Wie die Zwangssexualisierung der Sprache die Funktion geschlechtlicher Irrelevanz abschafft

anleitung

„Die Erpressung unserer Studenten ist Realität. Eine krude Ideologie schränkt die Freiheit der Wissenschaft ein. Es reicht nicht mehr, korrekt Deutsch zu schreiben. Man muss nun auch politisch auf Linie sein. Sonst droht Punktabzug.“ (Anonym)

Der Satz: „99 Sängerinnen und ein Sänger sind 100 Sänger“ wird von linguistischen Dilettanten als Beispiel dafür angeführt, dass die deutsche Sprache Frauen benachteilige – wobei ihnen ein Schnitzer unterlaufen ist, denn hier wird fälschlicherweise zugrundegelegt, dass „Sänger“ allein Männer meine – dass also der Satz vom Sinngehalt lautete: „99 Sängerinnen und ein Sänger sind 100 männliche Sänger“.

(Wie es zu dem Irrtum kam, das generische „Maskulinum“ grenze Frauen aus, habe ich hier erläutert. Kurz: Man nehme an, es gäbe keine exklusive-weiblich Sprachform (-in, -innen). Dann würde es heißen: „Die Student“, „der weibliche Student“, das heißt, das Wörtchen „Student“ wäre nicht in Verdacht geraten, allein einen Mann zu meinen)

Wenn man also ausdrücken will, dass man tatsächlich Männer meint, muss man das Adjektiv „männlich“ bemühen, ansonsten ist nur eine Funktion gemeint, in der das Geschlecht nicht die geringste Rolle spielt. In „Die Sänger unterhielten das Publikum“ spielt allein die Funktion als Sänger eine Rolle, das Geschlecht, wie andere Eigenschaften, die Menschen anhaften, sind hier schlicht irrelevant. Wenn dir jemand damit kommt, das generische Maskulinum betone Männer und grenze Frauen aus, sag ihm, dass in solchen Fällen das Geschlecht genauso wenig gemeint ist wie Alter, gesundheitlicher Zustand, Gewicht, sozialer Hintergrund, Hautfarbe etc…

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Was meint sie jetzt? Dass es keine weiblichen Hasser und Hetzer gibt, oder verwendet sie etwa das generische Maskulinum? Und: „Teamleitung“ und „Teamleiter“ sind nicht dasselbe.

Das heißt, erst, wenn ich das Geschlecht explizit thematisieren will, zum Beispiel weil ich ausdrücken will, dass Sängerinnen seltener die geeignete Stimme für Gangsta-Rap mitbringen, erst dann macht es Sinn, sich geschlechtlich auszudrücken. Gender-Sprech bedeutet, dass das Geschlecht überall erzwungen wird, auch in solchen Kontexten, in welchen das Geschlecht keinerlei Relevanz hat. Es ist eine Plage. Es verstümmelt die deutsche Sprache, denn es nimmt ihr die Möglichkeit, Funktionen, Berufe unabhängig vom Geschlecht zu benennen. Eine elegante Ausdrucksform, wie sie sich zum Beispiel in dem Satz „Frauen sind die besseren Autofahrer“ findet, verschwindet. Die sogenannte „geschlechterneutrale“ Sprache ist also gar nicht geschlechterneutral, sie führt das Geschlecht überall ein; tatsächlich geschlechterneutral ist das generische Maskulinum, da dieses eben kein Geschlecht meint – übrigens war die Benennung dieser Wortform als „Maskulinum“ ein Irrtum.

Erstaunlich offen geben Anhänger von Gendersprech zu, dass es ihnen darum geht, das richtige Denken zu erzwingen. Feminismus will bis in die Köpfe der Menschen hineinregieren. Wie in jedem totalitären System ist die „Politik“ überall präsent, platzt überall rein, raubt Achtsamkeit, forciert gewaltsam ihren Willen und nötigt einen damit, den Kotau vor ihr zu machen. Das geht inzwischen soweit, dass Studenten, die ihre Arbeiten in korrektem Deutsch schreiben, schlechter benotet werden. Man wird also genötigt, das richtige Neusprech anzuwenden. Wer sich dem verweigert, gibt zu erkennen, dass er sich den totalitären, ideologischen Vorgaben nicht unterordnen will, was mit handfesten Nachteilen verbunden ist: Sprache wird zum Ausweis der richtigen Gesinnung, und die politisch korrekte Gesinnung wird zunehmend wichtiger als die Kompetenz in einer Disziplin:

Waren die übrigen Bewerber die besten Wissenschaftler auf ihrem Gebiet? Anscheinend spielt das keine Rolle. Entscheidend ist, wie gut sie in der Lage sind, „Unterschiede und Verbindungen zwischen Vielfalt, Gleichheit und Integration“ während ihrer Bewerbungsgespräche zu erörtern, wie es in der Diversity Guidance der Universität von Kalifornien heißt. Die abgelehnten Bewerber zeigten ein unzureichendes Wissen über die „Dimensionen der Vielfalt, die sich aus unterschiedlichen Identitäten, insbesondere unterrepräsentierten Minderheiten ergeben“. Vielleicht waren einige so kühn, dass sie vorschlugen, dass Rassen- und Geschlechtersquoten bei MINT-Einstellungen im Widerspruch zum Forschungsauftrag der Universität stehen.

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2 Gedanken zu „Wie die Zwangssexualisierung der Sprache die Funktion geschlechtlicher Irrelevanz abschafft

  1. jalavarietas

    Mich nervt diese Genderquatschsprache auch enorm. Ich nutze das nicht, weil es falsch ist und die deutsche Sprache zerstört. Aber es kommt schon vor, dass ich darauf angesprochen werde. Erst letztens habe ich erzählt, dass ich eine Ausbildung zum Tischler gemacht habe und wurde gefragt, warum ich denn von mir selbst in der männlichen Person rede. Dabei ist Tischler für mich einfach die korrekte Berufsbezeichnung.

    Antwort
  2. beweis

    Ein Radfahrer ist eben kein Radfahrender. Er fährt zwar oft mit dem Fahrrad, im Moment liegt er aber vor dem Fernseher. Er ist also ein Fernsehender. Ein Mörder ist auch kein Mordender, sondern er hat mal gemordet und dadurch diesen Titel erlangt. Wie hier ja plakativ dargestellt, werden negativ besetzte Begriffe ohnehin sehr selten gegendert.

    Es würde mich schon interessieren, ob Studententexte auch abgewertet werden, wenn die Autoren bei schlimmen Begriffen wie „Täter“, Hetzer“, Hasser“, Mörder““ auf die Gendergerechtigkeit verzichten. Das würde wiederum beweisen, dass es eigentlich nicht um „Gerechtigkeit“ geht.

    Antwort

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