„Femizid“ und unsichtbare Männer

feminismusGewalt

Ein Mann muss sterben, weil er ein Mann ist.

Derzeit läuft eine Kampagne, die darauf abzielt nicht Gewalt generell sondern allein gegen Frauen gerichtete Gewalt zu bekämpfen. Zu diesem appetitlichen Verein, der diese Kampagne fährt, habe ich hier schon ein paar Takte geschrieben. Man geht manipulativ vor: Eine Quellenverlinkung spricht vom „BKA“, wo man vielleicht noch Zahlen zu männlichen Opfern erhalten könnte, folgt man aber dem Link, landet man beim Frauenministerium und gleich in der Überschrift wird klargestellt, dass man sich nur mit weiblichen Opfererfahrungen beschäftigen wird.

In anderen Ländern ist man bereits soweit, dass Gewalt gegen die höherwertigen Menschen härter bestraft wird als gegen die minderwertigen Menschen. Solche Kampagnen sind ernstzunehmen, denn was Radikalfeministen heute propagieren ist morgen Gesetz. Wer etwa Feministen, die von einer „Rape-Culture“ sprechen, als Hysteriker abtut, muss erleben, dass auf Grund solcher Agitation Gesetze verabschiedet werden, die sexuell aktive Männer mehr oder weniger der Willkür ihrer Sexpartnerinnen ausliefert.

Zurück zu den Menschenfreunden: Sie sprechen von einem „Femizid“, wenn ein Mann eine Frau tötet – eine ist sich nicht zu schade, in einem Fall mit drei getöteten Männern und zwei Frauen von einem solchen „Femizid“ zu sprechen. Das lehnt sich an an „Genozid“ und ist damit kompletter Humbug. Bei einem solchen „Genozid“ werden Tausende, wenn nicht Millionen aufgrund einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit ermordet. Das unterscheidet ihn in zwei Aspekten von einem Mord oder Totschlag im häuslichen Bereich: Erstens werden nicht „genug“ getötet, um von einem Genozid oder Femizid zu sprechen, zweitens ist es nicht so, dass hier eine Frau deswegen sterben musste, „nur weil sie eine Frau“ war, wie es anklagend heißt. Sie musste sterben, weil sie sich in einem hochproblematischen Beziehungsgeflecht befand. Ihr Mörder dachte sich nicht: „Ich töte jetzt weiße Frauen“ – womit das Kriterium „nur weil sie eine Frau war“ erfüllt wäre – sondern tötete aus anderen Gründen, wie etwa diesem hier. Nimmt man das Merkmal „Beziehung“ weg, aber behält das Merkmal „Frau“, hätte diese beispielhafte Frau nicht sterben müssen – womit sich die Gewalt nicht gegen „die Frau“ ansich richtete.

Obige Kampagne spricht davon, dass es in Deutschland dieses Jahres bereits zu 104 Morden an Frauen kam. Das ist ein sehr schlechtes Argument, um eine Epidemie, einen „Femizid“ herbeizureden bei einer Einwohnerzahl von 82.000.000, das sind 0,00045%, also verschwindend wenig: Deutschland ist auch für Frauen eines der sichersten Länder überhaupt. Um dennoch eine Frauenmordepidemie vorzutäuschen bedient man sich eines rhetorischen Tricks, man spricht von „Eine jeden dritten Tag“. So formuliert lässt sich die Propaganda leicht und eingängig verbreiten. Formeln wie „jede dritte“ oder „jede siebte“ wirken unmittelbar skandalös hoch und sind zudem einfach zu merken, weshalb dieser Trick auch gerne in anderen Bereichen angewandt wird (und häufig erstunken und erlogen).

Eine der Fragen, die sich mir beim Beurteilen dieser Propaganda als erstes stellt, ist, wieviele Männer eigentlich von ihren Partnerinnen ermordet werden. Denn Giftmord zum Beispiel ist eine weibliche Domäne und wird nur selten aufgedeckt. Aber auch im Hellfeld ist es sehr schwierig wenn nicht unmöglich, herauszufinden, wieviele Frauen ihren Partner ermorden. Zudem wird weibliche Täterschaft in der Regel oft schon in der Überschrift entschuldigt, wie etwa, sie konnte sich „nicht anders helfen“ (wohingegen Männer wohl immer eine Alternative sehen), für Frauen sei es eine Flucht aus einer unerträglichen Unterdrückung, ein „Befreiungsschlag“, Männer böse, Frauen gut – auf solchen Narrativen will man gegen „Männergewalt“ vorgehen und eine Tyrannentötung rechtlich installieren, die es Frauen erlaubt, ihren Partner zu ermorden, wenn sie angibt, er hätte sie unterdrückt. Es sind bereits Gewalttäterinnen und Mörderinnen davongekommen, weil sie sich genau darauf beriefen.

Bei meiner Recherche stellte sich raus, dass männliche Opfer systematisch unsichtbar gemacht werden. So hat etwa die hochseriöse Seite „Statista“ eine Auflistung, wieviele Mädchen ermordet werden, aber nicht wievielen Jungen dieses Schicksal ereilt. Es gibt eine Statistik zu Partnergewalt gegen Frauen mit allen Delikten von Mord bist verbale Drohung aber keine zu Partnergewalt gegen Männer. Dann gibt es noch mal eine Statistik zu weiblichen Todesopfern aber nicht zu männlichen. Offenbar ist Leiden und Sterben von Männern unwichtig, sind ja auch Abfall, wie Feministen wissen. Dieses Unsichtbarmachen hat System, wie auch aus einer Schilderung hervorgeht:

Ich hatte vor einigen Jahren (so um 2000 herum) beruflich mit einer Studie zu tun, die häusliche Gewalterfahrungen in Partnerschaften erforschte durch Befragungsmethoden. Durchgeführt durch eine deutsche Universität und finanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ministerin damals Christine Bergmann.

Mein Job dabei war, einige Datenaufbereitungen und statistische Analysen mit diesen Daten durchzuführen. Das Ergebnis war – was mich damals schon überrascht hat, ich war noch auf Stufe 1. – dass Gewalterfahrung in der Stichprobe ziemlich gleichverteilt war zwischen den Geschlechtern – und zwar auf allen Stufen der Gewaltintensitätsskalierung. Der Anteil der männlichen Befragten lag bei 30% in dem Sample.

Und dann rief mich ganz aufgeregt und verzweifelt eine Doktorandin aus dem Projekt an und sagte: „Wir müssen die Männer da raus nehmen, die gehören da nicht hinein“.

Ich war etwas überrascht und meinte, technisch sei das über Filter kein Problem, aber es würde mich etwas wundern, warum die männlichen Befragten nun nicht gezählt werden sollten.

Darauf kam sie ins Stottern und stammelte – es war wirklich so, das waren keine zusammenhängenden Sätze mehr – etwas davon, dass es ja eigentlich nur um Gewalterfahrung von Frauen ginge und die Männer da nur versehentlich hinein geraten seien.

Was mich sehr verwunderte. Weil ich den Fragebogen ja kannte, und da stand oben drüber „Gewalterfahrung in Partnerschaften“. Nicht „Gewalterfahrungen von Frauen“. Und vor allem, weil: Wenn von Anfang an nur auf Frauen eingegrenzt werden sollte, dann machte ja die Erfragung des Geschlechts der Befragten im Fragebogen keinen Sinn. Das hatte mich doch stark irritiert.

Und da fing sie dann an zu weinen und meinte zwischen den Schluchzern: Ihre Professorin habe ihr gesagt „die Ministerin will das so“ und „wir müssen die Männer rausnehmen“.

Ich war einigermaßen perplex. Es ist für mich bis heute ein Lehrstück, wie speziell in Deutschland bei diesem Thema „geforscht“ wird. Wenn die Ergebnisse nicht passen, dann werden einfach die Daten angepasst. Ich denke, über die wissenschaftliche Ethik eines solchen Vorgehens brauchen wir nicht weiter zu reden.

Was häusliche Gewalt angeht, lässt sich sagen, dass Frauen genauso prügeln wie Männer, nur dass sie bei Gewalt gegen Alte, Pflegebedürftige und Kindern vorne liegen – gegen die Schwächsten also – und dass sie nahezu nach Belieben misshandeln dürfen, ohne dass gegen sie vorgegangen wird oder dass ihre Opfer Hoffnung auf Hilfe hätten, denn Gewalt wird nur dann verfolgt und bekämpft, wenn sie sich gegen das Herrinnengeschlecht, den wertvollen Menschen, richtet – ist das vielleicht der Grund, weshalb ein Mann keine andere Hilfe weiß?

Und ist es eigentlich ein Andrizid, wenn auf den Schlachtfeldern Männer sterben müssen? Das tun sie, weil sie Männer sind. Was ist mit dem Andrizid von Srebrenica: 8000 ermordete Jungen und Männer, während Kindern und Frauen die Flucht aus der belagerten Stadt erlaubt wurde?

Weltweit sind Männer am häufigsten von Mord betroffen. Feministen, damit konfrontiert, „kontern“ das aber sofort auf recht schlaue Weise: Diese Männer werden ja von Männern ermordet! Die Logik ist also: „Mann tötet Mann, also Mann schuld, der solle mal an seiner toxischen Männlichkeit arbeiten!“ Nun, wenn in den USA ein Schwarzer ermordet wird, ist sein Mörder in der Regel auch schwarz. Einer aber, der jetzt die feministische Logik auf die Gruppe der schwarzen Menschen anwenden würde, müsste sich zurecht als Rassist beschimpfen lassen. Denn diese gewalttätige Kultur ist Ergebnis einer strukturellen Benachteiligung der Schwarzen. Als Schwarzer geboren zu werden führt zu weit weniger guten Chancen, ein gutes Leben führen zu können und auf die schiefe Bahn zu geraten. Nein, diese reflexhafte Antwort auf Gewalt und Mord gegen Männer zeigt nur eins auf: Nämlich dass dem Feministen das Leiden von Männern schlicht egal ist, er ist ein Sexist, eine Verkörperung des Empathy-Gaps. Damit führt der Feminist aber nur die herrschende Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden der Männer nur fort; nicht nur ihm, auch der Gesellschaft ist es egal, ob der Mann im Krieg, auf der Arbeit oder zu Hause stirbt. Feminismus stellt sich nicht gegen die herrschende Ordnung, er setzt sie fort und zementiert sie.

2 Gedanken zu „„Femizid“ und unsichtbare Männer

  1. Fiete

    Da Du das Thema partnerschaftliche Gewalt kurz mit anreißt, habe ich eine kleine Semi-OT-News dazu:

    Ich hatte im August 2017 mal einen Spendenaufruf zu einem Kurzfilmprojekt von Joanna Bielinski auf meinem Blog gepostet
    https://fietes2groschen.blogspot.com/2017/08/wir-brauchen-joanna-joanna-braucht-uns.html

    In den letzten paar Wochen habe ich mit Joanna ein paar Mails ausgetauscht und erfuhr so ganz nebenbei, daß das Projekt schon vor einiger Zeit erfolgreich abgeschlossen wurde.
    Kurz: Der Film ist fertig und sie hat mir ein Exemplar der DVD zukommen lassen!
    Welches ich natürlich sofort in den Laufwerksschacht gefädelt habe.
    Fazit: Das Ding ist richtig gut geworden!
    Sauberste Profiarbeit von vorn bis hinten!
    Sie rafft darin einige der häufigsten familiären systemischen Abläufe und die dazugehörigen übergreifenden Systematiken äußerst geschickt auf etwas über 20 Minuten zusammen. Der Film deckt eine deutlich größere Bandbreite der „üblichen Möglichkeiten“ ab, als die eher beispielhaft-metaphorische zusammengefasste Dramatik auf den ersten Blick vermuten lässt.

    Schätze, ich muß mal etwas nachhaken, wie es mit den Bezugsmöglichkeiten so aussieht. Soweit ich mehr weiß, gibt es einen neuen Artikel von mir dazu, versprochen!

    Diesen Film sollte man haben und ggf. auch nutzen!

    Antwort

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