Pjotr zu Sozialdarwinismus

Pjotr:

Zusammengefasst besagt die hier vorgestellte Theorie, dass;
– eine Degeneration stattfindet, weil die natürliche Selektion weitgehend ausgeschaltet wird
– andrerseits sich vor allem ärmere Menschen fortpflanzen, die, so die unausgesprochene Behauptung, dümmer sind, denn sonst wären sie ja nicht arm

Man nennt es Sozialdarwinismus. Es ist die Strategie der Libertaristen, soziale Ungleichheit als natürlich und damit als unausweichlich und in diesem Sinn gerecht zu behaupten, weil „natürlich“, was auch immer das heissen mag, gut ist.

Diese Auffassung hat mehr als eine Haken. Wie ist es zu erklären, dass vor kurzer Zeit noch sehr arme Gesellschaften, ich denke da an Südostasien, China etc.enorme ökonomische Entwicklungen und ökonomische Fortschritte hingelegt haben und nicht mehr als arm gelten können? Sind die plötzlich intelligenter geworden oder haben sich die politisch-gesellschaftlichen Bedingungen derart geändert, so dass sie ihr (ökonomisches) Potential besser verwirklichen können? Die Antwort ist klar: Mit Biologie hat das rein gar nichts zu tun. Die Asiaten waren auch nicht dumm, als sie noch arm und ökonomisch unterentwickelt waren.

Wo ist sie denn zu sehen, diese Degeneration? Extrapolationen in die ferne Zukunft, ausgehend von „die Dummen, sprich die Armen vermehren sich wie die Karnickel und produzieren noch mehr Dumme“ kann nicht überzeugen. Armut ist kein genetischer Defekt.

Es ist der Glaube, dass die sogenannte und behauptet Meritokratie jedem seinen gerechten Anteil gibt, grad so wie Jesus annodunnemals, doch dann kommen die bösen Linken und verteilen um, und so kam die Ungerechtigkeit in die Welt. Dass in einer fein ausdifferenzierten arbeitsteiligen Welt der Beitrag des Einzelnen an der Produktivität keineswegs so klar und einfach zu ermitteln ist, das ist Libertären, die stark im Glauben verharren, kaum zu vermitteln. Am Ende aller Diskussion steht dann regelmässig die Tautologie, dass der Preis den Wert bestimmt, dass es keinen Unterschied zwischen Preis und Wert gibt. Bevor umverteilt wird, muss erstmal verteilt werden.

Die Gründe für die niedrigen Geburtenraten in der westlichen Welt sind vor allem materieller Natur. Kinder kosten viel Geld, viele Kinder kosten viel mehr Geld. Zwar wird der finanzielle Nachteil zum Teil ausgeglichen, aber eben nur zum Teil. Niemand ist gerne arm. Ausserdem schränken sie ein, was die Karriereplanung anbelangt.

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