Die Altenpflegerin und das Kapital, oder: Berufe nach „Ansehen“ entlohnen

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Hohes Ansehen und Spitzenverdienst garantiert!

Feminismus ist eine Ideologie, die spaltet. Eine Folge ist, das die falschen Ursachen für Misstände, unter denen die Menschen zu leiden haben, ausgemacht werden. Ein Beispiel hierfür ist die verbreitete Klage, dass typische Frauenjobs schlecht entlohnt werden, weil ein „Patriarchat“ Frauenarbeit geringschätze und dieser damit ein niedriges „Ansehen“ und Entlohnung zukommen ließe; Paradebeispiel hierfür ist die Altenpflegerin.

Dies ist ein Irrtum, der den eigentlichen Profiteuren gesellschaftlicher Ausbeutung sehr entgegenkommt. Denn die Ursache für die ungenügende Bezahlung z.B. der Altenpflegerin liegt eben nicht in einem ominösem „Patriarchat“ sondern im Kapitalismus. Das heißt, es geht allein um die Frage, wieviel Gewinn in einer Branche erwirtschaftet wird. Danach richtet sich die Höhe der Löhne. Da ein gepflegter Senior anders als das Produkt eines Maschinenbauingenieurs nicht gewinnbringend auf dem Markt verkauft werden kann, fallen auch die Löhne entsprechend mickrig aus, der Arbeitgeber spart an ihnen. Das ist der eigentliche Grund für katastrophale Zustände in der Altenpflege, die das Ergebnis einer neoliberalen Marktlogik sind, welche alles allein danach bewertet, wieviel Profit es einbringt und diesem Prinzip jede Menschlichkeit opfert.

[Nachtrag] Was sich ebenfalls auf die Löhne in typischen Frauenjobs auswirkt: Die weibliche Berufswahl deckt ein viel kleineres Spektrum ab als die männliche. Zuviele Frauen wollen in zuwenig Jobs arbeiten, dieses Überangebot weiblicher Arbeitskräfte drückt die Löhne.

Dass Arbeitgeber, die sich bei Lohnerhöhungsverhandlungen mit Händen und Füßen dagegen wehren, auch nur ein mageres Prozentchen mehr Gehalt zu zahlen, aus lauter Männersolidarität und höherem „Ansehen“ heraus Männer besser bezahlen würden, ist einfach nur eine geradezu grotesk dumme Annahme. Kanalarbeit oder Müllabfuhr z.B. sind typische Männerjobs, dennoch zählen die dort Arbeitenden nicht zu den Spitzenverdienern und genießen auch kein sonderlich hohes „Ansehen“, obwohl sie sehr wichtige und auch sehr harte Arbeiten ausüben.

Ich bin sehr dafür, dass solche Berufe wie Altenpflege besser bezahlt werden, ich würde mir nur wünschen, dass diese dümmliche Anklage gegen das „Patriarachat“, also eine Anklage gegen Männer, aufhören würde. Sie lenkt von den eigentlichen Verantwortlichen ab und befeuert damit einen unnötigen Geschlechterkampf, einen toxischen Feminismus, bei dem alle bis auf die oberen Zehntausend verlieren.

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Gilt auch für Frauen und Männer.

Zu Teil Zwei:

Unsichtbare Männer oder warum Putzfrauen länger als Putzmänner leben

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