Geschlechterkrieg mit Asterix und Obelix

2018-03-02-asterix

Comics gelten zu Unrecht als niedere Literaturform. Ich denke, dass man gerade die Jungs, die heutzutage mit Mädchenliteratur an den Schulen gequält werden, was eine Ursache für ihre schlechte Lesekompetenz darstellt, an die Freude des Lesens heranführen kann, indem man sie mit Comics anfreundet. An dieser Stelle sei auch auf das „Jungen-lesen-Projekt“ von MANNdat hingewiesen, mit vielen Vorschlägen jungenfreundlicher Literatur.

Zurück zu den Comics: Eine meiner Lieblingsreihen war „Yoko Tsuno“ – eine SF-Serie. „Yoko Tsuno“ ist gynozentrisch, nicht nur ist die Hauptfigur weiblich, auch ihre Beziehungen zu anderen Frauen stehen im Vordergund, vor denen ihre Freundschaft zu den anderen zwei männlichen Hauptfiguren verblasst. Dennoch vermochte sie mich aufgrund ihres „technischem Gehalts“ als Science-Fiction-Serie zu begeistern.

Hin zu Asterix: Wo Yoko Tsuno gynozentrisch ist, ist Asterix androzentrisch, das Universum ist männlich, Frauen meist nur Nebendarsteller. Auf den ersten Seiten eines jeden Bandes werden „Einige Gallier“ vorgestellt, und das sind alles Männer: Asterix, Obelix, Miraculix, Troubadix und Majestix. Hier nun würde mich wirklich die Geschichte zum großen Asterix-Band XXIX „Asterix und Maestria“ interessieren, die den Geschlechterkrieg auf’s Korn nimmt, und das auf überaus politisch unkorrekte Weise, denn zum einen mit viel Humor und zum anderen mit der Botschaft, dass es Feminismus nun wirklich nicht braucht. War das vielleicht die Antwort auf feministische Kritik an der Männerdominanz? Tatsächlich kann man dem Band die Botschaft entnehmen, dass Feminismus die Beziehung zwischen Mann und Frau vergiftet. Die Geschichte beginnt damit, dass ein – unerhört! – weiblicher Barde ins Dorf kommt, der sich schnell als Radikalfeminist entpuppt und die Frauen des Dorfes gegen ihre Männer aufhetzt. Währenddessen haben die Römer einen neuen Plan ersonnen, um die letzten Gallier, die noch gegen die Besatzer Widerstand leisten, nun endlich zu besiegen – und mehr sei nicht verraten.

In der Geschichte spielt ein Konzept namens „Gallische Galanterie“ eine wesentliche Rolle, ein Ehrenkodex, der es männlichen Galliern verbietet, Frauen zu schlagen. Ob das historisch begründet ist, brachte eine kurz Recherche nicht zu Tage. Überraschend wäre es nicht, schließlich sagt auch heutzutage jeder ehrbare Mann von sich, dass er keine Frauen schlägt, und schon Jungs wissen: „Mädchen schlägt man nicht“. Einen solchen Kodex kennen Frauen umgekehrt nicht, im Gegenteil wird Frauengewalt häufig als entweder berechtigt oder aber als witzig dargestellt.

„Asterix und Maestria“ ist der letzte Band, der die gewohnte Qualität der Reihe erreicht, das heißt er ist wirklich witzig und unterhaltsam geraten, man kann sich so richtig schön schlapplachen (es sei denn, man ist Feminist).

maestria_schwestern

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