Kinderangst vor streitenden Eltern und Väter als Verlierer

Eine Lebensweisheit besagt, dass man nur so streiten soll, dass man das, worum man streitet, nicht beschädigt, nicht verletzt – zum Beispiel die Beziehung. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob bei einem Streit am Ende ein mögliches „Leb wohl“ steht oder das ganz einfach ausgeschlossen ist. Es gibt Feministen, die das nicht verstehen und behaupten, für Kinder sei es besser, wenn es eine Trennung gäbe, damit sie so von Streitereien der Eltern verschont wären. Der Stress, die Angst vor solchen Streitereien ist aber genau deswegen so groß: Das Kind fürchtet, genau das erleben zu müssen, was der Feminist als Heilmittel verordnet, also dass das Zuhause auseinanderbricht, dass es zu einer grundlegenden Weltveränderung kommt. Wenn Streitereien unter der Maxime stehen, dass so eine Katastrophe nicht möglich ist, sind sie auch sehr viel besser zu ertragen: „Da zanken sie schon wieder“ wird es genervt kommentiert – aber es ist kein Weltuntergang.

Eine feministische Autorin versuchte mal in einem Kinderbuch die Botschaft zu vermitteln, dass eine Trennung keine große Sache, ja sogar ein Anlass für eine Feier sei. In ihrem Buch entschieden sich die Kinder streitender Eltern, für diese eine „Trennungsparty“ steigen zu lassen – Scheidung: Jippie Jippie Yeah! Nur dass diese Botschaft beim Zielpublikum gar nicht gut ankam. Während einer Lesung in einem Kindergarten lief ein Junge weinend aus dem Raum.

Wenn es nach Kindern ginge, wären Scheidungen verboten, so etwa die 15jährige Inge:

„Ich finde, es sollte ein Gesetz geben, das es den Eltern verbietet, sich scheiden zu lassen. Leute, die Kinder haben, sollen mindestens so lange zusammenbleiben, bis die Kinder groß sind.“

Aber dem ist nicht so. Die Eltern trennen sich und die grundlegende Weltveränderung bedeutet für viele Kinder, dass der Vater aus ihrem Leben gestrichen wird, sie den Kontakt zu ihm verlieren, ihm entfremdet werden.

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Viele dieser Väter kämpfen. Einige kürzer, einige länger, wie der, der sich durch alle Instanzen klagte, um dann weit über einem Jahrzehnt später – viel zu spät also – vor dem europäischen Gerichtshof Recht zu bekommen. Ich bin auf Twitter unterwegs und dort lose in Kontakt mit Trennungsvätern, die mehr oder weniger von ihren Kindern ferngehalten werden, und dort für ihre Sache werben. Sie verfolgen die Strategie, zum Beispiel die Justizministerin mit Tweets daran zu erinnern, dass auch Kinder und Väter Rechte genießen sollten. Ihr Treiben ist vermutlich hoffnungslos, außerhalb unserer kleinen Filterblase werden wir gar nicht wahrgenommen. Und so werden sie auch kaum jemanden erreichen, wenn sie berichten, dass sie ihre Kinder nur zwei Stunden begleitet in der Woche sehen dürfen, weil die Mutter mehr nicht zulässt – unmöglich, so eine halbwegs normale Vater-Kind-Beziehung zu führen. Es sind Verlierer, die noch nicht akzeptiert haben, dass sie verloren sind – für ihre Kinder. Betrübt erinnere ich mich an die Schilderung eines Trennungsvater, der erklärte, er befände sich im Prozess des Sterbens, und dabei in der Phase des Kämpfens, und er weigere sich, in die nächste Phase einzutreten.

Über solche Verlierer berichtet auch Matussek schon vor Jahrzehnten:

Die Männer, die sich nach und nach um die Hungerstreikenden vor dem Kreuzberger Familiengericht sammeln, wirken wie eine düstere Sekte im Untergrund sozialen Dschungelkampfes. Männer in Lederjacken, Studenten in Anzügen, Alternative in Latzhosen. Sie verheddern sich im gewundenen Deutsch von Schriftsätzen, ziehen Behördenbescheide aus der Tasche und zerknitterte Fotos von ihren Kindern, und sie sind vor allem eines: von einer merkwürdigen Sprachlosigkeit.
Sie brechen aus in lächerliche misogyne Tiraden, brechen ab, zweifeln. Merkwürdige Stadtwüstenprediger vor dem adrett gestutzten Rasen, zwischen pünktlich ratternden U-Bahnen und bepflanzten Betonkübeln, stammelnd, als könnten sie immer nur den Zipfel einer verborgenen Wahrheit erwischen: Sie stemmen sich gegen einen öffentlichen Diskurs, in dem sie chancenlos sind. Fest steht immer nur eines: Sie lieben ihre Kinder und dürfen sie nicht sehen.
Sie sind schrill, und sie sind sanft. Einer, ein Schrank von Kerl, betreibt aus einem Neuköllner Hinterzimmer den Internet-Info-Service „paPPa.com“, der sich um Gegenöffentlichkeit bemüht. Ein anderer, schmaler Diplomchemiker mit Nickelbrille, engagiert sich in der Zeitschrift „Paps“, wo sich sanfte Väter in Naturgestricktem als bessere Mütter beweisen wollen. Doch über all den Versuchen steht dick und fett: NIEDERLAGE

Obwohl ihnen von Frauen Grausames angetan wurde und wird, von Frauen die als Frauen mächtig sind, wollen sie doch nichts auf dieses Geschlecht kommen lassen. Als ich in Anlehnung an den feministischen Kampfbegriff „Vätermafia“ „Müttermafia“ als Benennung für die Mütterlobby vorschlug, lehnte man das ab, besonders weil man nicht so unsachlich und sexistisch wie die Gegenseite agieren wolle. Ihnen tut man so ziemlich das schlimmste an, was man Eltern antun kann – die Kinder rauben – und sie bemühen sich um die guten Sitten. Es gab mal eine Bombendrohung, Matussek:

Daß der Stuttgarter Sozialbürgermeisterin, die auch die
Dienstherrin über die Jugendämter ist, im vergangenen Jahr eine
Bombendrohung zugestellt wurde, ist ein kleines Wunder. Das
Wunder besteht darin, daß sie nur diese einzige Bombendrohung
erhalten hatte und nicht jeden Tag eine. Und daß tatsächlich
noch keine Bomben in Jugendämtern wie dem von Düsseldorf-
Eller gezündet wurden, zeigt einmal mehr, wie groß die Langmut
der Elendsklientel ist, die sich von diesem Haufen inkompetenter
Planstelleninhaber(innen) drangsalieren läßt.

Dass Väter sich diese Weise seelisch foltern lassen, liegt daran, dass man ihre Kinder buchstäblich als Geiseln genommen hat, womit Wohlverhalten erpresst wird.

Trennungsväter sind Verlierer. Sie kämpfen einen Kampf, den sie nicht gewinnen können. Ein solcher Vater schreibt im Verlauf der Entfremdung zu seinen Kindern diesen nicht ganz fiktiven Brief, den Gunnar Kunz dokumentiert:

Hallo Jule, Hallo Jonas, Hallo Lena! Dies ist eure Website.

Ich habe lange überlegt, was ich tun kann um euch zu erreichen, und um all das Gute, das wir zusammen erlebt haben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Das Internet schien mir die vielversprechendste Lösung.

Die Seite wird passwortgeschützt sein damit nur wir vier Zugang haben und ich muss mir noch etwas ausdenken, wie ich euch die Passwörter zukommen lasse und vor allem die Information, dass es diese Seite überhaupt gibt. Aber das kriege ich schon hin.

Jeden Tag werde ich eine Erinnerung online stellen, eine Erinnerung aus der Zeit als ihr noch kleiner wart, eine Erinnerung, die mir was bedeutet. Parallel dazu werde ich ab und zu unter dem Link »Tagebuch« aufschreiben, was mich beschäftigt, so dass ihr immer wisst, an welchem Punkt ich gerade stehe.

Wie ihr seht habe ich auch Fotos eingestellt aus der Zeit, als wir noch eine Familie waren und ein paar neue von mir. Ich wünschte ich hatte ein paar aktuelle Fotos von euch. Ich weiß nicht mal wie ihr jetzt ausseht.

Es ist furchtbar zu erkennen, dass ich euch verloren habe und ich kann nach nach wie vor nicht genau erklären, wie es dazu kommen konnte. Ich habe immer gedacht, Liebe überwindet alle Schwierigkeiten, aber da kannte ich die deutsche Rechtsprechung noch nicht.

Nun, ich will nicht verbittert sein, das wäre der Anfang vom Ende. Ich versuche positiv an mein neues Leben heranzugehen, obwohl ich es so nicht gewollt habe. Obwohl mir das Schönste darin genommen wurde. Wichtig ist mir vor allem, euch wissen zu lassen, dass meine Tür euch immer offen steht.

Jule, Jonas, Lena – ich liebe euch. Ich werde euch immer lieben. Und ich werde nie aufhören, um euch zu kämpfen.

Euer Papa

2 Gedanken zu „Kinderangst vor streitenden Eltern und Väter als Verlierer

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