Jungen und der Empathy-Gap

25.11

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Während Politiker davon phantasieren, dass jeder Tag in der Schule ein „Boys-Day“ sei, bleiben in der Realität die Jungen zurück – wofür ihnen ganz in der Tradition der schwarzen Pädagogik die Verantwortung zugeschoben wird: Nicht die Schule, nein das Kind, hier der Junge ist falsch. Dass inzwischen bewiesen ist, dass Jungen in den Schulen massiv benachteiligt werden, ist dann auch nur eine Randmeldung wert, sie ist kein Punkt auf der politischen Agenda, viel wichtiger sind unerwünschte Komplimente, diese beschäftigen die ganze Nation. In einer Studie, die der Aktionsrat Bildung im März 2009 vorlegte, erklärten die Bildungsforscher, die Ungleichheit in unserem Erziehungswesen überschreite die „Grenzen des rechtlich und moralisch Hinnehmbaren“. Eine Folge: Die Jungen werden immer dümmer, ihr IQ sinkt. – worüber die Giftseelchen gewiss erfreut sind.

Es ist keine Bagatelle, jemand zu Dummheit zu verurteilen und in der Schule zu benachteiligen: Sowas ruiniert das ganze Leben. Und ein abgehängter Junge hat auch nicht die Möglichkeit, eine wohlhabende Frau zu heiraten und sich damit Lebensqualität unabhängig von seinem Bildungsniveau zu sichern, denn Frauen heiraten nur nach oben.

Dieser Tatbestand reiht sich ein in andere, welche auf einen strukturellen Empathy-Gap fußen. So ist die Beschneidung von männlichen Säuglingen auch ohne Narkose erlaubt, die der Mädchen verboten. Da Säuglinge Schmerzen stärker empfinden, kann man hier von Folter sprechen. Organisationen wie „Dissenz,“ die offen zugeben, ihr Ziel sein nicht der „andere Junge“ sondern „gar kein Junge“, und die somit aus ihrer Jungenfeindlichkeit kaum einen Hehl machen, erhalten Zugang zu Schulen und werden mit Steuermitteln gefördert. Andere Vereine wie „Wildwasser“, die vergewaltigten und missbrauchten Jungen Hilfe verweigern, werden aus Steuermitteln finanziert. Weiter berichtet Hoffmann, dass Hilfsorganisationen oft erleben, Spenden seien an die Bedingung geknüpft, dass diese Gelder ausschließlich zur Hilfe für Mädchen und nicht für Jungen verwendet werden. Wenn eine Terrororganisation Jungen bei lebendigen Leibe verbrennt, ist das der Welt keine Reaktion wert, erst wenn dieselbe Terrororganisation Mädchen entführt, kommt es zu einem Aufschrei rund um den Globus bis ins weiße Haus und es tagt der Bundestag dazu in einer aktuellen Stunde. Und um noch mal auf die Schulen zurückzukommen, so war bereits Doris Lessing von den Vorgängen dort entsetzt, denn:

Die im heutigen Simbabwe aufgewachsene Autorin, beklagte eine „denkfaule und heimtückische Kultur“, die sich des Feminismus bemächtigt habe und darauf hinauslaufe, „auf Männer einzudreschen“. Bei einem Besuch in einer Schule, in der die Lehrerin Beifall heischend erklärt habe, Kriege seien auf die angeborene Gewalttätigkeit von Männern zurückzuführen, berichtet die Schreiberin: „Da saßen die kleinen Mädchen fett, selbstgefällig und eingebildet, während die kleinen Jungs zusammengesunken waren, sich für ihre Existenz entschuldigten und dachten, dass das so ihr ganzes Leben lang weitergehen würde. Das passiert überall in den Schulen und niemand sagt ein Wort.“

Alles in Allem lässt sich von einem Krieg gegen Jungen sprechen, wie es Christina Hoff Sommers tut – was Feministen nutzen, um unter Beweis zu stellen, dass Begriffe wie „Femofaschischmus“ oder „Feminazis“ jede Berechtigung haben:

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Dabei wird diese Jungenfeindlichkeit nicht nur von Institutionen und Personen in ihrer Funktion als Kindergärtner, Lehrer und Politiker betrieben sondern tatsächlich auch vom feministisch inspirierten Müttern, die ihre eigenen Söhne als ihre Feinde begreifen – und so ist der Umstand, dass man mit einem Jungen schwanger ist, schon mal ein Grund, in Tränen auszubrechen. Dabei haben doch Feministen alle Möglichkeit, ihr Kinder – auch die Jungen – zu strammen Männerfeinden zu erziehen. Diese Verzweiflung über männlichen Nachwuchs zeigt eins auf: Das Männliche wird als das inhärent Böse betrachtet, wo auch Erziehung nicht mehr helfen kann. Auch entblößt es die Bösartigkeit und Perversion einer Ideologie, die den eigenen Nachwuchs zum Feind erklärt. Ähnliches findet man in anderen totalitären Ideologien wie dem Faschismus und Stalinismus, in welchen bspw. dazu aufgefordert wurde, Familienmitglieder zu denunzieren, wenn sie nicht auf Linie waren. Wenn schon Mütter zu Monstern mutieren und ihre Söhne im Interesse einer politischen Ideologie verraten und sabotieren, wie steht es dann erst um Lehrerinnen oder Ministerinnen, die in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis zu jenen Jungen stehen, die von ihrer Politik betroffen sind?

Das alles führt zur Frage, was in diesen Köpfen vorgeht. Denn um Gottes Willen, es geht hier doch um Kinder. Hier wirkt der Empathy-Gap, der bereits den Holocaust und andere Verbrechen möglich machte, bereits gegen Kinder. Hierzu erinnere ich mich an einem Artikel in einem Leitmedium, welcher das Zurückbleiben der Jungen in der Schule thematisierte. Geschmückt war der Artikel der Süddeutschen mit einem Bild eines entsetzlich hässlichen und plärrenden Jungen, der nicht die geringsten Sympathien sondern Antipathien auslöste, der spontane Gedanke, den man hatte, war: „Zum Glück bin ich von dem verschont.“ So arbeitet Propaganda, so arbeitet Hasspropaganda. Sie arbeitet mit Bildern, die das Feindobjekt als möglichst hässlich zeichnet. Man begegnet Jungen nicht mit Empathie und Wohlwollen; man schafft ihnen keinen geschützten Raum – wie die Schule einer sein sollte – in welchem sie willkommen sind und sich öffnen können, stattdessen feindet man sie an, um ihnen dann in der Folge den Vorwurf zu machen, sie hätten keinen Spaß und kein Interesse an der Schule, keine Motivation, Leistungen zu erbringen, womit sie am Zurückbleiben selbst schuld seien – ein Paradebeispiel einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Diese Mitgefühlskälte ist ein großes Übel, sie betrifft die ganze Gesellschaft – auch die Frauen, denn es ist ein Realitätsverlust zu glauben, ein solcher Mangel an Einfühlung bliebe allein auf Männer beschränkt, wenn diese die halbe  Gesellschaft ausmachen – es fällt auch auf Frauen zurück. Es sollte anderes sein: Jungen sollten als Kinder lernen, dass sie angenommen und geliebt werden, so wie sie sind, damit sie später keine Gewalt in die Gesellschaft tragen sondern herzliche Wärme, damit sie geliebt werden und Liebe zurückgeben. Aktuell aber lernen sie, dass sie schlecht sind, falsch, böse. Und so verhalten sie sich dann auch, dass gesellschaftliche Klima kühlt ab, Gewalt ist an der Tagesordnung, womit die feministischen Vorurteile über die „Schläger“ bestätigt werden. Würde man Männern, Jungen dieselbe Empathie zukommen lassen wie Frauen und Mädchen – imagine a world without violence against boys and girls – so mancher Krieg wäre nicht geführt worden, so manches Massaker wie in Srebrenica hätte es nicht gegeben. Aber der Mann hat zu funktionieren, denn er hält die ganze Gesellschaft am Laufen. Wie es ihm dabei ergeht, muss ausgeblendet werden, Empathie muss entzogen werden, damit das Funktionieren nicht beeinträchtigt wird. Ein Mann der sich um seinen Seelenzustand kümmert, funktioniert nicht richtig und das gilt es zu verhindern – er muss hart gegen sich sein, damit er seinen Nutzen hat. Das war schon immer so, weshalb der Entzug und das Gewähren von Empathie nach Geschlecht – Mädchen und Frauen werden einfühlsam behandelt und als fühlende, leidensfähige Wesen wahrgenommen – evolutionsspychologisch verankert ist.

Bevor ich das Folgende zitiere (nicht mehr online), möchte ich betonen, dass Jungen ein Recht auf faire Behandlung an sich haben und nicht nur, weil uns Jungen- und Männerfeindlichkeit gesamtgesellschaftlich schaden könnten, denn:

Der Volkswirtschaft entstehen immense Schäden. Deutschland gehen zunehmend Fachkräfte wie z. B. die Ingenieure aus: Trotz der Rezession bekamen Unternehmen im Jahr 2009 vermehrt Probleme, frei werdende Stellen zu füllen – schon jetzt sind 50.000 Jobs unbesetzt. Das schrumpfende Reservoir an schlauen Jungen kommt der Volkswirtschaft allmählich teuer zu stehen, belastet Sozial- und Steuerkassen und gefährdet damit unseren Wohlstand. „Wir können uns die massenhafte Vergeudung menschlicher Talente nicht länger leisten“, warnt der Bildungsökonom Professor Ludger Wößmann vom renommierten ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Das volkswirtschaftliche Wachstum in unserem Land ließe sich um 40 Prozent erhöhen, wenn Deutschlands Schulen internationales Spitzenniveau erreichen würden. Wößmann: „Dann hätten wir deutlich weniger Arbeitslose.“

Unsere Demokratie ist gefährdet. In einigen Gebieten im Osten Deutschlands ist eine überwiegend männliche Unterschicht entstanden, deren Mitglieder von wesentlichen Lebensbereichen ausgeschlossen sind: Viele von ihnen haben weder einen Job, noch eine Ausbildung noch eine Partnerin. Von der deutschen Demokratie enttäuscht, wenden sich nicht wenige Männer den verhängnisvollen Verlockungen rechtsradikalen Gedankenguts zu. „Wenn wir davon ausgehen, dass Demokratie an Menschen geknüpft ist, die lesen, schreiben, denken und reflektieren können“, erklärt James Shapiro, Professor für Englische Literatur an der New Yorker Columbia University, „dann sollten wir dafür sorgen, dass diese Fähigkeiten auch ausgebildet werden. Andernfalls müssen wir um den gesellschaftlichen Konsens fürchten.“ Bundesweit 4,9 Prozent der Jugendlichen sagen von sich selbst, dass sie einer rechtsextremen Gruppe oder Kameradschaft angehören. Der weitaus größte Teil von ihnen sind Jungen.

Es kommt zu einem rapiden Anstieg der Kriminalität. Im Jahr 2007 zeigte eine britische Studie, dass in der Schule diskriminierte Jungen später häufiger als andere gegen das Gesetz verstießen. Es gebe eine klare Verbindung zwischen schulischem Versagen und Kriminalität, erklärten die Autoren dieser Studie. Dass das in Deutschland nicht anders aussieht, erklärt der Männerforscher Professor Walter Hollstein: „In Berlin, Duisburg, Hamburg, Wien oder Zürich gibt es Viertel, die sich sozial, politisch und in ihrer kulturellen Ausformung von der jeweiligen Gesamtstadt abkoppeln und ihre Randexistenz zementieren. Jungen und junge Männer werden hier in Elend und Arbeitslosigkeit groß und verharren entweder widerstandslos in der Aussichtslosigkeit, indem sie auf Dauer von den Sozialmaßnahmen des Staates leben, oder sie entwickeln aggressive Überlebenstechniken, die in die Kriminalität, in den Knast oder in tödliche Auseinandersetzungen führen.“

Statt immer neuer Dämonisierungen brauchen unsere Jungen und jungen Männer rechtzeitig die nötige Hilfe, damit all die hier skizzierten Entwicklungen gestoppt werden.

4 Gedanken zu „Jungen und der Empathy-Gap

  1. Pingback: Tag des Gender-Empathy-Gaps | Männer unter sich

  2. Fiete

    Das würde jetzt einen guten Gastartikel auf AE abgeben!
    Passt doppelt, erstens vom Datum her und zweitens, um die Femispinner mal etwas auszubremsen, weißt schon.

    Antwort
  3. Pingback: Vom politischen Nutzen fehlender Empathie: Zum Gender Empathy Gap Day | man tau

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