Lucas Schoppe und Billy Coen: „Männer müssen sich selbst organisieren!“

Kommentare, zu wertvoll um sie in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Kontext: Lucas und Billy diskutieren über ein häufig gehörtes Statement, wonach sich Männer bzw. Männerrechtler einfach selbst organisieren sollten, wenn sie geschlechtsspezifische Nachteile wahrnehmen: „Dann gründet halt ein Männerhaus!“

Lucas Schoppe:

Männer müssen sich selbst organisieren. Tun sie ja auch schon in vieler Hinsicht, nur eben nicht zu dem Zweck, spezifische Probleme von Männern und Jungen aus dem Weg zu räumen.

Falsch liegt fotobiene eher in dem Eindruck, Frauen hätten ja schließlich irgendwie auch alles selbst reißen müssen. Die Gelder für die Frauenhäuser, Gleichstellungsbeuaftragten etc. kommen ja aus öffentlichen Kassen – und die werden weiterhin weit überwiegend von Männern gefüllt.

Würden wir also den Vorschlag ernst nehmen und uns darauf kaprizieren, dass Männer sich um Männer und Kinder, Frauen sich um sich selbst kümmern sollten – dann würden Frauen auch damit noch ein sehr schlechtes Geschäft machen.

Das will ja kaum jemand ernsthaft. Aber es wird schon, auch hier, deutlich, welche Funktion feministische Positionen heute haben. Was mal angefangen hat mit dem Anspruch, Gleichberechtigung voranzutreiben, ist heute wesentlich eine Ideologie der gesellschaftlichen De-Solidarisierung. Ob Menschen Anspruch auf Unterstützung haben, ist hier nicht mehr davon abhängig, ob diese Menschen Unterstützung brauchen – sondern davon, welcher sozialen Gruppe sie angehören.

Feministinnen füllen dieses Grundmuster mit Männlichkeits- und Weiblichkeitsklischees, aber es ist ja offensichtlich, dass es auch für ganz andere Inhalte genutzt werden kann. Es ist eine Einladung zu rechtsradikaler Politik.

Die hämische Schroffheit, mit der manche Frauen, und auch Männer, auf die Artikulation spezifisch männlicher Nöte reagieren, ist jedenfalls nicht allein als persönlicher Defekt zu erklären, sondern auch politisch produziert. Giffey können wir bei der Produktion live zuschauen.

 

Billy Coen:

Hier sprichst du einen ganz wichtigen Punkt an: Oft kommt von feministischer Seite ja genau dieser Einwand, die Männer sollten das halt auch mal für sich durchkämpfen, so wie sie es gemacht haben.

Dieser Einwand ist schlicht unfair. Feministinnen, inklusive der Suffragetten, haben nie wirklich für etwas „kämpfen“ müssen. Sie haben schon immer offene Türen in Parlamenten eingerannt. Schon immer hatten sie, ganz entgegen der von ihnen selbst gepflegten Narrative, Scharen von Männern an ihrer Seite, die ihre Anliegen unterstützten. Das sieht man doch auch in der Gegenwart noch oder besser umso deutlicher. Selbst die offen unsinnigsten, irrationalsten und nicht selten diskriminierendsten Kampagnen finden sofort haufenweise „Weiße Ritter“, die sich ihnen euphorisch anschließen. Dieselben „Weißen Ritter“ sind dann, im Einheitschor mit den von ihnen so vergötterten Feministinnen, höchst empört, wenn sich doch am Ende Männer zu Wort melden, die sich – welch ein Wunder – von diskriminierenden Kampagnen diskriminiert fühlen. Sie kreischen, gemeinsam mit Feministinnen, Totschlagphrasen wie „Relativierung“ und „Whataboutism“, wenn Männer nur mal darauf hinweisen, dass selbst die von den Tröten im Frauenministeramt veröffentlichten Zahlen der PKS auf ein erhebliches Missverhältnis zu Ungunsten von Männern hinweisen. Denn man muss schon ziemlich verblödet sein, den Ausbau von Frauenhäusern zu fordern, die, staatlich gefördert, derzeit gegenüber Männerhäusern 400:2 zählen, ohne zu merken, dass dies noch nicht einmal ansatzweise dem Opferverhältnis laut PKS entspricht (82 % zu 18 %), vom Stand der internationalen Wissenschaft zu diesem Thema mal ganz zu schweigen. Eigentlich hätten die ach so schockierenden Zahlen doch die verehrteste Frau Giffey dazu veranlassen müssen, umgehend eine gewaltige Initiative zur Unterstützung männlicher Opfer zu starten. Aber Ideologie macht halt blind.

Während Frauen also ununterbrochen bei all ihren Sorgen bis hin zu lächerlichsten Petitessen jederzeit von allen Seiten die roten Teppiche entgegenrollen, werden Männer, die auf Dinge wie Selbstmordraten, Arbeits- und Obdachlosigkeit, in Gesetzen festgeschriebene Diskriminierung von Männern, etc. pp. hinweisen, sofort entweder ausgelacht oder gleich direkt als ewig gestrige Reaktionäre, wenn nicht gar als Rechtsextreme verunglimpft.

Der Einwand ist aber auch natürlich aus eben schon angedeuteten Gründen hochgradig verlogen. Denn es sind ja gerade die Feministinnen, die diesen Einwand bringen, die dann wiederum die ersten sind, die jeden männlichen Versuch, auf männliche Anliegen aufmerksam zu machen, hysterisch niederkeifen, um bei nächstmöglicher Gelegenheit wieder medienwirksam zu verkünden, Feminismus sei auch für Männer gut.

Die heutige Vernetzung, die politische und mediale Macht von Feministinnen hat nichts damit zu tun, dass sie es jemals besser gemacht hätten als Männerrechtler. Sie wurden einfach nur permanent hofiert, weil es schlicht ein evolutionär geprägtes Verhaltensmuster des Menschen ist, Frauen zu schützen, zu unterstützen und über alle Maßen auf ein Podest zu heben. Männer waren und sind in demselben evolutionären Spielchen schon immer die „Entsorgbaren“.

Dass Menschen affektiv so ticken, ist nicht einmal verwerflich. Evolutionäre Mechanismen kriegt man nicht so leicht überwunden. Wenn dann aber in Bereichen, die eigentlich genügend Raum für Überlegungen und Ratio lassen, immer noch unreflektiert archaischen Affekten nachgegeben wird, diese gar als „progressive Haltung“ verklärt werden, dann wird’s echt unappetitlich. Aber genau das ist es, was man, gerade die letzten Jahre gar in massiv steigender Intensität, in Politik und Medien erleben muss. Stumpfes, ideologisches Propagandagepumpe, ohne auch nur eine Sekunde mal das Hirn einzuschalten.

Ein Gedanke zu „Lucas Schoppe und Billy Coen: „Männer müssen sich selbst organisieren!“

  1. ClaudiaBerlin

    Hmmm, eine immerhin interessante Sicht der Dinge!

    Den Vorwurf, Männer sollten halt auch mal etwas selbst organisieren, wie es frauenbewegte Frauen ja auch tun mussten, den hab ich auch selbst schon so vorgebracht.
    Nun denke ich drüber nach, ob es denn was dran sein könnte an „immer nur öffene Türen eingerannt“.

    Über heute kann ich nicht aus eigener Erfahrung sprechen, da ich nicht „feministisch unterwegs“ bin. Aber ich hab die Zeiten der 2.Frauenbewegung miterlebt, mitgefeiert, mitgenutzt – nicht als Aktivistin, sondern als eine der vielen, die die Bewegung schwer angesagt fanden – aus guten Gründen! (mann informiere sich, was in den 50gern/60gern noch so Stand der Dinge in Sachen Gleichberechtigung war, falls da Zweifel bestehen soillten).
    Und ich kann sagen: da waren nirgends „offene Türen“…. es brauchte ziemlich viel Einsatz, um diverse Basics eines rechtlichen und gesellschaftlichen Miteinanders der (damals noch nur 2) Geschlechter „auf Augenhöhe“ zur Normalität zu machen!

    Natürlich gab es „unsere Männer“ – also die jeweiligen Szene- und Peergroup-Jungs, die SELBSTVERSTÄNDLICH dabei sein wollten und waren: vorn dran bei der Avantgarde – und natürlich selbst auch ehrlich überzeugt von den Forderungen der Frauenbewegung. Dass es da im Privaten hier und da Rollenklischees und ungleiche Machtverhältnisse gab, das kam auf den Tisch, den gemeinsamen Frühstückstisch – jedenfalls bei heterosexuellen Paaren und solchen, die es werden wollten. Und es waren GUTE, manchmal schmerzliche, aber insgesamt sehr sinnvolle Auseinandersetzungen, die auf jeden Fall zu mehr gegenseitiger Akzeptanz als „Gesamtmensch“ führten. Nicht zu auseinander fallenden Szenen, man stand gemeinsam gegen „die Herrschenden“ bzw. die Alten – und Feminismus war nur ein Thema unter mehreren politischen und kulturellen Anliegen, die gerade hoch kochten.

    Den öffentlichen „Diskurs“ führten zu Teilen lesbisch dominierte Medien besonders radikal – klar, die liebten ja auch keine Männer und hatten leicht reden mit der Idee, locker ohne sie auskommen zu können! Das hatte aber kaum Auswirkung auf die realen Beziehungen der meisten – ein paar (von Männern persönlich verletzte) Frauen wurden „Bewegungslesben“, aber nicht viele.

    Kurzum: Sowohl in den öffentlichen als auch privaten Auseinandersetzungen rund um das Thema Mann/Frau/Gleichberechtigung kann man NICHT von allseits offenen Türen sprechen oder gar von „Rittern“, die die Anliegen der Frauenbewegung quasi „durchgetragen“ hätten. Es war tatsächlich „auszukämpfen“ an allen erdenklichen Fronten – und ich fang jetzt lieber nicht an, Anekdoten zu erzählen,. hätte aber einige auf Lager, wo selbst ich als Nicht-Aktivistin für Gleichbehandlung an meinen Arbeitsplätzen eintrat – und wie die Reaktionen waren!

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