Billy Coen: Helden von Heute in den 30ern

Ein Kommentar, zu wertvoll, ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

In den dreißiger Jahren hätte ein Claas Relotius Geschichten über gleichermaßen arme wie erfundene deutsche Omas geschrieben, die von durchtriebenen jüdischen Bankern um all ihr Erspartes gebracht worden sind. Sascha Lobo hätte sich lang und breit über die Bolschewisten ausgekotzt. Und ein Herr Maaß bzw. darauf folgend eine Frau Barley hätten sich um Gesetze gekümmert, die die Kritik an der nationalsozialistischen Ideologie als Hassgedankenverbrechen kriminalisieren. Und all jene, die diesen Gestalten im Hier und Jetzt für ihre Äußerungen und Handlungen zujubeln, hätten für das eben dargestellte genauso euphorischen Applaus aufgebracht.

Auch ich habe schon gesagt / geschrieben: es waren nicht die überzeugten Nazis des härtesten Kerns, die all diese unfassbaren Verbrechen ermöglicht haben, es waren vor allem die vielen Menschen, die aus teils Opportunismus, teils bloßer Ignoranz schon immer jedem nachliefen, der nur mit ausreichend zur Schau gestellter Autorität voranschritt. Das kuriose Selbstbild all derer, dass sie sich, obwohl sie stets der zeitgeistlich opportunsten Meinung nachhecheln, als ganz große Revoluzzer im Kampf gegen einen übermächtigen Feind wähnen, war auch schon immer zu erkennen. Das war ja auch schon immer Triebfeder für jegliche Form der verbalen und im Endstadium auch körperlich gewalttätigen Enthemmung. Was blieb einem als kleinem Revoluzzer denn im Kampf gegen diesen Feind auch anderes übrig als Gewalt? Dass man dabei in Wahrheit einfach nur eine aufoktroyierte Hoheitsmeinung mit allen Mitteln gegen teils unterdrückte Minderheiten durchsetzte, die sich doch glatt erdreisteten, diese Hoheitsmeinung zu hinterfragen, das wurde und wird dabei stets sehr zielgerichtet vor jeder eigenen Erkenntnis wegrationalisiert. Denn diese Erkenntnis könnte ja am Ende gar das Selbstbild vom Guten und Gerechten in gefährlicher Weise erschüttern.

Ach, und PS: Auch von mir Respekt und Dank an Gunnar für seine nicht nur aber gerade im Zuge dieser Jahresresümees aufgebrachten, schier unglaublichen Fleißarbeit. Aber bitte, bitte, biiiiiiiiiiitteeeeeee!!! Hör auf damit! Diese damit verbundene Ballung des Irrsinns, der so nur umso deutlicher zu Tage tritt, macht mich noch endgültig zum Kulturpessimisten, der an nichts Gutes mehr glauben mag… (Nee, das war natürlich nur semiernst. Während die Sache mit dem Pessimismus natürlich ein Stück weit stimmt, bin ich jedem dankbar, der solche Arbeit auf sich nimmt, so lange sein eigenes Seelenheil das zumindest noch durchhält 😉 )

Dieser Blog befindet sich in den Sommerferien, in dieser Zeit kann sich das Freischalten von Kommentaren ev. lange verzögern. Sorry.

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