Feministische Argumentationsformen: „Die armen Männer dürfen nicht mehr belästigen“

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Lange her und wenn’s doch nur so wäre: Tatsächlich gehen Männer im Berufsleben auf entschiedene Distanz zu ihren Kolleginnen, was ironischerweise den Frauen schadet: Frauen berichten, dass sich eine „Gläserne Wand“ zu männlichen Kollegen aufbaut.

Wenn Männerrechtler darauf zu sprechen kommen, dass ausufernde Definitionen von „sexueller Belästigung“ problematisch seien, dann werden sie gerne verhöhnt nach dem Motto:

„Die armen Männer dürfen nicht mehr belästigen!“

Das heißt, das Verhalten der Männer wird immer als „Belästigung“ definiert; wenn die Frau es so empfindet, dann ist es halt so. Schon Matussek notierte: „Früher konnten Frauen auf einen Annäherungsversuch mit „Ja“ oder „Nein“ reagieren, heutzutage können sie das Schwein zusätzlich der Belästigung bezichtigen“ (sinngemäß). Die feministische Definition von Belästigung lautet: „Belästigung ist das, was die Frau als Belästigung empfindet“. Was die eine Frau als charmanten Witz betrachtet ist für die andere übergriffig. Damit hält die absolute Willkür Einzug und es können demzufolge bereits bloße Blicke als Belästigung definiert werden, und genau das ist es, was Männerrechtler problematisch finden, und das ist noch euphemistisch formuliert, tatsächlich ist es: Der blanke Wahnsinn, der die Geschlechter, welche einander in Liebe zugetan sein sollten, voneinander trennt; eine Atmosphäre des Misstrauens zwischen ihnen schafft – und darunter leiden dann auch Frauen.

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Wie diese Willkür aussieht, wurde in einer sozialpsychologischen Untersuchung ermittelt. In dem Experiment wurden zwei Gruppen von Studentinnen ein Mann mit einer jeweils anderen Hintergrundgeschichte präsentiert. Für die einen als attraktiv für die anderen als unscheinbar. Dann erhielten die Frauen einen Text zu lesen, in welchen der Mann eine Frau, die bereits einen Annäherungsversuch von ihm abgelehnt hatte, zu einem Drink einlud. Ergebnis: Dachten die Frauen, es handele sich um den armen Schlucker, verurteilten sie sein Verhalten sehr viel öfter als „Belästigung“; auch die angeblich feststehende Regel, wonach „Nein immer Nein“ heißt, ist davon abhängig, wie attraktiv ein Mann ist. Mit anderen Worten:

Ob eine Frau die Avancen ihres Kollegen als Belästigung oder als Flirten wahrnimmt, hängt sehr stark davon ab, wie attraktiv sie ihn findet: »Wenn du den Kerl magst und denkst, der ist süß, dann flirtet er … Wenn du ihn nicht magst, belästigt er dich.«

Das ist: Willkür, denn es zeigt, es kommt nicht auf die Handlung an, sondern auf andere Faktoren, die nicht das Geringste darüber aussagen, ob sich der Mann eines Fehlverhalten schuldig gemacht hat oder nicht. Im realen Leben kann dieses „Fehlverhalten“ einem Mann die Karriere oder gar den Job kosten.

Schon sich tief in die Augen zu schauen ist solch ein „Fehlverhalten“. Bei Netflix ist es Angestellten verboten, sich länger als 5 Sekunden anzublicken. Flirten? Zuneigung? Sich verlieben? Verboten! Noch schlimmer ist da natürlich Ausgesprochenes: Man habe Kommentare über körperliche Merkmale zu unterlassen wie manche Frauen, die vorgeben im Namen der Frau zu sprechen, vorschreiben wollen. „Kommentare über das Äußere“ sind aber oft Komplimente, und diese sind – anderen Frauen zufolge – sehr erwünscht. „Liebe Kerle, sagt uns, dass wir schön sind, wir mögen das“ richtet sich etwa Tamara Wernli sinngemäß an die Männer.

Der Mann steht permanent unter Verdacht, wird mit Misstrauen betrachtet und ein Haufen von Reglementierungen ausgesetzt. Egal wie er sitzt (manspreading), guckt, redet (mansplaining) oder atmet, stets sei er aggressiv, dominant gewalttätig. Es ist ein vernichtender Blick auf dem Mann, stets nimmt man das Schlimmste von ihm an. Die Lesbe Norah Vincent, die als Mann verkleidet Frauen anflirtete, berichtet, dass diese „ihm“ immer das schlechteste unterstellten, was bei „ihm“ zu Aggressionen führte. Am Ende ihres Experiments erlitt sie einen Nervenzusammenbruch, so sehr setzte es ihr zu, von der Welt wie ein Mann behandelt zu werden. Es ist ein brutal, man geht nicht wohlwollend mit dem Mann um, dass man einfach mal einräumt: „Er sucht einfach nur was menschliche Nähe, vielleicht ist er einsam, und vielleicht ist er einfach nur ungeschickt mit der ‚Anmache’…“ Eine meine Interviewpartnerinnen fragte in diese Richtung gehend: „Welcher Mann will denn schon belästigen?“ Eben: Er meint es nicht böse, Hoffmann hält fest:

Was die Theorie einer gezielten Schikane im Gegensatz zu einem simplen Missverständnis weiterhin widerlegt, ist das Ergebnis einer Befragung, die zwei feministische Autorinnen unter einhundert Frauen durchführten, die angaben, sexuell belästigt worden zu sein. Dabei kam zutage, dass »die Männer ihr Verhalten sofort änderten und korrigierten, wenn die Frauen unmittelbar darauf hinwiesen, dass sie sich durch bestimmte Verhaltensweisen sexuell belästigt fühlten. Sie entschuldigten sich, und manche schickten der Frau Blumen.«

Aber in unserer „Rape-Culture“ steckt hinter jedem Mann ein Monster, und da immer mehr Menschen aufwachsen, ohne jemals väterliche Liebe erfahren zu haben, fällt es sehr viel leichter, einen feindseligen Blick auf Männer zu pflegen, einen kalten Blick wie ein Entomologe auf eine Fruchtfliege unter seinem Mikroskop, wie es eine Empathin empfiehlt, womit sich dieses Ressentiment noch vertieft.

Zum Schluss: Unter Menschen, die nicht die Mündel des Staates sind, sondern erwachsen, muss aufdringliches Verhalten und auch Belästigung erlaubt sein. Catherine Deneuve und viele weitere Französinnen in einem solchen Apell „Über die Freiheist aufdringlich zu sein“:Wir sind heutzutage ausreichend gut informiert, um einzuräumen, dass sexuelle Triebe von Natur aus offensiv und wild sind, aber wir sind gleichermaßen auch klarsichtig genug, um unbeholfene Anmache von sexueller Aggression zu unterscheiden.“ Denn wenn der Mensch, hier die Frau, als so schwach wahrgenommen wird, dass er mit einer unangenehmen Situation nicht allein umgehen kann, dann fordert das ein totalitäres System heraus, einen Staat, der sich zum „Schutz“ seiner Bürger immer mehr und rigider in das Zusammenleben „seiner“ Bürger einmischt. Das sieht man an den schubweisen Kampagnen gegen „Hate-Speech“, mit der Redefreiheit mehr und mehr eingeschränkt wird. Es muss eine anderer Weg gegangen werden: Wenn einer einem dumm kommt, hat man allein damit fertig zu werden, so wie Sophie Thomalla: „Da reicht ein Blick, und das war’s dann!“ Derzeit aber fährt die Gesellschaft mit voller Kraft in die entgegengesetzte Richtung, die Folge all dessen: Die Gesellschaft kühlt ab. Die Menschen sind sich immer weniger nah, haben immer weniger Sex, vereinzeln, vereinsamen. So wirkt sich der Segen des Feminismus‘ aus.

[Nachtrag] Und ach ja: Auch Frauen belästigen.

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Wir sind auf dem Weg.

3 Gedanken zu „Feministische Argumentationsformen: „Die armen Männer dürfen nicht mehr belästigen“

  1. schleifmatt

    Ja, offensichtlich werden auch beide Augen kräftig zugedrückt, wenn es darum geht, zu erkennen, wie sehr man mit dieser ignoranten Haltung den Rechten die Leute zutreibt. Die Ignoranz erkennt man schon glasklar bei dem Gequatsche von der Gleichstellung, das sicher schon millionenfach korrigiert wurde und trotzdem neuerdings ins Grundgesetz fabuliert werden kann, ohne dass es jemand stört…aber ich wollte etwas anderes sagen.
    Dein Verweis auf die rape culture hat mich an ein Argument aus einem anderen Text erinnert, das in etwa lautete, die Hinein-Spinnerei von rape in alles mögliche mit der Aussage, rape sei „normalisiert“, sei deswegen falsch, weil das Gequatsche selbst die Normalisierung verursacht. Kann ja sein, dass sie vielleicht eine Normierung meinten, aber auch der Unterschied wär ja klein😇.
    Ich kann der Argumentation jedenfalls insofern etwas abgewinnen, als dass ich eine größere Verbreitung eines Themas als Normalisierung nachvollziehen kann. Allerdings ist es natürlich nicht verkehrt, gewisse Tabus aus der Versenkung zu holen. Dass heute offener uber Kindesmissbrauch geredet wird bspw find ich schon besser, weil ich vermute, dass es auch hilft und nicht nur Nachahmer fördert…das ist aber etwas anderes als diesen Missbrauch überall und nirgendwo hinein zu interpretieren, alle Gesellschaftsbereiche als damit durchzogen darzustellen und – nicht zu vergessen – Schuldige zu benennen. Denn das wäre eine Normalisierung, auch der Taten…. insofern würde ich nochmal zustimmen.
    Und weil ich gute Argumente gern verbreite und manchmal gute Antworten bekomme, wollte ich das mal hier hinterlassen. Dein Artikel hat mir übrigens auch sehr gut gefallen, falls ich es noch nicht gesagt hab 😌

    Cheers

    Antwort
  2. Sebastian.G

    Danke für den Artikel,

    Traurig das in Deutschland so viele Männer nicht mehr wissen was Mann sein bedeutet. Habe so viele Freunde gutaussehende, studiert und gutes Einkommen die von Frauen durchweg als zu lieb abgestempelt werden. Meine letzte Beziehung hab ich auch in den Sandgesetz weil ich mich im Bett verhalten hab wie kompfgesteuerter Computer, sonst war alles perfekt.

    Nein ich finde unsere Gesellschaft sollte wieder auf die alten Werte zurück kommen. Wo Casanova noch kein Schimpfwort war.

    Antwort

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