Crumar über Incels

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

@Truth

Ich glaube, wer deine Erfahrung nie geteilt hat: „Frauen und die Gesellschaft haben immer gezeigt, dass ich nichts wert bin. Das kennst du vielleicht nicht, ich schon.“, hat einfach Schwierigkeiten, deine Reaktion nachzuvollziehen.

Um auf das Thema des Artikels zurück zu kommen, hat mich wirklich erschrocken, wie das Thema „Incel“ die eiskalte Verachtung offen gelegt hat, die Männern entgegen schlägt, wenn sie in den Augen der Gesellschaft und von Frauen „nichts wert sind“.

Am frustrierendsten fand ich beim durchstöbern der Incel-Foren nicht die Frauenverachtung, sondern das Selbstbild, das diese Incel erst dazu bringt.
Sie seien genetic failures, womit sie sich als Mensch selber entwerten.

Biologisch gesehen unabänderlich nicht in der Lage, jemals etwas gegen ihre Ohnmacht und ihre soziale Lage zu tun; aus ihrer Sicht ist das aussichtslos.
Sie haben die schwarze Pille schon geschluckt, bevor sie überhaupt wussten, dass sie existiert.

Ich nehme scharf an, sie werden eine durchgehende Opfer-Erfahrung in ihrer ganzen Schullaufbahn gehabt haben, das liebste Ziel irgendwelcher bullies, die auf ihre Kosten „Späße“ trieben. Erfahrung von Mobbing, Demütigung und sozialer Isolation und das seit ihrer Kindheit.

In diesem Sinne haben die Incel-Foren bei reddit immerhin den positiven Effekt gehabt aufzuzeigen, man ist mit seinen Erfahrungen nicht alleine gewesen.
Was diese Foren auf der anderen Seite gebracht haben ist, dass sich der „outrage“ und Verzweiflung immer weiter aufgeschaukelt hat, weil das die einzige Form von „Solidarität“ ist, zu dem die Incel im Stande sind.
Wer das ganze Leben vereinzelt war und wem es schwer fällt soziale Kontakte zu aufzubauen, wird nicht auf einmal individuell handlungsfähig und gründet morgen eine politische Kampforganisation. Auch wenn das wünschenswert gewesen wäre. 😉

Damit wurde jedoch eine Gruppendynamik erzeugt, sich im denkbar schlechtesten Sinn selbst zu sehen; also ein „race to the bottom“ in der Opfer-Erfahrung und in die Hoffnungslosigkeit.
Was ihnen entgangen ist: Zwar wurden die Chads und die Normies offen gehasst, aber ihnen damit klammheimlich Recht gegeben, die Incel/Männer zu verachten.

Zum Kern, die Legitimität der Entmenschlichung und der Verachtung durch die Gesellschaft und die Frauen in Frage zu stellen und zu kritisieren sind sie nämlich nie vorgedrungen. Einen menschlichen Umgang mit sich und anderen haben sie auch nie offensiv eingefordert. Wenn man nun sagt, Männer könnten das einfach nicht erwarten von der Gesellschaft ist das richtig, aber man kann es einfordern.

Und umgekehrt ist der verachtete Chad als verkehrt positives Spiegelbild der eigenen Erfahrung ebenfalls nicht als Mensch wahrgenommen worden.
Hat ihn jemals jemand gefragt, wie es ihm so geht als Gewinner der „genetischen Lotterie“, statt ihm nur zu unterstellen, es gehe ihm bestens?
Wird es ihm bspw. geholfen habe bei seinem Scheidungsverfahren oder im Familienrecht eine 9 zu sein? Ich glaube nicht.

Damit zurück zu dir und deinem Beitrag: Was ich dem entnehme ist, du hast keine Lust mehr zu akzeptieren, von Frauen und der Gesellschaft runtergeputzt zu werden und das ist gut so.
Selber handlungsfähig zu werden, indem man an sich arbeitet, sich Ziele setzt und die erreicht ist sehr gut.

Eine Gefahr sehe ich darin, deine eigene Erfahrung von Ablehnung gegen andere zu richten und auch da Ablehnung zu wittern, wo sie gar nicht existiert.

Du schreibst: „Wenn mir Leute, die nichtmal arbeiten sagen, ich wäre minderwertig, dann spreche ich es an.“
Ich habe keine Ahnung, warum Arbeitslose (?) dich für „minderwertig“ halten sollten, aber da fängt es eigentlich schon an. Menschen ohne Arbeit sind Menschen ohne Arbeit – nicht höher- oder minderwertig.
Auch dann würde deine eindrucksvolle Liste an erreichten Zielen dich doch eher in die Lage versetzten, einen solchen Spruch unter „Was geht´s mich an?“ einzusortieren.

„Mich hat heute eine beim Sport was gefragt. Habe ihr gesagt, das Problem soll bitte ihr Loved lösen. Und gefragt, was sie kann außer enge Leggins zu tragen.“

Hmmm. Wenn sie dich permanent um Hilfe bitten würde, ist das entweder eine klassisch weibliche Form der Kontaktaufnahme oder der Versuch, dich zu einem Orbiter zu machen.
Beim ersten Gesuch nach Hilfe ist das eigentlich ein ganz normales menschliches Miteinander.

Mit den beiden Beispielen möchte ich nur aufzeigen, du brauchst m.E. im Umgang mit anderen Menschen ein update auf den aktuellen Menschen Truth, nicht auf den, der du mal warst.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s