondern als positive, ja sogar erfreuliche Rückmeldung einer Geschlechterpolitik gesehen, die sich auch heute trotz Gender Mainstreaming ausschließlich auf die Frauenquote reduziert. Und jeder Junge, der im Bildungssystem scheitert und arbeitslos auf der Straße landet, ist pragmatisch gesehen natürlich ein Gewinn für die Frauenquote.

Von der Lust auf Ignoranz

Esther Vilar, Liebe und der Feminismus

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„Dass die Welt von Männern beherrscht wird, ist genauso paradox wie zu sagen, dass die Seefahrt von Matrosen beherrscht wird.“

Mitten in die hitzige Debatte darüber, wie fies Männer Frauen unterdrücken und misshandeln, platzte Esther Vilar und stellte diese Annahme auf den Kopf: In Wirklichkeit leben Frauen auf Kosten der Männer, beuten sie aus und erziehen bereits als Mütter ihre Söhne zu Frauensklaven. Die feministische Reaktion darauf ist vielsagend, u.a. griff man zu Gewalt:

…auf der Toilette der Münchner Staatsbibliothek haben mich vier junge Frauen zusammengeschlagen. Das war nicht zum Lachen. Ich wurde bespuckt, ich bekam unentwegt Morddrohungen, mein Haus in München pinselte man mit Totenköpfen und Ähnlichem voll. Ich habe Deutschland von einem Tag auf den andern verlassen, ich hatte einen kleinen Sohn, ich konnte nicht mehr bleiben. Ich bin in die Schweiz. Das war der Anfang.

Merke: Wer sich gegen den herrschenden Feminismus stellt, gerät in Gefahr, damals schon. Während Vilar fliehen musste, erhielt die Lügnerin und gewaltverherrlichende Hasspredigerin Alice Schwarzer das Bundesverdienstkreuz, brachte es zur Millionärin und wird vom männlichen Steuerzahler dafür subventioniert, dass sie über brutalste Gewaltakte gegen Männer in Jubelrufe ausbricht – etwas, dass sich kein prominenter Mann umgekehrt geleistet hat und was die Gesellschaft auch nicht tolerieren würde. Mit ihrem Empathiemangel und Brutalität gegenüber Männern stellen sich Feministen nicht gegen das herrschende Narrativ, sondern setzen es fort.

Geradezu legendär ist das Streitgespräch Vilars mit Schwarzer. In einer Szene beschreibt Vilar das Los des Vaters, der sein ganzes Leben für Frau und Kind arbeitet, als „Gefängnis“. Schwarzer hätte auf diesen Kernpunkt feminismuskritischer Position inhaltlich reagieren können. Zum Beispiel hätte sie anführen können, dass Arbeit „Selbstverwirklichung und Karriere“, wovon Femischisten ständig faseln, bedeutet, und einem Leben als Mutter und Hausfrau in der traditionellen Rollenverteilung – sie am Herd, er im Bergwerk – vorzuziehen sei. Allerdings, wohl wissend, dass sie diese These kaum hätte halten können – Arbeit bedeutet Entbehrung und Leid – verzichtete Schwarzer darauf. Stattdessen führte sie den Propaganda an, wonach das unterdrückte Geschlecht, welches mehr Zeit vor dem Fernseher verbringt als das unterdrückende Geschlecht, den Löwenanteil aller anfallenden Arbeitstunden leisten, wozu Vilar, die diese Milchmädchenrechnung bereits in ihren Büchern widerlegte, feststellte, dass Frauen diese Rollenverteilung genau so wollten, und tatsächlich: Hausfrau ist der Beruf, der am glücklichsten macht. An anderer Stelle zeigte Schwarzer sich verwundert, dass Frauen Esther Vilar noch nicht angegriffen hätten. Auf die Information, dass dies schon passiert sei, reagierte sie mit einem „Richtig!“, was man leicht als einen Gewaltaufruf deuten konnte und wohl auch wurde. Überhaupt fällt bei Schwarzer auf, dass sie kaum bis gar nicht auf das eingeht, was ihr Gegenüber sagt, sondern völlig unabhängig von Vilars Statements ihre aggressiven Attacken, Unterstellungen und Anfeindungen raushaut – Vilars Schriften seien „konfus“, Vilar selbst sei „dumm“, „verräterisch“, „selbstverleugnend“, gar eine „Faschistin“ – unter denen Vilar nach und nach stiller wird.

Typisch für das schwarzerische EMMA-Niveau ist auch die Penetranz, mit der Alice Schwarzer einen ad-personam konstruieren will. So fragt sie hartnäckig, wer Esther Vilar sei, wie ihr Hintergrund aussehe, dass sie dazu komme, solch lästerlichen Postionen zu vertreten (wenn Schwarzer umgekehrt auf ihre lesbische Orientierung angesprochen wurde, wies sie das zurück mit der Begründung, das sei ihre Privatsache). Eine ausführliche, sehr lesenswerte Besprechung zu dem Streitgespräch findet sich hier.

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Als zweite feministische Referenz zum Umgang mit Vilar lässt sich das ehemals führende Blog der „Mädchenmannschaft“ anführen. Auch hier segelt man mit voller Kraft an der eigentlichen Position Vilars vorbei und bedient sich eines Strohmanns: Dass sich Männer auch mal für Frauen „zum Affen machen“, ändert nichts an dem Sachverhalt, dass er sie unterdrückt, basta! Es geht aber nicht darum, dass er sich mal schmutzige Hände holt, weil er ihr den Reifen wechselt, sondern darum, dass er sein ganzes Leben lang für sie arbeitet, also sie und nicht er der Profiteur in diesem Geschlechterverhältnis ist. Um ein drastisches Beispiel zu bemühen: Die Sklavenhalter arbeiteten nicht selbst auf den Baumwollplantagen sondern residierten auf Kosten dieser Sklaven in ihren Herrenhäusern. Und wenn das Zusammensein mit den eigenen Kindern „Arbeit“ ist – „Familienarbeit“ -, wie Feministen behaupten, dann stellt sich die Frage, warum sich Frauen zum einen diese Arbeit aufhalsen, indem sie Kinder bekommen, und dann zum anderen bei einer Trennung vor Gericht niemals darum streiten, diese lästige „Arbeit“ an den Vater abzugeben, um sich davon unbelastet im Beruf zu „verwirklichen“… Nein, Frauen betreiben Selbstverwirklichung, wenn sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen. Dabei stellen sie sich zwischen Vater und Kinder und kontrollieren so den Ressourcenfluss, der vom Vater erarbeitet wird. Der Vater trägt das schwere Los, für die finanzielle Grundlage zu sorgen, auf der das Glück der Kinder gedeihen kann. Die Mutter wird dabei gleich mitversorgt, sie lebt sehr gut davon. Das ist das heimliche Privileg der Frauen im „Patriarchat“, weshalb es auch mit dem Frauenwahlrecht, womit Frauen plötzlich die Mehrheit der Wahlberechtigten stellten, nicht abgeschafft wurde.

Aber die plumpe Manipulation der Leser der Mädchenmannschaft ist damit noch nicht zu Ende. Man kommt noch kurz auf den letzten Band Vilars Trilogie – „Das Ende der Dressur“ – zu sprechen. Mal von der Kleinigkeit abgesehen, dass entgegen der Selbstbeschreibung Vilars – sie betrachtet sich als Vertreterin eines weiblichen Feminismus‘ – ihr Position als „Maskulinismus“ abgetan wird, geht man auf den Inhalt des ganzen Buches mit gerade mal einem einzigen Wort ein: „Haarsträubend“, ohne im Geringsten zu erklären wie, warum oder wieso. Vielleicht, weil Vilars Vorschlag für echte Gleichberechtigung steht, das also, was Feminismus ständig für sich beansprucht?

Denn es geht Vilar um sowas „Haarsträubendes“ wie Liebe. Konkret macht sie den Vorschlag und führt den Beweis, dass es nicht der Untergang des Abendlands wäre, eine 25-Stunden-Gesellschaft einzuführen. Einen halben Tag Freiheit für jeden. Mann und Frau arbeiten nur noch 5 Stunden am Tag und können sich somit – Stichwort Gleichstellung – sowohl die außerhäusliche als auch die häusliche Arbeit teilen. Am Vormittag geht der eine arbeiten und der andere übernimmt die Kinder und am Nachmittag tauscht man diese Rollen. Damit wäre sogar dem feministischen Anliegen – Mütter sind weiterhin berufstätig – entsprochen. Und was hat das mit Liebe zu tun? Ganz einfach: Toxische Weiblichkeit sieht in Männern nicht Geliebte sondern Nutztiere. Solche Frauen wählen einen Mann nicht, weil sie ihn lieben, sondern weil er eine guter Versorger ist. Ein Mann, der mit 5 Stunden am Tag nicht mehr als eine Frau arbeitet, taugt nicht zum Versorger, womit Frauen nun dem Herzen folgen können anstatt der Registrierkasse.

Eine interessante Frage, die sich mir stellt, ist die nach der Motivation der Frauen, die Esther Vilar zusammengeschlagen haben. Waren das tatsächlich Feministinnen, oder nicht vielleicht doch ganz gewöhnliche Frauen, die sich ihres privilegierten Status‘ zu Lasten der Männer sehr bewusst waren und die Männerfreundin davon abhalten wollten, ihrem parasitären Leben die Basis zu entziehen? Letzteres wäre ein hochspannender aber auch gruseliger Aspekt.

 

Esther Vilar – „Der dressierte Mann“(Wenn dir das Buch gefällt, kauf es bitte, danke!)

Petition: Deutschland braucht ein zeitgemäßes Familienrecht

Am 9. November 2017 forderten 60 Mitzeichnende aus Wissenschaft, den Professionen und der Gesellschaft:

„Deutschland braucht ein zeitgemäßes Familienrecht – wir fordern ein gesetzliches Leitbild der Doppelresidenz“

In einer gemeinsamen Erklärung forderten Sie die Politik auf, das deutsche Familienrecht grundlegend zu reformieren. Aus Sicht der UnterzeichnerInnen ist ein Perspektivwechsel dringend notwendig: Weg vom „Alleinerziehen“ nach einer Trennung der Eltern, hin zum „gemeinsam Getrennterziehen“.

Wir von doppelresidenz.org werden diesen Aufruf fortführen und voraussichtlich im ersten Spätsommer 2018 eine entsprechende Petition beim deutschen Bundestag einreichen.

Hierfür bitten wir um Ihre / Eure Unterstützung!

Neoliberalismus: Der freie, ungezähmte Markt regelt alles zum Besten aller.

Eine der beliebtesten neoliberalen Theorien ist, dass sich ein ungezähmter Markt zum größten Wohl aller auswirkt, weshalb jeder Eingriff, jede Regulierung abzulehnen sei. Die Markteilnehmer stehen als Anbieter von Produkten im Konkurrenzkampf, weshalb sie gezwungen seien, die beste Qualität zum günstigsten Preis anzubieten. Hinter diesem Prinzip steht aber nicht die Motivation, größtmöglichste Qualität anzubieten, denn das ist nur das Mittel zum eigentlichen Zweck, die Befriedigung der Gier, der Profitmaximierung. Das führt dazu, dass das Prinzip „Das Beste für Alle“ ausgehebelt wird.

Als Beispiel hierfür lassen sich Sollbruchstellen nennen. Ein Produkt wird so designt, dass es nach einer begrenzten Zeit kaputt geht, so dass es neu gekauft werden muss. Damit wird das Prinzip der hohen Qualität unterlaufen und dem Prinzip der Profitmaximierung entsprochen, denn wenn ein Produkt oft neu gekauft werden muss, steigert dies den Profit.

Kinderarbeit ist bei uns verboten, woanders ist sie erlaubt. Aufgrund einer unzureichenden Rechtslage ist bei uns aber nicht der Verkauf von Produkten verboten, die mit Kinderarbeit gefertigt wurde. Hier wirkt sich der freie Markt, der eben auch die Freiheit kennt, Kinder auszubeuten, derart aus, dass sie das ganze Leben des kindlichen Lohnsklaven versaut. „Liberale ohne Gnade“, auf die ich nochmal zu sprechen kommen werde, sehen darin kein Problem. Vielmehr sehen sie den Zugang zu Bildung, eines der ärgsten und ersten Anliegen linker Politik, nicht als Menschenrecht an, sondern muss nach deren Vorstellung nach den Regeln des „freien Marktes“ erworben werden.

Vor einigen Jahren kam es zu einem kleinen Skandal um eine Altenpflegerin, die für den Müll bestimmte Maultaschen an sich nahm, und daraufhin entlassen wurde. Der Arbeitgeber, der als Mitglied der Oberschicht nie in die Verlegenheit geraten wird, unter katastrophalen Umständen gepflegt zu werden, erklärte dazu, dass das „Vertrauen“ in die Pflegerin verlorengegangen sei, weshalb die Kündigung gerechtfertigt sei. Einen Vertrauensverlust gab es auch bei mir: Ich habe kein Vertrauen in solch ein despotisches Regime und möchte auch nicht in einem solchen gepflegt werden. Das Beispiel „Altenpflege“ zeigt mit am Besten, warum das Prinzip „Freiheit“ nicht zur größtmöglichsten Qualität führt: Einen Senior, den man pflegt, kann man nicht gewinnbringend auf dem Markt verkaufen. Der Profit wird dadurch generiert, dass man die Pflege möglichst kostengünstig hält und z.B. am Pflegepersonal einspart. Das führt zu Zuständen, in welchen eine Pflegekraft für  50-70 Pflegefälle zuständig ist, eine menschengerechte Pflege also unmöglich geleistet werden kann.

Ebenfalls zu unermesslichen Leid kommt es in der Produktion tierischer Produkte. Der größtmöglichste Gewinn geht mit den schlimmstmöglichen Haltungsbedingungen von Tieren einher.  Und nachdem Prinzip der Konkurrenz kann es sich auch kein Produzent leisten, die Tiere unter humanen Bedingungen zu halten. Ein Freund von mir sagte mal, dass er denjenigen töten würde, der seinem Hund etwas antut. Wenn sein Hund das erleben würde, was Tiere in Deutschland tagtäglich erleben müssen, sein Herz würde bluten. Tiere sind leidensfähig, allein deshalb sollte jeder, der kein Unmensch ist, also kein „Liberaler ohne Gnade“, artgerechte Haltung unterstützen und dafür auch höhere Kosten in Kauf nehmen. Dabei reicht es nicht, die Verantwortung an den Verbraucher abzuwälzen, dass er z.B. „Bio-Produkte“ kauft, sondern Tierquälerei muss gesetzlich verboten werden. [Nachtrag] Die Zustände in der Massentierhaltung sind so katastrophal, dass Antibiotika nicht erst bei tatsächlich auftretenden Krankheiten verabreicht werden, sondern routinemäßig unter das Futter gemischt werden. Die Folge sind multiresistente Keime, an denen jährlich bereits tausende von Menschen sterben.

Eine weitere Folge ist Lohndumping. In dem Bestreben, den Profit zu maximieren, werden die Löhne gedrückt und eine entsprechende Lobbypolitik betrieben. So kommt es, dass unzählig viele Menschen im Niedriglohnsektor gefangen sind und trotz Vollzeitbeschäftigung kaum mehr als ein Hartz-IV-Bezieher verdienen. Neoliberale Medien wie die „BILD“ verstehen es dabei geschickt, die arbeitenden Armen gegen die Armen ohne Arbeit aufzuhetzen, indem das Bild des Faulpelzes in der sozialen Hängematte propagiert wird.

Ein weiteres Problem stellt der parallele Abbau von Sozialstaat und Arbeitnehmerrechten dar, wie er von der neoliberalen Lobby vorangetrieben wird. Die Demontage des Sozialstaates führt zu Abhängigkeit vom Arbeitsplatz. Abbau von Arbeitnehmerrechten führt dazu, dass man vom Arbeitgeber abhängig ist und somit nicht in Opposition zu ihm oder dem System gehen kann, da man willkürlich entlassen werden kann und dann ohne funktionierendem Sozialstaat existentiell vernichtet wird. Somit muss man sein Fähnchen nach dem Willen desjenigen richten, von dem man abhängig ist. Damit führt die Kombination von Abbau des Sozialstaats sowie Arbeitnehmerrechten in die (neoliberale) Diktatur.

Diese Beispiele zeigen, dass ein ungefesselter Markt zu unmenschlichen Bedingungen führt und von daher reguliert werden muss. Das Prinzip einer „sozialen Markwirtschaft“, welche zum einen faire Entlohnung bietet, aber zugleich die bestialischen Härten eines ungezähmten Marktes abfängt, ist dabei von der Theorie her sehr zu befürworten. Allerdings sollte eine „wehrhafte Demokratie“ auch dafür sorgen, dass dieses Prinzip in die Praxis umgesetzt wird, dass wir einen demokratiekonformen Markt erhalten und nicht eine marktkonforme Demokratie, denn letztere ist keine Demokratie mehr.

Geschlechterkrieg mit Asterix und Obelix

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Comics gelten zu Unrecht als niedere Literaturform. Ich denke, dass man gerade die Jungs, die heutzutage mit Mädchenliteratur an den Schulen gequält werden, was eine Ursache für ihre schlechte Lesekompetenz darstellt, an die Freude des Lesens heranführen kann, indem man sie mit Comics anfreundet. An dieser Stelle sei auch auf das „Jungen-lesen-Projekt“ von MANNdat hingewiesen, mit vielen Vorschlägen jungenfreundlicher Literatur.

Zurück zu den Comics: Eine meiner Lieblingsreihen war „Yoko Tsuno“ – eine SF-Serie. „Yoko Tsuno“ ist gynozentrisch, nicht nur ist die Hauptfigur weiblich, auch ihre Beziehungen zu anderen Frauen stehen im Vordergund, vor denen ihre Freundschaft zu den anderen zwei männlichen Hauptfiguren verblasst. Dennoch vermochte sie mich aufgrund ihres „technischem Gehalts“ als Science-Fiction-Serie zu begeistern.

Hin zu Asterix: Wo Yoko Tsuno gynozentrisch ist, ist Asterix androzentrisch, das Universum ist männlich, Frauen meist nur Nebendarsteller. Auf den ersten Seiten eines jeden Bandes werden „Einige Gallier“ vorgestellt, und das sind alles Männer: Asterix, Obelix, Miraculix, Troubadix und Majestix. Hier nun würde mich wirklich die Geschichte zum großen Asterix-Band XXIX „Asterix und Maestria“ interessieren, die den Geschlechterkrieg auf’s Korn nimmt, und das auf überaus politisch unkorrekte Weise, denn zum einen mit viel Humor und zum anderen mit der Botschaft, dass es Feminismus nun wirklich nicht braucht. War das vielleicht die Antwort auf feministische Kritik an der Männerdominanz? Tatsächlich kann man dem Band die Botschaft entnehmen, dass Feminismus die Beziehung zwischen Mann und Frau vergiftet. Die Geschichte beginnt damit, dass ein – unerhört! – weiblicher Barde ins Dorf kommt, der sich schnell als Radikalfeminist entpuppt und die Frauen des Dorfes gegen ihre Männer aufhetzt. Währenddessen haben die Römer einen neuen Plan ersonnen, um die letzten Gallier, die noch gegen die Besatzer Widerstand leisten, nun endlich zu besiegen – und mehr sei nicht verraten.

In der Geschichte spielt ein Konzept namens „Gallische Galanterie“ eine wesentliche Rolle, ein Ehrenkodex, der es männlichen Galliern verbietet, Frauen zu schlagen. Ob das historisch begründet ist, brachte eine kurz Recherche nicht zu Tage. Überraschend wäre es nicht, schließlich sagt auch heutzutage jeder ehrbare Mann von sich, dass er keine Frauen schlägt, und schon Jungs wissen: „Mädchen schlägt man nicht“. Einen solchen Kodex kennen Frauen umgekehrt nicht, im Gegenteil wird Frauengewalt häufig als entweder berechtigt oder aber als witzig dargestellt.

„Asterix und Maestria“ ist der letzte Band, der die gewohnte Qualität der Reihe erreicht, das heißt er ist wirklich witzig und unterhaltsam geraten, man kann sich so richtig schön schlapplachen (es sei denn, man ist Feminist).

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