Archiv für den Monat Oktober 2018

Jungen, der Krieg gegen sie und eine selbsterfüllende Prophezeiung

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Es ist ein Experiment, das veranschaulicht, wie fließend die Grenzen zwischen schulischen Erfolg und Misserfolg sind. Intelligenzforscher unterzogen Schulkinder einem angeblich neuen Test. Dann informierten sie die Lehrer darüber, dass von bestimmten Schülern bald eine Verbesserung ihrer Leistungen zu erwarten sei. Diese Vorhersage trat dann auch ein: Die genannten Schüler verbesserten sich tatsächlich. Der entscheidende Punkt hierbei ist aber, dass der Test nur vorgetäuscht war und man die Schüler zufällig ausgewählt hatte.

Es war jetzt nicht so, dass die Lehrer die zufällig ausgewählten Kinder nun besonders förderten. Vielmehr führte die Erwartungshaltung, wonach die Kandidaten sich bald verbessern würden, zu subtilen, unbewussten Änderungen im Verhalten gegenüber den entsprechenden Kindern. Zum Beispiel äußerten sie mehr positives Feedback, was wiederum motivierend auf die Schüler wirkte – die Prophezeiung über die sich verbessernde Kinder war eine sich selbst erfüllende.

Szenenwechsel: Wenn es um Jungen geht, fallen wir zurück in die Zeiten der schwarzen Pädagogik – Die Schule ist richtig, das Kind ist falsch. Die Jungen würden im Bewusstsein leben, dass ihnen später mal sowieso alles einfach so in den Schoß fallen würde. Und so würden sie die von Feministen so verhassten Machos und Patriarchen markieren, die sich von Frauen – Lehrerinnen – nichts sagen lassen würden. Das sei der Grund für ihr Zurückbleiben, während parallel behaupte wird, jeder Schultag sei ein „Boys Day“, unbenommen der Tatsache, dass Jungen die Minderheit auf Gymnasien und die Mehrheit auf Sonderschulen stellen. Gesamttenor: Dass Jungen schlechter abschneiden, sei ihre eigene Schuld.

Das ist genau das Gegenteil einer motivierenden Botschaft, die als positives Feedback verstanden werden kann. Erwachsene hetzen hier gegen Kinder, die eigentlich aus einer erwachsenen Perspektive die Verantwortung für diese Kinder zu übernehmen haben, anstatt diese den Jungen zuzuschieben – denn das ist ein fundamentaler Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen: Letztere trage die Verantwortung für Erstere. Eine erwachsene Haltung zum Thema feindet Kinder nicht als „Jungmachos“ an und arbeitet mit Schuldzuweisungen, sondern stellt die Frage, wie man sie erreichen kann, wie sie sich motivieren lassen.

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Ein Video mit Kindern als Zielgruppe: Jungen sind uns egal.

Dieses Abwälzen der Verantwortung auf die Kinder ist dabei nur ein Symptom einer generell männerfeindlichen wie auch jungenfeindlichen Gesellschaft. So können Sexisten das ganze Land mit der monströsen Botschaft pflastern, wonach nur weibliche aber keine männlichen Kinder ein besonderes Recht auf Schutz vor Gewalt haben, ohne dass dies zu nennenswerten Protesten führt. Als die Terrorgruppe Boko Haram Jungen bei lebendigen Leibe verbrannte, schwieg die Weltgemeinschaft. Erst als dieselbe Gruppe Mädchen entführte, kam es zu einem Aufschrei rund um den Globus.

Ich bin mir sicher: Dahinter steckt Absicht. Wenn Frauen an der Macht, etwa als Bildungsministerinnen, Studien verschwinden lassen wollen, wonach Jungen bei gleichen Kompetenzen schlechter benotet werden und auch seltener einer Gymnasialempfehlung erhalten, dann ist das nicht einfach nur fahrlässig sondern eine Strategie im Geschlechterkrieg, in welchem Männer schon als Kinder bekämpft und sabotiert werden. Häufig bekommt man in dem Zusammenhang zu hören, dass Jungen später die Mädchen beruflich abhängen, was wohl bedeuten soll, dass man Jungen das ganze Leben versauen kann, solange Frauen nicht in Chefetagen dominieren.

In ihrem Buch „Hilfe – Mein Sohn wird ein Macker“ beschreibt eine Mutter, wie sie ihren Sohn misshandelt, um das Patriarchat zu stürzen. Sie wird zitiert:

„Sie [die kleinen Jungen] müssen zurückstecken lernen, verunsichert werden, sich in sich selbst und ihrer bisherigen männlichen Rolle in Frage stellen lassen. […]
Den kleinen Buben soll der kalte Wind um die Ohren blasen, sie haben den kleinen Mädchen Platz zu machen. […]

Dennoch geht es ihm [dem Sohn] schlechter als seinen Schwestern, und das muss auch so sein […]

Weil ich eben bei fast keiner Sache, die den Sohn stark macht, Solidarität zeigen kann und/oder fühle. Überspitzt gesagt: Die Entwicklung der Töchter zur Frau schafft mir gelegentlich Konkurrenz- und Neidgefühle. Die Entwicklung des Sohnes zum Mann bedroht mich existentiell. Da möchte ich, ehrlich gesagt, nicht Kind sein. […]

Und trotzdem: Wir müssen den Söhnen die Privilegien nehmen! Wir können nicht Männermacht bekämpfen und die Augen vor den eigenen Söhnen verschließen. Wir haben keine neutralen Wesen an unseren alternativen Busen genährt, sondern die Patriarchen von morgen, wenn wir ihnen diese Sicherheit nicht rauben – ganz persönlich. Wir müssen unseren männlichen Kindern etwas wegnehmen, sie unterdrücken. […] Praktisch heißt das zum Beispiel, solange es also die Mutter entsetzt ablehnt, ihrem Sohn die Nachthemden der älteren Schwester anzuziehen, obwohl sie ja noch so schön sind, wird sich bei den Männern nichts ändern. […]
Ich vermute, dass ich – Feministin hin oder her – dennoch nicht in der Lage wäre, die Entwicklung meines Sohnes zu einem Versager in der Männerwelt tagtäglich zu beobachten – wenn ich nicht zwei Töchter hätte. Das macht es leichter.“

Die Folgen sind wenig überraschend: Der zutiefst verunsicherte Junge zeigt alle Symptome eines psychisch leidenden Kindes wie Bettnässen, Stottern etc…

Wenn schon Mütter zu Monstern mutieren und ihre Söhne im Interesse einer politischen Ideologie misshandeln und sabotieren, wie steht es dann erst um Lehrerinnen oder Ministerinnen, die in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis zu jenen Jungen stehen, die von ihrer Politik betroffen sind? Die Agenda ist klar und deutlich: Weil wir in einer Männerherrschaft leben, in der alles zu Gunsten der Männer gestrickt ist, darf man bereits jene Kinder, die später mal Männer sein werden, bekämpfen im Geschlechterkrieg. Dieses Phänomen, dass eine Ideologie die Familie spaltet und als Verfeindete zurücklässt, kennt auch von anderen Totalitarismen wie Scientology, Staatskapitalismus oder dem Faschismus. Kinder werden angehalten ihre Eltern anzuzeigen oder Eltern ihre Kinder, wenn sie nicht auf Linie sind. Hier wird eine Mutter im Namen des Feminismus zur Feindin ihres eigenen Fleisch und Blutes, weil er es mal zu Unrecht einfacher haben werde – wahrlich eine liebreizende Weltanschauung.

Dass es aber den Jungen später mal einfacher gemacht wird, zu einem gutem Leben zu finden, ist ein feministischer Mythos. Tatsächlich sind Männer strukturell benachteiligt und ein junger Mann, der in der Schule scheitert, kann nicht erwarten, dass ihm mal eine Frau ein Leben unterhält auf einem sozialen Niveau, das nicht er erarbeitet hat. Frauen kümmern sich nicht auf diese Weise um Männer, wie diese es umgekehrt ganz selbstverständlich tun. Das führt dazu, dass es einen Faden weniger im sozialen Netz für Männer gibt, womit diese dann auch öfters in der Obdachlosigkeit stranden oder sich in ausweglosen Situationen das Leben nehmen. Die ganzen Sohnmütter haben ihre Söhne schon immer zu Frauendienern und nicht zu Frauenfeinden erzogen, weswegen es Frauen schon immer leichter hatten. Das zu erkennen ist die vermutlich größte Leistung für eine Feministin.

Jungen erhalten also vielfältig die Botschaft, dass sie falsch sind. Das demotiviert und dürfte eine der wichtigsten Ursachen für ihr Zurückbleiben sein – sofern es nicht beabsichtigt ist im Geschlechterkrieg. Demgegenüber sollte man damit beginnen, ein Wohlwollen ihnen gegenüber zu kultivieren, schon in der Auswahl jungengerechter Literatur.

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Was denkt sich ein Junge, der vielleicht von seiner Mutter misshandelt wird, wenn er dieses Plakat sieht?

Ist George Orwells „Farm der Tiere“ eine Kritik am Kommunismus?

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Nicht im Sinne des Erfinders

George Orwells „Farm der Tiere“ wird von neoliberalen Kapitalismusfans gerne als die Kritik am Kommunismus schlechthin gefeiert. Die Geschichte beginnt mit einer Despotie auf einem Bauernhof. Die Tiere dort haben auf’s Ärgste unter der brutalen Ausbeutungsherrschaft durch einen Menschen zu leiden. Eines Tages erheben sich die Geknechteten und verjagen den Tyrannen vom Hof. Nach der Revolution etabliert sich dann aber langsam eine Herrschaft durch die Schweine, welche noch schlimmer ausfällt. Am Ende beobachten die Tiere die neuen Machthaber durch ein Fenster, wie sie mit Menschen zusammensitzen und können nicht unterscheiden wer Mensch ist und wer Schwein – die neuen Despoten sind wie die alten. „Farm der Tiere“ erzählt also nicht von einer geglückten Revolution, einer gelungenen Befreiung sondern von einer gescheiterten.

Dieses Märchen wird oft als eine Parabel zur kommunistischen Revolution in Russland angesehen, auch dort hatten die Menschen unter Stalin noch mehr zu leiden als unter den Tyrannen, welche mit der Revolution überwunden worden waren. Tatsächlich ist es mir schon mehrmals passiert, dass mir ein Neoliberaler vorrechnete, dass die eine Despotie immer noch besser war als die andere. Na, dann ist’s ja gut!

So stellt die Parabel dann auch keine Kritik am Kommunismus dar, sondern nur an einer Tyrannei, die durch eine andere ersetzt wurde – eine Pervertierung der Ideale der Revolution. Besonders schön lässt sich das am Manifest der Tiere veranschaulichen: Dort wird festgeschrieben wer Freund und wer Feind ist, und dass die Tiere die Sitten der Feinde meiden sollen, wie etwa in Betten zu schlafen, Alkohol zu trinken oder andere Tiere zu töten. Mit am wichtigsten ist Punkt 7 in der Erklärung:

Alle Tiere sind gleich.

Dass die Revolution gescheitert ist, zeigt sich dann eindrucksvoll daran, dass dieser Punkt umgeschrieben wird zu:

Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.

Die neuen Machthaber legitimieren durch diese Pervertierung des Ideals der „Gleichheit“ – welches man besonders gut aus der französischen Revolution kennt – ihre eigene, neue Tyrannei. Und nicht nur das: Weiterhin treiben sie Handel mit dem Feind, trinken Alkohol, schlafen in Betten und lassen andere Tiere töten – die Revolution frisst ihre Kinder. Zu dem Vergleich mit dem real existierenden Russland könnte man dasselbe sagen: Es wurde eine Despotie durch sich selbst abgelöst, eine Variante der kapitalistischen Ausbeutung durch eine andere. Die Sowjetunion lebte keinen Kommunismus sondern einen Staatskapitalismus: Die Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln lagen nicht bei der Arbeiterklasse – wie sich das Marx und Engels gedacht hatten – sondern beim Staat bzw. dem Regime. Es handelte sich sowohl bei der „Farm der Tiere“ als auch bei der Sowjetunion um eine Pervertierung einer sozialistischen oder kommunistischen Gesellschaft.

Die Verfilmung dieses Märchens endet mit einer zweiten Revolution und vielleicht machen es die Tiere diesmal besser, haben aus der bitteren Erfahrung gelernt und stellen die Ideale der Revolution – Alle Tiere sind gleich – wieder her. In der Realität lässt sich das wohl nicht verwirklichen, denn niemals dürfen es die herrschenden Eliten zulassen, dass es irgendwo ein sozialistisches Land gibt, in dem die Menschen gut und gerne leben.

Die Herausforderung, seinen Sohn zu lieben, obwohl er männlich ist

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Der US-amerikanische Biologe Lionel Tiger berichtet in seinem neusten Buch »The Decline of Males« (»Auslaufmodell Mann«) von einem Bekannten, der seine Partnerin gerne zu Veranstaltungen im Fachbereich Frauenstudien begleitet habe (500, 259). Einmal unterhielten sich die dort versammelten Studentinnen voller Wärme und Vorfreude über ihre zukünftigen Kinder. Sie sprachen von den Büchern, die sie ihren Töchtern vorlesen würden, von den Rollenvorbildern, die sie heranwachsenden Mädchen sein könnten, die antisexistische Erziehung, die sie ihren Töchtern zukommen lassen würden. Der junge Mann hörte sich das alles interessiert an, um dann aber die schwärmerische Stimmung mit einer einzigen Frage zu zerstören. »Und was ist, wenn ihr Söhne bekommt?«

Eine der widerlichsten Eigenschaften des Feminismus‘ ist, dass seine Männerfeindlichkeit noch nicht mal vor Kindern halt macht. Jetzt hat eine Feministin auf „Pink stinks“ einen übelriechenden Beitrag veröffentlicht, in welchem sie berichtet, darüber in Tränen ausgebrochen zu sein, da ihr Ungeborenes ein Junge wird; zwar schwört sie, ihren Sohn zu lieben, aber

Man weiß es: Was vor einem „aber“ steht, ist gelogen, wie jedem klar ist, der zwar kein Rassist ist, aber dessen Haltung etwa zur Migrationspolitik nicht mit der politisch korrekten übereinstimmt. Und wo wir gerade bei Rassismus sind, geht’s damit gleich weiter: Würde ein Mensch verkünden, dass er sein Adoptivkind lieben würde, obwohl es ein schwarzes ist, er könnte wohl nicht mit soviel Zuspruch rechnen, wie ihn diese sexistische Sohnmutter erhalten hat. Faszinierend: Offenbar hat sie und ihr Publikum keinerlei Gespür dafür, wie menschenverachtend das ist, was sie vom Stapel lässt. Vermutlich liegt es daran, dass sie sich in einem offenkundig menschenverachtenden, feministischen und asozialen Familien- und Freundeskreis bewegt, die genau wie die Autorin selbst Probleme mit der Hautfarbe dem Geschlecht ihres Kindes haben. Gruppenbezogene Menschfeindlichkeit, wie sie einem beim Reden über schwarze Kinder sofort anspringen würde, wird bei männlichen Kindern schlicht nicht wahrgenommen – ein schöner Beweis für die These Doris Lessings, dass Männerfeindlichkeit inzwischen so weit verbreitet und Alltag ist, dass sie einem gar nicht mehr auffällt.

Neben den Schilderungen, wie sie geschockt darüber weinte, dass ihr Ungeborenes ein Junge ist, findet man auch das übliche Blabla über Jungen als Gewinner der „Geschlechterlotterie“. Weil ein Promille der Männer im Vorstand sitzt, gehört ihr Junge also zu den „Gewinnern“ – mit einem höheren Risiko, Suizid zu begehen, obdachlos zu werden oder die Kinder zu verlieren – bei letzterem könnte sich die Autorin dann auch von ihren Enkeln verabschieden, aber vielleicht fällt ihr das ja einfacher, wenn es nur Jungs sein sollten. Nein: Die ganzen Sohnmütter vor ihr, die schon immer die Erziehungshoheit inne hatten, haben ihre Jungen nicht zu Frauenfeinden erzogen, sondern zu Frauendienern, weshalb Männer bereitwillig das schwere Los akzeptieren, mit der eigenen Maloche Frauen das Leben zu erleichtern wenn nicht gänzlich zu unterhalten.

Zum Schluss: Sie will ihrem Jungen etwas schenken, was man Männern viel zu wenig schenkt: Liebe. Dass sich diese Feministin vielleicht von ihren Ressentiments lösen kann und nicht nur den Empathy-Gap sondern auch andere Nachteile von Jungen und Männern reflektieren könnte, das lässt mich hoffen und stimmt mich versöhnlich. Zum Schluss ein Zitat der pöhsen „Maskulinisten“:

Man wünscht jeder Feministin einen Sohn, aber keinem Jungen eine Feministin als Mutter.