Billy Coen: Superheldinnen in Fiktion und Realität

Ein Kommentar, zu schön, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Naja, bei Superhelden spielt Realismus ja eh keine wirkliche Rolle. Selbst der noch am realistischsten konzipierte (auch außerhalb von absoluten Comic-Nerd-Kreisen bekannte) Superheld Batman dürfte wohl weit über dem Level liegen, was je ein Mann jemals tatsächlich erreicht hat oder erreichen wird.

Alleine schon deshalb habe ich überhaupt kein Problem mit weiblichen Superhelden; wie wohl auch schon immer eigentlich keiner ein Problem damit hatte. Die Probleme kamen eigentlich erst auf, als man meinte, wie auch im vorliegenden Fall, die ganze Sache mit Feminismus würzen zu müssen, also genau mit der Ideologie, die schon seit zig Jahren damit beschäftigt ist, auf Comic- und Videospielnerds einzudreschen und sie, medial unterstützt, als zurückgebliebene Deppen darzustellen, die so randständig und „creepy“ sind, dass sie natürlich völlig zurecht nie eine abbekommen – schon gar keine so „starke und selbstbewusste“ Frau, wie sich Feministinnnen irrigerweise gerne selbst skizzieren – und den dadurch entstandenen Frauenhass nun in ihrer Nerdblase ungehemmt ausleben.

Man pusht also die Verfilmung z. B. eines Comicfranchises mit Phrasen und bindet auch in den Filmen immer wieder gerne Narrative ein, wie sie die eigentlichen Fans von hirnsedierten Puderplunzen wie etwa im Gamingbereich einer Annita Sarkeesian seit Jahren vorgeplärrt bekommen und wundert sich, dass diese Fans dann davon genervt sind. Obwohl, natürlich wundert man sich nicht, sondern fühlt sich natürlich nur darin bestätigt, dass man es bei den Fans nur mit Frauenhassern zu tun hat. Die immer wider gleiche Taktik. Man provoziert mit haltlosen Anklagen aufgrund übelster Vorurteile gegen eine bestimmte Gruppe deren Angehörige, bis diese darauf endgültig nur noch entnervt reagieren können und präsentiert diese Reaktionen dann als Bestätigung der eigenen Vorurteile.

Was mich persönlich immer noch am meisten nervt an der ganzen „Frauen-Sichtbarmachungs-Quäkerei“ ist aber, wenn es sich auf Dinge aus der Realität bezieht. Nicht nur in Spielen die in Weltkriegssettings handeln, sondern unlängst schon in einschlägigen Filmen wird verlässlich aus einschlägigen Kreisen rumgeplärrt, dass da mal wieder nur alles weiße Männer in den Hauptrollen bzw. als spielbare Charaktere auftauchten. Ja Schätzeleins, wo wart ihr tollen Powerfrauen denn in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts? Da hat komischerweise keine einzige geschrien: „Hier, bitte nehmt mich auch mit! Ich wollte schon immer mal als roter Fettfleck in der russischen Pampa enden!“.

Auch die Bundeswehr wurde für euch ja erst interessant, als seit gut 40 Jahren keine deutschen Soldaten mehr in realen Kriegseinsätzen verheizt worden waren und Bund eigentlich nur noch stand für Ausbildung und sicherer Arbeitgeber mit guten Aufstiegschancen und stattlichen Bezügen. Aber wenn schon Frauen, dann natürlich auch damals (in den 90ern) nur als rein freiwillige Nummer und nicht als Pflicht. Gleichberechtigung schön und gut, aber… naja!

Und auch bis heute noch: Wo seid ihr denn alle, ihr großen Twitterheldinnen, wenn mal wieder nach Erdbeben hunderte von Menschen unter Schuttmassen begraben sind? Wenn es gilt einen beschädigten Kernreaktor notdürftig abzuschirmen? Warum sieht man da in Fernsehberichten immer nur Männer an der vordersten Front? Und glaubt mir, wäre auch nur eine einzige von euch dabei, wir würden es geradezu ins Gesicht geschmettert bekommen, denn gerade unsere Medienanstalten suchen händeringend nach diesen Bildern von euch Powerfrauen. Einzig sie finden sie irgendwie nicht.

Aber natürlich werdet ihr alle nur ausgebremst durch das böse Patriarchat. Alleine, dass ihr in medialen Darstellungen nicht immerzu als alleskönnende Heldinnen auftaucht, ist dafür verantwortlich, dass ihr euch das einfach noch nie zugetraut habt. Ah ja! Genau so herum wird die Kausalitätskette verlaufen. Klingt sehr plausibel.

Allerdings wenn es dann mal nicht um solche Petitessen wie Naturkatastrophen oder Supergaus geht, sondern unsere Erde tatsächlich mal von einer außerirdischen Supermacht angegriffen wird, ja, dann werdet ihr euch gewiss wirklich, wie im Film, von den Fesseln des euch bremsenden Patriarchats befreien. Dann werden wir Männer noch froh sein, dass wir euch haben, wenn ihr euch eine Extradosis Frappuccino bei Starbucks gönnt, eure Smartphonekraft vereinigt und den außerirdischen Invasoren mal die Meinung twittert, dass denen Hören und Sehen vergeht. YEAH! Das wird’s bringen!

5 Gedanken zu „Billy Coen: Superheldinnen in Fiktion und Realität

  1. luttpf

    Man(n) muss nicht einmal so weit, wie Natur- und Menschgemachten Katastrophen, gehen, um diesen Punkt aufzuweisen.

    Es reicht schon, einen Blick auf die Helden des Alltags zu werfen, Handwerker sämtlicher Ausrichtungen in sämtlichen Sparten, Müllwerker, LKW-Fahrer, Taxifahrer, Landwirte, Landarbeiter, Bauarbeiter inkl. sämtlicher Berufe in der Bauindustrie, Bergarbeiter, Feuerwehrmänner, Sanitäter, und so weiter, und so fort. Die Liste ist fast so lang wie die Liste aller Berufe.

    Fakt ist, ohne Männer würde die Welt ins Chaos versinken und „stehen bleiben“.

    Antwort
      1. luttpf

        Das ist in der Tat ein großes Problem, und ein Grund warum Männer zumindest teilweise leider selbst Schuld daran sind, wie sie von der Gesellschaft behandelt werden.

        Männer tun einfach was nötig ist, ohne sich zu beschweren oder Dank zu erwarten. Das muss sich ändern.

        Antwort
          1. Fiete

            Nun ja, es ist natürlich etwas aufwändiger, ein Programm, das seit zig/hunderten/tausenden Generationen ein-u. modellgepflegt ist, wirkungsvoll zu überlagern/korrigieren, als eine kurzfristiges Modemantra irgendeines zweitrangigen Geisterwissenschaftlers. Und das ist ja auch grundsätzlich ganz okay so.
            Ein paar Generationen weiter sieht die Sache schon ganz anders aus, da vertraue ich der Evolution einigermaßen. Sofern kein Steinzeitbacklash eintritt, was z.Zt., gerade dank Feminismus, leider ( noch ) nicht ganz ausgeschlossen werden kann.

            Ergo: Am Ball bleiben und Gas geben!
            ( bleibt also vorläufig größtenteils an uns Dreibeinen hängen, der Mist. Aber nach meinen neuesten Erfahrungen mit z.T. noch recht jungen Mädels, denke ich, das regelt sich. Das Pseudo-Leben in der prekärakademischen Laberblase verliert so langsam an Attraktivität, das „da Draußen“ bekommt wieder mehr Gewicht )

            Antwort

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