„Der Tod des Märchenprinzen“

„Der Tod des Märchenprinzen“ ist ein feministischer Klassiker – dass ich ihn gelesen habe, ist jetzt schon ein Weilchen her, es könnten sich also Fehler in meine losen Anmerkungen eingeschlichen haben.

Das ganze Drama beginnt mit einer Kontaktanzeige und endet mit mit einer Schmiererei: „Auch hier wohnt ein Frauenfeind.“

Was schon entlarvend unlogisch ist, denn das „Patriarchat“ ist eine allumfassende Gewalt:

2011-10-09

Wenn aber dem so wäre, dann wäre dieser anklagende Ausruf in etwa so sinnvoll wie der Slogan: „Auch hier wohnt ein Nazi“ mitten im tiefsten Hitlerdeutschland; eine Anklage, die nicht nur keinen interessieren, sondern umgekehrt vielleicht sogar noch zu Anerkennung führen würde, und die zudem jenen, der sich so gegen Patriarchat / Hitlerdeutschland positioniert, in Gefahr bringen würde.

Worum geht’s? Eine junge Feministin – Svende -, privilegierte Studentin der Literaturwissenschaften, kann einfach keinen Freund finden, der ihren Ansprüchen genügt. Also gibt sie eine Kontaktanzeige auf. Sie wolle keinen Macker, sondern einen neuen, feministischen Mann, der auch seine Gefühle zeigen kann:

linke frau, 24, möchte gerne unmännliche männer, gerne jünger, kennlernen. chiffre 9003.

Der Märchenprinz, Arne – nein, nicht der hier – versteht, was sie damit meint: Sie will einen Mann, der sie nicht unterdrückt; sie und andere Frauen auch nicht.

Er antwortet und das führt zu einer intensiven, kurzen, tragischen Beziehung, in welcher sie sich unrettbar verliebt, er aber souverän bleibt. Ihre Liebe führt zu Liebeskummer, der in Hass umschlägt: Sie verabschiedet sich final von ihm, indem sie ihn anspuckt, denn letztlich ist er doch, so ihre Überzeugung, nur ein Chauvinist.

Sie schreibt all ihre Erfahrungen und Gedanken zu der tragischen Love Story nieder, merkt am Ende noch an, dass es ein schlechtes Buch sei, bricht aber dennoch damit durch die Decke: Ihre Anklage gegen Arne im Besonderen und dem „Patriarchat“ im Allgemeinen wird zu einem Klassiker der Frauenbewegung. Das Schriftstück offenbart also die ganze um den eigenen Bauchnabel kreisende, aggressiv Ansprüche stellende Selbstverliebtheit kleiner Mädchen, die mit dem Fuß aufstampfen und „ICH WILL“ tönen – Feminismus halt.

Kurz erwähnt sie hier ihre Erörterungen zum Thema Sex. Arne ist ein guter Liebhaber. Svende beschäftigt sich hierzu auch mit der Lesbofeministin Alice Schwarzer, die aggressiv postuliert, dass Frauen nicht zu einem vaginalen Orgasmus fähig seien, weshalb man auf die verhasste „Penetration“, welche nur ein Akt männlicher Macht und weiblicher Unterwerfung sei, zu verzichten habe. Der Begriff „Penetration“ stammt übrigens aus dem Militärjargon und bezeichnet jenen Vorgang, bei dem ein Geschoss die Panzerung eines zu vernichtenden Feindobjekts durchschlägt – Feministen führten ihn als Bezeichnung für den Liebesakt ein. „Penetration“ also nur noch, wenn man Kinder zeugen wolle. Katharina Rutschky merkt dazu spitzzüngig an, dass man in Zeiten von künstlicher Befruchtung gänzlich auf „Penetration“ verzichten könne – eine Welt ohne Eindringen, das feministische Paradies. Jedenfalls widerspricht Svende der Schwarzer nachdrücklich: Und ob sie vaginale Orgasmen haben könne, und was für welche.

Vor dem letzten Absatz möchte ich noch kurz auf feministischen Humor eingehen: Den gibt es nicht. Dazu gibt es einen Witz, der geht so:

„Wieviele Frauen braucht man, um eine Glühbirne einzudrehen?“

Antwort: „Eine“ – (aggressives Brüllen) „UND DAS IST NICHT WITZIG!“

Der leidenschaftlich zuerst Geliebte und dann Gehasste antwortete mit „Ich war der Märchenprinz“, worin er etwas unter Beweis stellt, was Feministen völlig unbekannt ist: Nämlich einen feinen Sinn für Humor und Selbstironie.

7 Gedanken zu „„Der Tod des Märchenprinzen“

        1. carnofis

          „Jaja, wie den Schraubenzieher, mit dem man Schrauben dreht und nicht zieht.“

          Korinthenkackerei.
          Ich dreh ja nicht die Schrauben als Selbstzweck, sondern ich drehe sie heraus, oder hinein.

          Es müsste also – wollte man wirklich ganz korrekt sein – Schraubenausundreindreher heißen.
          Der „Schraubendreher“ ist auch so eine überflüssige Wortkonstruktion, die sich wahrscheinlich jemand ausgedacht hat, der den ganzen Tag nichts anderes macht, als die Menschheit mit neuen Wortkreationen zu beglücken – aber noch nie eine Schraube raus- oder reingedreht hat.

          Ich habe mal ein paar Jahre in der Behörde gearbeitet. Dort treiben sich viele dieser „Kreativen“ herum.
          Eines Tages regte ich mal an, an einer neuralgischen Stelle, wo viele Schulkinder die Hauptstraße wechseln mussten, eine Bedarfsampel aufzustellen.
          „Anforderungslichtzeichenanlage!“ korrigierte er mich.
          Wie viele Bürger wohl wissen, was eine Bedarfsampel ist und wie viele kennen eine Anforderungslichtzeichenanlage? ;)

          Vor gut 120 Jahren gab es mal einen intelligenten Menschen, der die preußische Post reformierte. Er gehört zu den ganz seltenen Erfolgreichen, denen es gelang, ein ganzes Labyrinth von „Amtssprech“ einzureißen und in verständliches Deutsch zu vereinfachen.
          Gab es zuvor Dutzende Bezeichnungen für einen zu versendenden Gegenstand, gab es danach nur noch den Brief, das Päckchen und das Paket. So kannte ich es auch noch in meiner Kindheit.
          In den letzten dreißig Jahren beobachten wir aber wieder die erfolgreiche Wühlarbeit der nutzlosen „Kreativen“. Heute muss man sich erst mit Lineal, Waage und Internet bewaffnen, um ermitteln zu können, was man da vor sich liegen hat. Heute gibt es allein vier verschieden Briefarten.

          Belassen wir es also beim Schraubenzieher, es tut niemandem weh und jeder weiß, was das ist :)

          Antwort
  1. eckitake5

    Die Autorin Sabine Marien meinte später, sie sei eine Schriftstellerin, ist aber am Leben gescheitert und arm und einsam und krank geworden. Da stand mal eine Geschichte über sie in der FAZ, die ich aber nicht mehr finden kann. Ich weiß gar nicht, ob sie noch lebt. Es reicht nicht mal für einen Wikipedia-Eintrag.

    Antwort
  2. eckitake5

    Und das Kontra-Buch „Ich war der Märchenprinz“ ist nicht von Arne geschrieben worden. Vielleicht von Henning Venske. Man weiß es nicht.

    Antwort

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