Die böse böse Norm

Lieber Leser,

…uuuuuund Stopp!

Um gleich zu dem Kern des Problems vorzudringen: Wenn ich dich als „lieber Leser“ anspreche, dann könnte das bei dir und bei mir dazu führen, dass unter „Leser“ nicht das behinderte, multisexuelle, grüne Alien mitgedacht wird, und das ist höchst beunruhigend, nein: Eine Katastrophe gar, denn hier zeigt sich das Patriarchat mit all seiner Infamie!

Denn unter „Leser“ stellt sich jeder nur die Norm vor, also den nichtbehinderten, heterosexuellen, weißen Mann, und diese Norm ist für behinderte, multisexuelle, grüne Aliens ein Problem. Die Norm nervt, also soll sie weg die Norm. Ist das Projekt „Gender“ abgeschlossen, dann sind behinderte, multisexuelle, grüne Aliens genauso normal wie ein nichtbehinderter, heterosexueller, weißer Mann.

Was ließe sich darauf entgegnen? Nun: Erstens interessiert bei der Bezeichnung „Leser“ nur ein Aspekt: Nämlich der einer Person, der einen Text liest. Die Funktion als solche steht im Vordergrund nicht Merkmale wie Geschlecht oder Hautfarbe. Ob der Leser ein nichtbehinderter, heterosexueller, weißer Mann oder ein behindertes, multisexuelles, grünes Alien ist, interessiert schlicht nicht. Die Kategorien der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung oder whatever spielen keine Rolle, solange ich sie nicht ins Spiel bringe um etwa den Konflikt aufzuzeigen, der von der einen Gruppe mit Minderwertigkeitskomplex angeheizt wird.

Der zweite Punkt ist, dass die Annahme, ich meine den nichtbehinderten, heterosexuellen, weißen Mann, wenn ich einfach von „Leser“ rede, schlicht falsch ist. Nehmen wir an, ich will dem nichtbehinderten, heterosexuellen, weißen Mann sagen, dass er nicht auf behinderte, multisexuelle, grüne Aliens hören soll, dann muss ich den nichtbehinderten, heterosexuellen, weißen Mann auch entsprechend adressieren, weil sich sonst alles mögliche Gesocks angesprochen fühlen kann, und das obwohl ich die doch ausgrenzen will!

Ein weiterer, oft gehörter Vorwurf ist, dass behinderte, multisexuelle, grüne Aliens „marginalisiert“ werden. Denn wenn man nur von „Lesern“ spricht, werden sie unsichtbar gemacht, man „reproduziere alienphobe, heteronormative Strukturen“. Auch das ist Nonsense, man macht Minderheiten nicht aktiv unsichtbar, sie sind weniger sichtbar, weil sie seltener sind – um etwas zu erklären, was jedem außer vielleicht Gender-Studenten auch ohne Erklärung einsichtig ist.

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