Crumar: Feministische Selbstbestätigung und Zensur

Kommentare, zu wertvoll, um sie in der Versenkung verschwinden zu lassen.

[Kontext: Es geht um die Mädchenfragen und Jungsantworten im feministischen Medium „jetzt.de“, konkret diese Frage und Antwort zur Frauenquote]

Crumar: Auffällig bei der „Jungs“-Antwort ist aus meiner Sicht, es muss auf jeden Fall mindestens ein feministisches Stereotyp über Männer bedient und bestätigt werden.
Oder das komplette frame ist eine einzige Bestätigung des feministischen Narrativs – „Mädchen“ wiederum nutzen jede Gelegenheit, ihre (moralische) Überlegenheit zur Schau zu stellen.
Der Anlass ist völlig unerheblich.
Die „Jungs“ sind m.E. von ihrer Funktion her Sockenpuppen und Stichwortgeber der Selbstbestätigung der „Mädchen“.

Was mich jedoch stutzig macht an diesem Schema: Wie unsicher muss man eigentlich in seiner Weltsicht und in seinem Ego sein, ständig dieser massiven Bestätigung zu bedürfen?
Wenn mir permanent jemand auf die Schulter hauen würde und mir versicherte, wie toll ich in allem bin, was ich sage oder tue, wäre ich nach einiger Zeit genervt, danach würde ich mutmaßen verkaspert zu werden und letztlich würde ich es mir verbitten.

Diese Kolumne läuft jedoch schon seit Jahren nach dem gleichen Schema, sie werden der (Selbst-) Beweihräucherung einfach nicht müde; anders herum gesagt hängen sie an der externen Bestätigung wie ein Junkie an der Nadel.

uepsi:

Was mich jedoch stutzig macht an diesem Schema: Wie unsicher muss man eigentlich in seiner Weltsicht und in seinem Ego sein, ständig dieser massiven Bestätigung zu bedürfen?

Dazu passt auch das rigide Zensurregime. Auch wenn es ihnen nicht bewusst ist, so ahnen sie wohl, dass das eigene Bild mit dem simplen Schwarz-Weiß-Muster „böse mächtige Männer, gute unterdrückte Frauen“ einer intensiven Kritik nicht standhalten würde. Sowohl die Zensur als auch die beständige Selbstbestätigung soll das marode Gebäude dieser Weltanschauung vor dem Zusammenbrechen bewahren.

Crumar:

@uepsi

Was du hier geschrieben hast (Herv. von mir):

Ein Medium wie der Jugendableger der Zeit ze.tt versagt nicht nur darin, sich antidemokratischen Bestrebungen entgegenzustellen, sie wirkt bei deren Durchsetzung mit. Dabei weiß man ganz genau, gegen wen Hassrede erlaubt ist und gegen wen nicht. So darf man z.B. Männer als korrupt, dumm und unfähig hinstellen, aber die Richtigstellung dazu wird zensiert. Das geht solange gut, bist der Wind sich dreht. Zensurstrukturen, heute gegen den politischen Gegner installiert, können morgen auf einen selbst angewendet werden.

Kann man nicht oft genug wiederholen!
Und auch der Zusammenhang beider Sätze ist wichtig, denn sie sind genau die Büttel des autoritären Staates, gegen den sie vermeintlich anschreiben.
„Es gilt nur die von oben veröffentlichte Meinung!“ ist der eigentliche Zweck der Zensurmaßnahme und dazu in der Lage sind sie, weil sie Teil des Establishments sind.
Die Verkennung ihrer privilegierten Sprechposition macht sie m.E. besonders anfällig für elitäre Einstellungen. Man sollte sie daran erinnern: Sie sind nicht bei der u.a. Zeit, weil sie klüger sind als ihre Leser, sondern weil sie Journalisten sind.
Die schreckliche Idee, man müsse zusammen mit dem Staat progressive Ideen gegen den Pöbel durchsetzen, macht sie zu Erfüllungsgehilfen des Staates, dem sie eigentlich auf die Finger schauen sollten.
Wer kauft einem Journalisten noch ab seinen Job zu machen, wenn der primär daraus besteht eine „Haltung“ zu zeigen, die in erster Linie systemkonform ist und auf „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.“ in der Praxis scheißt?

„Sowohl die Zensur als auch die beständige Selbstbestätigung soll das marode Gebäude dieser Weltanschauung vor dem Zusammenbrechen bewahren.“

Ja, das glaube ich auch.
Sehr, sehr traurig.

4 Gedanken zu „Crumar: Feministische Selbstbestätigung und Zensur

  1. Jochen

    Das erstaunliche an der Diskussion um die Frauenquote im Parlament ist, dass man nur Stimmen hört, die gegen die Ablehnung argumentieren. Die einzige positive Begründung ist, dass Frauen 50% der Bevölkerung ausmachen, andere Argumente findet man nicht. Warum sollen die Hälfte der Sitze an Frauen vergeben werden? Was wäre gewonnen oder verbessert mit der Quote? Die Vorstellung, dass Gleichberechtigung zahlenmäßig gleiche Repräsentation bedeutet ist schlicht falsch. Sie wird auch nur angeführt, wenn es um Vorteile und Privilegien geht, was unehrlich ist. Niemand fordert eine Quote bei Müllmännern oder Grundschullehrerinnen. Diese Argumentation funktioniert nur mit emotionaler Erpressung und dummdreister Anspruchshaltung. Diese skrupellose Erfolgsstrategie aus dem Privatleben wenden die Frauen jetzt im öffentlichen Leben an

    Antwort
    1. Gast

      So ist es. Weil Männer sie dazu einluden. Früher wußten Männer noch, warum sie Frauen aus öffentlichen Angelegenheiten raushalten.

      Antwort

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