Sex als künstlich verknappte Ressource

Folgt man also der Theorie der „Rape-Culture„, dann ist Sex ein großes Übel für Frauen – „etwas, das Männer Frauen antun“ – und zugleich etwas, was sich der Mann – nötigenfalls mit Gewalt – einfach nimmt – sie gibt, er nimmt, womit die Rollen festgelegt sind, wer dankbar zu sein hat und wer nicht.

Auch hier zeigt sich wieder mal, dass die alte Formel gilt, wonach in der Realität das Gegenteil dessen zutrifft, was Feministen so postulieren: Denn Sex ist eine Ressource, die Frauen kontrollieren – sie hat es, er will es; da er damit etwas nimmt, steht er in der Pflicht eine Gegenleistung zu erbringen – für die Frau eine sehr profitable Perspektive auf Sex, und verdammt nah dran an Sexarbeit. Erschreckend viele Männer teilen die Haltung, dass es keinen Unterschied mache, ob man zu einer Professionellen gehe oder doch Sex in einer Beziehung hätte – zahlen müsse man so oder so…

Es werden im unterschiedlichem Grade weltweit Maßnahmen getroffen, um „billige Konkurrenz“ auszuschalten. Das bedeutet nicht nur, dass Frauen andere Frauen, die „günstig zu haben“ sind, als „Schlampen“ niedermachen, auch werden Alternativen verboten oder schlechtgeredet. So ist in vielen Ländern Prostitution illegal und häufig auch Pornografie.

Ein weiteres Mittel zur Kontrolle der männlichen Sexualität ist die Beschneidung. Beschneidung ist eine der häufigsten Operationen in den USA – 81% aller Männer zwischen 15 und 59 Jahren sind beschnitten – nicht aus religiösen Gründen, sondern um Jungen Autosexualität und damit Erleichterung zu verunmöglichen. Crumar schreibt:

Die eigentliche Funktion der Beschneidung war die Be- und Verhinderung masturbatorischer Praktiken, also die sprichwörtliche „control over one’s own sex drive“.
Dabei galt und gilt es zu verhindern, dass eine männliche Autonomie der Lustbefriedigung existiert; auf die Frau zu verzichten soll per körperlicher Zurichtung bestenfalls unmöglich werden.

Parallel wird eine Propaganda verbreitet, nach der Onanieren üble Folgen wie z.B. Schwachsinn hätte – über den „Dorftrottel“ heißt es, dass er es sich selbst mache und dient damit als abschreckendes Beispiel.

Zusätzlich wird kommuniziert, Sex sei etwas, das „Männer Frauen antun“. Damit gerät der Mann erst Recht in die Pflicht, es wieder „gutzumachen“ – zum Beispiel dadurch, dass er sein ganzes Leben lang für sie arbeitet.

Einem Mann also, der auf Sex nicht verzichten möchte oder kann, und dem alle Alternativen – Onanieren, Prostitution – genommen wurden, bleibt nur noch, eine Beziehung zu einer Frau einzugehen – und das heißt dann meistens, dass er für sie arbeitet, ihr Leben unterhält, sein Leben lang. Denn sie kontrolliert entgegen der Propaganda der „Rape-Culture“ das kostbare Gut; mit etwas Glück kann sie so einen finanziell potenten Mann an sich binden, was auf ihrer Seite des Deals ein abgesichertes Leben mit wenig oder gar keiner Erwerbsarbeit bedeutet. Ein alter Freund erklärte mir mal stolz, dass er dahinter gekommen war, wie das mit dem Sex in seiner Beziehung laufe: Seine Freundin verteilte Punkte (nicht allzu offensichtlich) für Wohlverhalten und wenn genug beisammen waren, durfte er ran. Anstatt mit ihr Schluss zu machen nahm er das als Ansporn, eben dieses Wohlverhalten an den Tag zu legen (das war vor Pick-Up).

Solches Regulieren des Sexes zum Manipulieren mit Sex vergiftet die ganze Beziehung. Ein Mittel dieser Manipulation ist die Romantik. Entgegen feministischer Rhetorik, wonach romantische Liebe eine Idealisierung und Verdrängung der Frau von Vergewaltigung – „was Männer Frauen antun“ – sei, dient sie der Manipulation des Mannes. Um das nicht zu missverstehen: Sex mit Liebe ist eines der schönsten Dinge überhaupt, aber Romantik kann natürlich auch missbraucht werden. Dazu ein Gegenmodell:

Ein anderes vielbeachtetes Vertragskonzept legte die amerikanische Zeitschrift »Couple« vor, ein Magazin für verheiratete und unverheiratete Paare. In diesem »Quickie-Kontrakt« versprechen sich die Partner gegenseitig bei Bedarf eine schnelle Nummer, wenn es sein muss auch im Taxi oder auf der Straße oder wenn einer der Partner gerade keine Lust hat. Alle Paare, die sich darauf einließen, berichteten über eine gewaltige Verbesserung ihrer erotischen Lebensqualität (213,122). Seinem Partner zuliebe die eigene Unlust zu überwinden ist natürlich genau das, was viele Feministinnen als »Vergewaltigung« bezeichnen.

Soweit ich das mitbekomme, wird das auch in schwulen Beziehungen so gelebt. Schwule neigen nicht dazu, Sex künstlich zu verknappen um damit Beziehungsmacht auszuleben.

Dies kann auch zum Vorteil der Frau sein. Auch Frauen wünschen und sehnen sich nach Sex, was in unserer Gesellschaft zugunsten der Er-nimmt-sie-gibt-Sichtweise aber kaum kommuniziert wird. Schon Esther Vilar merkte im Streitgespräch mit der Lesbe Alice Schwarzer an, dass einer Frau, die Spaß am Sex hat, zweimal die Woche doch viel zu wenig sei, ein Aufkommen, welches für Schwarzer aber einfach nur „sexuelle Ausbeutung“ war. Die Frau muss nicht die Frigide spielen.

Entgegen der feministischen Theorie kontrollieren also Frauen die Ressource Sex und üben so Macht aus, Esther Vilar: Das kältere Geschlecht hat die Macht.

5 Gedanken zu „Sex als künstlich verknappte Ressource

  1. yvonne52

    Das ist doch viel zu simpel. Frauen wissen genau, dass sie u.U. schwanger werden könnten und was dies dann für sie (allein) bedeutet. Ergo. Sie tragen viel das grössere Risiko. Zudem können nur Frauen „ihren Ruf“ verlieren und gelten dann als Nutten und Schlampen. Männer hingegen sind dann die tollen Hirsche. Es ist die alte verdammte Doppelmoral und die alte verdammte Frauenverachtung und Verachtung für weibliche Sexualität, was Frauen zurückhalten macht. Ausserdem sind leider nur wenige Männer wirklich gute Liebhaber und nicht einfach unsensible Rammelböcke. Also. Was will dieser Artikel eigentlich sagen. Ja, für Männer gestaltet sich Sex bedeutend einfacher als für Frauen. Deshalb….. siehe Artikel? Alles klar? Was auch nie zur Sprache kommt, ist die totale Selbstüberschätzung des Mannes, wenn es um sexuelle Fertigkeiten geht. Es gibt j kaum etwas egoistischeres, als ein Mann, der unter sexuellem Druck steht. Klar wollen Frauen da nicht als „Sperma-Toilette“ fungieren.

    Antwort
    1. Billy Coen

      Oh je, einleiten mit den Worten „das ist doch viel zu simpel“ und dann ein solcher Kommentar hinten dran…

      Frauen und weibliche Sexualität wird verachtet? Wo??? In welchem Paralleluniversum??? Geht es medial beim Thema Sexualität nicht immerzu nur und ausschließlich um weibliche Lust, weibliche Stimuli, weibliche Orgasmen? Und wenn es mal um männliche Sexualität geht, wird diese beständig pathologisiert. Das ist das Umfeld, in dem die Männer und Jungen, die in deinem Kommentar so wunderbar herabgewürdigt werden, heranwachsen und leben. Sie sind sowieso immer irgendwie falsch, haben gefälligst darauf zu achten, was Frauen gefällt und ist das, was sie tun, nicht das, was der Frau gefällt, wird genau die Gülle über ihnen ausgekübelt, die auch deinen Kommentar prägt.

      Wie oft lassen sich Frauen in ihren Tratschrunden, welche sie gerne auch mal medial über den Äther schicken, über die sexuellen Fertigkeiten von Männern aus; eigentlich immer herablassend. Nur zur Info an Gynozentriker: entgegen all der Klischees machen eben Männer so etwas in der Regel nicht mit Frauen. Männer reden nicht so über Frauen, schon gar nicht über Frauen, mit denen sie eine Beziehung haben oder hatten, ganz im Gegensatz zu Frauen und wie sie über – sogar ihre – ihre Männer reden.

      Frauen reden gern und oft in genau der widerlichen Art über Männer und ihr Sexualverhalten, wie du es hier tust und schieben gleichzeitig zum Zwecke der präventiven Selbstlegitimation Männern in die Schuhe, dass sie eben dieses Verhalten zeigen würden.

      Ja ja, die Männer, die sich ja IMMER ALLE selbst überschätzen und denen die Frau völlig egal ist. Das ist so dumm wie es oft erzählt wird und wird mit jedem Mal nur dümmer. Hast du dir schon einmal Gedanken gemacht, wie viel du zum Sex beiträgst, wie du es schaffen könntest, nicht immer alles ihm zu überlassen, nur um dich dann im Nachgang über seine Unfähigkeit auszulassen? Nur mal zur Info: auch wenn dieses Denken weit verbreitet ist, aber auch Frauen machen Sex für Männer nicht nur schon durch ihre bloße Anwesenheit toll. Und ich wage zu behaupten, dass Unkenntnis bezüglich der Vorlieben des anderen Geschlechts bei Frauen um ein Vielfaches weiter verbreitet ist, als bei Männern. Denn an Frauen werden in puncto SEx in unserer ja ach so „Frauen und ihre Sexualität verachtenden“ Gesellschaft so gut wie keine Ansprüche gestellt. War der Sex gut, dann war er es halt, war er schlecht, dann hat der Mann versagt. Ein anderes Narrativ findet sich doch gar nicht. Check einfach mal alleine unsere Mainstreammedien! Und das Ergebnis dieser Dauerbeschallung sind dann eben verkorkste Weltbilder wie deines.

      Und dann noch das Thema Mutterschaft anzuführen, als hätten Männer darin keine Gefahren. Nur mal so für ganz Unaufgeklärte: eine Frau kann sich jederzeit der Mutterschaft entziehen, kann abtreiben oder anonym zur Adoption freigeben. Und bei dieser Entscheidung entscheidet sie immer für den Kindsvater mit. Er hat da keine Chance, keine Stimme. Entscheidet sie sich für das Kind, entscheidet sie für ihn mit, dass er ab sofort für ein Kind bezahlen darf, für das er aber noch nicht einmal irgendwelche Rechte automatisch besitzt, sondern immer im Beisein und mit Zustimmung der Mutter erst einmal amtlich einholen muss. Denn Väter sind unserem frauenverachtenden Patriarchat bekanntlich so lange scheißegal, solange sie brav die Knete liefern.

      Ehrlich, was für ein kontrafaktischer „ach wir armen Frauen“-Jammerkokolores…

      Antwort
      1. uepsilonniks Autor

        Männer reden nicht so über Frauen, schon gar nicht über Frauen, mit denen sie eine Beziehung haben oder hatten, ganz im Gegensatz zu Frauen und wie sie über – sogar ihre – ihre Männer reden.

        Dazu habe ich irgendwo mal was interessantes gelesen: Währen Männer ihre Intimpartnerinnen schützen – auch im Freundeskreis – (was mit meinen persönlichen Erfahrungen übereinstimmt) muss ein Mann damit leben, dass die beste Freundin seiner Frau über alle Details der Beziehung bis ins Sexualleben hinein bestens Bescheid weiß.

        Ja ja, die Männer, die sich ja IMMER ALLE selbst überschätzen und denen die Frau völlig egal ist.

        Dagegen spricht schon der Satz (und alle seine Variationen): „Wie war es?“ / „Wie war ich?“. Dieser Satz fällt offenkundig so häufig, dass er schon ein Klischee ist und Frauen bzw. Feministinnen sich drüber lustig machen. Er zeigt aber gerade, dass dem Kerl das Urteil der Frau eben nicht egal ist. Ein „Ich habe alle meine Orgasmen simuliert“ hat das Potenzial, ihn in Grund und Boden zu zerstören.

        Antwort
  2. Mario

    Du solltest nicht von dir selbst auf andere schließen.
    Ja, auch ich halte Frauen, die ihre Geschlechtspartner (beide Geschlechter) häufiger als die Unterwäsche wechseln für Schlampen. In meinen Augen sind Männer, die mit jeder Frau in die Kiste steigen, aber auch nicht besser. Und ich bin mir sicher, ich bin nicht der einzige Mann, der das so sieht.
    Mag sein, dass das ein Zeichen von einem gewissen Maß an Intelligenz und geistiger Reife ist.

    Was auch nie zur Sprache kommt, ist die totale Selbstüberschätzung des Mannes, wenn es um sexuelle Fertigkeiten geht.

    Das mag sein. Aber du hast es ja quasi selbst in der Hand, dem Mann (non-)verbal mitzuteilen, was du möchstest und was du nicht magst. Ich erwarte von einer Frau, dass sie den Mund auf macht und nicht ständig nur raten lässt, was sie will oder auch nicht will. Gilt übrigens nicht nur für den Sex. Eigenverantwortliches Handeln ist gefragt – und miteinander reden soll bekanntlich helfen. Das sollte kein Problem sein, zumindest einige deiner Geschlechtsgenossinnen können ja sonst auch nicht die Klappe halten.

    Es gibt j kaum etwas egoistischeres, als ein Mann, der unter sexuellem Druck steht.

    Wenn es darum geht, ob die Mehrzahl der Männer tolle Liebhaber oder doch nur unsensible Rammeböcke sind, bin ich raus. Ich habe wohl nicht deinen persönlichen Background, um da über eigene Erfahrungen berichten zu können. ;-)
    Ich bin mir allerdings sehr sicher, dass Männer, die unter sexuellem Druck stehen, so ziemlich alles tun würden, um bei der Frau „zum Schuss“ zu kommen. Sonst wäre es den Frauen ja auch nicht so einfach möglich, Sex als „Waffe“ einzusetzen.
    Insofern ist der Vorwurf des Egoismus wohl relativ.

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      @Mario

      Ja, auch ich halte Frauen, die ihre Geschlechtspartner (beide Geschlechter) häufiger als die Unterwäsche wechseln für Schlampen.

      Ich nicht, Sex ist doch eine schöne Sache, und wenn man auf Verhütung und Gesundheit achtet, gibt es daran nichts auszusetzen (Sexsucht ausgenommen). Damit will ich eine langandauernde, monogame, tragfähige Beziehung nicht abwerten, eine, bei der man mit seinem Partner durch „Dick und Dünn“ gehen kann.

      Antwort

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