Feminstische Argumentationsformen: „Du nimmst nicht am gesellschaftlichen Leben teil!“ oder über die „Hälfte des Himmels“

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Ein häufig genanntes Statement über Hausfrauen ist, sie nähmen nicht Teil. Das ist so dumm, dass ich mich frage, ob Feministinnen nicht einfach nur Agentinnen des Matriarchats sind, die die privilegierte Situation der Frauen aufrecht erhalten wollen. Das deutete bereit Esther Vilar an:

Die langlebigere, entweder gar nicht oder nur zeitweise erwerbstätige und insgesamt trotzdem vermögendere Mehrheit wird einem als Opfer der kurzlebigeren, immer erwerbstätigen und insgesamt trotzdem ärmeren Minderheit präsentiert. Es gibt jedoch wenig Frauen, die über diese Auslegung laut lachen. Die meisten lächeln aus naheliegenden Gründen still in sich hinein.

Das fügt sich nahtlos ein in das Gerede über die „Hälfte des Himmels“, auf welchen Frauen einen Anspruch hätten. Paul Herman-Gruner fragt zurück: „Wie wäre es mit der Hälfte von Kanalarbeit und Müllabfuhr?“

Feminismus war schon immer eine sehr elitäre Angelegenheit; eine Simone de Beauvoir musste eben nicht als Kassiererin arbeiten, sondern ließ sich das Beschäftigen mit ihrem Lieblingsthema vom männlichen Steuerzahler fürstlich entlohnen. Wer davon spricht, sie wolle die Hälfte des Himmels, arbeitet nicht wirklich, sie ist unterwegs in einem „Amüsierberuf“ (Esther Vilar). Hier, zum Beispiel als Professorin oder Redakteurin im vollklimatisierten Büro in Kaffeemaschinenreichweite, verbreitet sie das Märchen vom  Glück der Arbeit – und für sie mag das sogar stimmen.

Eine gut verdienende Hausfrau hat aber alle Möglichkeiten am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, wenn sie denn möchte. Sie kann sich im Elternbeirat einbringen, an der Tafel Lebensmittel verteilen oder sich anders ehrenamtlich betätigen, sich politische engagieren, einem Verein beitreten, Theater, Museen oder Kinos besuchen etc., alles kein Problem. Dass umgekehrt gewöhnliche Arbeit „Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ sei, ist einfach so unglaublich dumm, dass ich mir wirklich wundere, dass sowas verbreitet werden kann. Ich habe mal bei meinem Freitagseinkauf die Kassiererin gefragt, ob sie „Morgen“ – also am Samstag – arbeiten müsse, ihre Antwort: „Ja,  leider“ Eben: Leider! Man freut sich nicht auf die Arbeit sondern auf Wochenende und Urlaub; der Montag ist der unbeliebteste Tag der Woche, da man an ihm eine ganze Woche Arbeit vor sich hat; in Arbeitslagern lässt man Menschen arbeiten, um sie zu bestrafen und derjenige, der nicht arbeitet steht unter Verdacht, er mache es sich in der „sozialen Hängematte“ bequem – Arbeit ist eben kein Vergnügen sondern mit Leid und Mühsal verbunden. Das Märchen vom Glück der Arbeit ist im Feminismus die zugleich dümmste Lüge wie auch die am weitesten verbreitete. All die arbeitenden Menschen würden auf eine solche „Teilhabe am Leben“ sofort verzichten, wenn sie den Lottojackpock knackten. Und was genau ist eigentlich die „Teilhabe“ eines Vollzeit arbeitenden Brummifahrers?

Und selbst wenn die Maloche nicht allzu schlauchend ist: Warum sollte ein Leben unter Chef, Kollegen und Mitarbeiten besser sein als eins in der Familie? Birgit Kelle:

„Warum sollte man sich von den Menschen „befreien“, die einem die liebsten sind, die man umsich haben will, die man lieben und behüten will […] „Befreiung“ mündet in Verlust von Liebe und Beziehung, die bindet sind, einnehmend, fesselnd, verbindend […] „Teilhabe“ beginnt erst, wenn ich mich von meiner Familie verabschiede, mein Kind aus den Händen gebe, in die Erwerbswelt eintauche und den häuslichen Kosmos verlasse. ‚Du bist zuhause? Dann nimmst Du nicht teil!’“

Diese Sicht auf die Arbeit als angebliche „Befreiung“ der Frau, ist – und genau hier sollten Linke aufmerken – zu 100% kompatibel mit der neoliberalen Ideologie und Strategie zur Ausbeutung des „Humankapitals“. Es sollte darum gehen, Männer daraus zu befreien als Frauen unter dasselbe Joch zu pressen.

3 Gedanken zu „Feminstische Argumentationsformen: „Du nimmst nicht am gesellschaftlichen Leben teil!“ oder über die „Hälfte des Himmels“

  1. Gunnar

    „Diese Sicht auf die Arbeit als angebliche „Befreiung“ der Frau, ist – und genau hier sollten Linke aufmerken – zu 100% kompatibel mit der neoliberalen Ideologie und Strategie zur Ausbeutung des „Humankapitals“. “

    Aus diesem Grund wird der Feminismus auch weltweit von Industriellen und Milliardären gefördert.

    Antwort

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