Billy Coen über männliche Emanzipation

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

[…] Wo ist, verdammt noch einmal, die beschissene Vergleichsgruppe? Ich werde gewiss keine Frauen für ihr „früheres Leid“ betrauern und auch nicht für ihr „großartiges Ausbrechen aus ihren Rollen“ abfeiern, wenn sich nirgends auch nur einmal aufrichtig mit dem Leben von Männern zu gleichen Zeiten befasst wird und stattdessen recht unverhohlen impliziert wird, Männern wäre es die ganzen Zeiten über einfach super gegangen.

Gerade die Industrialisierung hatte einen Impact auf das Leben von Männern, welchen sich die geneigte bürgerliche Feministin in ihren wildesten Alpträumen nicht ausmalen könnte. Die Zentralisierung von Arbeit führte zu meist sehr langen Arbeitswegen, was in Kombination mit Schichten jenseits von Gut und Böse eine flächendeckende Entfremdung der Männer von ihren Familien und vor allem Kindern mit sich brachte. Das führte auch dazu, dass Männer begannen, aus ihren Rollen ein ordentliches Stück weit ausbrechen zu wollen. Sie gründeten Arbeiterverbände, später Gewerkschaften, worin dann auch die SPD ihre Geburt fand. Sie waren immer weniger dazu bereit, sich ohne jede soziale Absicherung verheizen zu lassen. Und, im Gegensatz zu den ach so tapferen Frauen, geschah dieser Widerstand tatsächlich noch als Kampf im Sinne von erhöhtem persönlichen Risiko für Leib und Leben.

Das setzte sich fort, als Männer in der BRD immer vehementer mehr Freizeit mit ihren Kindern einforderten, zum Bespiel durch die tarifvertragliche Festlegung des Samstags als freien Tag (Samstag gehört mein Papa mir). Aber auch die immer deutlicher werdende Entsagung von der „männlichen Pflicht“ sich mal eben zum Wohle der Gemeinschaft militärisch verheizen zu lassen, ist ein deutliches Zeichen männlicher Emanzipation über die vergangenen Jahrzehnte. Und auch all dies ging gegen erhebliche soziale wie politische Widerstände. Der männlichen Emanzipation wurden und werden keine roten Teppiche ausgerollt.

Aber gerade all das macht ja auch den bürgerlichen Feminismus so wuschig. Männer sind längst nicht mehr nur bereit, in dem Rahmen über sich selbst zu reden, wie es ihnen vom Feminismus erlaubt wird. Männer beklagen nicht einfach nur brav, dass sie nicht weinen und keine Röcke tragen dürfen. Nein, Männer fordern mehr Freiheit ein, was der vom bürgerlichen Feminismus zum Aufrechterhalten des Status Quos zwingend eingeforderten Rolle des Packviehs, das die Steuern erwirtschaftet und brav noch zu Hause für Frau und Kind sorgt, entgegensteht. Sie wollen sich nicht mehr mit stoischer Klaglosigkeit von einer Phalanx von rachsüchtigen Expartnerinnen, Jugendämtern und angeblich unabhängigen Beratungsstellen aus dem Leben ihrer Kinder drängen lassen, was feministischen Müllerlobbygruppen mal so gar nicht schmeckt. Und sie entwickeln auch derzeit ein immer feineres Gespür für die flächendeckende und gerade in den letzten Jahren immer radikaler geäußerte Misandrie, speziell in Medien und Politik. Und auch das schmeckt den Feministinnen gar nicht, denn Kritik an gesellschaftlicher Misandrie ist komischerweise und ganz sicher nur rein zufällig auch immer Kritik an ihnen.

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