Frauenwahlrecht der gut situierten Frauen

Billy Coen:

Das ist ja auch alles kein Zufall. Der Feminismus hat seine Wurzeln in einer Bewegung, die auch ausschließlich von Frauen aus gut situierten Haushalten betrieben wurde. Nur die Frau aus gutbürgerlichem Hause konnte in ihrem Alltag eine „Ungerechtigkeit“ im Vergleich zu ihrem Mann darin entdecken, dass der Wählen gehen durfte. Die Unmengen an Frauen aus der Arbeiterklasse fanden diese Ungerechtigkeiten nicht, weil ihre Männer in weiten Teile der „demokratischen“ Welt ebenso wenig Rechte hatten, sich an dieser „demokratischen“ Welt zu beteiligen. Ich meine Gunnar hatte in einem seiner Artikel mal aufgetan, dass, als Mrs. Pankhurst begann, auf ein Wahlrecht nicht für Frauen sondern sehr wohl explizit für Frauen ihres eigenen Standes zu drängen (was, oh Wunder, in der heutigen, feministisch geklitterten Geschichtsschreibung merkwürdigerweise völlig untergegangen ist), noch ca. 60 % der Männer im Vereinigten Königreich durch allerlei Ausschlussregelungen vom Wahlrecht ferngehalten waren, ohne dass das die Suffragetten auch nur im Geringsten gejuckt hätte. Denn diese Männer waren ihnen, wegen ihrer Ständezugehörigkeit ebenso egal, wie deren Frauen.

Feminismus war und ist ein Spleen gutsituierter, privilegierter Frauen. Das merkt man an der konsequent selektiv betriebenen „Aufdeckung“ weiblicher Nachteile, ohne auch nur im Geringsten zu berücksichtigen, aufgrund welcher Faktoren diese zustande kommen, weniger obwohl sondern eher gerade weil diese nicht selten wiederum weibliche Vorteile darstellen, an denen dann selbstredend niemals gerüttelt werden darf. Und auch die Themen im Allgemeinen legen das nahe. So wenig, wie es die Arbeiterfrauen gejuckt hat, dass sie nicht wählen konnten, so weit sind auch heutzutage feministische Themen von den tatsächlichen Lebenswirklichkeiten der Frauen aus den gesellschaftlichen Schichten unterhalb derer, denen Feministinnen zugehörig sind, entfernt.

Umso skurriler und vor allem tragischer, dass sich im linken Lager die Überzeugung breit machen konnte, in dieser Ideologie eine Schwester im Geiste gefunden zu haben, so dass feministische Thesen geradezu dogmatische Glaubensinhalte aller sich links verstehenden Parteien sowie auch Medien geworden sind.

Dass die permanente Entfernung linker Parteien, allen voran die SPD, von ihrem eigentlich originären Klientel, die bisweilen regelrechte Abscheu, welche man diesem stattdessen nunmehr entgegenbringt, weil es sich doch so sehr der progressiven Erleuchtung verweigert, zeitlich mit der Intensität feministischer Infektion korreliert, ist für mich definitiv KEIN Zufall.

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